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Neues Testament

Apostelgeschichte Kapitel 27

Das Neue Testament (Jettel) · Mai 2026

1Als beschlossen war, dass wir zu Schiff nach Italien abfahren sollten, übergab man Paulus und auch gewisse andere Gefangene einem Zenturio ‹, Hundertschaftsführer,› mit Namen Julius von der Kohorte des Ehrwürdigen ‹d. h.: von der kaiserlichen Kohorte›.
2Wir bestiegen ein adramyttisches Schiff, das die Orte längs Asia anlaufen sollte, und fuhren hinaus. Mit uns war Aristarchus, ein Mazedonier aus Thessalonich.
3Am anderen [Tag] legten wir zu Sidon an. Und Julius, der im Umgang mit Paulus menschenfreundlich war, erlaubte ihm, zu den Freunden zu gehen, um Fürsorge ‹und Pflege› zu erhalten.
4Und von dort abgefahren, fuhren wir unter Zypern hin, weil die Winde entgegen waren.
5Und das Meer längs von Zilizien und Pamphylien durchfahrend, kamen wir hinab nach Myra in Lykien.
6Und dort fand der Zenturio ein alexandrinisches Schiff, das nach Italien segelte, und ließ uns in dasselbe einsteigen.
7Als wir aber beträchtlich [viele] Tage langsam fuhren und [nur] mit Mühe in die Nähe von Knidos gelangten, fuhren wir, da der Wind uns nicht [anlegen] ließ, unter Kreta dahin auf der Höhe von Salmone.
8Mit Mühe daran vorbeisegelnd, kamen wir an einen gewissen Ort, genannt ‘Schöne Häfen’, in dessen Nähe die Stadt Lasäa war.
9Da aber geraume Zeit verstrichen und die Schifffahrt schon unsicher war, weil auch das Fasten1 schon vorüber war, riet Paulus [nachdrücklich]2
10 und sagte zu ihnen: „Männer, ich schaue, dass die Fahrt mit Schimpf ‹und Schmach› und viel Schaden, nicht allein für die Ladung und das Schiff, sondern auch für unsere Seelen, geschehen wird ‹eig.: im Begriff steht zu sein›.
11 Aber der Zenturio vertraute dem Steuermann und dem Schiffseigner mehr als dem, was Paulus sagte.
12 Und weil der Hafen zum Überwintern ungeeignet war, neigten die meisten zu dem Beschluss, von dort auszulaufen, ob sie vielleicht nach Phönix gelangen und überwintern könnten, einem Hafen für Kreta ‹, in Richtung Kreta›, der gegen Südwesten und gegen Nordwesten sieht.
13 Als sich leichter Südwind erhob, meinten sie, ihre Absicht erreicht zu haben, lichteten die Anker und segelten nahe an Kreta entlang.
14 Doch nicht lange danach stürzte von dort ‹, von der Insel, aus Nordost,› ein Sturmwind herab, Euroklydon3 genannt.
15 Da das Schiff mit fortgerissen wurde und gegen den Sturm nicht ankämpfen konnte, gaben wir es auf und ließen uns treiben.
16 Als wir unter einer kleinen Insel, Klauda4 genannt, hinliefen, waren wir [nur] mit Mühe imstande, uns des [Rettungs]­bootes zu bemächtigen.
17 Als man es heraufgezogen hatte, wandten sie Hilfsmaßnahmen an, indem sie das Schiff [mit Tauen] umgürteten. Und da man befürchtete, in die Syrte5 zu geraten, ließ man das Takelwerk ‹o.: die Treibanker; wörtl.: das Gerät› herunter und ließ sich so treiben.
18 Da wir aber vom Sturm sehr bedrängt wurden, machte man am folgenden [Tag] einen Auswurf [von Schiffsladung].
19 Und am dritten Tag warfen wir6 eigenhändig das Schiffsgerät ‹o.: die Rüstung; die Gerätschaft; das Gepäck› fort.
20 Als mehrere Tage [lang] weder Sonne noch Sterne schienen und ein nicht geringer Sturm uns bedrängte, schwand uns [allmählich] jede Hoffnung, gerettet zu werden.
21 Und da viele nicht hatten essen können7, trat Paulus mitten unter sie und sagte: „In der Tat, Männer, man hätte sich mir fügen und nicht von Kreta auslaufen sollen und hätte sich [so] dieses Ungemach und diesen Schaden ersparen [können].
22 Und jetzt rate ich euch [nachdrücklich], getrost zu sein, denn es wird, außer dem [Verlust] des Schiffes, keinerlei Verlust einer Seele unter euch sein.
23 Denn in dieser Nacht trat zu mir ein Bote des Gottes, dessen ich bin, dem ich auch [verehrenden] Dienst erweise,
24 er sagte: ‘Fürchte dich nicht [länger], Paulus. Du musst vor den Kaiser treten, und siehe!, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir [zu Schiff] segeln.’
25 Deshalb seid getrost, Männer, denn ich glaube Gott, dass es so geschehen wird, wie zu mir geredet worden ist.
26 Wir müssen aber auf irgendeine Insel auflaufen.“
27 Als die vierzehnte Nacht kam, seit wir in der Adria umhergetrieben wurden, vermuteten die Schiffsleute um Mitternacht, dass sich ihnen Landgebiet nähere.
28 Und als sie das Senkblei auswarfen, kamen sie auf zwanzig Faden ‹, Klafter›8. Nachdem sie ein wenig weitergefahren waren und das Senkblei wieder auswarfen, kamen sie auf fünfzehn Faden9.
29 Und da sie befürchteten, wir könnten auf felsige Stellen auflaufen, warfen sie vom Hinterdeck vier Anker aus und wünschten, dass es Tag würde.
30 Als aber [welche] von den Schiffsleuten versuchten, aus dem Schiff zu fliehen, und das [Rettungs]­boot ins Meer hinabließen, unter [dem] Vorwand, sie wollten [auch] vom Vorderdeck Anker herausziehen,
31 sagte Paulus zum Zenturio und zu den Soldaten: „Wenn diese nicht im Schiff bleiben, könnt ihr nicht gerettet werden.“
32 Da kappten die Soldaten die Taue des [Rettungs]­bootes und ließen es hinausfallen.
33 Bis es Tag werden wollte, rief Paulus alle [ermunternd] auf, Nahrung zu sich zu nehmen; er sagte: „Heute [ist] der vierzehnte Tag, [dass] ihr zuwartet und ohne Essen [geblieben] seid und nichts zu euch genommen habt.
34 Darum rufe ich euch bittend auf, Speise zu euch zu nehmen, denn das dient zu eurer Rettung; denn keinem von euch wird ein Haar vom Haupt fallen10.“
35 Das gesagt, nahm er Brot, dankte Gott vor allen, brach es und begann zu essen.
36 Guten Mutes geworden, nahmen alle auch selbst Speise zu sich.
37 Wir waren aber insgesamt zweihundertsechsundsiebzig Seelen auf dem Schiff.
38 Nachdem sie sich mit Speise gesättigt hatten, erleichterten sie das Schiff, indem sie das Getreide ins Meer warfen.
39 Als es Tag wurde, erkannten sie11 das Land nicht, sie bemerkten aber eine Bucht, die einen Strand hatte; und sie beschlossen, wenn möglich, das Schiff auflaufen zu lassen.
40 Und sie kappten ringsum die Anker[taue] und ließen sie ins Meer. Zugleich machten sie die Haltetaue der Steuerruder los, hissten das Vordersegel und hielten mit dem Wind auf den Strand zu.
41 Sie gerieten auf eine Landzunge und ließen das Schiff auflaufen. Eingerammt, blieb das Vorderdeck unbeweglich [stecken], das Hinterdeck aber fiel auseinander durch die Gewalt der Wellen.
42 Seitens der Soldaten nun kam der Beschluss zustande, die Gefangenen zu töten, damit keiner fortschwimme und entkäme.
43 Aber der Zenturio, der die Absicht hatte, Paulus [unversehrt] zu retten, hinderte sie an dem Vorhaben und gab Befehl, dass diejenigen, die schwimmen konnten, sich als erste hinabwerfen und ans Land begeben sollten,
44 dann die Übrigen, teils auf Planken, teils auf irgendwelchen [Stücken] vom Schiff. Und so kam es, dass alle [unversehrt] ans Land gerettet wurden.

Fußnoten

  1. 1 27,9 d. h.: das Fasten des Versöhnungstages
  2. 2 27,9 o.: riet Paulus [wiederholt]; griech. Imperfekt
  3. 3 27,14 NA: Eurakylon; bed. Nordostwind
  4. 4 27,16 NA: Kauda
  5. 5 27,17 Die Syrte ist eine Bucht an der nordafrikanischen Küste.
  6. 6 27,19 NA: warfen sie
  7. 7 27,21 wörtl.: da viel Nichtessen war
  8. 8 27,28 d. i. 37 m
  9. 9 27,28 d. i. 27 m
  10. 10 27,34 NA: umkommen
  11. 11 27,39 d. h.: die Matrosen