Altes Testament
Daniel Kapitel 5
Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022
1Der König Belsazar1 machte seinen tausend Großen ein großes Mahl, und vor den Tausend trank er Wein.
2Beim Wohlgenuss des Weines2 sagte Belsazar, dass man die goldenen und die silbernen Gefäße, die sein Vater Nebukadnezar aus der Tempelhalle in Jerusalem weggenommen hatte, bringen sollte, damit der König und seine Großen, seine Frauen und seine Nebenfrauen daraus tränken.
3Da brachte man sogleich die goldenen Gefäße, die man aus der Tempelhalle des Hauses Gottes in Jerusalem weggenommen hatte. Und der König und seine Großen, seine Frauen und seine Nebenfrauen tranken daraus.
4Sie tranken Wein und rühmten die Götter aus Gold und Silber, aus Erz, Eisen, Holz und Stein.
5In derselben Stunde kamen Finger einer Menschenhand hervor und schrieben, dem Leuchter gegenüber, auf den Kalk der Wand3 des königlichen Palastes. Und der König sah den Rücken4 der Hand, die schrieb.
6Da veränderte sich die Gesichtsfarbe des Königs, und seine Gedanken schreckten5 ihn; und die [Gelenks]bänder seiner Hüften lösten sich, und seine Knie schlugen aneinander.
7Der König rief mit Macht, man solle die Beschwörer, die Chaldäer6 und die Zeichendeuter heraufbringen. Und der König erwiderte und sagte zu den Weisen von Babel: "Jeder, der diese Schrift lesen und mir ihre Deutung anzeigen wird, soll mit Purpur bekleidet werden und eine goldene Kette um seinen Hals haben, und er soll als Dritter im Königreich Macht haben."
8Hierauf kamen alle Weisen des Königs herbei; aber sie vermochten nicht die Schrift zu lesen noch die Deutung derselben dem König mitzuteilen.
9Hierauf geriet der König Belsazar in großen Schrecken7, und seine Gesichtsfarbe an ihm veränderte sich. Und seine Großen waren verwirrt.
10Auf die Worte des Königs und seiner Großen trat die Königin8 in das Haus des Gelages. Die Königin fing an und sagte: "König, lebe ewiglich! Lass deine Gedanken dich nicht schrecken und deine Gesichtsfarbe verändere sich nicht!
11Es gibt einen Mann in deinem Königreich, in dem der Geist der heiligen Götter ist. Und in den Tagen deines Vaters fanden sich bei ihm Erleuchtung und Einsicht und Weisheit gleich der Weisheit der Götter. Und der König Nebukadnezar, dein Vater, setzte ihn ein zum Obersten der Wahrsagepriester, der Beschwörer, der Chaldäer und der Zeichendeuter - ja, dein Vater, o König -
12da nämlich ein außergewöhnlicher9 Geist und Kenntnis und Einsicht gefunden wurde zur Deutung von Träumen, zur Erklärung von Rätseln und zur Auflösung von Knoten, nämlich bei Daniel, dem der König den Namen Beltschazar gab. So soll nun Daniel gerufen werden, und er wird die Deutung anzeigen."
13Da wurde sogleich Daniel vor den König geführt. Der König erwiderte und sagte zu Daniel: "Du bist dieser Daniel, einer der Weggeführten von Juda, die der König, mein Vater, aus Juda herbrachte?
14Ich habe von dir gehört, dass der Geist der Götter in dir ist, und dass sich Erleuchtung und Einsicht und außergewöhnliche Weisheit in dir gefunden haben.
15Und nun sind die Weisen, die Beschwörer, vor mich geführt worden, dass sie diese Schrift lesen und mir ihre Deutung mitteilen sollten. Aber sie sind nicht imstande, die Deutung der Sache anzuzeigen.
16Aber ich habe von dir gehört, dass du imstande bist, Deutungen zu geben und Knoten zu lösen. Nun, wenn du diese Schrift lesen und mir ihre Deutung mitteilen kannst, sollst du mit Purpur bekleidet werden, mit einer goldenen Kette um deinen Hals, und du sollst als Dritter10 im Königreich Macht haben."
17Da antwortete Daniel sogleich und sagte vor dem König: "Deine Gaben mögen dir <zu eigen> sein, und deine Belohnung gib einem anderen. Dennoch werde ich die Schrift dem König lesen und ihm die Deutung mitteilen.
18Du, o König: Gott, der Höchste, hat Nebukadnezar, deinem Vater, Königsherrschaft und Größe und Ehre und Herrlichkeit verliehen.
19Und wegen der Größe, die er ihm verliehen hatte, zitterten und fürchteten sich vor ihm alle Völkerschaften, Stämme und Sprachen. Er tötete, wen er wollte, und er ließ leben, wen er wollte, und er erhob, wen er wollte, und er erniedrigte, wen er wollte.
20Aber als sein Herz sich erhob und sein Geist sich verstockte bis zur Vermessenheit, wurde er vom Thron seines Königtums gestürzt, und man nahm ihm seine Ehre11.
21Und er wurde von den Menschensöhnen ausgestoßen; und sein Herz12 wurde dem der Tiere gleich; und bei den Wildeseln war seine Wohnung. Man gab ihm Pflanzengewächs zu essen, wie den Rindern, und sein Leib wurde mit dem Tau des Himmels benetzt, bis er erkannte, dass Gott, der Höchste, Macht hat über das Königtum der Menschen, und dass er darüber einsetzt, wen er will.
22Und du, Belsazar, sein Sohn13, hast dein Herz nicht gedemütigt, obwohl du ja dieses alles wusstest.
23Und über den Herrn des Himmels erhobst du dich! Und man hat die Gefäße seines Hauses vor dich gebracht; und du und deine Großen, deine Frauen und deine Nebenfrauen, ihr habt daraus Wein getrunken. Und die Götter aus Silber und Gold, aus Erz, Eisen, Holz und Stein hast du gerühmt, die nicht sehen und nicht hören und nicht wahrnehmen. Aber den Gott, in dessen Hand dein Atem ist und bei dem14 alle deine Wege sind, den hast du nicht geehrt!
24Da wurde sogleich von ihm her diese Hand gesandt und diese Schrift aufgezeichnet.
25Und dieses ist die Schrift, die aufgezeichnet wurde: 'Mene, mene, tekel u-parsin.'15
26Dieses ist die Deutung der Sache: Mene: Gezählt hat Gott dein Königtum und hat ihm ein Ende gemacht16.
27Tekel: Gewogen bist du auf der Waage und für zu leicht17 befunden.
28Peres18: Zerteilt19 wird dein Königreich und den Medern und Persern gegeben."
29Daraufhin sprach20 Belsazar, und man bekleidete Daniel mit Purpur und mit einer goldenen Kette um seinen Hals. Und man ließ über ihn ausrufen, dass er als Dritter im Königreich Machthaber sei. -
30In derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, getötet.
2Beim Wohlgenuss des Weines2 sagte Belsazar, dass man die goldenen und die silbernen Gefäße, die sein Vater Nebukadnezar aus der Tempelhalle in Jerusalem weggenommen hatte, bringen sollte, damit der König und seine Großen, seine Frauen und seine Nebenfrauen daraus tränken.
3Da brachte man sogleich die goldenen Gefäße, die man aus der Tempelhalle des Hauses Gottes in Jerusalem weggenommen hatte. Und der König und seine Großen, seine Frauen und seine Nebenfrauen tranken daraus.
4Sie tranken Wein und rühmten die Götter aus Gold und Silber, aus Erz, Eisen, Holz und Stein.
5In derselben Stunde kamen Finger einer Menschenhand hervor und schrieben, dem Leuchter gegenüber, auf den Kalk der Wand3 des königlichen Palastes. Und der König sah den Rücken4 der Hand, die schrieb.
6Da veränderte sich die Gesichtsfarbe des Königs, und seine Gedanken schreckten5 ihn; und die [Gelenks]bänder seiner Hüften lösten sich, und seine Knie schlugen aneinander.
7Der König rief mit Macht, man solle die Beschwörer, die Chaldäer6 und die Zeichendeuter heraufbringen. Und der König erwiderte und sagte zu den Weisen von Babel: "Jeder, der diese Schrift lesen und mir ihre Deutung anzeigen wird, soll mit Purpur bekleidet werden und eine goldene Kette um seinen Hals haben, und er soll als Dritter im Königreich Macht haben."
8Hierauf kamen alle Weisen des Königs herbei; aber sie vermochten nicht die Schrift zu lesen noch die Deutung derselben dem König mitzuteilen.
9Hierauf geriet der König Belsazar in großen Schrecken7, und seine Gesichtsfarbe an ihm veränderte sich. Und seine Großen waren verwirrt.
10Auf die Worte des Königs und seiner Großen trat die Königin8 in das Haus des Gelages. Die Königin fing an und sagte: "König, lebe ewiglich! Lass deine Gedanken dich nicht schrecken und deine Gesichtsfarbe verändere sich nicht!
11Es gibt einen Mann in deinem Königreich, in dem der Geist der heiligen Götter ist. Und in den Tagen deines Vaters fanden sich bei ihm Erleuchtung und Einsicht und Weisheit gleich der Weisheit der Götter. Und der König Nebukadnezar, dein Vater, setzte ihn ein zum Obersten der Wahrsagepriester, der Beschwörer, der Chaldäer und der Zeichendeuter - ja, dein Vater, o König -
12da nämlich ein außergewöhnlicher9 Geist und Kenntnis und Einsicht gefunden wurde zur Deutung von Träumen, zur Erklärung von Rätseln und zur Auflösung von Knoten, nämlich bei Daniel, dem der König den Namen Beltschazar gab. So soll nun Daniel gerufen werden, und er wird die Deutung anzeigen."
13Da wurde sogleich Daniel vor den König geführt. Der König erwiderte und sagte zu Daniel: "Du bist dieser Daniel, einer der Weggeführten von Juda, die der König, mein Vater, aus Juda herbrachte?
14Ich habe von dir gehört, dass der Geist der Götter in dir ist, und dass sich Erleuchtung und Einsicht und außergewöhnliche Weisheit in dir gefunden haben.
15Und nun sind die Weisen, die Beschwörer, vor mich geführt worden, dass sie diese Schrift lesen und mir ihre Deutung mitteilen sollten. Aber sie sind nicht imstande, die Deutung der Sache anzuzeigen.
16Aber ich habe von dir gehört, dass du imstande bist, Deutungen zu geben und Knoten zu lösen. Nun, wenn du diese Schrift lesen und mir ihre Deutung mitteilen kannst, sollst du mit Purpur bekleidet werden, mit einer goldenen Kette um deinen Hals, und du sollst als Dritter10 im Königreich Macht haben."
17Da antwortete Daniel sogleich und sagte vor dem König: "Deine Gaben mögen dir <zu eigen> sein, und deine Belohnung gib einem anderen. Dennoch werde ich die Schrift dem König lesen und ihm die Deutung mitteilen.
18Du, o König: Gott, der Höchste, hat Nebukadnezar, deinem Vater, Königsherrschaft und Größe und Ehre und Herrlichkeit verliehen.
19Und wegen der Größe, die er ihm verliehen hatte, zitterten und fürchteten sich vor ihm alle Völkerschaften, Stämme und Sprachen. Er tötete, wen er wollte, und er ließ leben, wen er wollte, und er erhob, wen er wollte, und er erniedrigte, wen er wollte.
20Aber als sein Herz sich erhob und sein Geist sich verstockte bis zur Vermessenheit, wurde er vom Thron seines Königtums gestürzt, und man nahm ihm seine Ehre11.
21Und er wurde von den Menschensöhnen ausgestoßen; und sein Herz12 wurde dem der Tiere gleich; und bei den Wildeseln war seine Wohnung. Man gab ihm Pflanzengewächs zu essen, wie den Rindern, und sein Leib wurde mit dem Tau des Himmels benetzt, bis er erkannte, dass Gott, der Höchste, Macht hat über das Königtum der Menschen, und dass er darüber einsetzt, wen er will.
22Und du, Belsazar, sein Sohn13, hast dein Herz nicht gedemütigt, obwohl du ja dieses alles wusstest.
23Und über den Herrn des Himmels erhobst du dich! Und man hat die Gefäße seines Hauses vor dich gebracht; und du und deine Großen, deine Frauen und deine Nebenfrauen, ihr habt daraus Wein getrunken. Und die Götter aus Silber und Gold, aus Erz, Eisen, Holz und Stein hast du gerühmt, die nicht sehen und nicht hören und nicht wahrnehmen. Aber den Gott, in dessen Hand dein Atem ist und bei dem14 alle deine Wege sind, den hast du nicht geehrt!
24Da wurde sogleich von ihm her diese Hand gesandt und diese Schrift aufgezeichnet.
25Und dieses ist die Schrift, die aufgezeichnet wurde: 'Mene, mene, tekel u-parsin.'15
26Dieses ist die Deutung der Sache: Mene: Gezählt hat Gott dein Königtum und hat ihm ein Ende gemacht16.
27Tekel: Gewogen bist du auf der Waage und für zu leicht17 befunden.
28Peres18: Zerteilt19 wird dein Königreich und den Medern und Persern gegeben."
29Daraufhin sprach20 Belsazar, und man bekleidete Daniel mit Purpur und mit einer goldenen Kette um seinen Hals. Und man ließ über ihn ausrufen, dass er als Dritter im Königreich Machthaber sei. -
30In derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, getötet.
Fußnoten
- 1 bed.: Bel schütze den König.
- 2 o.: Unter dem Einfluss (eigtl.: Befehl) des Weines
- 3 d. h.: auf die mit Kalk getünchte Wand
- 4 o.: die Finger; o.: die Umrisse
- 5 und bestürzten
- 6 hier i. S. v.: Sterndeuter; Astrologen
- 7 und in große Bestürzung
- 8 d. h.: die Königinmutter
- 9 und vortrefflicher
- 10 d. h.: nach Nabonid und nach Belsazar; Belsazar war Mitregent mit Nabonid und führte die Regierungsgeschäfte.
- 11 und Würde
- 12 i. S. v.: Herzsinn; Denksinn
- 13 i. S. v.: Nachfahre; hier: Enkel; n. d. Auffassung vieler Geschichtsforscher war Belsazar der Sohn Nabonids, des Schwiegersohnes Nebukadnezars.
- 14 und in dessen Verfügung
- 15 bed.: "Gezählt, gezählt, gewogen - und zerteilte Stücke"; zugleich handelt es sich um Gewichts- bzw. Geldeinheiten: "Mine, Mine, Schekel und Halb[schekel] bzw. Halb[mine]".
- 16 eigtl.: hat vollgemacht; hat vollzählig gemacht
- 17 o.: zu mangelhaft; zu gering
- 18 D. i. die Einzahl zu parsin.
- 19 o.: zerstückelt; geteilt; das aram. Wort in der Einzahl ist zugleich eine Anspielung auf die "Perser".
- 20 i. S. v.: gab Befehl