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Neues Testament

Markus Kapitel 14

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Es war nach zwei Tagen das Passa und [das Fest] der ungesäuerten [Brote]1. Und die Hohen Priester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List greifen und töten könnten.
2Aber sie sagten: "Nicht am Fest, damit nicht etwa ein Tumult des Volkes sein wird."
3Und als er in Bethanien war, im Haus Simons, des Aussätzigen, kam, während er [zu Tisch] lag, eine Frau, die ein Alabasterfläschchen mit Salböl von echter, sehr kostbarer Narde hatte. Und sie zerbrach das Alabasterfläschchen und goss es über sein Haupt.
4Es waren aber einige bei sich selbst unwillig und sagten: "Wozu ist diese Vergeudung2 des Salböls geschehen?
5- denn dieses hätte für mehr als dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben werden können." Und sie fuhren sie an.
6Aber Jesus sagte: "Lasst sie! Was bereitet ihr ihr Mühe? Sie tat ein edles Werk an mir.
7Die Armen habt ihr nämlich allezeit bei euch, und wann immer ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun. Mich habt ihr aber nicht allezeit.
8Was sie hatte, setzte sie ein3: Sie salbte im Voraus meinen Leib zum Begräbnis.
9Wahrlich! Ich sage euch: Wo immer diese gute Botschaft in die ganze Welt [getragen und] verkündet werden wird, wird auch von dem geredet werden, was diese tat, zu ihrem Gedenken."
10Und Judas, der Iskariot, einer von den Zwölfen, ging hin zu den Hohen Priestern, um ihn an sie <zu verraten und> auszuliefern.
11Die freuten sich, als sie es hörten, und versprachen, ihm Geld zu geben. Und er suchte, wie er ihn zu gelegener Zeit ausliefern könnte.
12Und am ersten Tag der ungesäuerten [Brote], als man das Passa schlachtete, sagen seine Jünger zu ihm: "Wohin willst du, dass wir gehen und Vorbereitung treffen, damit du das Passa essen kannst?"
13Und er sendet zwei seiner Jünger und sagt zu ihnen: "Geht hin in die Stadt, und es wird euch ein Mensch begegnen, der einen Tonkrug Wasser trägt. Folgt ihm!
14Und wo irgend er hineingehen mag, [dort] sprecht zu dem Hausherrn: 'Der Lehrer sagt: Wo ist das Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passa essen kann?'
15Und er selbst wird euch einen großen, mit Polstern belegten bereitstehenden Obersaal4 zeigen. Dort bereitet für uns zu."
16Und seine Jünger gingen hinaus und kamen in die Stadt und fanden es so, wie er ihnen gesagt hatte. Und sie bereiteten das Passa vor.
17Und als es Abend geworden war, kommt er mit den Zwölfen.
18Und als sie [zu Tisch] lagen und aßen, sagte Jesus: "Wahrlich! Ich sage euch: Einer von euch wird mich <verraten und> ausliefern, [einer], der mit mir isst."
19Sie fingen an, betrübt zu werden und einer nach dem anderen zu ihm zu sagen: "Ich?!", und ein anderer: "Ich?!"
20Er antwortete und sagte zu ihnen: "Einer von den Zwölfen, der mit mir in die Schüssel eintaucht.
21Der Sohn des Menschen geht dahin, ja, so wie über ihn geschrieben ist, aber wehe jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen ausgeliefert5 wird! Es wäre für jenen Menschen besser6, wenn er nicht geboren worden wäre."
22Und während sie aßen, nahm Jesus Brot, lobte, brach und gab ihnen und sagte: "Nehmt! Esst! Dieses ist mein7 Leib."
23Und er nahm den Becher, dankte und gab ihnen. Und sie tranken alle davon.
24Und er sagte zu ihnen: "Dieses ist8 mein Blut, das des neuen Bundes9, das für viele vergossen wird.
25Wahrlich! Ich sage euch, dass ich auf keinen Fall mehr trinken werde von dem Erzeugnis des Weinstocks, bis zu jenem Tag, wenn ich es aufs Neue trinke im Königreich Gottes."
26Und als sie eine Hymne gesungen hatten, gingen sie hinaus Richtung Berg der Olivenbäume.
27Und Jesus sagt zu ihnen: "In dieser Nacht werdet ihr alle an mir Anstoß nehmen, <stolpern und zu Fall kommen>, denn es ist geschrieben: 'Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden.' {Vgl. Sach 13,7.}
28Nachdem ich jedoch erweckt sein werde, werde ich euch voran nach Galiläa gehen."
29Aber Petrus sagte zu ihm: "Wenn auch alle Anstoß nehmen werden, so doch nicht ich!"
30Und Jesus sagt zu ihm: "Wahrlich! Ich sage dir: Du wirst heute, in dieser Nacht, ehe ein Hahn zweimal10 kräht11, mich dreimal verleugnen."
31Aber er sagte in sehr überschwänglicher Weise [noch] mehr: "Wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich auf keinen Fall verleugnen." Ebenso sprachen auch alle.
32Und sie kommen an ein Grundstück, dessen Name Gethsemane12 [ist], und er sagt zu seinen Jüngern: "Setzt euch hier, bis ich gebetet habe!"
33Und er nimmt Petrus und Jakobus und Johannes zu sich. Und er fing an, sehr bestürzt und geängstigt zu sein.
34Und er sagt zu ihnen: "Meine Seele ist sehr, sehr betrübt13, bis zum Tod14. Bleibt hier und wacht15!"
35Und er ging ein wenig weiter und fiel auf die Erde. Und er betete, dass16, wenn es möglich sei, die Stunde an ihm vorübergehe.
36Und er sagte: "Abba! Vater!17 Es ist dir alles möglich. Führe diesen Becher an mir vorüber. Doch nicht, was ich will, sondern was du [willst]."
37Und er kommt und findet sie schlafend. Und er sagt zu Petrus: "Simon, du schläfst? Warst du nicht imstande, eine Stunde zu wachen?
38Wacht und betet18, damit19 ihr nicht in Versuchung hineingeratet! Der Geist ist bereitwillig, ja, aber das Fleisch ist schwach."
39Und wieder ging er weg und betete und sagte dasselbe Wort.
40Und als er zurückkehrte, fand er sie wiederum schlafend, denn ihre Augen waren beschwert. Und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten.
41Und er kommt zum dritten Mal. Und er sagt zu ihnen: "Ihr schlaft vollends und ruht euch aus."20 "Das °Erwartete ist da! Die Stunde ist gekommen. Siehe! Der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder ausgeliefert.
42Steht auf! Lasst uns gehen! Siehe! Der, der mich <verrät und> ausliefert, hat sich genaht."
43Und sogleich, während er noch redet, kommt Judas, der einer von den Zwölfen ist, und mit ihm eine zahlreiche Menge mit Schwertern und Stöcken, von den Hohen Priestern und den Schriftgelehrten und den Ältesten her.
44Der, der ihn <verriet und> auslieferte, hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: "Der, den ich küssen werde, er ist es. Greift ihn und führt ihn sicher ab!"
45Und er kommt, geht sogleich hin zu ihm und sagt: "Rabbi! Rabbi!", und er küsste ihn herzlich21.
46Sie legten ihre Hände an ihn und griffen ihn.
47Aber einer, jemand von den Dabeistehenden, zog das Schwert und schlug den leibeigenen Knecht des Hohen Priesters und hieb ihm das Ohr ab.
48Und Jesus antwortete ihnen und sagte: "Wie gegen einen Räuber zogt ihr aus, mit Schwertern und Stöcken, mich festzunehmen.22
49Täglich war ich bei euch23 in der Tempelstätte und lehrte, und ihr grifft mich nicht. Jedoch, damit die Schriften erfüllt werden -."
50Und sie verließen ihn alle und flohen.
51Und einer, ein gewisser junger Mann, der ein Leinentuch um den bloßen24 [Leib] geworfen hatte, folgte ihm. Und es greifen ihn die jungen Männer.
52Aber er ließ das Leinentuch zurück und floh unbekleidet25 von ihnen.
53Und sie führten Jesus ab, hin zum Hohen Priester. Und es kommen bei ihm alle Hohen Priester und Ältesten und Schriftgelehrten zusammen.
54Und Petrus folgte ihm von ferne bis hinein in den Hof des Hohen Priesters. Und er saß mit den verantwortlichen Dienern zusammen und wärmte sich, zum Licht26 hin <gewandt>.
55Die Hohen Priester und der ganze Hohe Rat* suchten Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu Tode zu bringen. Und sie fanden keines,
56denn viele legten falsches Zeugnis gegen ihn ab, und die Zeugnisse waren nicht gleich.
57Und einige standen auf, legten falsches Zeugnis gegen ihn ab und sagten:
58"Wir hörten ihn sagen: 'Ich werde dieses Tempelheiligtum, das mit Händen gemacht ist, abbrechen, und innerhalb von drei Tagen werde ich ein anderes, das nicht mit Händen gemacht ist, bauen.'"
59Und auch so war ihr Zeugnis nicht gleich.
60Und der Hohe Priester stand auf, <trat> in die Mitte und fragte Jesus: "Hast du keine Antwort27 [auf] das, was diese gegen dich zeugen?"
61Aber er schwieg und antwortete nichts. Der Hohe Priester fragte ihn wieder und sagt zu ihm: "Bist du der Gesalbte28, der Sohn des Gelobten?"
62Jesus sagte: "Ich bin es. Und ihr werdet den Sohn des Menschen sehen, sitzend zur Rechten der Kraft und kommend mit den Wolken des Himmels."29
63Da zerriss der Hohe Priester seine Kleider, und er sagt: "Was haben wir noch Zeugen nötig?
64Ihr hörtet die Lästerung. Was meint ihr?" Sie verurteilten ihn alle: Er sei des Todes schuldig.
65Und etliche fingen an, ihn anzuspucken und sein Angesicht zu verhüllen und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: "Weissage!"30 Und die verantwortlichen Diener31 versetzten ihm Schläge.
66Und während Petrus unten im Hof ist, kommt eine von den Mägden des Hohen Priesters
67und sieht Petrus sich wärmen. Und sie blickt ihn an und sagt: "Auch du warst mit dem Nazarener Jesus."
68Er leugnete und sagte: "Ich weiß nicht, noch ist mir bekannt, was du sagst." Und er ging hinaus, nach draußen, in den Vorhof. Und ein Hahn °krähte.
69Und als die Magd ihn wieder sah, fing sie an, zu den Dabeistehenden zu sagen: "Der ist [einer] von ihnen."
70Aber er leugnete wieder. Und nach kurzem sagten wiederum die Dabeistehenden zu Petrus: "Wahrlich! Du bist einer von ihnen, denn du bist auch ein Galiläer, und dein Reden32 ist gleich."
71Aber er fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: "Ich weiß nicht [von] diesem Menschen, von dem ihr redet!"
72Und ein Hahn krähte °zum zweiten Mal. Und Petrus erinnerte sich an das Wort* Jesu, das33 er ihm gesagt hatte: "Ehe ein Hahn °zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen", und bedachte es: Und er weinte.

Fußnoten

  1. 1 D. s. die sieben Festtage, in denen Sauerteig nicht verwendet werden durfte.
  2. 2 eigtl.: dieses Umkommen
  3. 3 und sie handelte.
  4. 4 D. i. ein Raum in einem Obergeschoss.
  5. 5 eigtl.: <verraten und> ausgeliefert
  6. 6 eigtl.: gut; trefflich; schön
  7. 7 d. h.: steht für meinen; zum Gebrauch von "ist" i. S. v. "bedeutet" vgl. Lk 8,9E; 22,20; Joh 10,6; 16,17; Apg 10,17; 17,20E; 1Kor 10,16; Gal 4,25.
  8. 8 i. S. v.: steht für
  9. 9 o.: der neuen Bundesstiftung
  10. 10 Von der überwiegenden Mehrheit der Hss wird das Wort "zweimal" klar bezeugt. Gemäß Nestle-Aland (Apparat zum gr. Neuen Testament) lassen C[2], Aleph (Codex Sinaiticus), D, W und "wenige" (nicht mehr als sieben von 1700 gr. Handschriften; vgl. Pickering) das Wort "zweimal" aus. Der traditionelle Text ist also bestens bezeugt.
  11. 11 eigtl.: [seine] Stimme ertönen lässt
  12. 12 heb. für: Ölkelter
  13. 13 eigtl.: überbetrübt
  14. 14 d. h.: sie leidet großen Schmerz bis zum Tod.
  15. 15 o.: wacht <anhaltend>.
  16. 16 o.: dahingehend, dass
  17. 17 Nach Lenski ist "Vater!" die Üsg. des Markus für die Leser.
  18. 18 o.: betet <fortwährend>; o.: betet <inständig>; gr. Impf. (andauernde Handlung bzw. Nachdrücklichkeit andeutend)
  19. 19 o.: dahingehend, dass; im Falle der Üsg. im Text sind "wachen und beten" die Mittel, um nicht in Versuchung zu geraten; im Falle der Fn. ist "nicht in Versuchung geraten" ein Gebetsanliegen. (Im Lichte von Lk 22,40 ist wohl das Erste vorzuziehen.)
  20. 20 Die Aussage kann auch als Imperativ aufgefasst werden: Schlaft vollends und ruht euch aus!
  21. 21 Der Kuss, nicht er, war herzlich.
  22. 22 Der Satz könnte evtl. auch als Frage aufzufassen sein.
  23. 23 eigtl.: euch zugewandt
  24. 24 Vom Gt. ist unklar, ob ganz oder relativ bloß; aber (vom neutestamentlichen Zusammenhang her) vmtl.: relativ bloß, näml. nur mit der Leibwäsche bekleidet.
  25. 25 S. zu V. 51.
  26. 26 d. h.: zum Feuerschein
  27. 27 eigtl.: "Nicht antwortest du etwas"
  28. 28 gr. christos, heb. maschiach (Messias), der gesalbte, geweissagte Priesterkönig (Ps 2,2; 110,1.4).
  29. 29 o.: Und ihr werdet den Sohn des Menschen sehen als den zur Rechten der Kraft Sitzenden und als den mit den Wolken des Himmels Kommenden.
  30. 30 i. S. v.: Gib an, wer es war!
  31. 31 o.: die Gerichtsdiener; so a. V. 54.
  32. 32 d. h. wahrsch.: deine Aussprache
  33. 33 o.: den Ausspruch Jesu, den