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Altes Testament

Richter Kapitel 16

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und Simson ging nach Gaza. Und er sah dort eine Frau, eine Hure. Und er ging zu ihr hinein.
2Den Gazitern [wurde] gesagt: "Simson ist hierhergekommen." Und sie umstellten ihn und lauerten ihm die ganze Nacht im Stadttor auf. Und sie hielten sich die ganze Nacht still und sagten: "Bis zum ersten Morgenlicht, <dann> töten wir ihn!"
3Und Simson lag bis zur Hälfte der Nacht1. Zur Hälfte der Nacht stand er auf. Und er ergriff die Türflügel des Stadttores und die beiden Pfosten und riss sie mitsamt dem Riegel heraus. Und er legte sie auf seine Schultern und trug sie hinauf auf den Gipfel des Berges, der nach Hebron zu [liegt].
4Und es geschah danach, da liebte er eine Frau im Bachtal Sorek2. Ihr Name war Delila3.
5Und die Stadtfürsten der Philister gingen zu ihr hinauf und sagten zu ihr: "Betöre4 ihn und sieh, wodurch seine Kraft [so] groß ist und womit wir ihn überwältigen können, dass wir ihn binden, um ihn zu bezwingen; <dann> werden wir dir jeder tausendeinhundert [Schekel] Silber geben."
6Und Delila sagte zu Simson: "Teile mir doch mit, wodurch deine Kraft [so] groß ist und womit du gebunden werden kannst, um dich zu bezwingen."
7Und Simson sagte zu ihr: "Bände man mich mit sieben feuchten Sehnen, die nicht getrocknet wurden, so würde ich schwach und würde wie einer der Menschen5."
8Und die Stadtfürsten der Philister brachten sieben feuchte Sehnen, die nicht getrocknet wurden, zu ihr hinauf. Und sie band ihn damit.
9(Die Lauernden6 aber saßen bei ihr in der Kammer.) Und sie sagte zu ihm: "Philister über dir, Simson!" Da zerriss er die Sehnen, wie man einen Flachsfaden zerreißt, wenn er Feuer riecht7. Und seine Kraft8 wurde nicht erkannt.
10Und Delila sagte zu Simson: "Siehe! Du hast mich getäuscht und Lügen zu mir geredet. Nun teile mir doch mit, womit du gebunden werden kannst!"
11Und er sagte zu ihr: "Bände man mich fest mit neuen Stricken, mit denen keine Arbeit getan worden ist, so würde ich schwach und würde wie einer der Menschen9."
12Und Delila nahm neue Stricke und band ihn damit. Und sie sagte zu ihm: "Philister über dir, Simson!" (Die Lauernden aber saßen in der Kammer.) Und er riss sie von seinen Armen wie einen Faden.
13Und Delila sagte zu Simson: "Bisher hast du mich getäuscht und Lügen zu mir geredet. Teile mir mit, womit du gebunden werden kannst!" Und er sagte zu ihr: "Wenn du die sieben Haarflechten meines Hauptes mit den Kettfäden10 verwebtest."
14Und sie befestigte [sie] mit dem Pflock11. Und sie sagte zu ihm: "Philister über dir, Simson!" Und er erwachte von seinem Schlaf und riss den Pflock, das Weberschiffchen und die Kettfäden heraus.
15Und sie sagte zu ihm: "Wie kannst du sagen: 'Ich liebe dich' - und [dabei] ist dein Herz nicht mit mir? Nun hast du mich dreimal getäuscht und mir nicht mitgeteilt, wodurch deine Kraft [so] groß ist."
16Und es geschah, als sie alle Tage mit ihren Worten in ihn drang und ihn drängte, da zog es ihm die Seele zusammen12 - bis zum Sterben.
17Und er teilte ihr sein ganzes Herz mit und sagte zu ihr: "Kein Schermesser ist auf mein Haupt gekommen, denn ein Nasiräer13 Gottes bin ich von Mutterleib an. Würde ich geschoren, so wiche meine Kraft von mir, und ich würde schwach und würde wie alle Menschen."
18Und Delila sah, dass er ihr sein ganzes Herz mitgeteilt hatte, und sie sandte hin und rief die Stadtfürsten der Philister und sagte: "Kommt herauf! Dieses Mal!" - denn er hatte ihr sein ganzes Herz mitgeteilt. Und die Stadtfürsten der Philister kamen zu ihr hinauf. Und in ihrer Hand brachten sie das Geld mit.
19Und sie ließ ihn auf ihren Knien einschlafen. Und sie rief den Mann und ließ die sieben Haarflechten seines Hauptes abscheren. Und sie fing an, ihn zu bezwingen. Und seine Kraft wich von ihm.
20Sie sagte: "Philister über dir, Simson!" Und er erwachte von seinem Schlaf und sagte <sich>: "Ich werde davonkommen wie jedes Mal und werde mich freischütteln." Er wusste aber nicht, dass Jahweh von ihm gewichen war.
21Und die Philister griffen ihn und stachen ihm die Augen aus. Und sie führten ihn nach Gaza hinab und banden ihn mit ehernen Doppelketten. Und im Gefängnis musste er die Mühle drehen.
22Aber das Haar seines Hauptes, nachdem es geschoren worden war, begann zu wachsen.
23Und die Stadtfürsten der Philister versammelten sich, um ihrem Gott Dagon14 ein großes Schlachtopfer zu opfern, und zur Freude, denn sie sagten: "Unser Gott hat Simson, unseren Feind, in unsere Hand gegeben."
24Und als das Volk ihn sah, priesen sie ihren Gott, denn sie sagten: "Unser Gott hat unseren Feind in unsere Hand gegeben, den Verwüster unserer Erde, ja, den, der unsere Durchbohrten zahlreich machte."
25Und es geschah, als ihr Herz guter Dinge war, da sagten sie: "Ruft Simson, dass er vor uns tanze <und uns belustige>." Und sie riefen Simson aus dem Gefängnis, und er tanzte vor ihnen <zur Belustigung>. Und sie stellten ihn zwischen die Säulen.
26Und Simson sagte zu dem Burschen, der ihn an der Hand hielt: "Lass mich los, damit ich die Säulen betaste, auf denen das Haus gegründet ist, und mich an sie lehne."
27Das Haus war aber voll von Männern und Frauen, und alle Stadtfürsten der Philister waren dort. Und auf dem Dach waren etwa dreitausend Männer und Frauen, die dem Spaßmachen Simsons zusahen.
28Und Simson rief zu Jahweh und sagte: "Herr, Jahweh, bitte, gedenke meiner und stärke mich bitte nur dieses Mal, o Gott, dass ich Rache nehme an den Philistern, eine Rache für meine beiden Augen!"
29Und Simson umfasste die beiden Säulen der Mitte, auf denen das Haus gegründet war, und er stemmte sich gegen sie, gegen die eine mit seiner Rechten und gegen die andere mit seiner Linken.
30Und Simson sagte: "Meine Seele sterbe mit den Philistern!" Und er beugte sich mit Kraft. Und das Haus fiel auf die Stadtfürsten und auf alles Volk, das darin war. Und die Toten, die er bei seinem Tod tötete, waren mehr als die, die er in seinem Leben getötet hatte.
31Und seine Brüder und das ganze Haus seines Vaters kamen herab und hoben ihn auf und brachten ihn hinauf und begruben ihn zwischen Zora und Eschtaol, im Grab Manoachs, seines Vaters. Er hatte aber Israel zwanzig Jahre gerichtet.

Fußnoten

  1. 1 o.: bis mitten in der Nacht
  2. 2 d. i.: im Traubental
  3. 3 bed.: die Schmachtende; die Schwache
  4. 4 o.: Verleite; berede
  5. 5 i. S. v.: wie einer der übrigen Menschen.
  6. 6 w.: der Lauernde (hier wahrsch. kollektiv); so a. i. Folg.
  7. 7 i. S. v.: in die Nähe des Feuers kommt.
  8. 8 i. S. v.: die Ursache seiner Kraft
  9. 9 i. S. v.: wie einer der übrigen Menschen
  10. 10 D. s. Fäden am Webstuhl.
  11. 11 o.: sie schob (die Gewebefäden und die Haarflechten) mit dem Pflock zusammen.
  12. 12 o.: da wurde seine Seele ungeduldig (o.: beengt; w.: kurz)
  13. 13 D. i. ein Geweihter, ein Abgesonderter.
  14. 14 bed.: Fisch