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Altes Testament

Richter Kapitel 9

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und Abimelech, der Sohn Jerubbaals, ging nach Sichem zu den Brüdern seiner Mutter. Und er redete zu ihnen und zur ganzen Sippe des Hauses des Vaters seiner Mutter. Er sagte:
2"Redet doch in die Ohren aller Herren1 von Sichem: 'Was ist besser für euch? - dass siebzig Männer über euch herrschen, alle Söhne Jerubbaals, oder dass ein Mann über euch herrsche?' Und bedenkt, dass ich euer Gebein und euer Fleisch bin."
3Und die Brüder seiner Mutter redeten über ihn alle diese Worte in die Ohren aller Herren von Sichem. Und ihr Herz neigte sich Abimelech zu, denn sie sagten: "Er ist unser Bruder."
4Und sie gaben ihm siebzig [Schekel] Silber aus dem Haus des Baal-Berit. Und Abimelech heuerte damit lose2 und freche Männer an. Und sie folgten ihm nach.
5Und er kam in das Haus seines Vaters, nach Ofra, und tötete seine Brüder, die Söhne Jerubbaals, siebzig Mann auf einem Stein. Aber Jotam, der jüngste Sohn Jerubbaals, blieb übrig, denn er hatte sich versteckt.
6Und alle Herren von Sichem und das ganze Haus Millo3 versammelten sich und gingen hin und machten Abimelech zum König bei der Denkmal-Terebinthe, die bei Sichem ist.
7Und man berichtete es Jotam. Da ging er hin und stellte sich auf den Gipfel des Berges Garizim und erhob seine Stimme und rief und sagte zu ihnen: "Hört auf mich, Herren von Sichem, so wird Gott auf euch hören!
8Einst gingen die Bäume hin, einen König über sich zu salben. Und sie sagten zum Olivenbaum: 'Sei König über uns!'
9Und der Olivenbaum sagte zu ihnen: 'Sollte ich meine Fettigkeit aufgeben, die Götter und Menschen an mir preisen, und hingehen, um über den Bäumen zu schweben4?'
10Und die Bäume sagten zum Feigenbaum: 'Komm du, werde König über uns!'
11Und der Feigenbaum sagte zu ihnen: 'Sollte ich meine Süßigkeit und meine gute Frucht aufgeben und hingehen, um über den Bäumen zu schweben?'
12Und die Bäume sagten zum Weinstock: 'Komm du, werde König über uns!'
13Und der Weinstock sagte zu ihnen: 'Sollte ich meinen Most aufgeben, der Götter und Menschen erfreut, und hingehen, um über den Bäumen zu schweben?'
14Und alle Bäume sagten zum Dornstrauch: 'Komm du, werde König über uns!'
15Und der Dornstrauch sagte zu den Bäumen: 'Wollt ihr mich in Wahrheit zum König über euch salben, so kommt, sucht Zuflucht in meinem Schatten! Wenn aber nicht, so gehe Feuer von dem Dornstrauch aus und verzehre die Zedern des Libanon.'
16Und nun, wenn ihr in Wahrheit und in Lauterkeit gehandelt habt, dass ihr Abimelech zum König gemacht habt, und wenn ihr Gutes getan habt an Jerubbaal und an seinem Hause, und wenn ihr ihm nach dem Tun seiner Hände getan habt ...!5
17Fürwahr, mein Vater kämpfte für euch und warf seine Seele6 hin und rettete euch aus der Hand Midians,
18ihr aber habt euch heute gegen das Haus meines Vaters erhoben und seine Söhne getötet, siebzig Mann auf einem Stein, und habt Abimelech, den Sohn seiner Magd, über die Herren von Sichem zum König gemacht, weil er euer Bruder ist! -
19Wenn ihr also an diesem [heutigen] Tag in Treue und in Lauterkeit an Jerubbaal und an seinem Haus gehandelt habt, habt Freude an Abimelech, und auch er habe Freude an euch!
20Wenn aber nicht, gehe Feuer von Abimelech aus und verzehre die Herren von Sichem und das Haus7 Millo, und Feuer gehe aus von den Herren von Sichem und vom Haus Millo und verzehre Abimelech!"
21Und Jotam floh und entwich und ging nach Beer. Und er blieb dort wegen seines Bruders Abimelech.
22Und Abimelech war drei Jahre Herrscher über Israel.
23Und Gott sandte einen bösen Geist zwischen Abimelech und die Herren von Sichem. Und die Herren von Sichem wurden Abimelech abtrünnig,
24damit die Gewalttat an den siebzig Söhnen Jerubbaals [auf ihn] käme und ihr Blut auf ihren Bruder Abimelech gelegt würde, der sie getötet hatte, und auf die Herren von Sichem, die seine Hände gestärkt hatten, seine Brüder zu töten.
25Und die Herren von Sichem legten ihm Hinterhalte8 auf den Spitzen der Berge, und sie beraubten jeden, der auf dem Weg bei ihnen vorüberzog. Und es wurde Abimelech berichtet.
26Und Gaal9, der Sohn Ebeds10, kam mit seinen Brüdern, und sie zogen hinüber, hinein nach Sichem. Und die Herren von Sichem vertrauten ihm.
27Und sie gingen aufs Feld hinaus und hielten Lese in ihren Weinbergen und kelterten. Und sie machten ein Erntefest und gingen in das Haus ihres Gottes und aßen und tranken, und sie fluchten Abimelech.
28Und Gaal, der Sohn Ebeds, sagte: "Wer ist Abimelech und wer Sichem, dass wir ihm dienen sollten? Ist er nicht der Sohn Jerubbaals, und Sebul sein Beauftragter? Dient den Männern Hamors, des Vaters von Sichem! - Aber wir, warum sollten wir ihm11 dienen?
29Hätte ich nur dieses Volk unter meiner Hand, verjagen12 würde ich Abimelech!" Und an Abimelech [gerichtet]13 sagte er: "Mach dein Heer groß14 und zieh aus!"
30Und Sebul, der Stadtoberste, hörte die Worte Gaals, des Sohnes Ebeds. Da entbrannte sein Zorn,
31und er sandte insgeheim15 Boten zu Abimelech und sagte: "Siehe! Gaal, der Sohn Ebeds, und seine Brüder sind nach Sichem gekommen. Und - siehe! - sie wiegeln die Stadt gegen dich auf.
32Und nun, mache dich in der Nacht auf, du und das Volk, das bei dir ist, und lege dich auf dem Feld in den Hinterhalt.
33Und es geschehe am Morgen, wenn die Sonne aufgeht, mache dich früh auf und überfalle die Stadt. Und - siehe! - wenn er und das Volk, das bei ihm ist, gegen dich hinausziehen, <dann> tue ihm, wie deine Hand [es] finden wird."
34Und Abimelech und alles Volk, das bei ihm war, machten sich in der Nacht auf: Und sie legten sich in vier Abteilungen gegen Sichem in den Hinterhalt.
35Und Gaal, der Sohn Ebeds, ging hinaus und trat an den Eingang des Stadttores. Abimelech aber machte sich mit dem Volk, das bei ihm war, aus dem Hinterhalt auf.
36Und Gaal sah das Volk und sagte zu Sebul: "Siehe! Volk kommt von den Spitzen der Berge herab." Und Sebul sagte zu ihm: "Den Schatten der Berge siehst du für Männer an."
37Und Gaal redete weiter und sagte: "Siehe! Volk kommt von der Höhe des Landes herab, und eine Abteilung kommt aus der Richtung von Elon-Meonenim16."
38Und Sebul sagte zu ihm: "Wo ist nun dein Mund, mit dem du sagtest: 'Wer ist Abimelech, dass wir ihm dienen sollten?' Ist das nicht das Volk, das du verachtetest? Ziehe nun aus und kämpfe gegen es!"
39Und Gaal zog aus, vor den Herren von Sichem her, und kämpfte gegen Abimelech.
40Und Abimelech jagte ihm nach. Und er floh vor ihm. Und es fielen viele Durchbohrte, bis hin zum Eingang des Tores.
41Und Abimelech blieb in Aruma17. Und Sebul vertrieb Gaal und seine Brüder, sodass sie nicht mehr in Sichem blieben.
42Und es geschah am nächsten Tag, da ging das Volk aufs Feld hinaus. Und man berichtete es Abimelech.
43Und er nahm das [Kriegs]volk und teilte es in drei Abteilungen und legte sich auf dem Feld in einen Hinterhalt. Und er sah, und - siehe! - das Volk kam aus der Stadt heraus. Und er erhob sich gegen sie und schlug sie.
44Und Abimelech und die Abteilungen, die bei ihm waren, brachen hervor und stellten sich an den Eingang des Stadttores. Und zwei der Abteilungen schwärmten aus, über alle her, die auf dem Feld waren, und schlugen sie.
45Und jenen ganzen Tag bekämpfte Abimelech die Stadt. Und er nahm die Stadt ein, und das Volk, das darin war, tötete er. Und er riss die Stadt nieder und bestreute sie mit Salz18.
46Und alle Herren des Festungsturms von Sichem19 hörten davon. Und sie gingen in das Gewölbe20 des Hauses des Gottes Berit21.
47Und Abimelech wurde berichtet, dass alle Herren des Festungsturms von Sichem sich versammelt hätten.
48Da stieg Abimelech auf den Berg Zalmon, er und das ganze [Kriegs]volk, das bei ihm war. Und Abimelech nahm die Axt in seine Hand und hieb Äste von [den] Bäumen ab und hob sie auf und legte sie auf seine Schulter und sagte zum [Kriegs]volk, das bei ihm war: "Was ihr mich tun seht, seid schnell, tut es wie ich!"
49Da hieb auch das ganze [Kriegs]volk, jeder seinen Ast ab. Und sie folgten Abimelech und legten [die Äste] auf das Gewölbe und legten Feuer an das Gewölbe über ihnen. Und so starben auch alle Leute des Festungsturms von Sichem22, etwa tausend Männer und Frauen.
50Und Abimelech zog nach Tebez. Und er belagerte Tebez und nahm es ein.
51Es war aber ein starker Festungsturm mitten in der Stadt, und dahin flohen alle Männer und Frauen, alle Herren der Stadt. Und sie schlossen hinter sich zu und stiegen auf das Dach des Festungsturms.
52Und Abimelech kam an den Festungsturm und kämpfte gegen ihn an. Und er trat nahe an den Eingang des Festungsturms, um ihn im Feuer zu verbrennen.
53Da warf eine Frau einen oberen Mühlstein auf den Kopf Abimelechs und zertrümmerte seinen Schädel.
54Und er rief schnell den Burschen, der seine Waffen trug, und sagte zu ihm: "Zieh dein Schwert und töte mich, dass man nicht von mir sage: 'Eine Frau hat ihn getötet'!" Und sein Bursche durchbohrte ihn. Und er starb.
55Als aber die Männer Israels sahen, dass Abimelech tot war, gingen sie, jeder an seinen Ort.
56So brachte Gott die Bosheit Abimelechs, die er an seinem Vater begangen hatte, indem er seine siebzig Brüder tötete, [auf ihn] zurück.
57Und die ganze Bosheit der Männer von Sichem brachte Gott auf ihren Kopf zurück. Und so kam der Fluch Jotams, des Sohnes Jerubbaals, über sie.

Fußnoten

  1. 1 o.: Besitzer; Eigentümer; Bürger; hier: die zur Stadtaristokratie Gehörenden; so a. i. Folg.
  2. 2 o.: leichtfertige; ehrlose; Grundbed.: leer
  3. 3 d. h.: die ganze Bewohnerschaft des Millo; der Millo (bed.: Aufschüttung; Füllung; Burg) war eine Befestigungsanlage.
  4. 4 o.: zu schwanken; das Wort kann eine schwankende o. baumelnde Bewegung von Gegenständen in der Höhe bezeichnen.
  5. 5 Der unvollständige Satz ist eine Schwurformel; die zweite Hälfte wird nicht ausgesprochen.
  6. 6 d. h.: sein Leben
  7. 7 i. S. v.: die Bewohnerschaft
  8. 8 d. i.: Wegelagerer; Nachsteller (am Ebal und am Garizim, zwischen denen Sichem lag)
  9. 9 bed.: Ekel
  10. 10 bed.: Knecht; Leibeigener
  11. 11 d. i.: Abimelech
  12. 12 o.: beseitigen
  13. 13 o.: Und in Bezug auf den [nicht anwesenden] Abimelech
  14. 14 o.: Verstärke (o.: Mehre) dein Heer
  15. 15 and.: er sandte nach Torma (o.: Aruma; V. 41)
  16. 16 o.: von der Wahrsager-Eiche
  17. 17 bed.: Anhöhe
  18. 18 D. i. ein Zeichen für das Verwandeln in eine unfruchtbare Salzwüste (Ps 107,34).
  19. 19 o.: alle Herren von Migdal-Sichem; so a. i. Folg.
  20. 20 D. i. vmtl. ein Kellergewölbe.
  21. 21 o.: des Bundesgottes
  22. 22 o.: von Migdal-Sichem