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Neues Testament

Lukas Kapitel 18

Das Neue Testament (Jettel) · Mai 2026

1Er sagte zu ihnen auch ein Gleichnis bezüglich der Notwendigkeit, allezeit zu beten und nicht müde zu werden ‹o.: nicht mutlos zu werden; o.: nicht nachzulassen›:
2„In einer Stadt war ein Richter, der Gott nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute.
3In jener Stadt nun war eine Witwe, und sie kam [mehrmals] hin zu ihm und sagte: ‘Schaffe mir Recht ‹und Vergeltung› gegenüber meinem Rechtsgegner ‹, meinem Prozessgegner›.’
4Und eine Zeitlang wollte er nicht. Nach diesem aber sagte er bei sich selbst: ‘Wenn ich auch Gott nicht fürchte und mich vor einem Menschen nicht scheue,
5werde ich, weil diese Witwe mir Mühe bereitet, ihr doch Recht ‹und Vergeltung› schaffen, damit sie nicht am Ende komme und mir unter das Auge schlage ‹o.: ins Gesicht fahre›.’“
6Der Herr sagte: „Hört, was der ungerechte Richter1 sagt!
7Sollte Gott aber nicht das Recht seiner Erwählten ausführen ‹o.: Rache verschaffen seinen Erwählten›, die Tag und Nacht zu ihm rufen, und wird er dabei langsam sein in Bezug auf sie ‹o.: und wird er in Bezug auf sie lange hinziehen›?
8Ich sage euch: Er wird ihr Recht in Kürze ‹, in Bälde, unverzüglich,› ausführen. Doch wird dann bei seinem Kommen der Sohn des Menschen den Glauben finden im Lande?“
9Er [richtete sich] aber an einige, die das Vertrauen auf sich selbst gesetzt hatten, dass sie gerecht seien, und die Übrigen verachteten, und sagte dieses Gleichnis:
10 „Zwei Menschen gingen hinauf in die Tempelstätte, um zu beten, der eine ein Pharisäer und der andere ein Zolleinnehmer.
11 Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich selbst dieses: ‘Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zolleinnehmer.
12 Ich faste zweimal die Woche. Ich verzehnte alles, was ich bekomme.’
13 Und der Zolleinnehmer stand von ferne und wollte nicht einmal die Augen zum Himmel aufheben, sondern schlug an seine Brust und sagte: ‘Gott, sei mir, dem Sünder, versöhnend ‹o.: gnädig gestimmt›2!’
14 Ich sage euch: Es ging dieser gerechtgemacht ‹o.: gerechtfertigt› in sein Haus hinab, im Gegensatz zu jenem; da jeder, der sich selbst erhöht, erniedrigt werden wird, aber wer sich selbst erniedrigt, erhöht werden wird.“
15 Sie brachten auch die Säuglinge ‹, Kinder bis zum dritten Lebensjahr,› zu ihm herzu, damit er sie anrühre. Aber als die Jünger es sahen, geboten sie ihnen nachdrücklich.
16 Aber Jesus rief sie herbei und sagte: „Lasst die Kindlein zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solcher ‹, derer, die von solcher Art sind,› ist die Königsherrschaft Gottes.
17 Wahrlich!, ich sage euch: Wer irgend die Königsherrschaft Gottes nicht annimmt wie ein kleines Kind, wird keinesfalls in dieselbe eingehen.“
18 Und es befragte ihn ein gewisser Oberster, sagend: „Guter Lehrer, was soll ich tun, um ewiges3 Leben zu erben?“
19 Jesus aber sagte zu ihm: „Was nennst du mich gut? Keiner [ist] gut als nur einer: Gott.
20 Die Gebote weißt du: Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht Mord begehen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsches Zeugnis geben. Ehre [stets] deinen Vater und deine Mutter.“ (2Mo 20,12 ff.)
21 Er sagte: „Alles dieses habe ich bewahrt ‹und befolgt› von meiner Jugend an.“
22 Als Jesus diese [Worte] hörte, sagte er zu ihm: „Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und verteile [es den] Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und auf!, komm! Folge mir [beständig]4!“
23 Als er das hörte, wurde er tieftraurig, denn er war sehr reich.
24 Als Jesus sah, dass er tieftraurig geworden war,5 sagte er: „Wie schwer werden die, die Reichtümer ‹o.: Güter, Gelder› haben, in die Königsherrschaft Gottes eingehen!
25 Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Öhr einer Nadel eingehe, als dass ein Reicher in die Königsherrschaft Gottes eingehe.“
26 Es sagten aber die, die es hörten: „Und wer vermag es [dann], gerettet zu werden?“
27 Er sagte: „Das Unmögliche bei Menschen ist möglich bei Gott.“
28 Petrus aber sagte: „Siehe!, wir haben alles verlassen und sind dir gefolgt ‹o.: sind in deine Nachfolge getreten›6.“
29 Er sagte zu ihnen: „Wahrlich!, ich sage euch: Es gibt keinen, der Haus oder Eltern oder Brüder oder Frau oder Kinder verließ wegen der Königsherrschaft Gottes,
30 der nicht auf jeden Fall Vielfältiges wiederempfinge in dieser Zeitfrist und in dem kommenden Äon ewiges7 Leben.“
31 Er nahm die Zwölf zu sich und sagte zu ihnen [gewandt]: „Siehe!, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles ausgeführt ‹und vollendet› werden, was durch die Propheten vom Sohn des Menschen geschrieben ist.
32 Er wird nämlich den Völkern ‹o.: denen aus den Völkern› ausgeliefert werden und verspottet und [in übermütiger Weise] misshandelt und angespuckt werden.
33 Und sie werden ihn geißeln und töten. Und am dritten Tag wird er auferstehen.“
34 Und sie verstanden nichts von diesem; und es war dieser Ausspruch vor ihnen verborgen, und sie [er]­kannten das Gesagte nicht.
35 Es geschah nun, während er sich Jericho näherte, [da] saß ein Blinder bettelnd am Weg.
36 Als er eine Menge durchziehen hörte, erkundigte er sich, was das sei.
37 Sie gaben ihm Bericht, dass Jesus, der Nazarener8 vorübergehe.
38 Und er rief: „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
39 Und die Vorangehenden geboten ihm nachdrücklich, dass er schweigen solle. Aber er schrie [mehrmals]9 viel mehr: „Sohn Davids, erbarme dich meiner!“
40 Jesus blieb stehen und befahl, dass er zu ihm geführt werde. Als er nahe gekommen war, befragte er ihn; er sagte:
41 „Was willst du, dass ich für dich tue?“ Er sagte: „Herr, dass ich wieder sehe.“
42 Und Jesus sagte zu ihm: „Werde wieder sehend! Dein Glaube hat dich gerettet10.“
43 Und auf der Stelle sah er wieder. Und er folgte ihm und verherrlichte Gott. Und das ganze Volk, als es das sah, gab Gott Lob.

Fußnoten

  1. 1 18,6 wörtl.: der Richter der Ungerechtigkeit; genitivus qualitatis
  2. 2 18,13 von hilaskomai; nur noch in Hebr 2,17; vgl. hilasteerion Röm 3,25; Hebr 9,5; hilasmos 1Joh 2,2; 4,10
  3. 3 18,18 aioonios; äonisches
  4. 4 18,22 Imperativ Präsens durativ
  5. 5 18,24 NA klammert den sehr gut bezeugten Teil dass er tieftraurig geworden warein, da ihn vereinzelte Hss nicht haben.
  6. 6 18,28 ingressiver Aorist
  7. 7 18,30 aioonios; äonisches
  8. 8 18,37 eig.: Nazoräer
  9. 9 18,39 Imperfekt durativ o. iterativ
  10. 10 18,42 näml. von der Blindheit gerettet