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Neues Testament

Johannes Kapitel 19

Das Neue Testament (Jettel) · Mai 2026

1Darauf nun nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln.
2Und die Soldaten flochten von Dornen einen Kranz ‹, eine Krone›, setzten ihm den auf das Haupt und warfen ihm einen Purpurmantel um;
3und sie sagten1: „Freue dich ‹, sei gegrüßt›, König der Juden!“, und gaben ihm Ohrfeigen ‹o.: Schläge›.
4Da ging Pilatus wieder nach draußen. Und er sagt zu ihnen: „Sieh!, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr [er]­kennt, dass ich an ihm keine Ursache ‹für eine Verurteilung› finde.“
5Da kam Jesus, den Dornenkranz ‹, die Dornenkrone,› und den Purpurmantel tragend, nach draußen. Und er sagt zu ihnen: „Sieh! Der Mensch!“
6Als ihn die Hohenpriester und die Gerichtsdiener sahen, da schrien sie: „Kreuzige!, kreuzige ihn!“ Pilatus sagt zu ihnen: „Nehmt ihr ihn hin und kreuzigt ihn!, denn ich [meinerseits] finde keine Ursache an ihm.“
7Die Juden antworteten ihm: „Wir haben ein Gesetz, und nach unserem2 Gesetz muss er sterben, weil er sich selbst zu Gottes Sohn ‹o.: zu einem Sohn Gottes›3 machte.“
8Als Pilatus dieses Wort hörte, geriet er noch mehr in Furcht
9und ging wieder in das Prätorium hinein. Und er sagt zu Jesus: „Woher bist du?“ Aber Jesus antwortete ihm nicht.
10 Da sagt Pilatus zu ihm: „Mit mir redest du nicht? Weißt du nicht, dass ich Autorität habe, dich kreuzigen zu lassen, und Autorität habe, dich freizulassen?“
11 Jesus antwortete: „Du hättest keine Autorität über mich, wenn sie dir nicht von oben herab gegeben worden wäre. Deswegen hat der mich dir Ausliefernde4 größere Sünde.“
12 Aus diesem [Anlass] suchte Pilatus, ihn freizugeben. Aber die Juden schrien [herum]5; sie sagten: „Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers. Jeder, der sich zu[m] König macht, steht im Widerspruch zum Kaiser.“
13 Als Pilatus nun dieses Wort hörte, führte er Jesus nach draußen. Und er setzte sich auf den Richterstuhl, auf einen Platz, genannt ‘Steinpflaster’, auf Hebräisch ‘Gabbatha’.
14 Es war aber [der] Rüsttag des Passa6, etwa um die sechste Stunde. Und er sagt zu den Juden: „Sieh!, euer König!“
15 Aber sie schrien: „Weg! Weg! Kreuzige ihn!“ Pilatus sagt zu ihnen: „Euren König soll ich kreuzigen?“ Die Hohenpriester antworteten: „Wir haben keinen König als nur [den] Kaiser!“
16 Dann lieferte er ihn also an sie aus, damit er gekreuzigt werde. Sie übernahmen Jesus und führten ihn [ab].7
17 Und sein Kreuz ‹eig.: seinen Pfahl›8 tragend, ging er hinaus an die Stätte, genannt Schädel[stätte], die auf Hebräisch ‘Golgotha’ genannt wird,
18 wo sie ihn kreuzigten und mit ihm zwei andere, auf dieser und auf jener Seite, Jesus aber in der Mitte.
19 Pilatus schrieb auch eine Überschrift und brachte sie am Kreuz an. Es war geschrieben: „Jesus, der Nazarener9, der König der Juden“.
20 Diese Überschrift nun lasen viele von den Juden, weil die Stätte, an der Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt war, und sie war geschrieben auf Hebräisch, Griechisch, Römisch.
21 Da sagten die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: „Schreibe nicht: ‘Der König der Juden’, sondern, dass jener sagte: ‘Ich bin König der Juden.’“
22 Pilatus antwortete: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“
23 Die Soldaten nun, als sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Obergewänder – und sie machten vier Teile, für einen jeden Soldaten einen Teil – und das Unterkleid. Aber das Unterkleid war ungenäht, von oben an ganz durchgewebt.
24 Da sagten sie zu einander: „Lasst uns es nicht zerreißen, sondern lasst uns darum losen, wem es gehören soll.“ – damit die Schrift erfüllt werde, die sagt: „Sie verteilten meine Obergewänder unter sich, und über mein Gewand warfen sie das Los.“ (Ps 22,19) Die Soldaten nun taten [genau] das.
25 Es standen aber neben dem Kreuz Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, des Klopas [Frau], und Maria, die Magdalenerin.
26 Jesus nun, als er die Mutter sah und dabeistehend den Jünger, den er liebte10, da sagt er zu seiner Mutter: „Frau, siehe!: dein Sohn!“
27 Danach sagt er zu dem Jünger: „Siehe: deine Mutter!“ Und von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich ‹eig.: in das Eigene›.
28 Nach diesem, da Jesus sah11: Alles ist bereits erfüllt ‹und vollbracht›, sagt er – damit die Schrift völlig erfüllt ‹, vollständig ausgeführt, zur Vollendung gebracht,› werde: „Mich dürstet!“
29 Es stand da ein Gefäß, voll [mit] saurem Wein. Sie füllten einen Schwamm mit [dem] saurem Wein, steckten ihn auf einen Ysop und brachten ihn an seinen Mund.
30 Als Jesus also den sauren Wein genommen hatte, sagte er: „Vollbracht!“ ‹o.: Zu Ende gebracht!› Und er neigte das Haupt und übergab den Geist.
31 Darauf baten die Juden Pilatus, weil es Rüsttag war, damit nicht die Leiber am Sabbat am Kreuz blieben – denn der Tag jenes Sabbats war groß –, dass ihre Schenkel gebrochen und sie abgenommen würden.
32 Da kamen die Soldaten und brachen die Schenkel des ersten und des anderen, der mit ihm gekreuzigt worden war.
33 Als sie aber auf Jesus zukamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Schenkel nicht,
34 sondern einer von den Soldaten stach mit einer Lanze in seine Seite. Und sogleich kam Blut und Wasser heraus.
35 Und der, der es gesehen hat, bezeugt es, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er Wahres sagt, damit ihr glaubt.
36 Denn das geschah, damit die Schrift erfüllt werde: „Kein Knochen von ihm wird zerbrochen werden.“ (Ps 34,21; 2Mo 12,46)
37 Und wieder sagt eine andere Schrift: „Sie werden auf den sehen, den sie durchstachen.“12 (Sach 12,10)
38 Nach diesem ersuchte Josef von Arimathäa – der ein Jünger Jesu war, ein verborgener aber, aus Furcht vor den Juden – den Pilatus, dass er den Leib Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus gestattete es. So kam er und hob den Leib Jesu13 [herab].
39 Es kam nun auch Nikodemus, der zuerst bei Nacht zu Jesus14 gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, etwa einhundert Pfund15.
40 Sie nahmen nun den Leib Jesu und banden ihn in Leinenbinden mitsamt den wohlriechenden Ölen ‹, aromatischen Essenzen›, so wie es bei den Juden Brauch ist, [zur Bestattung] einzubalsamieren.
41 Es war an der Stätte, wo er gekreuzigt wurde, ein Garten und in dem Garten ein neues Grab, in das noch nie jemand gelegt worden war.
42 Dorthin legten sie also Jesus – wegen des Rüsttages der Juden, da das Grab nahe war.

Fußnoten

  1. 1 19,3 NA: und sie kamen zu ihm und sagten
  2. 2 19,7 NA: nach dem
  3. 3 19,7 im Griech. kein Artikel vor „Sohn“
  4. 4 19,11 Partizip Präsens mit Vergangenheitsbedeutung, wie z. B. in 2Joh 7 – So n. dem Byz. Text; der NA hat ein Partizip Aorist
  5. 5 19,12 Imperfekt durativ o. iterativ: eine Zeitlang o. immer wieder
  6. 6 19,14 d. h.: der Tag der Vorbereitung auf das Passa; der Freitag in der Passawoche („Passa“ kann für die gesamte Woche stehen, s. Apg 12,3.4)
  7. 7 19,16 NA: ohne und führten ihn ab
  8. 8 19,17 NA: Und für sich selbst das Kreuz
  9. 9 19,19 eig.: Nazoräer
  10. 10 19,26 Imperfekt durativ: den er fortwährend liebte; o. intensivierend: den er sehr liebte
  11. 11 19,28 NA (mit wenigen Hss.): wusste
  12. 12 19,37 Joh 19,37 gibt die Formulierung v. Sach 12,10 gemäß der byz. Septuaginta wieder.
  13. 13 19,38 NA: seinen Leib
  14. 14 19,39 NA: zu ihm
  15. 15 19,39 32,7 kg