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Neues Testament

Markus Kapitel 12

Das Neue Testament (Jettel) · Mai 2026

1Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu sagen1: „Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, setzte einen Zaun herum, grub einen Keltertrog und baute einen Turm. Und er verpachtete ihn an [Wein]­bauern und reiste aus.
2Und zum [bestimmten] Zeitpunkt sandte er zu den [Wein]­bauern einen Sklaven, damit er von den [Wein]­bauern empfange von der Frucht des Weinbergs.
3Aber sie nahmen ihn, schlugen ihn und sandten ihn leer fort.
4Und wieder sandte er hin zu ihnen, einen anderen Sklaven. Und den bewarfen sie mit Steinen und verwundeten ihn dabei am Kopf. Und sie sandten ihn verunehrt ‹und verächtlich behandelt› fort.
5Und wieder sandte er einen anderen, auch jenen töteten sie. Und viele andere: Die einen schlugen sie, die anderen töteten sie.
6Nun hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn. Als Letzten sandte er auch ihn zu ihnen, da er [sich] sagte: ‘Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen!’
7Aber jene [Wein]­bauern sagten zu einander: ‘Dieser ist der Erbe. Auf, kommt!, wir wollen ihn töten!, und das Erbe wird unser sein.’
8Und sie nahmen ihn, töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus.
9Was wird also der Herr des Weinberges tun?“ „Er wird kommen und die [Wein]­bauern umbringen und wird den Weinberg anderen geben.“
10 „Habt ihr nicht gelesen diese Schrift?: ‘Der Stein, den die Bauenden verwarfen2, dieser wurde zu[m] Haupt-Eckstein3.
11 Vom Herrn her wurde er dieses, und es ist staunenswert in unseren Augen.’“ (Ps 118,22.23)
12 Und sie suchten ihn zu greifen. Und sie gerieten in Furcht vor der Menge, denn sie hatten [er]­kannt, dass er das Gleichnis auf sie hin gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen weg.
13 Und sie senden einige der Pharisäer und der Herodianer hin zu ihm, damit sie ihn bei einem Wort fangen [könnten].
14 Sie kommen nun und sagen zu ihm: „Lehrer, wir wissen, dass du wahrhaftig bist, und [dass] es dich nicht kümmert, [was andere denken], denn du siehst nicht auf [das] Angesicht von Menschen, sondern lehrst in Wahrheit den Weg Gottes. Ist es gestattet, einem Kaiser Kopfsteuer zu geben, oder nicht?
15 Sollen wir geben oder nicht geben?“ Er nun, wissend um ihre Heuchelei, sagte zu ihnen: „Was versucht ihr mich ‹, was stellt ihr mich auf die Probe›? Bringt mir einen Denar, damit ich [ihn] sehe.“
16 Sie brachten [einen]. Und er sagt zu ihnen: „Wessen [ist] dieses Bild und die Aufschrift?“ Sie sagten ihm: „[Des] Kaisers.“
17 Und Jesus antwortete ihnen: „Gebt [dem] Kaiser ab, was [des] Kaisers [ist], und Gott, was Gottes [ist] ‹eig.: erstattet [dem] Kaiser die [Dinge] des Kaisers und Gott die [Dinge] Gottes›.“ Und sie verwunderten sich über ihn.
18 Und es kommen Sadduzäer hin zu ihm; die sagen, es gebe keine Auferstehung. Und sie befragten ihn. Sie sagten:
19 „Lehrer, Mose schrieb uns, dass, wenn jemandes Bruder stirbt und eine Frau zurücklässt und keine Kinder hinterlässt, dass sein Bruder dessen Frau nehmen solle und seinem Bruder Samen heraus-auferstehen lassen solle ‹d. h.: gewissermaßen aus den Toten heraus auferstehen lassen solle›.
20 Es waren sieben Brüder. Der erste nahm eine Frau, und als er starb, hinterließ er keinen Samen.
21 Und der zweite nahm sie und starb, und auch er hinterließ keinen Samen und der dritte ebenso.
22 Und es nahmen sie die sieben und hinterließen keinen Samen. Als Letzte von allen starb auch die Frau.
23 In der Auferstehung, wenn sie [dann] auferstanden sein werden, von welchem von ihnen wird sie die Frau sein? Denn die sieben hatten sie zur Frau.“
24 Und Jesus antwortete ihnen: „Irrt ihr nicht deswegen, weil ihr die Schriften nicht [wirklich] kennt, noch die Kraft Gottes?
25 Denn [dann], wenn sie aus [den] Toten auferstanden sein werden, heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Boten ‹, wie Engel›, die in den Himmeln [sind].
26 Was aber die Toten betrifft, dass sie [auf]­erweckt werden: Habt ihr nicht gelesen in der Buchrolle Moses, bei dem Dornstrauch, wie Gott zu ihm sagte: ‘Ich [bin] der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs’? (2Mo 3,6.15)
27 Er ist nicht der Gott von Toten, sondern [ein] Gott von Lebenden. Ihr irrt also vielmals.“
28 Und es trat einer der Schriftgelehrten hinzu, der gehört hatte, wie sie miteinander disputierten, und der wusste, dass er ihnen trefflich geantwortet hatte, und fragte ihn: „Welches Gebot ist [das] erste von allen?“
29 Jesus antwortete ihm: „[Das] erste von allen Geboten [ist]: ‘Höre, Israel! Der Herr, unser Gott, ist ein Herr.4
30 Und lieben sollst du [den] Herrn, deinen Gott, aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Denken und aus deiner ganzen Stärke.’ (5Mo 6,4.5) Dieses ist [das] erste Gebot.
31 Und ein zweites [ist] ihm gleich ‹o.: ähnlich›: ‘Du sollst deinen Nächsten ‹eig.: deinen Nahen› lieben wie dich selbst.’ (3Mo 19,18) Größer als diese ist kein anderes Gebot.“
32 Und der Schriftgelehrte sagte zu ihm: „Trefflich, Lehrer! Nach der Wahrheit sagtest du, dass er einer ist, und es ist kein anderer außer ihm.
33 Und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Stärke und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Opfer.“
34 Als Jesus sah, dass er verständig geantwortet hatte, sagte er zu ihm: „Du bist nicht fern von der Königsherrschaft Gottes ‹, vom Königreich Gottes›.“ Und es wagte niemand, ihn noch [weiter] zu befragen.
35 Und Jesus antwortete, in der Tempelstätte lehrend: „Wieso sagen die Schriftgelehrten, dass der Gesalbte Davids Sohn ist?
36 David selbst sagte nämlich in [dem] Heiligen Geist: ‘Es sagt der Herr zu meinem Herrn5: ‘Setze dich6 zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege ‹o.: [hin]gelegt habe› [zum] Schemel deiner Füße.’ (Ps 110,1)
37 David selbst also nennt ihn ‘Herrn’. Und woher ist er sein Sohn?“ Und die zahlreiche Menge hörte ihn gern.
38 Und in seinem Lehren sagte er zu ihnen: „Seht euch [stets] vor den Schriftgelehrten vor; sie wollen in langen Gewändern wandeln und [wünschen] Begrüßungen auf den Marktplätzen
39 und erste Sitze ‹o.: Ehrenplätze› in den Synagogen und erste Plätze bei den Gastmählern,
40 sie verzehren die Häuser der Witwen und beten zum Vorwand ‹und zum Schein› lange. Sie werden ein schwereres ‹o.: härteres; strengeres; reichlicheres› Gericht empfangen!“
41 Und Jesus setzte sich dem Schatzkasten gegenüber und schaute zu, wie die Menge Kupfer[münzen] ‹o.: Bronze[münzen]› in den Schatzkasten [ein]­warf. Und viele Reiche warfen viel [ein].
42 Und eine kam, eine arme Witwe, und warf zwei Lepta [ein]. – Das ist ein Kodrantes. –7
43 Und er rief seine Jünger herbei, und er sagt zu ihnen: „Wahrlich!, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr [ein]­geworfen als alle, die in den Schatzkasten [ein]­warfen.
44 Alle warfen nämlich von ihrem Überfluss [ein], aber diese warf von ihrem Mangel alles [ein], so viel sie hatte, ihren ganzen Lebens[unterhalt] ‹eig.: ihr ganzes Leben›.“

Fußnoten

  1. 1 12,1 NA: zu reden
  2. 2 12,10 d. h.: nach erfolgter Prüfung ablehnten und für unbrauchbar erklärten
  3. 3 12,10 wörtl.: zu[m] Haupt [der] Ecke; d. h.: zu [dem] den Bau bestimmenden, an der äußeren Ecke liegenden Stein
  4. 4 12,29 NA: Das erste ist (ohne von allen Geboten)
  5. 5 12,36 „der Herr“ entspricht in Ps 110 Jahweh; „meinem Herrn“ entspricht in Ps 110 adoni, nicht: adonai. In der LXX des AT werden beide Wörter mit kyrios übersetzt.
  6. 6 12,36 „Setze dich“; kathēmai bed. meist „sitzen“; in der Koine (im NT) und in frühchristlichen Schriften auch „sich setzen“, vgl. Ps 110,1; jaschab; „sitzen“ o. „sich setzen“; mit der Präposition le: „hin“ o. „zu“
  7. 7 12,42 Lepton: 1/128 einer Drachme, die kleinste heb. Kupfermünze; Kodrantes (lat. quadrans): kleinste röm. Münze, ein Viertel-Ass