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Altes Testament

Daniel Kapitel 4

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1"Ich, Nebukadnezar, war ruhig1 in meinem Haus und hatte Gedeihen in meinem Palast.
2Ich schaute einen Traum, und der schreckte2 mich. Und Traumgebilde3 auf meinem Lager und Gesichte meines Hauptes schreckten mich.
3Und so wurde von mir der Befehl erlassen, alle Weisen von Babel vor mich zu führen, dass sie mir die Deutung des Traumes mitteilen sollten.
4Sodann kamen die Wahrsagepriester, die Beschwörer, die Chaldäer und die Zeichendeuter4 herbei; und ich trug ihnen den Traum vor, aber sie konnten mir seine Deutung nicht mitteilen.
5Und zuletzt trat Daniel vor mich, dessen Name Beltschazar5 ist (nach dem Namen meines Gottes) und in dem der Geist der heiligen Götter ist. Und ich trug ihm den Traum vor:
6'Beltschazar, du Oberster der Wahrsagepriester! Weiß ich doch, dass der Geist der heiligen Götter in dir ist und dass kein Geheimnis dir Mühe macht6: Die Gesichte meines Traumes, den ich sah, und seine Deutung - sag [sie mir]!'"
7"Die Gesichte meines Hauptes auf meinem Lager <waren>: Ich schaute, und - siehe! - ein Baum war in der Mitte des Landes, und seine Höhe war gewaltig.
8Der Baum wurde groß und stark, seine Höhe reichte bis an die Himmel. Er wurde gesehen bis ans Ende der ganzen Erde7.
9Sein Laub war schön, seine Frucht zahlreich; es war Nahrung an ihm für alle. Die Tiere8 des Feldes fanden Schatten unter ihm, die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen, und von ihm ernährte sich alles Fleisch."
10"In den Gesichten meines Hauptes auf meinem Lager schaute ich, und - siehe! - ein Wächter und Heiliger stieg von den Himmeln herab.
11Er rief mit Macht; und er sagte so: 'Haut den Baum um und schneidet seine Zweige weg! Streift sein Laub ab und streut seine Frucht umher. Fliehen sollen die Tiere unter ihm und die Vögel aus seinen Zweigen.
12Seinen Wurzelstock jedoch lasst in der Erde, und zwar in einer Fessel aus Eisen und Erz, im grünen [Gras] des Feldes. Mit dem Tau des Himmels werde er benetzt, mit den Tieren sei sein Teil am Pflanzengewächs der Erde.
13Sein Herz9 werde verwandelt, dass es nicht [mehr] das eines Menschen ist; das Herz eines Tieres werde ihm gegeben. Und sieben Zeiten sollen über ihm dahingehen.
14Durch Beschluss der Wächter ist der Erlass, und ein Wort der Heiligen ist die Sache, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste über das Königtum der Menschen Macht hat und es verleiht, wem er will; und den Niedrigsten der Menschen kann er über es setzen.'
15Diesen Traum schaute ich, der König Nebukadnezar. Du aber, Beltschazar, sage seine Deutung, da ja alle Weisen meines Königreiches nicht imstande sind, mir die Deutung mitzuteilen. Du aber kannst es, da ja der Geist der heiligen Götter in dir ist."
16Hierauf erstarrte10 Daniel, dessen Name Beltschazar ist, eine Zeitlang, und seine Gedanken erschreckten ihn. Der König erwiderte und sagte: "Beltschazar, der Traum und seine Deutung erschrecke dich nicht." Beltschazar antwortete und sagte: "Mein Herr, der Traum gelte deinen Hassern und seine Deutung deinen Feinden!
17Der Baum, den du gesehen hast, der groß und stark wurde, dessen Höhe bis zu den Himmeln reichte und der über die ganze Erde hin zu sehen war
18und dessen Laub schön und dessen Frucht zahlreich war - und Nahrung für alle war an ihm, unter ihm hielten sich die Tiere des Feldes auf, und in seinen Zweigen wohnten die Vögel des Himmels:
19das bist du, König, der du groß und stark wurdest, und deine Größe nahm zu und reichte bis an die Himmel und deine Herrschaftsgewalt bis ans Ende der Erde.
20Und dass der König einen Wächter und Heiligen von den Himmeln herabsteigen sah, der sagte: 'Haut den Baum um und verderbt ihn; doch seinen Wurzelstock lasst in der Erde, und zwar in einer Fessel aus Eisen und Erz, im grünen [Gras] des Feldes; und mit dem Tau des Himmels soll er benetzt werden; und mit den Tieren des Feldes soll er sein Teil haben, bis sieben Zeiten über ihn hingegangen sind!' -
21Dieses ist die Deutung, König, und dieses der Beschluss des Höchsten, der über meinen Herrn, den König, kommen wird:
22Man wird dich von den Menschen ausstoßen, und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein. Und man wird dir Pflanzengewächs zu essen geben, wie den Rindern, und vom Tau des Himmels wird man dich benetzen lassen. Und sieben Zeiten werden über dich hingehen, bis du erkennst, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es verleiht, wem er will.
23Und dass man gesagt hat, man solle den Wurzelstock des Baumes belassen: Dein Königtum soll dir bleiben, sobald du erkennst, dass die Himmel Macht haben.
24Darum, König, lass dir meinen Rat gefallen und brich mit deinen Sünden durch Gerechtigkeit und mit deinen Verschuldungen durch Erbarmen gegen die Gebeugten, wenn dein Friede11 von Dauer sein soll!"
25Das alles kam über den König Nebukadnezar.
26Am Ende von zwölf Monaten, als er zu Babel auf dem königlichen Palast12 wandelte,
27fing der König an und sagte: "Ist das nicht die13 große Babel, die ich zum königlichen Sitz14 gebaut habe durch die Stärke meiner Macht und zur Ehrung meiner Herrlichkeit?"
28Noch war das Wort im Mund des Königs, da fiel eine Stimme aus den Himmeln: "Dir, Nebukadnezar, dem König, wird gesagt: Das Königtum ist von dir gewichen!
29Und man wird dich ausstoßen von den Menschen. Und bei den Tieren des Feldes wird deine Wohnung sein. Man wird dir Pflanzengewächs zu essen geben wie den Rindern. Und sieben Zeiten werden dahingehen über dir, bis du erkennst, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es verleiht, wem er will."
30In derselben Stunde wurde das Wort an Nebukadnezar erfüllt. Und er wurde von den Menschen ausgestoßen. Und er aß Pflanzengewächs wie die Rinder; und sein Leib wurde benetzt mit dem Tau des Himmels, bis sein Haar gewachsen war wie Adlerfedern und seine Nägel wie Vogelkrallen.
31"Und am Ende der Tage erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zu den Himmeln, und mein Verstand15 kehrte zu mir zurück. Und ich lobte den Höchsten, rühmte und verherrlichte den ewig Lebenden, dessen Herrschaftsgewalt eine ewige Herrschaftsgewalt ist und dessen Königsherrschaft16 von Geschlecht zu Geschlecht [währt];
32und alle Bewohner der Erde17 sind wie nichts gerechnet, und nach seinem Willen tut er an dem Heer des Himmels und an den Bewohnern der Erde. Und niemand ist da, der seiner Hand Einhalt gebieten könnte und zu ihm sagen könnte: 'Was tust du?'
33Zu derselben Zeit kehrte mein Verstand zu mir zurück. Und mit der Ehre meines Königtums18 kehrten meine Herrlichkeit und mein Glanz zu mir zurück. Und meine Staatsräte und meine Großen suchten mich auf19, und ich wurde wieder eingesetzt in mein Königtum, und außergewöhnliche Größe wurde mir hinzugefügt."
34"Nun rühme ich, Nebukadnezar, und erhebe und verherrliche den König des Himmels, dessen Taten allesamt Wahrheit und dessen Wege Recht20 sind; und die, die in Hochmut wandeln, vermag er zu erniedrigen."

Fußnoten

  1. 1 und sorglos
  2. 2 und bestürzte
  3. 3 o.: Traumgedanken
  4. 4 D. s. Zukunftsdeuter, die mittels Leberschau bzw. Eingeweideschau die Zukunft deuten; so a. Dan 2,27; 5,7.11.
  5. 5 bed.: Bel (o.: Frau), schütze das Leben des Königs!
  6. 6 o.: dir zu schwer ist.
  7. 7 o.: des ganzen Landes; so a. V. 17.19
  8. 8 w.: Die Lebenden; das Wort bez. frei o. wild lebende Tiere; so a. i. Folg.; ebenso in K. 7.
  9. 9 i. S. v.: sein Herzsinn; sein Denken; so a. i. Folg.
  10. 10 o.: entsetzte sich
  11. 11 und Wohlergehen
  12. 12 w.: auf dem Palast des Königtums
  13. 13 Babel ist im Heb. und Aram. weiblichen Geschlechts.
  14. 14 w.: zum Haus des Königtums
  15. 15 o.: meine Erkenntnis[fähigkeit]; so a. V. 33.
  16. 16 o.: Königtum; o.: Königreich
  17. 17 o.: des Landes; der Ländereien; so a. i. Folg.
  18. 18 o.: Und zur Würde meines Königtums <hinzu>
  19. 19 und baten mich
  20. 20 o.: Gerechtigkeit; Richtigkeit