Zum Inhalt springen

Altes Testament

Prediger Kapitel 1

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Worte des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs in Jerusalem.
2"O Nichtigkeit1 der Nichtigkeiten!", sagt der Prediger. "O Nichtigkeit der Nichtigkeiten! Alles ist Nichtigkeit."
3Welchen Gewinn hat der Mensch in all seinem Mühen, worin er sich abmüht unter der Sonne?
4Ein Geschlecht geht, ein Geschlecht kommt; aber die Erde2 besteht in Ewigkeit.
5Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter; und sie keucht3 nach ihrem Ort, um daselbst [wieder] aufzugehen.
6Der Wind geht nach Süden, dreht sich nach Norden. Immer wieder sich drehend geht er, zu seinen Drehungen4 kehrt der Wind zurück.
7Alle Flüsse gehen ins Meer, und das Meer wird nicht voll. An den Ort, wohin die Flüsse gehen, dorthin gehen sie immer wieder.
8Alle Dinge sind in rastloser5 Tätigkeit: Kein Mensch ist imstande, es in Worten auszuschöpfen6. Das Auge wird nicht satt zu sehen und das Ohr nicht voll vom Hören.
9Das, was gewesen ist, ist das, was sein wird; und das, was man tat, ist das, was man tun wird. Und es gibt keinerlei Neues unter der Sonne!
10Wohl gibt es eine Sache, von der einer sagt: "Sieh dieses an, das ist neu!" [Doch] längst schon ist es gewesen in den Urzeiten, die vor uns waren.
11Es gibt keine Erinnerung an die Früheren7. Und an die Späteren, die sein werden, auch an sie wird es keine Erinnerung geben bei denen, die danach sein werden.
12Ich, [der] Prediger, war König über Israel in Jerusalem.
13Und ich gab mein Herz daran, in Weisheit zu erforschen und zu erkunden in Bezug auf alles, was unter den Himmeln getan wird: Ein übles Geschäft hat Gott da den Menschensöhnen gegeben, sich damit abzumühen.
14Ich habe all das Tun betrachtet, das unter der Sonne getan wird. Und - siehe! - alles ist Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind.
15Gekrümmtes kann nicht gerade werden, und Fehlendes kann nicht gezählt werden.8
16Ich, für mich, redete mit meinem Herzen und sagte: "Ich - siehe! - ich habe Weisheit vergrößert und vermehrt - über alle hinaus9, die vor mir über Jerusalem waren. Und mein Herz hat in reichem Maße Weisheit und Kenntnis gesehen.
17Und ich gab mein Herz daran, Weisheit zu erkennen und Kenntnis [zu erlangen] bezüglich Unsinnigkeit und Torheit." Ich erkannte, dass auch dieses ein Haschen nach Wind ist -
18denn bei viel Weisheit ist viel Grämen10; und wer Erkenntnis mehrt, mehrt Herzeleid.

Fußnoten

  1. 1 o.: Dunst; Hauch; so a. i. Folg.
  2. 2 o.: das Erdreich; die Ländereien
  3. 3 i. S. v.: strebt
  4. 4 o.: zu seinem Ausgangspunkt
  5. 5 o.: sich erschöpfender
  6. 6 w.: kein Mensch kann sie ausreden; der Sinn ist vmtl.: keine menschliche Aussage kann das rastlose Kommen und Gehen in Worten erschöpfend ausdrücken.
  7. 7 o.: an die [Menschen], die früher waren
  8. 8 o.: Was nicht vorhanden ist, kann nicht in Rechnung kommen.
  9. 9 o.: ich habe große Weisheit erworben und alle übertroffen
  10. 10 o.: Unmut