Zum Inhalt springen

Altes Testament

Prediger Kapitel 7

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Besser ein [guter] Name1 als gutes Salböl und der Tag des Todes als der Tag der Geburt2.
2Besser ins Haus der Trauer gehen als ins Haus des Gastmahls3 gehen, weil jenes das Ende aller Menschen ist, und der Lebende nimmt sich's zu Herzen.
3Besser Betrübt-Sein als Lachen, denn bei Übel4 des Angesichts ist es dem Herzen wohl5.
4Das Herz von Weisen ist im Haus der Trauer, aber das Herz von Toren im Haus der Freude.
5Besser das Schelten eines Weisen hören als dem Singen eines Toren zuhören;
6denn wie Dornengeknatter unter dem Topf6, so ist das Lachen7 des Toren. Auch das ist Nichtigkeit.
7Fürwahr, erpresstes Gut8 macht den Weisen zum Unsinnigen; und Bestechungsgeschenk richtet den Herzsinn9 zugrunde.
8Besser der Ausgang einer Sache als ihr Anfang. Besser langmütigen Geistes als hochmütigen Geistes.
9Sei nicht eilig in deinem Geist, verdrießlich10 zu werden, denn Verdrießlichkeit11 ruht in der Brust der Toren.
10Sag nicht: "Wie kommt es, dass die früheren Tage besser waren als diese?", denn nicht aus Weisheit fragst du das.
11Weisheit in Verbindung mit Erbbesitz ist gut und ein Vorteil für die, die die Sonne sehen;
12denn "im Schatten12 der Weisheit" [heißt] im Schatten des Geldes. Doch der Vorteil der Erkenntnis ist13: Die Weisheit erhält ihren Besitzer am Leben.
13Sieh das Werk Gottes an! Wer kann gerade machen, was er gekrümmt hat?
14Am Tag des Guten sei im Guten14 und am Tag des Übels sieh zu: Auch diesen hat Gott gemacht, ebenso wie jenen, in der Absicht, dass der Mensch nach sich15 nichts findet16.
15Allerlei habe ich gesehen in den Tagen meiner Nichtigkeit: Da ist ein Gerechter, der bei seiner Gerechtigkeit umkommt, und da ist ein Ehrfurchtsloser, der bei seiner Bosheit [seine Tage] verlängert.
16Sei nicht allzu gerecht und erzeige dich nicht übermäßig weise: Warum willst du dich ruinieren?
17Sei nicht allzu ehrfurchtslos und sei kein Tor: Warum willst du sterben, ehe deine Zeit da ist?
18Es ist gut, dass du an diesem festhältst und auch von jenem deine Hand nicht ablässt; denn der Gottesfürchtige entgeht dem allen.
19Die Weisheit leistet den Weisen kräftige Hilfe, mehr als die zehn Machthaber, die in der Stadt sind.
20Fürwahr, es ist kein Mensch auf der Erde, der <so> gerecht wäre, dass er [nur] Gutes täte und nicht sündigte.
21Auch richte nicht dein Herz auf all die Worte, die man redet, damit du nicht hörst, wie dein leibeigener Knecht dir flucht;
22denn sogar viele Male, dein Herz weiß es, hast auch du anderen geflucht.
23Dieses alles versuchte ich in der Weisheit. Ich sagte: "Ich will weise werden", aber sie blieb mir fern.
24Ferne17 [blieb] das, was war, und tief18, tief! Wer kann es erreichen19?
25Ich, für mich, machte mich daran, mitsamt meinem Herzen, Weisheit und richtiges Urteil zu erkennen20 und zu erkunden und zu suchen, und Ehrfurchtslosigkeit als eine Torheit zu erkennen und die Narrheit als eine Tollheit.
26Und da finde ich, für mich, bitterer als den Tod, die Frau21: Sie ist eine Schlinge und ihr Herz ist ein Fangnetz, ihre Hände sind Fesseln. Wer vor Gott als gut [besteht], wird ihr entrinnen; der Sünder aber wird durch sie gefangen.
27Sieh, dieses fand ich, sagt der Prediger, [indem ich] eines zum anderen [fügte], um zu einem richtigen Urteil zu gelangen22:
28Was meine Seele fortwährend suchte und nicht fand: Einen Mann fand ich aus Tausenden, aber eine Frau unter diesen allen fand ich nicht.
29Allein - sieh! - dieses fand ich: Gott hat den Menschen aufrichtig23 gemacht; sie aber suchten viele Ausklügelungen24.

Fußnoten

  1. 1 i. S. v.: ein guter Ruf
  2. 2 w.: seines Geborenwerdens
  3. 3 o.: des Trinkmahls; des festlichen Trinkens
  4. 4 vmtl. i. S. v.: Traurigkeit
  5. 5 o.: kann das Herz gut werden; o.: wird der Herzsinn (i. S. v.: der Denksinn) gebessert.
  6. 6 d. i.: dem Kochtopf, worunter das Feuer angefacht ist
  7. 7 o.: Scherzen
  8. 8 i. S. v.: unrechtmäßiger Gewinn
  9. 9 i. S. v.: den Denksinn; das gesunde Denken
  10. 10 o.: unwillig
  11. 11 o.: Unwille; Ärger
  12. 12 und Schirm; so a. i. Folg.
  13. 13 d. h.: was (den Besitz von) Wissen (bzw.: Erkenntnis) vorzüglicher macht (als das Besitzen von Geld):
  14. 14 o.: sei guter [Dinge]
  15. 15 o.: nach seinem Tode; 6,12.
  16. 16 o.: herausfinden muss; der Sinn ist wahrsch.: damit es für ihn, wenn er stirbt, nichts mehr gibt, was er noch herauszufinden hätte.
  17. 17 i. S. v.: Zu weit entfernt
  18. 18 i. S. v.: unerforschlich
  19. 19 und ergründen (Grundbed.: finden; antreffen)
  20. 20 o.: ein rechtes Denkergebnis zu bekommen
  21. 21 Gemeint ist die fremde Frau, die Ehebrecherin.
  22. 22 o.: um ein rechtes Denkergebnis zu bekommen.
  23. 23 o.: recht; o.: gerade
  24. 24 o.: Machenschaften; Berechnungen; Ränke