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Altes Testament

Rut Kapitel 3

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und Noomi, ihre Schwiegermutter, sagte zu ihr: "Meine Tochter, sollte ich dir nicht einen Ruheplatz1 suchen, dass es dir gut gehen wird?
2Und nun: Ist nicht Boas, bei dessen leibeigenen Mägden du warst, unser Verwandter? - Er worfelt heute Nacht auf der Gerstentenne.
3So wasche dich und salbe dich und lege deine Kleider an und geh zur Tenne hinab! Lass dich von dem Mann nicht bemerken, bis er fertig ist mit Essen und Trinken.
4Und es soll geschehen, wenn er sich niederlegt, merke dir die Stelle, wo er sich hinlegt. Und geh hin und decke den Platz zu seinen Füßen auf und lege dich nieder. Er aber wird dir mitteilen, was du tun sollst."
5Und sie sagte zu ihr: "Alles, was du sagst, will ich tun."
6Und sie ging zur Tenne hinab und tat nach allem, was ihre Schwiegermutter ihr geboten hatte.
7Und Boas aß und trank, und sein Herz war guter Dinge. Und er kam, um sich am Rand des Getreidehaufens schlafen zu legen. Da kam sie heimlich und deckte den Platz zu seinen Füßen auf und legte sich nieder.
8Und es geschah mitten in der Nacht, da fuhr der Mann <bebend> auf. Und er beugte sich vor2, und - siehe! - eine Frau lag zu seinen Füßen!
9Und er sagte: "Wer bist du?" Und sie sagte: "Ich bin Ruth, deine Magd. Und du mögest deine Flügel über3 deine Magd breiten; denn du bist Löser4."
10Und er sagte: "Gesegnet seist du von Jahweh, meine Tochter! Du hast deine letztere Güte <und Treue> edler5 bewiesen als die erstere, indem du nicht den jungen Männern, ob arm oder reich, nachläufst.
11Und nun, meine Tochter, fürchte dich nicht! Alles, was du sagst, werde ich für dich tun; denn jeder im Tor meines Volkes weiß6, dass du eine tüchtige Frau7 bist.
12Und nun, ich bin wirklich ein Löser; doch gibt es da einen Löser, [der] näher [verwandt ist] als ich.
13Bleib über Nacht. Und es soll geschehen, am Morgen, wenn er dich lösen will, gut, so mag er lösen. Gefällt es ihm aber nicht, dich zu lösen, werde ich dich lösen, so wahr Jahweh lebt! Bleibe liegen bis zum Morgen."
14Und sie lag zu seinen Füßen bis zum Morgen. Und bevor einer den andern erkennen konnte, stand sie auf; denn er hatte gesagt: "Es soll nicht bekannt werden, dass eine Frau auf die Tenne gekommen ist!"
15Und er sagte: "Gib den Überwurf8 her, den du umhast, und halte ihn auf." Und sie hielt ihn auf. Und er maß sechs [Maß]9 Gerste und legte sie ihr auf. Und er ging in die Stadt.
16Und sie kam zu ihrer Schwiegermutter. Und sie sagte: "Wie [steht es mit] dir, meine Tochter?" Und sie berichtete ihr alles, was der Mann für sie getan hatte,
17und sie sagte: "Diese sechs [Maß] Gerste gab er mir, denn er sagte zu mir: 'Du sollst nicht leer zu deiner Schwiegermutter kommen.'"
18Und sie sagte: "Bleib, meine Tochter, bis du weißt, wie die Sache ausfällt; denn der Mann wird nicht ruhen, ehe er die Sache heute noch zu Ende geführt hat."

Fußnoten

  1. 1 Grundbed.: Ruhe
  2. 2 o.: drehte sich um
  3. 3 o.: deinem Gewandsaum; o.: deine Decke (5Mo 23,1; 27,20); d. i. ein bildhafter Ausdruck für "zur Frau nehmen"; vgl. Hes 16,8.
  4. 4 i. S. v.: Einlöser; Loskäufer; Freikäufer; heb. goël
  5. 5 und besser
  6. 6 w.: das ganze Tor meines Volkes weiß
  7. 7 o.: eine wackere <und tugendhafte> Frau; eigtl.: eine Frau von Heldenkraft
  8. 8 Gemeint ist ein großes Umschlagtuch.
  9. 9 Die Maßeinheit ist im heb. Text nicht angegeben.