Altes Testament
Klagelieder Kapitel 2
Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022
1Weh, wie umwölkt der Herr in seinem Zorn die Tochter Zion! Von den Himmeln zur Erde geworfen hat er die Pracht Israels; und des Schemels seiner Füße gedachte er nicht am Tag seines Zorns.
2Der Herr vertilgte, ohne zu schonen, alle Weideflächen1 Jakobs. In seinem Grimm riss er nieder die Bollwerke der Tochter Juda, stürzte zur Erde, entheiligte das Königreich2 und seine Obersten.
3In der Glut [seines] Zorns haute er jedes Horn Israels ab. Er zog seine Rechte zurück vor dem Angesicht des Feindes. Er zehrte in Jakob auf - wie flammendes Feuer, das rings um sich frisst.
4Er spannte wie ein Feind seinen Bogen, stand da mit seiner Rechten, wie ein Bedränger, und er tötete alles, was dem Auge köstlich war. Im Zelt der Tochter Zion goss er aus seinen Grimm wie Feuer.
5Wie ein Feind wurde mein Herr, er vertilgte Israel, vertilgte alle ihre3 Prachtbauten, zerstörte seine4 Festungen. Und er mehrte bei der Tochter Juda Klage und Klagegeschrei.
6Wie im Garten das Gehege5 zerschlug er, zerstörte er die Stätte seiner Festversammlung. In Vergessenheit geraten ließ Jahweh in Zion Fest und Sabbat; und in der Entrüstung seines Zorns verwarf er König und Priester.
7Verstoßen hat der Herr seinen Altar, entweiht hat er sein Heiligtum. Die Mauern ihrer6 Prachtbauten gab er der Hand des Feindes preis. Lärm7 gaben sie [von sich] im Hause Jahwehs wie am Tag der festlichen Zusammenkunft.
8Jahweh hatte im Sinn, die Mauer der Tochter Zion zu zerstören. Er zog die Messschnur, wandte seine Hand vom Vertilgen nicht ab. Bollwerk und Mauer versetzte er in Trauer; [so] schwanden sie hin8 allesamt.
9In die Erde eingesunken sind ihre9 Tore; ihre Riegel hat er zerstört und zerbrochen. Ihr König, ihre Obersten sind unter den Völkern; dort ist keine Weisung, auch finden ihre Propheten keine Schau10 [mehr] von Jahweh.
10Verstummt sitzen auf der Erde die Ältesten der Tochter Zion, tun Staub sich aufs Haupt, haben sich mit Sacktuch umgürtet. Zur Erde neigen ihr Haupt die Jungfrauen Jerusalems.
11In Tränen vergehen meine Augen. Meine Eingeweide glühen11. Meine Leber schüttet sich auf die Erde über den Zusammenbruch der Tochter meines Volkes, weil Kind und Säugling verschmachten auf den Plätzen der Burgstadt.
12Zu ihren Müttern sagen sie: "Wo sind Korn und Wein?", da sie wie tödlich Verwundete verschmachten auf den Plätzen der Stadt, während ihre Seele ausgeschüttet wird12 in den Schoß ihrer Mutter. -
13Was soll ich dir als Zeugnis anführen13, was dir als Gleichnis vortragen, Tochter Jerusalem, was dir gleichstellen, damit ich dich tröste, Jungfrau, Tochter Zion? Dein Zusammenbruch ist ja groß wie das Meer! Wer könnte dich heilen?
14Deine Propheten schauten dir Trug und Tünche; sie deckten deine Schuld nicht auf, um dein Geschick14 zu wenden, sondern schauten dir Lastsprüche des Trugs und der Verführung15.
15Alle, die des Weges ziehen, klatschen über dich in die offenen Hände, zischeln, schütteln ihren Kopf über die Tochter Jerusalems: "Ist das die Stadt, von der man sagte: 'Der Schönheit Vollendung16, die Freude aller Erde'?"
16Alle deine Feinde sperren ihren Mund über dich auf, zischeln, knirschen mit den Zähnen. Sie sagen: "Wir haben [sie] vertilgt! Ja, das ist der Tag, auf den wir hofften: Wir haben's erreicht. Wir haben's gesehen!"
17Jahweh hat getan, was er geplant, hat seinen Spruch vollzogen, den er geboten von den Tagen der Vorzeit her, hat niedergerissen und nicht geschont, hat den Feind sich freuen lassen über dich, das Horn deiner Bedränger erhöht.
18Ihr Herz schreit zu meinem Herrn. - [Du] Mauer der Tochter Zion, wie ein Bach lass fließen die Tränen bei Tag und bei Nacht. Gönne dir keine Ruhe. Dein Augapfel stehe nicht still!
19Auf! Wimmere bei Nacht, bei Beginn der Nachtwachen schütte aus wie Wasser dein Herz vor dem Angesicht meines Herrn! Hebe zu ihm empor deine offenen Hände für die Seele17 deiner kleinen Kinder, die vor Hunger verschmachten an den Ecken aller Straßen!
20Sieh, Jahweh, und schau, wem du solches angetan hast! Sollen Frauen ihre Leibesfrucht essen, die kleinen Kinder, die sie sorgsam gehegt? Soll getötet werden im Heiligtum meines Herrn Priester und Prophet?
21Auf den Straßen liegen auf der Erde Knabe und Greis. Meine Jungfrauen und meine jungen Männer, durchs Schwert sind sie gefallen. Getötet hast du am Tag deines Zorns, geschlachtet hast du, geschont hast du nicht.
22Wie zu einem Tag der Festversammlung riefst du ringsum herbei meine Schrecken18. Da war kein Entkommener und Überlebender am Tag des Zornes Jahwehs. Die ich gepflegt und großgezogen hatte - mein Feind hat sie vernichtet! -
2Der Herr vertilgte, ohne zu schonen, alle Weideflächen1 Jakobs. In seinem Grimm riss er nieder die Bollwerke der Tochter Juda, stürzte zur Erde, entheiligte das Königreich2 und seine Obersten.
3In der Glut [seines] Zorns haute er jedes Horn Israels ab. Er zog seine Rechte zurück vor dem Angesicht des Feindes. Er zehrte in Jakob auf - wie flammendes Feuer, das rings um sich frisst.
4Er spannte wie ein Feind seinen Bogen, stand da mit seiner Rechten, wie ein Bedränger, und er tötete alles, was dem Auge köstlich war. Im Zelt der Tochter Zion goss er aus seinen Grimm wie Feuer.
5Wie ein Feind wurde mein Herr, er vertilgte Israel, vertilgte alle ihre3 Prachtbauten, zerstörte seine4 Festungen. Und er mehrte bei der Tochter Juda Klage und Klagegeschrei.
6Wie im Garten das Gehege5 zerschlug er, zerstörte er die Stätte seiner Festversammlung. In Vergessenheit geraten ließ Jahweh in Zion Fest und Sabbat; und in der Entrüstung seines Zorns verwarf er König und Priester.
7Verstoßen hat der Herr seinen Altar, entweiht hat er sein Heiligtum. Die Mauern ihrer6 Prachtbauten gab er der Hand des Feindes preis. Lärm7 gaben sie [von sich] im Hause Jahwehs wie am Tag der festlichen Zusammenkunft.
8Jahweh hatte im Sinn, die Mauer der Tochter Zion zu zerstören. Er zog die Messschnur, wandte seine Hand vom Vertilgen nicht ab. Bollwerk und Mauer versetzte er in Trauer; [so] schwanden sie hin8 allesamt.
9In die Erde eingesunken sind ihre9 Tore; ihre Riegel hat er zerstört und zerbrochen. Ihr König, ihre Obersten sind unter den Völkern; dort ist keine Weisung, auch finden ihre Propheten keine Schau10 [mehr] von Jahweh.
10Verstummt sitzen auf der Erde die Ältesten der Tochter Zion, tun Staub sich aufs Haupt, haben sich mit Sacktuch umgürtet. Zur Erde neigen ihr Haupt die Jungfrauen Jerusalems.
11In Tränen vergehen meine Augen. Meine Eingeweide glühen11. Meine Leber schüttet sich auf die Erde über den Zusammenbruch der Tochter meines Volkes, weil Kind und Säugling verschmachten auf den Plätzen der Burgstadt.
12Zu ihren Müttern sagen sie: "Wo sind Korn und Wein?", da sie wie tödlich Verwundete verschmachten auf den Plätzen der Stadt, während ihre Seele ausgeschüttet wird12 in den Schoß ihrer Mutter. -
13Was soll ich dir als Zeugnis anführen13, was dir als Gleichnis vortragen, Tochter Jerusalem, was dir gleichstellen, damit ich dich tröste, Jungfrau, Tochter Zion? Dein Zusammenbruch ist ja groß wie das Meer! Wer könnte dich heilen?
14Deine Propheten schauten dir Trug und Tünche; sie deckten deine Schuld nicht auf, um dein Geschick14 zu wenden, sondern schauten dir Lastsprüche des Trugs und der Verführung15.
15Alle, die des Weges ziehen, klatschen über dich in die offenen Hände, zischeln, schütteln ihren Kopf über die Tochter Jerusalems: "Ist das die Stadt, von der man sagte: 'Der Schönheit Vollendung16, die Freude aller Erde'?"
16Alle deine Feinde sperren ihren Mund über dich auf, zischeln, knirschen mit den Zähnen. Sie sagen: "Wir haben [sie] vertilgt! Ja, das ist der Tag, auf den wir hofften: Wir haben's erreicht. Wir haben's gesehen!"
17Jahweh hat getan, was er geplant, hat seinen Spruch vollzogen, den er geboten von den Tagen der Vorzeit her, hat niedergerissen und nicht geschont, hat den Feind sich freuen lassen über dich, das Horn deiner Bedränger erhöht.
18Ihr Herz schreit zu meinem Herrn. - [Du] Mauer der Tochter Zion, wie ein Bach lass fließen die Tränen bei Tag und bei Nacht. Gönne dir keine Ruhe. Dein Augapfel stehe nicht still!
19Auf! Wimmere bei Nacht, bei Beginn der Nachtwachen schütte aus wie Wasser dein Herz vor dem Angesicht meines Herrn! Hebe zu ihm empor deine offenen Hände für die Seele17 deiner kleinen Kinder, die vor Hunger verschmachten an den Ecken aller Straßen!
20Sieh, Jahweh, und schau, wem du solches angetan hast! Sollen Frauen ihre Leibesfrucht essen, die kleinen Kinder, die sie sorgsam gehegt? Soll getötet werden im Heiligtum meines Herrn Priester und Prophet?
21Auf den Straßen liegen auf der Erde Knabe und Greis. Meine Jungfrauen und meine jungen Männer, durchs Schwert sind sie gefallen. Getötet hast du am Tag deines Zorns, geschlachtet hast du, geschont hast du nicht.
22Wie zu einem Tag der Festversammlung riefst du ringsum herbei meine Schrecken18. Da war kein Entkommener und Überlebender am Tag des Zornes Jahwehs. Die ich gepflegt und großgezogen hatte - mein Feind hat sie vernichtet! -
Fußnoten
- 1 hier bildhaft für: alle Wohnorte; alle schönen Orte
- 2 o.: das Königtum
- 3 d. h.: der Stadt Jerusalem
- 4 d. h.: des Volkes
- 5 o.: seine Hütte; vgl. Ps 76,3; and.: seinen Zaun
- 6 d. h.: der Stadt Jerusalems
- 7 o.: [Laute] Stimme[n]
- 8 Grundbed.: verwelken; vertrocknen
- 9 d. h.: der Tochter Zion; so a. i. Folg.
- 10 o.: keine Vision
- 11 o.: brennen; brodeln; toben (Grundbed.: gären).
- 12 i. S. v.: ihr Leben[sblut] vergossen wird
- 13 o.: als Beispiel einbläuen
- 14 o.: deine Gefangenschaft
- 15 o.: trügerische und in die Irre führende Lastsprüche.
- 16 o.: Die vollends Schöne
- 17 d. h.: für das Leben
- 18 o.: riefst du von allen Seiten herbei das, wovor mir graute.