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Neues Testament

Markus Kapitel 15

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und sogleich, am frühen Morgen, nachdem die Hohen Priester mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat* eine Ratssitzung gehalten und Jesus gebunden hatten, führten sie ihn ab und lieferten ihn an Pilatus aus.
2Und Pilatus fragte ihn: "Bist du der König der Juden?" Er antwortete und sagte zu ihm: "Du sagst es."
3Und die Hohen Priester klagten ihn vieler Dinge an.
4Pilatus fragte ihn wiederum: "Antwortest du nichts?", sagte er. "Sieh, wie vieles sie gegen dich zeugen!"
5Aber Jesus antwortete gar nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte.
6Jeweils zum Fest pflegte er ihnen einen Gefangenen freizulassen, wen immer sie sich erbaten.
7Es war [einer], Barabbas1, mit den Mitaufrührern gefangen genommen worden, welche in dem Aufruhr einen Mord begangen hatten.
8Und die Menge schrie hinauf und fing an, sich zu erbitten, [dass er tue], so wie er ihnen [bisher] immer zu tun pflegte.
9Pilatus antwortete und sagte zu ihnen: "Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freilasse?"
10- denn er merkte <allmählich>, dass die Hohen Priester ihn aus Neid ausgeliefert hatten.
11Aber die Hohen Priester wiegelten die Menge auf, dass er ihnen vielmehr den Barabbas freilassen sollte.
12Pilatus antwortete wieder und sagte zu ihnen: "Was wollt ihr also, dass ich mit dem tue, den ihr 'König der Juden' nennt?"
13Aber sie schrien wiederum: "Kreuzige ihn!"
14Pilatus sagte zu ihnen: "Was tat er denn Übles?" Aber sie schrien noch viel mehr: "Kreuzige ihn!"
15Pilatus beschloss, die Menge zufriedenzustellen, und ließ ihnen Barabbas frei. Und Jesus, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, überlieferte er, dass er gekreuzigt werde.
16Die Soldaten führten ihn ab in das Innere des Palastes (das ist das Prätorium*), und sie rufen die ganze Truppe zusammen.
17Und sie ziehen ihm Purpur an und flechten eine Dornenkrone und setzen sie ihm auf.
18Und sie fingen an, ihn zu begrüßen: "Freue dich*, König der Juden!"
19Und sie schlugen ihm mit einem Rohrstock auf das Haupt und spuckten ihn an, beugten die Knie und huldigten ihm.
20Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm das Purpur aus und zogen ihm die eigenen Oberkleider an. Und sie führen ihn hinaus, damit sie ihn kreuzigen.
21Und sie zwingen einen Vorübergehenden, einen gewissen Simon, einen Kyrenier, der [gerade] von einer ländlichen Gegend2 kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm sein Kreuz trage.
22Und sie bringen ihn an die Stätte Golgotha (was übersetzt 'Ort des Schädels' heißt).
23Und sie gaben ihm mit Myrrhe gewürzten Wein zu trinken, aber er nahm ihn nicht.
24Und sie kreuzigen ihn und verteilten seine Oberkleider unter sich und werfen das Los über sie, [um zu bestimmen,] wer sich was nehmen dürfe.
25Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.
26Und die Aufschrift seiner Anklage war angeschrieben: "Der König der Juden."
27Und zusammen mit ihm kreuzigen sie zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken,
28und es wurde die Schrift erfüllt, die sagt: "Und er wurde unter die Gesetzlosen3 gerechnet." {Jes 53,12}
29Und die Vorübergehenden lästerten ihn, schüttelten den Kopf und sagten: "Ha! Der du das Tempelheiligtum abbrichst und in drei Tagen aufbaust,
30rette dich selbst und steige herab vom Kreuz!"
31Gleicherweise spotteten auch die Hohen Priester mit den Schriftgelehrten untereinander und sagten: "Andere rettete er. Sich selbst kann er nicht retten!
32Der Gesalbte, der König Israels, steige nun herab vom Kreuz, damit wir sehen und glauben!" Auch die, die mit ihm gekreuzigt waren, beschimpften ihn.
33Als die sechste Stunde gekommen war, entstand Finsternis über die ganze °Erde bis zur neunten Stunde.
34Und zur neunten Stunde rief Jesus mit großer, <lauter> Stimme: "Eloi! Eloi! Lemá sabachthani?" (was übersetzt4 heißt: "Mein Gott! Mein Gott! Warum5 hast du mich verlassen?")
35Und einige von den Dabeistehenden, die es hörten, sagten: "Siehe! Er ruft Elia!"
36Und einer lief, füllte einen Schwamm mit saurem Wein, steckte ihn auf einen Rohrstab und gab ihm zu trinken und sagte: "Lasst [das]! Wir wollen sehen, ob Elia kommt, ihn herabzunehmen!"
37Aber Jesus entließ einen großen, <lauten> Ruf und hauchte aus6.
38Und der Vorhang des Tempelheiligtums wurde zerrissen in zwei [Stücke], von oben her bis unten.
39Als der Centurio7, der ihm gegenüber dabeistand, sah, dass er so rief und aushauchte, sagte er: "Wahrlich! Dieser Mensch war Gottes Sohn!"
40Es waren [da] auch Frauen, die von ferne zuschauten. Unter ihnen waren auch Maria von Magdala und Maria, des Jakobus, des Kleinen8, und Joses Mutter, und Salome,
41die ihm auch, als er in Galiläa war, gefolgt waren und ihm gedient hatten, und viele andere, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.
42Und als es schon Abend geworden war - es war nämlich Rüsttag9 (das ist der Vorsabbat) -,
43kam Josef, der von Arimathäa, ein vornehmer Ratsherr, der auch selbst auf das Königreich Gottes wartete. Und er wagte es und ging zu Pilatus hinein und erbat sich den Leib Jesu.
44Pilatus verwunderte sich, dass er bereits tot sei. Und er rief den Centurio herbei und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei.
45Und als er es von dem Centurio erfahren hatte, schenkte er Josef den Leib.
46Und [der] kaufte Leinentuch, nahm ihn herab, wickelte ihn in das Leinentuch und legte ihn nieder in einem Grab, das aus [dem] Felsen gehauen war. Und er wälzte einen Stein hin an die Tür des Grabes.
47Maria von Magdala und Maria, die [Mutter] des Joses, schauten zu, wohin er gelegt wurde.

Fußnoten

  1. 1 o.: Bar-Abbas; bed.: Sohn des Abbas
  2. 2 d. h.: nicht notwendigerweise vom Felde; agros kann "Feld" (o.: Gehöft; Hof) oder einfach "Land; Länderei" bedeuten.
  3. 3 o.: Ungesetzlichen; der V. 28 wird von der überwältigenden Mehrheit der gr. Hss unterstützt.
  4. 4 d. h.: aus dem Aramäischen
  5. 5 o.: Im Hinblick auf was; o.: In was hinein
  6. 6 näml. den Geist.
  7. 7 D. i. ein röm. Hauptmann, der über hundert Soldaten gesetzt war.
  8. 8 o.: Jüngeren
  9. 9 d. h.: der Tag der Zurüstung; d. i. der Freitag, an dem alles für den Sabbat, an dem nicht gearbeitet werden durfte, vorzubereiten war.