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Altes Testament

Richter Kapitel 19

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und es geschah in jenen Tagen - und einen König gab es nicht in Israel -, da hielt sich an der äußersten Seite des Berglands Ephraim ein Mann, ein Levit, als Fremder auf. Und er nahm sich eine Frau, eine Nebenfrau, aus Bethlehem-Juda.
2Und seine Nebenfrau hurte neben ihm. Und sie ging von ihm weg zum Haus ihres Vaters nach Bethlehem-Juda und war dort [etliche] Tage, vier Monate.
3Und ihr Mann machte sich auf und ging ihr nach, um zu ihrem Herzen zu reden, um sie zurückzubringen. Und mit ihm war sein Bursche und ein Gespann Esel. Und sie führte ihn in das Haus ihres Vaters. Und als der Vater der jungen Frau ihn sah, kam er ihm freudig entgegen.
4Und sein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau, hielt ihn zurück. Und er blieb drei Tage bei ihm. Und sie aßen und tranken und übernachteten dort.
5Und es geschah am vierten Tag, da machten sie sich früh am Morgen auf. Und er erhob sich, um zu gehen. Aber der Vater der jungen Frau sagte zu seinem Schwiegersohn: "Stärke1 dein Herz mit einem Bissen Brot, und danach mögt ihr ziehen."
6Und sie blieben und aßen und tranken beide miteinander. Und der Vater der jungen Frau sagte zu dem Mann: "Tu mir doch den Gefallen und übernachte und lass es deinem Herzen gut gehen!"
7Und als der Mann sich erhob, um zu gehen, nötigte ihn sein Schwiegervater. Und er übernachtete nochmals dort.
8Und am fünften Tag machte er sich früh am Morgen auf, um zu gehen. Und der Vater der jungen Frau sagte: "Stärke dein Herz!" Und sie säumten bis zur Neige des Tages und aßen beide.
9Und der Mann erhob sich, um zu gehen, er und seine Nebenfrau und sein Bursche. Aber sein Schwiegervater, der Vater der jungen Frau, sagte zu ihm: "Ach - siehe! - der Tag nimmt ab, es wird Abend. Übernachtet doch! Siehe! - der Tag neigt sich. Übernachte hier und lass es deinem Herzen gut gehen. Und ihr könnt euch morgen früh auf euren Weg machen, und <dann> kannst du zu deinem Zelt gehen."
10Aber der Mann willigte nicht ein, zu übernachten. Und er erhob sich und ging. Und er kam bis gegenüber Jebus (das ist Jerusalem). Und bei ihm war das Gespann gesattelter Esel, und seine Nebenfrau war bei ihm.
11Als sie bei Jebus waren und der Tag sehr gesunken war, da sagte der Bursche zu seinem Herrn: "Komm, wir wollen in diese Stadt der Jebusiter abbiegen und darin übernachten."
12Aber sein Herr sagte zu ihm: "Wir wollen nicht in eine Stadt der Ausländer abbiegen, die nicht von den Söhnen Israels sind, sondern lasst uns nach Gibea hinüberziehen."
13Und er sagte zu seinem Burschen: "Komm, dass wir uns einer der Ortschaften nähern und in Gibea oder in Rama übernachten."
14Und sie zogen weiter und gingen. Und die Sonne ging ihnen unter neben Gibea, das zu Benjamin gehört.
15Und sie wandten sich dorthin, hineinzugehen, um in Gibea zu übernachten. Und er kam hinein und blieb auf dem Platz der Stadt. Und da war keiner, der sie zum Übernachten ins Haus aufgenommen hätte.
16Und - siehe! - ein alter Mann kam von seiner Arbeit vom Feld, am Abend. Und der Mann war vom Bergland Ephraim. Und er hielt sich in Gibea als Fremder auf. Die Männer des Ortes aber waren Benjaminiter.
17Und er erhob seine Augen und sah den Mann, den Reisenden, auf dem Platz der Stadt. Und der alte Mann sagte: "Wohin gehst du? Und woher kommst du?"
18Und er sagte zu ihm: "Wir sind dabei, hinüberzuziehen von Bethlehem-Juda bis zur hinteren Seite des Berglands Ephraim. Von dort bin ich her. Und ich ging nach Bethlehem-Juda. Und ich gehe mit dem Haus Jahwehs2. Und es ist niemand da, der mich in sein Haus aufnimmt,
19obschon wir sowohl Stroh als auch Futter für unsere Esel haben, und ich habe auch Brot und Wein für mich und für deine Magd und für den Burschen bei deinen Knechten. Es gibt keinen Mangel an irgendetwas."
20Der alte Mann sagte: "Friede dir! Nur, dein ganzer Mangel sei auf mir!3 Übernachte nur nicht auf dem Platz!"
21Und er führte ihn in sein Haus und mischte [Futter] für die Esel. Und sie wuschen ihre Füße und aßen und tranken.
22Und sie ließen ihr Herz guter Dinge sein. Und - siehe! - da umringten Männer der Stadt, [etliche] Männer, Söhne Belials4, das Haus. Sie schlugen an die Tür und sagten zu dem alten Mann, dem Herrn des Hauses: "Führe den Mann, der in dein Haus gekommen ist, heraus! Wir wollen ihn erkennen5!"
23Da ging der Mann, der Herr des Hauses, zu ihnen hinaus und sagte zu ihnen: "Nicht doch, meine Brüder! Tut nicht übel! Nachdem dieser Mann in mein Haus gekommen ist, tut nicht diese schändliche Torheit!
24Siehe! - meine Tochter, die Jungfrau, und seine Nebenfrau! Lasst mich doch sie hinausführen. Und entehrt6 sie und macht mit ihnen, was gut ist in euren Augen. Aber an diesem Mann tut nichts von dieser schändlichen Torheit!"
25Aber die Männer wollten nicht auf ihn hören. Da ergriff der Mann seine Nebenfrau und gab sie ihnen nach draußen7. Und sie erkannten sie und trieben ihren Mutwillen mit ihr die ganze Nacht bis zum Morgen. Und sie entließen sie, als das erste Morgenlicht aufging.
26Und die Frau kam beim Anbruch des Morgens und fiel am Eingang des Hauses des Mannes, wo ihr Herr war, nieder [und lag], bis es hell wurde.
27Und als ihr Herr am Morgen aufstand und die Türen des Hauses öffnete und hinausging, um seines Weges zu gehen - siehe! -, da [lag] die Frau, seine Nebenfrau, hingefallen am Eingang des Hauses, ihre Hände auf der Schwelle.
28Und er sagte zu ihr: "Stehe auf und lass uns gehen!" Aber niemand antwortete. Da nahm er sie auf den Esel. Und der Mann machte sich auf und zog an seinen Ort.
29Und als er in sein Haus gekommen war, nahm er das Messer und ergriff seine Nebenfrau und zerschnitt sie bis zu den Knochen - in zwölf Stücke. Und er schickte sie in alle Grenzen Israels.
30Und es geschah, jeder, der es sah, sagte: "Nicht geschehen und nicht gesehen worden ist so etwas seit dem Tag, als die Söhne Israels aus dem Land Ägypten heraufgezogen sind, bis zu diesem Tag. Richtet [euer Herz] darauf, beratet und sprecht!"

Fußnoten

  1. 1 und erfrische; so a. V. 8.
  2. 2 so der Mas. T.; n. d. gr. Üsg.: und ich bin im Begriff zu meinem Haus zu gehen.
  3. 3 d. h.: Nur, lass mich für deinen Mangel sorgen!
  4. 4 d. i.: Söhne der Nichtswürdigkeit (o.: des Verderbens)
  5. 5 Vgl. 1Mo 4,1; 19,5.
  6. 6 o.: schwächt; erniedrigt; demütigt
  7. 7 w.: machte sie nach draußen gehen.