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Neues Testament

Lukas Kapitel 10

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Nach diesem ernannte der Herr auch andere, siebzig, und sandte sie zu je Zweien vor seinem Angesicht her in jede Stadt und an jeden Ort, wohin er im Begriff war zu kommen.
2Er sagte also <in einer Rede> zu ihnen: "In der Tat, die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Fleht also zum Herrn der Ernte, auf dass er Arbeiter in seine Ernte hinaustue.
3Geht hin! Siehe! Ich sende euch wie Lämmer inmitten von Wölfen.
4Tragt nicht Beutel1 noch Tasche, auch nicht Schuhe. Und grüßt niemanden auf dem Weg.
5Zu dem Haus, in welches ihr eingehen solltet, sagt zuerst: 'Friede diesem Hause!'
6Und wenn dort ein Sohn des Friedens ist, wird euer Friede auf ihm ruhen (wenn aber nicht, wird er wieder auf euch zurückkehren).
7In eben dem Haus bleibt und esst und trinkt, was von ihnen [kommt], denn der Arbeiter ist seines Lohnes würdig. Zieht nicht um von Haus zu Haus.
8Und in der Stadt, in welche irgend ihr eingehen solltet und [in der] sie euch aufnehmen, esst, was euch vorgesetzt wird,
9und heilt die Kranken in derselben. Und sagt zu ihnen: 'Das Königreich Gottes hat sich zu euch hin genaht.'
10Aber zu der Stadt, in welche irgend ihr eingehen solltet und [in der] sie euch nicht aufnehmen, sagt, nachdem ihr auf ihre Straßen hinausgegangen seid:
11'Auch den Staub, der sich uns aus eurer Stadt anhängte, wischen wir gegen euch ab. Doch dieses nehmt zur Kenntnis, dass das Königreich Gottes sich zu euch hin genaht hat.'
12Ich sage euch: Es wird für Sodom an jenem Tag erträglicher sein als für jene Stadt!
13Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida2! - denn wenn in Tyrus und Sidon die Krafttaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, längst hätten sie, in Sack und Asche gesessen3 und Buße getan.
14Doch es wird für Tyrus und Sidon im Gericht erträglicher sein als für euch.
15Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht wurdest, bis zum Hades4 wirst du hinabgestoßen werden!
16Wer euch hört5, hört mich. Und wer euch verwirft, verwirft mich. Aber wer mich verwirft, verwirft den, der mich sandte."
17Die Siebzig kehrten mit Freude zurück: "Herr", sagten sie, "auch die Dämonen unterordnen sich uns6 in deinem Namen."
18Aber er sagte zu ihnen: "Ich schaute den Satan wie einen Blitz aus dem Himmel fallen.
19Siehe! Ich gebe euch die Vollmacht, auf Schlangen und Skorpione zu treten und über alle Kraft des Feindes, und keinesfalls wird euch irgendetwas Schaden zufügen.
20Doch nicht darüber freut euch, dass die Geister euch untergeordnet werden. Freut euch aber darüber, dass eure Namen in den Himmeln geschrieben wurden."
21In eben der Stunde frohlockte Jesus im Geist und sagte: "Ich bekenne dir Lob, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dieses vor Weisen und Verständigen verbargst und es Unmündigen offenbartest7. Ja, Vater! - weil es so vor dir ein Wohlgefallen fand."
22Und zu seinen Jüngern gewandt sagte er: "Alles wurde mir übergeben von meinem Vater. Und niemand hat Kenntnis, wer der Sohn ist, als nur der Vater, und wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem immer [ihn] der Sohn offenbaren8 will."
23Und er wandte sich den Jüngern gesondert zu und sagte: "Selig die Augen, die schauen, was ihr schaut!
24- denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wünschten zu sehen, was ihr schaut, und sahen es nicht, und zu hören, was ihr hört, und hörten es nicht."
25Und - siehe - ein Gesetzesgelehrter stand auf: Er versuchte ihn und sagte: "Lehrer, was [soll] ich getan haben9, um ewiges Leben zu erben10?"
26Er sagte zu ihm: "Was ist im Gesetz geschrieben? Wie liest du?"
27Er antwortete und sagte: "Du sollst* den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deiner ganzen Stärke und aus deinem ganzen Denken - und deinen Nächsten11 wie dich selbst." {5Mo 6,5; 3Mo 19,18}
28Er sagte zu ihm: "Du hast recht geantwortet. Tue das <stets>, und du wirst leben."
29Er wollte sich aber selbst rechtfertigen und sagte zu Jesus: "Und wer ist mein Nächster?"
30Jesus nahm [die Frage] auf und sagte: "Ein gewisser Mensch war unterwegs von Jerusalem hinab nach Jericho. Und er fiel unter Räuber. Die zogen ihn aus, versetzten ihm Schläge, ließen ihn in dem halb toten <Zustand>, in dem er sich eben befand, und gingen weg.
31Es traf sich, dass ein gewisser Priester auf jenem Weg hinabschritt. Und als er ihn gesehen hatte, ging er an der entgegengesetzten Seite vorüber.
32Gleicherweise gelangte auch ein Levit an den Ort, und er kam und sah und ging an der entgegengesetzten Seite vorüber.
33Aber ein gewisser Samariter, der auf der Reise war, stieß auf ihn und sah ihn und wurde von Erbarmen bewegt.
34Und er ging hinzu, verband seine Wunden und goss Öl und Wein darauf. Er setzte ihn auf das eigene Lasttier und führte ihn in eine Herberge. Und er sorgte für ihn.
35Und als er am anderen Tag auszog, zog er zwei Denare12 heraus, gab sie dem Gastwirt und sagte zu ihm: 'Sorge für ihn. Und was du etwa darüber hinaus aufwenden wirst, ich werde es dir bei meiner Rückkehr erstatten.'
36Wer von diesen Dreien scheint dir also Nächster dessen geworden zu sein, der unter die Räuber gefallen war?"
37Er sagte: "Der, der die Barmherzigkeit an ihm tat." Daraufhin sagte Jesus zu ihm: "Gehe hin und tue du gleicherweise13."
38Es geschah, als sie dahinzogen, dass er in ein Dorf hineinging. Eine Frau namens Martha nahm ihn auf in ihr Haus.
39Und diese hatte eine Schwester, genannt Maria, die sich auch zu den Füßen Jesu setzte und seinem Wort zuhörte.
40Aber Martha ließ sich über vielem Dienen abziehen. Sie trat hin und sagte: "Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich mit dem Dienen alleine ließ? Sage ihr also, dass sie zusammen mit mir zufasse."
41Aber Jesus antwortete und sagte zu ihr: "Martha, Martha: Du bist in Sorge und beunruhigst dich über vieles.
42Aber eines ist nötig. Maria wählte das gute Teil - welches nicht von ihr genommen werden wird."

Fußnoten

  1. 1 vmtl.: Geldbeutel
  2. 2 bed.: Haus der Fischerei
  3. 3 Diese Stellung nahm man dabei näml. ein; vgl. Est 4,3; Hi 2,8; Jon 3,6 u. Lange zu Mt 11,22.
  4. 4 d. h.: bis zum Bereich der Toten
  5. 5 d. h.: euch zuhört; o.: auf euch hört
  6. 6 o.: werden uns untergeordnet
  7. 7 eigtl.: enthülltest.
  8. 8 eigtl.: enthüllen
  9. 9 i. S. v.: Was ist es, das ich getan haben muss (Man nimmt hier den Standpunkt der Ewigkeit ein und blickt gleichsam zurück.)
  10. 10 eigtl.: was getan habend werde ich ewiges Leben erben?
  11. 11 eigtl.: Nahen
  12. 12 Ein Denar entsprach dem Tageslohn eines Arbeiters.
  13. 13 i. S. v.: tue du stets gleicherweise; der Impv. Präs. drückt eine lang andauernde Handlung aus.