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Neues Testament

Apostelgeschichte Kapitel 22

Das Neue Testament (Jettel) · Mai 2026

1„Männer! Brüder und Väter! Hört jetzt auf meine Verteidigung euch gegenüber!“
2Als sie hörten, dass er sie in der hebräischen Mundart anredete, hielten sie noch mehr Stille. Und er sagt:
3„Ich bin ein jüdischer Mann, geboren in Tarsus in Zilizien, aber aufgezogen in dieser Stadt zu den Füßen Gamaliels, erzogen ‹und ausgebildet› nach der Genauigkeit des väterlichen Gesetzes, war ein Eiferer für Gott – wie ihr alle es heute seid –,
4der [ich] diesen Weg verfolgte bis zu[m] Tod, wobei ich Männer und auch Frauen band und in Gefängnisse überlieferte,
5wie auch der Hohepriester mir bezeugt und die ganze Ältestenschaft, von denen ich auch Briefe an die Brüder empfing und nach Damaskus zog, um auch die, die dort waren, gebunden nach Jerusalem zu führen, damit sie [ihre] Strafe bekämen.
6Es geschah mir nun, als ich hinzog und mich Damaskus näherte, dass um Mittag plötzlich aus dem Himmel ein beträchtlich [großes] Licht mich umstrahlte.
7Und ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, die zu mir sagte: ‘Saul, Saul! Was verfolgst du mich?’
8Ich antwortete: ‘Wer bist du, Herr?’ Er sagte zu mir: ‘Ich bin Jesus, der Nazarener1, den du verfolgst.’
9Die mit mir waren, schauten wohl das Licht und gerieten in Furcht2, aber die Stimme ‹, die Äußerung,› dessen, der mit mir redete, hörten ‹i. S. v.: verstanden›3 sie nicht.
10 Ich sagte: ‘Was soll ich tun, Herr?’ Der Herr sagte zu mir: ‘Stehe auf. Ziehe hin nach Damaskus, und dort wird zu dir gesprochen werden über alles, was dir zu tun aufgetragen ist.’
11 Da ich nun infolge der Herrlichkeit jenes Lichtes nichts sah ‹eig.: erblickte›, wurde ich von denen, die mit mir waren, an der Hand geleitet und kam [so] nach Damaskus.
12 Ein gewisser Ananias, ein gewissenhafter ‹und gottesfürchtiger› Mann nach dem Gesetz, der ein gutes Zeugnis von all den [da] wohnenden Juden hatte,
13 kam zu mir, trat heran und sagte zu mir: ‘Bruder Saul, blicke auf ‹und werde wieder sehend›4!’ Und ich blickte zu derselben Stunde zu ihm auf.
14 Er sagte: ‘Der Gott unserer Väter bestimmte dich, seinen Willen zu [er]­kennen und den Gerechten zu sehen und [die] Stimme aus seinem Munde zu hören ‹o.: zu vernehmen›,
15 da du für ihn ein Zeuge sein sollst5 an alle Menschen über das, was du gesehen und gehört hast.
16 Und jetzt? Was zögerst du? Stehe auf, lass dich taufen und dir deine Sünden abwaschen, angerufen habend ‹o.: anrufend›6 den Namen des Herrn.’7
17 Es geschah mir aber, nachdem ich nach Jerusalem zurückgekehrt war, und während ich in der Tempelstätte am Beten war, dass ich in Verzückung ‹o.: in einen [Zustand des] Außersichseins› geriet
18 und ihn sah, [der] zu mir sagte: ‘Eile und gehe unverzüglich aus Jerusalem hinaus, deshalb, weil sie dein Zeugnis über mich nicht annehmen werden.’
19 Und ich sagte: ‘Herr, ihnen selbst ist bekannt, dass ich es war, [der] die an dich Glaubenden gefangen legte und hin und her in den Synagogen schlug ‹d. h.: schlagen ließ›.
20 Und als das Blut des Stephanus, deines Zeugen, vergossen wurde, stand auch ich selbst dabei und hatte, zusammen mit [den anderen], an seiner Tötung8 Gefallen ‹o.: gab meine Einwilligung zu seiner Tötung› und bewachte die Obergewänder derer, die ihn umbrachten.’
21 Und er sagte zu mir: ‘Gehe hin, da ich dich in die Ferne, zu [den] Völkern ‹, [den] Heiden,› aussenden werde.’“
22 Sie hörten ihm zu bis zu diesem Wort, und sie erhoben ihre Stimme und sagten: „Weg von der Erde mit einem solchen!, denn es gehört sich nicht, dass er lebt.“
23 Als sie nun schrien und die Obergewänder wegschleuderten und Staub in die Luft warfen,
24 befahl der Chiliarch, ihn ins Heerlager ‹, in die Kaserne,› zu führen, und sagte, man solle ihn unter Geißelhieben verhören, damit er erfahre, aus welcher Ursache sie so gegen ihn schrien.
25 Als er ihn mit den Riemen ‹gespannt und› ausgestreckt hatte, [richtete sich] Paulus an den dabeistehenden Zenturio und sagte: „Ist es euch gestattet, einen Menschen, [der] Römer [ist], dazu einen unverurteilten, auszupeitschen?“
26 Als [es] der Zenturio hörte, ging er hin, gab dem Chiliarchen Bericht und sagte: „Was bist du im Begriff, zu tun? Dieser Mensch ist ja Römer!“
27 Der Chiliarch kam herzu und sagte zu ihm: „Sage mir, bist du Römer?“ Er sagte: „Ja.“
28 Und der Chiliarch antwortete: „Ich erwarb dieses Bürgerrecht um eine große Summe.“ Paulus sagte: „ich hingegen bin sogar [so] geboren.“
29 Sofort ließen die, die im Begriff standen ihn [mit Strenge] zu verhören, von ihm ab. Und der Chiliarch geriet in Furcht, als er erfuhr, dass er ein Römer sei und weil er ihn gebunden hatte ‹d. h.: weil er ihn hatte binden lassen›.
30 Am folgenden [Tag] nun, da er Gewisses [darüber] in Erfahrung bringen wollte, wessen er von den Juden angeklagt wurde, löste er ihn von den Fesseln. Und er befahl, dass die Hohenpriester und ihr ganzer Hoher Rat kommen sollten. Und als er Paulus herabgeführt hatte ‹d. h.: hatte herabführen lassen›, stellte er [ihn] vor sie.

Fußnoten

  1. 1 22,8 eig.: Nazoräer
  2. 2 22,9 NA: ohne und gerieten in Furcht
  3. 3 22,9 akouein („hören“) wird auch i. S. v. „verstehen“, „mitbekommen“ gebraucht; sie sahen zwar das Licht, aber die Stimme (den Ausspruch, die Äußerung) Jesu vernahmen sie nicht, d. h., „verstanden sie nicht“; sie hörten zwar die Stimme, doch nur als Geräusch (9,7); was gesagt wurde, bekamen sie nicht mit.
  4. 4 22,13 anaplepson, ingressiver Aorist von anablepoo; wieder sehen (z. B. Mt 11,5; 20,34); aufblicken (z. B. Mt 14,19)
  5. 5 22,15 wörtl.: wirst; modales Futur
  6. 6 22,16 o.: nachdem du (o. sobald du) [für dich] angerufen hast; Aorist Medium Partizip „[für dich] angerufen habend“, epikalesamenos; der Aorist kann gnomisch (als zeitlos geltend) aufzufassen sein: „anrufend; indem du anrufst; und rufe [dabei] an; unter Anrufung“. Die zeitliche Komponente des Partizips tritt in den Hintergrund; es wird nicht eindeutig Vergangenheit oder Gegenwart ausgedrückt.
  7. 7 22,16 NA: seinen Namen.
  8. 8 22,20 NA: ohne an seiner Tötung