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Altes Testament

Richter Kapitel 11

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und Jefta, der Gileaditer, war ein kriegstüchtiger Mann. Er war aber der Sohn einer Hure. Und Gilead war der Vater Jeftas gewesen1.
2Und die Frau Gileads gebar ihm Söhne. Und als die Söhne der Frau groß geworden waren, vertrieben sie Jefta und sagten zu ihm: "Du sollst keinen Erbbesitz haben im Haus unseres Vaters, denn du bist der Sohn einer anderen Frau."
3Und Jefta floh vor seinen Brüdern und blieb im Land Tob. Und es sammelten sich zu Jefta lose2 Leute, und sie zogen mit ihm aus.
4Und es geschah nach einiger Zeit, da führten die Söhne Ammons Krieg gegen Israel.
5Und es geschah, als die Söhne Ammons gegen Israel Krieg führten, gingen die Ältesten Gileads hin, um Jefta aus dem Land Tob zu holen.
6Und sie sagten zu Jefta: "Komm und sei unser Anführer, dass wir gegen die Söhne Ammons kämpfen!"
7Und Jefta sagte zu den Ältesten Gileads: "Wart nicht ihr es, die mich hassten und aus dem Haus meines Vaters vertrieben? Warum kommt ihr zu mir - jetzt, da ihr in Bedrängnis seid?"
8Und die Ältesten Gileads sagten zu Jefta: "Darum sind wir jetzt zu dir zurückgekehrt, damit du mit uns ziehst und gegen die Söhne Ammons kämpfst. Und du sollst uns zum Haupt sein, allen Bewohnern Gileads."
9Und Jefta sagte zu den Ältesten Gileads: "Wenn ihr mich zurückholt, gegen die Söhne Ammons zu kämpfen, und Jahweh sie vor mir dahingibt, werde ich euch <dann> zum Haupt sein?"
10Und die Ältesten Gileads sagten zu Jefta: "Jahweh sei Zeuge zwischen uns: Wenn wir nicht so tun, wie du gesagt hast ...!"3
11Und Jefta ging mit den Ältesten Gileads mit. Und das Volk setzte ihn zum Haupt und Anführer über sich. Und Jefta redete alle seine Worte vor dem Angesicht Jahwehs in Mizpa.
12Und Jefta sandte Boten zum König der Söhne Ammons und sagte: "Was haben wir miteinander [zu schaffen], ich und du, dass du gegen mich gekommen bist, um gegen mein Land Krieg zu führen?"
13Und der König der Söhne Ammons sagte zu den Boten Jeftas: "Weil Israel, als es aus Ägypten heraufzog, mein Land genommen hat, vom Arnon bis an den Jabbok und bis an den Jordan. Und nun gib sie4 in Frieden zurück."
14Und Jefta sandte nochmals Boten zu dem König der Söhne Ammons
15und sagte zu ihm: "So sagt Jefta: Israel hat das Land Moabs und das Land der Söhne Ammons nicht genommen,
16sondern als sie aus Ägypten heraufzogen, wanderte Israel durch die Wüste bis zum Schilfmeer, und es kam nach Kadesch;
17und Israel sandte Boten zu dem König von Edom und sagte: 'Lass mich bitte durch dein Land ziehen!' Aber der König von Edom hörte nicht [darauf]. Und auch zum König von Moab sandte es. Aber er wollte nicht. Und so blieb Israel in Kadesch.
18Und es wanderte durch die Wüste und umging das Land Edom und das Land Moab und kam von Sonnenaufgang her zum Land Moab. Und sie lagerten jenseits des Arnons, aber in das <abgegrenzte> Gebiet Moabs kamen sie nicht, denn der Arnon ist die Grenze Moabs.
19Und Israel sandte Boten zu Sihon, dem König der Amoriter, dem König von Heschbon; und Israel sagte zu ihm: 'Lass uns bitte durch dein Land ziehen bis zu meinem Ort!'
20Aber Sihon traute Israel nicht, dass es innerhalb seiner Grenze [nur] durchziehen wollte. Und Sihon versammelte sein ganzes Volk. Und sie lagerten in Jahaz5. Und er kämpfte gegen Israel.
21Und Jahweh, der Gott Israels, gab Sihon und sein ganzes Volk in die Hand Israels, und sie schlugen sie. Und Israel nahm das ganze Land der Amoriter, die Bewohner jenes Landes, <als Erbe> in Besitz:
22Und sie nahmen das ganze Gebiet der Amoriter <als Erbe> in Besitz, vom Arnon bis an den Jabbok und von der Wüste bis an den Jordan.
23So hat nun Jahweh, der Gott Israels, die Amoriter vor seinem Volk Israel vertrieben, und du willst es <aus ihrem Besitz> verdrängen?
24Ist es nicht so?: Was Kemosch6, dein Gott, dir zum Besitz gibt, das nimmst du in Besitz. Und alles, was Jahweh, unser Gott, vor uns <aus dem Erbbesitz> verdrängt, das nehmen wir in Besitz7.
25Und nun, bist du etwa besser als Balak, der Sohn Zippors, der König von Moab? Ist er etwa mit Israel in einen Rechtsstreit getreten? Oder hat er etwa gegen sie Krieg geführt?
26Während Israel in Heschbon und in seinen Tochterstädten wohnte und in Aroër und in seinen Tochterstädten und in allen den Städten, die längs des Arnons [liegen], dreihundert Jahre lang - warum habt ihr [sie uns] nicht zu jener Zeit entrissen?
27Ich habe mich nicht versündigt gegen dich. Du aber bist im Begriff, an mir Übles zu tun, gegen mich Krieg zu führen. Jahweh, der Richter, möge heute richten zwischen den Söhnen Israels und den Söhnen Ammons!"
28Aber der König der Söhne Ammons hörte nicht auf die Worte Jeftas, die er zu ihm gesandt hatte.
29Und der Geist Jahwehs kam über8 Jefta, und er zog durch Gilead und Manasse und zog nach Mizpe in Gilead. Und von Mizpe in Gilead zog er hinüber zu den Söhnen Ammons.
30Und Jefta gelobte Jahweh ein Gelübde und sagte: "Wenn du die Söhne Ammons gewisslich in meine Hand gibst,
31soll der °Herausgehende, der aus der Tür meines Hauses herausgeht, mir zu begegnen - bei meiner Heimkehr in Frieden von den Söhnen Ammons, ja, er soll Jahweh gehören, und ich werde ihn als Brandopfer9 opfern!"
32Und Jefta zog gegen die Söhne Ammons, sie zu bekämpfen. Und Jahweh gab sie in seine Hand.
33Und er schlug sie von Aroër an bis [dorthin, wo] man nach Minnit kommt, zwanzig Städte, und bis nach Abel-Keramim. Ein sehr großer Schlag! Und die Söhne Ammons wurden gebeugt vor den Söhnen Israels.
34Und Jefta kam nach Mizpa zu seinem Haus, und - siehe! - da kam seine Tochter heraus, ihm zu begegnen, mit Tamburinen und mit Reigentänzen. Und nur sie [hatte er], als einzige. Er hatte außer ihr weder Sohn noch Tochter.
35Und es geschah, als er sie sah, da riss er seine Kleider entzwei und sagte: "O wehe! Meine Tochter! Tief beugst du mich nieder. Du bist unter denen, die mich in Trübsal10 bringen! - Ich selbst habe meinen Mund gegen Jahweh aufgerissen, und ich kann nicht zurück!"
36Und sie sagte zu ihm: "Mein Vater, hast du deinen Mund gegen Jahweh aufgerissen, so tu mir, wie es aus deinem Mund hervorgegangen ist, nachdem Jahweh dir Rache verschafft hat an deinen Feinden, den Söhnen Ammons."
37Und sie sagte zu ihrem Vater: "Dieses möge für mich getan werden: Lass zwei Monate lang von mir ab, dass ich hingehe und hinabsteige11, über die Berge hin, und meine Jungfrauschaft beweine, ich und meine Freundinnen."
38Und er sagte: "Gehe hin." Und er entließ sie für zwei Monate. Und sie ging hin, sie und ihre Freundinnen. Und sie beweinte ihre Jungfrauschaft - über die Berge hin.
39Und es geschah am Ende von zwei Monaten, da kehrte sie zu ihrem Vater zurück. Und er tat an ihr sein Gelübde, das er gelobt hatte. Sie hatte aber keinen Mann erkannt. Und es wurde zum Brauch12 in Israel:
40Jahr für Jahr gehen die Töchter Israels hin, um die Tochter Jeftas, des Gileaditers, zu besingen13, vier Tage im Jahr.

Fußnoten

  1. 1 eigtl.: hatte Jefta geboren gemacht; hatte veranlasst, dass Jefta geboren wurde.
  2. 2 o.: leichtfertige; ehrlose; Grundbed.: leer
  3. 3 D. i. eine Schwurformel; nur die erste Hälfte des Satzes wird ausgesprochen.
  4. 4 näml.: die Länder
  5. 5 o.: Jahzah; vgl. 4Mo 21,23.
  6. 6 Kemosch war die Hauptgottheit der Moabiter (wahrsch. auch der Ammoniter); bed. möglicherw.: Unterwerfer; Eroberer; Zerstörer.
  7. 7 o.: wen alles aber Jahweh, unser Gott, vor uns her enterbt, den beerben wir.
  8. 8 eigtl.: wurde über (o.: war auf)
  9. 9 w.: als Hinaufsteigendes (als aufsteigendes Opfer; 2Kön 3,27; Jer 19,5)
  10. 10 und Zerrüttung
  11. 11 näml.: von dem hochgelegenen Mizpa hinab ins umliegende Bergland
  12. 12 und zur Satzung
  13. 13 o.: über sie <erzählend> zu singen