Altes Testament
Klagelieder Kapitel 3
Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022
1Ich1 bin der Mann, der Elend gesehen hat durch die Rute seines Grimms.
2Mich hat er weggetrieben und gehen lassen in die Finsternis - und nicht ans Licht.
3Ja, gegen mich wendet er wieder und wieder seine Hand - den ganzen Tag.
4Verfallen ließ er mein Fleisch, meine Haut; meine Gebeine zerbrach er.
5Er ummauerte mich, umgab mich mit Giftwasser und Mühsal.
6An dunklen Örtern ließ er mich wohnen wie die Toten der Urzeit2.
7Er hat mich ummauert, ich kann nicht heraus, hat schwer gemacht meine eherne <Kette>3.
8Wenn ich auch schreie und rufe: Er verschließt [die Ohren] vor meinem Gebet4,
9zäunt meine Wege mit behauenen Steinen ein, kehrt meine Pfade um5.
10Ein lauernder Bär ist er mir, ein Löwe im Versteck.
11Er trieb vom Wege mich ab6, zerfleischte mich, machte mich öde7.
12Er spannte seinen Bogen, stellte mich hin als Ziel für den Pfeil.
13In meine Nieren lässt er dringen die Söhne seines Köchers8.
14Zum Gelächter wurde ich all meinem Volk, ihr Spottlied den ganzen Tag.
15Mit Bitternissen sättigte er mich, er flößte Wermut mir ein.
16Er ließ meine Zähne am Kies sich zermalmen, in Asche drückte er mich nieder.
17Du verwarfst meine Seele vom Frieden hinweg. Was Glück9 ist, habe ich vergessen.
18<So> sagte ich: "Dahin ist mein Glanz10, meine Hoffnung <fern> von Jahweh."
19"Gedenke meines Elends, meiner Unrast11, des Wermuts und des Giftwassers!"
20Dessen gedenkt und gedenkt meine Seele, und sie ist niedergedrückt in mir. -
21Dies lasse ich mir ins Herz kommen12, darauf will ich hoffen:
22[Die] Gnadenerweise Jahwehs13 sind es, dass es nicht [ganz und] gar aus ist mit uns, denn seine Erbarmungen14 sind nicht zu Ende.
23Sie sind neu jeden Morgen. Groß ist deine Treue15!
24"Jahweh ist mein Teil16", sagt meine Seele. "Darum hoffe17 ich auf ihn."
25Gut ist Jahweh zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt.
26Gut ist es, dass man wartet - und zwar still - auf die Hilfe18 Jahwehs19.
27Gut ist es für den Mann, das Joch in der Jugend zu tragen.
28Er sitze einsam und halte sich still, wenn20 er es ihm auferlegt21.
29Er lege seinen Mund in den Staub: Vielleicht gibt es Hoffnung.
30Er biete die Wange dem Schlagenden dar, er sättige sich an [der] Schmach.
31Fürwahr, mein Herr wird nicht für ewig verstoßen;
32denn wenn er betrübt hat, erbarmt er sich nach der Fülle seiner Güte22.
33Denn nicht von Herzen23 demütigt und betrübt er die Söhne der Menschen24.
34Dass man alle Gefangenen des Landes unter seinen Füßen zertritt,
35dass man das Recht eines Mannes beugt vor dem Angesicht des Höchsten,
36dass man den anderen betrügt im Streit25 - sollte mein Herr das nicht sehen?
37Wer ist es, der sprach, und es geschah - ohne dass der Herr es geboten?
38Geht nicht vom Mund des Höchsten das Böse und das Gute aus?
39Was beklagt sich26 der Mensch, der da lebt27 - [es beklage] der Mann seine [eigene] Schuld!
40Prüfen und erforschen wir unsere Wege! Und kehren wir um - bis zu Jahweh hin!
41Erheben wir unser Herz samt Händen28 zu dem <starken> Gott29 in den Himmeln!
42Wir, wir waren abtrünnig und widerspenstig; du, du konntest [das] nicht vergeben.
43Du hülltest dich in Zorn und verfolgtest uns, du tötetest und schontest nicht.
44Du hülltest dich in eine Wolke, sodass kein Gebet durchdrang.
45Du machtest uns zu Kehricht und Abscheu mitten unter den Volksscharen.
46Alle unsere Feinde rissen ihren Mund auf über uns.
47Grauen und Grube wurden uns <zuteil>, Untergang und Zusammenbruch.
48Wasserbäche lässt strömen mein Auge über den Zusammenbruch der Tochter meines Volkes.
49Mein Auge fließt und beruhigt sich nicht, es hört und hört nicht auf,
50bis er herabschaue und er dareinsehe - Jahweh -, von den Himmeln her.
51Mein Auge tut meiner Seele weh30 wegen all der Töchter meiner Stadt.
52Wie einen Vogel jagten und jagten mich die, [die] meine Feinde [sind] - ohne Grund!
53Sie stürzten31 mein Leben in die Zisterne, warfen <mit der Hand>32 Steine auf mich.
54Wasser strömten über mein Haupt. Ich sagte: "Abgeschnitten bin ich33!"
55Ich rief deinen Namen an, Jahweh, aus der Zisterne tief unten;
56du hörtest meine Stimme: "Verhüll nicht dein Ohr vor meinem Seufzen34, vor meinem Rufen <um Hilfe>!"
57Am Tag, da ich dich rief, nahtest du dich. "Fürchte dich nicht!", sagtest du.
58Du, Herr, strittest die Streite meiner Seele; du hast mein Leben erlöst.
59Du, Jahweh, sahst meine Entrechtung35. Verhilf mir zu meinem Recht!36
60Du hast gesehen all ihre Rachgier, ihr ganzes Planen gegen mich.
61Du hast ihr Verhöhnen gehört, Jahweh, ihr ganzes Planen gegen mich,
62die Lippen derer, die gegen mich aufstehen, und ihr Sinnen gegen mich den ganzen Tag37.
63Ihr Sitzen und ihr Aufstehen sieh dir an! Ich bin ihr Spottlied.
64Vergeltung wirst du auf sie kehren lassen38, Jahweh, nach dem Tun ihrer Hände!
65Gib ihnen Verblendung des Herzens! Dein Fluch über sie!
66Du wirst ihnen nachjagen im Zorn, sie tilgen - unter Jahwehs Himmel hinweg!
2Mich hat er weggetrieben und gehen lassen in die Finsternis - und nicht ans Licht.
3Ja, gegen mich wendet er wieder und wieder seine Hand - den ganzen Tag.
4Verfallen ließ er mein Fleisch, meine Haut; meine Gebeine zerbrach er.
5Er ummauerte mich, umgab mich mit Giftwasser und Mühsal.
6An dunklen Örtern ließ er mich wohnen wie die Toten der Urzeit2.
7Er hat mich ummauert, ich kann nicht heraus, hat schwer gemacht meine eherne <Kette>3.
8Wenn ich auch schreie und rufe: Er verschließt [die Ohren] vor meinem Gebet4,
9zäunt meine Wege mit behauenen Steinen ein, kehrt meine Pfade um5.
10Ein lauernder Bär ist er mir, ein Löwe im Versteck.
11Er trieb vom Wege mich ab6, zerfleischte mich, machte mich öde7.
12Er spannte seinen Bogen, stellte mich hin als Ziel für den Pfeil.
13In meine Nieren lässt er dringen die Söhne seines Köchers8.
14Zum Gelächter wurde ich all meinem Volk, ihr Spottlied den ganzen Tag.
15Mit Bitternissen sättigte er mich, er flößte Wermut mir ein.
16Er ließ meine Zähne am Kies sich zermalmen, in Asche drückte er mich nieder.
17Du verwarfst meine Seele vom Frieden hinweg. Was Glück9 ist, habe ich vergessen.
18<So> sagte ich: "Dahin ist mein Glanz10, meine Hoffnung <fern> von Jahweh."
19"Gedenke meines Elends, meiner Unrast11, des Wermuts und des Giftwassers!"
20Dessen gedenkt und gedenkt meine Seele, und sie ist niedergedrückt in mir. -
21Dies lasse ich mir ins Herz kommen12, darauf will ich hoffen:
22[Die] Gnadenerweise Jahwehs13 sind es, dass es nicht [ganz und] gar aus ist mit uns, denn seine Erbarmungen14 sind nicht zu Ende.
23Sie sind neu jeden Morgen. Groß ist deine Treue15!
24"Jahweh ist mein Teil16", sagt meine Seele. "Darum hoffe17 ich auf ihn."
25Gut ist Jahweh zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt.
26Gut ist es, dass man wartet - und zwar still - auf die Hilfe18 Jahwehs19.
27Gut ist es für den Mann, das Joch in der Jugend zu tragen.
28Er sitze einsam und halte sich still, wenn20 er es ihm auferlegt21.
29Er lege seinen Mund in den Staub: Vielleicht gibt es Hoffnung.
30Er biete die Wange dem Schlagenden dar, er sättige sich an [der] Schmach.
31Fürwahr, mein Herr wird nicht für ewig verstoßen;
32denn wenn er betrübt hat, erbarmt er sich nach der Fülle seiner Güte22.
33Denn nicht von Herzen23 demütigt und betrübt er die Söhne der Menschen24.
34Dass man alle Gefangenen des Landes unter seinen Füßen zertritt,
35dass man das Recht eines Mannes beugt vor dem Angesicht des Höchsten,
36dass man den anderen betrügt im Streit25 - sollte mein Herr das nicht sehen?
37Wer ist es, der sprach, und es geschah - ohne dass der Herr es geboten?
38Geht nicht vom Mund des Höchsten das Böse und das Gute aus?
39Was beklagt sich26 der Mensch, der da lebt27 - [es beklage] der Mann seine [eigene] Schuld!
40Prüfen und erforschen wir unsere Wege! Und kehren wir um - bis zu Jahweh hin!
41Erheben wir unser Herz samt Händen28 zu dem <starken> Gott29 in den Himmeln!
42Wir, wir waren abtrünnig und widerspenstig; du, du konntest [das] nicht vergeben.
43Du hülltest dich in Zorn und verfolgtest uns, du tötetest und schontest nicht.
44Du hülltest dich in eine Wolke, sodass kein Gebet durchdrang.
45Du machtest uns zu Kehricht und Abscheu mitten unter den Volksscharen.
46Alle unsere Feinde rissen ihren Mund auf über uns.
47Grauen und Grube wurden uns <zuteil>, Untergang und Zusammenbruch.
48Wasserbäche lässt strömen mein Auge über den Zusammenbruch der Tochter meines Volkes.
49Mein Auge fließt und beruhigt sich nicht, es hört und hört nicht auf,
50bis er herabschaue und er dareinsehe - Jahweh -, von den Himmeln her.
51Mein Auge tut meiner Seele weh30 wegen all der Töchter meiner Stadt.
52Wie einen Vogel jagten und jagten mich die, [die] meine Feinde [sind] - ohne Grund!
53Sie stürzten31 mein Leben in die Zisterne, warfen <mit der Hand>32 Steine auf mich.
54Wasser strömten über mein Haupt. Ich sagte: "Abgeschnitten bin ich33!"
55Ich rief deinen Namen an, Jahweh, aus der Zisterne tief unten;
56du hörtest meine Stimme: "Verhüll nicht dein Ohr vor meinem Seufzen34, vor meinem Rufen <um Hilfe>!"
57Am Tag, da ich dich rief, nahtest du dich. "Fürchte dich nicht!", sagtest du.
58Du, Herr, strittest die Streite meiner Seele; du hast mein Leben erlöst.
59Du, Jahweh, sahst meine Entrechtung35. Verhilf mir zu meinem Recht!36
60Du hast gesehen all ihre Rachgier, ihr ganzes Planen gegen mich.
61Du hast ihr Verhöhnen gehört, Jahweh, ihr ganzes Planen gegen mich,
62die Lippen derer, die gegen mich aufstehen, und ihr Sinnen gegen mich den ganzen Tag37.
63Ihr Sitzen und ihr Aufstehen sieh dir an! Ich bin ihr Spottlied.
64Vergeltung wirst du auf sie kehren lassen38, Jahweh, nach dem Tun ihrer Hände!
65Gib ihnen Verblendung des Herzens! Dein Fluch über sie!
66Du wirst ihnen nachjagen im Zorn, sie tilgen - unter Jahwehs Himmel hinweg!
Fußnoten
- 1 Das Lied von K. 3 besteht aus 22 akrostisch angeordneten Strophen, von denen jede aus drei Versen (Zeilen) besteht. In jeder Strophe beginnt jede der drei Zeilen mit demselben Buchstaben, die ersten drei mit Alef, die zweiten mit Beth usw.
- 2 d. h.: wie die längst Verstorbenen
- 3 o.: mein Eisen.
- 4 o.: Er lässt mein Gebet verstummen; o.: Er hemmt mein Gebet
- 5 und macht sie ungangbar.
- 6 o.: Er machte mich vom Weg abkommen; er führte mich auf Irrwege
- 7 o.: ließ mich vereinsamen (1,16).
- 8 d. h.: seine Pfeile.
- 9 eigtl.: gutes Geschick
- 10 o.: mein Ruhm; mein Triumph; and.: mein [Lebens]saft
- 11 o.: meines Umherirrens; o.: meiner Heimatlosigkeit
- 12 i. S. v.: in den Sinn kommen; w.: zu meinem Herzen zurückkommen
- 13 eigtl.: Die [Erweisungen] der Güte <und Treue> Jahwehs
- 14 eigtl.: die [Erweisungen] seiner Barmherzigkeit
- 15 o.: Wahrhaftigkeit; Beständigkeit; Zuverlässigkeit.
- 16 o.: mein Losteil; mein Erblos
- 17 und warte
- 18 o.: das Heil; die Rettung
- 19 Jahweh ist an der letzten Silbe betont.
- 20 o.: da
- 21 Grundbed.: heben; aufheben
- 22 und Treue.
- 23 w.: nicht von seinem Herzen aus
- 24 o.: die Menschensöhne; eigtl.: die Söhne des Mannes.
- 25 o.: dass man einen Menschen ungerecht behandelt (w.: krümmt; [den Sachverhalt] verbiegt) in seinem Rechtsstreit
- 26 o.: seufzt <murrend>
- 27 w.: der Mensch, [der] lebende
- 28 d. h.: samt den <zum Himmel erhobenen> offenen Händen
- 29 heb. El (Gott, der Starke)
- 30 eigtl.: spielt meiner Seele übel mit
- 31 Grundbed.: gewaltsam zum Schweigen bringen
- 32 Das heb. Zeitwort wird von dem Wort für "Hand" abgeleitet.
- 33 o.: Aufgerieben bin ich; o.: ich gehe zugrunde.
- 34 o.: Atemstoß; Ächzen
- 35 o.: wie man mich des Rechts beraubt hat.
- 36 w.: Rechte um mein Recht!
- 37 o.: jeden Tag.
- 38 o.: mögest du ihnen erstatten