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Neues Testament

Lukas Kapitel 23

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und die ganze Anzahl von ihnen stand auf und führte ihn zu Pilatus.
2Und sie fingen an, ihn zu verklagen, und sagten: "Diesen fanden wir als einen, der das Volk abkehrt und wehrt, dem Kaiser Steuer zu geben, wobei er sagt, er selbst sei der Gesalbte, ein König."
3Pilatus befragte ihn und sagte: "Bist du der König der Juden?" Er antwortete ihm und sagte: "Du sagst es."
4Pilatus <richtete sich> an die Hohen Priester und die Mengen und sagte: "Ich finde keine Ursache <für eine Verurteilung> an diesem Menschen."
5Aber sie wurden stärker und sagten: "Er wiegelt das Volk auf und lehrt durch ganz Judäa hin, angefangen von Galiläa bis hierher."
6Als Pilatus "Galiläa" hörte, fragte er [sie], ob der Mensch ein Galiläer sei.
7Und als er vernahm, dass er aus dem Obrigkeitsbereich des Herodes sei, schickte er ihn hin zu Herodes, der auch selbst während dieser Tage in Jerusalem war.
8Herodes freute sich sehr, als er Jesus sah, denn er wünschte schon seit geraumer [Zeit], ihn zu sehen, weil er vieles über ihn gehört hatte, und er hoffte, irgendein Zeichen durch ihn geschehen zu sehen.
9Er befragte ihn mit vielen Worten, aber er antwortete ihm nichts.
10Da standen die Hohen Priester und die Schriftgelehrten auf. Mit anhaltender Nachdrücklichkeit klagten sie ihn an.
11Nachdem Herodes mit seinen Kriegsleuten ihn geringschätzig behandelt und verspottet hatte, warf er ihm ein prächtiges Gewand um und schickte ihn dem Pilatus zurück.
12An demselben Tag wurden Pilatus und Herodes Freunde miteinander; denn vorher waren sie in Feindschaft gegeneinander.
13Pilatus rief die Hohen Priester und die Obersten und das Volk zusammen
14und sagte, zu ihnen <gewandt>: "Ihr brachtet mir diesen Menschen als einen, der das Volk abwendig mache; und - siehe! - ich selbst verhörte ihn vor euch und fand an diesem Menschen keine Ursache <für eine Verurteilung>, derentwegen ihr ihn anklagt;
15aber auch Herodes nicht, denn ich schickte euch zu ihm hin, und - siehe! - nichts des Todes Würdiges ist von ihm verübt.
16Also werde ich ihn züchtigen und freigeben."
17Jeweils am Fest war er genötigt, ihnen einen freizugeben.1
18Aber sie schrien als gesamte Masse auf und sagten: "Schaff diesen weg und gib uns Barabbas frei!"
19- welcher wegen eines in der Stadt geschehenen Aufruhrs und wegen Mordes ins Gefängnis geworfen war.
20Also rief Pilatus [ihnen] wiederum zu, in dem Wunsch Jesus freizugeben.
21Aber sie riefen ihm zu: "Kreuzige! Kreuzige ihn!", sagten sie.
22Ein drittes Mal sprach er zu ihnen: "Was tat dieser denn Übles? Ich fand keine des Todes würdige Ursache an ihm. Nachdem ich ihn also gezüchtigt habe, werde ich ihn freigeben."
23Aber sie setzten ihm zu mit lauten Stimmen und forderten, dass er gekreuzigt werde. Und ihre und der Hohen Priester Stimmen drangen durch2.
24Da entschied Pilatus, dass ihre Forderung geschehe.
25Und er gab den wegen Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis Geworfenen frei, den sie <sich> forderten. Aber Jesus übergab er ihrem Willen.
26Und wie sie ihn abführten, ergriffen sie einen gewissen Simon von Kyrene, der [gerade] von einer ländlichen Gegend3 kam, und legten ihm das Kreuz auf, es Jesus nachzutragen.
27Es folgte ihm eine große Menge des Volkes und [eine große Anzahl] von Frauen, die sich auch <immer wieder> [an die Brust] schlugen und um ihn klagten.
28Aber Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: "Töchter Jerusalems, weint nicht über mich. Doch weint4 über euch selbst und über eure Kinder,
29weil - siehe! - Tage kommen, an denen man sagen wird: 'Selige [sind] die Unfruchtbaren und [die] [Mutter]schöße, die nicht gebaren, und [die] Brüste, die nicht stillten!'
30Dann werden sie anfangen, zu den Bergen zu sagen: 'Fallt über uns!' und zu den Hügeln: 'Deckt uns!',
31denn wenn man dieses am grünen5 Holz tut, was wird am dürren werden?"
32Zusammen mit ihm wurden auch andere zwei, Übeltäter, abgeführt, um umgebracht zu werden.
33Und als sie weggegangen waren, <hin> zu der Stätte, die 'Schädel' genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken.
34Aber Jesus sagte6: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun."7 Aber sie warfen ein Los und verteilten [unter] sich seine Oberkleider.
35Und das Volk stand und schaute zu. Zusammen mit ihnen8 spotteten auch die Obersten und sagten: "Andere rettete er. Er rette sich selbst, wenn dieser der Gesalbte ist, der Erwählte Gottes!"
36Auch die Soldaten verspotteten ihn, kamen herbei und brachten ihm sauren Wein
37und sagten: "Wenn du der König der Juden bist, rette dich selbst!"
38Es stand auch eine Aufschrift über ihm geschrieben in griechischer, römischer9 und hebräischer Schrift: "Dieser ist der König der Juden."
39Einer der gehenkten Übeltäter lästerte ihn10: "Wenn du der Gesalbte bist, rette dich selbst und uns!"
40Aber der andere antwortete und strafte ihn mit den Worten: "Nicht einmal du fürchtest Gott, weil du <ja> in demselben Gericht11 bist?
41- wir allerdings gerechterweise12, ja, denn wir empfangen das zurück, was würdig ist dessen, was wir verübten. Aber dieser verübte nichts Unziemliches13."
42Und er sagte zu Jesus: "Gedenke meiner, Herr, wenn14 du kommst in deinem Königreich15!"
43Und Jesus sagte zu ihm: "Wahrlich! Ich sage dir: °Heute wirst du bei mir im Paradiese sein."
44Und es war etwa16 die sechste Stunde. Und es entstand Finsternis über die ganze °Erde bis zur neunten Stunde,
45und die Sonne wurde verfinstert. Und der Vorhang des Tempelheiligtums wurde in der Mitte zerrissen.
46Und nachdem Jesus mit großer, <lauter> Stimme gerufen hatte, sagte er: "Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist." Und als er dieses gesagt hatte, hauchte er aus17.
47Aber als der Hauptmann sah, was geschehen war, verherrlichte er Gott und sagte: "Wirklich, dieser Mensch war gerecht."
48Und alle zu diesem Schaustück zusammengekommenen Mengen schlugen sich selbst an die Brust, als sie zuschauten <und sahen>, was geschehen war. Und sie kehrten18 zurück.
49Es standen aber alle seine Bekannten fernab, auch die Frauen, die zusammen von Galiläa her ihm gefolgt waren, und sahen das.
50Und - siehe! - ein Mann namens Josef, der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann
51(dieser hatte ihrem Entschluss und Tun nicht beigestimmt), von Arimathäa, einer Stadt der Juden, und der auch selbst auf das Königreich Gottes wartete,
52dieser ging hin zu Pilatus und erbat sich den Leib Jesu.
53Und er nahm ihn ab und wickelte ihn ein in Leinentuch und legte ihn in ein steingehauenes Grab, wo noch nie jemand gelegen war.
54Und es war Rüsttag19; der Sabbat wollte anbrechen.
55Es folgten aber Frauen, welche mit ihm aus Galiläa gekommen waren, und besahen das Grab und wie sein Leib gelegt wurde.
56Als sie zurückgekehrt waren, bereiteten sie Gewürze20 zu und Salben. Und am Sabbat waren sie still nach dem Gebot.

Fußnoten

  1. 1 V. 17 wird von der großen Mehrheit der gr. Handschriften (ab dem 4. Jhdt.) und von den lat. Üsgn. bestens bezeugt.
  2. 2 o.: hatten <allmählich> die Oberhand.
  3. 3 d. h.: nicht notwendigerweise vom Feld; agros kann "Feld" ("Gehöft; Hof") oder einfach "Land" bzw. "Länderei" bedeuten.
  4. 4 o.: Doch weint und weint; o.: Doch weint <fortwährend>
  5. 5 o.: feuchten; wasserhaltigen
  6. 6 o.: sagte <wiederholt>; o.: sagte <nachdrücklich>; gr. Impf., intensivierte Handlung bzw. Nachdrücklichkeit andeutend.
  7. 7 V. 34 wird von der überwältigenden Mehrheit der gr. Hss reichlich bezeugt.
  8. 8 so die überwiegende Mehrheit der gr. Hss. In einigen Hss (8 Majuskeln und 4 Minuskeln) fehlt "zusammen mit ihnen".
  9. 9 d. i. lateinischer
  10. 10 o.: lästerte ihn <mehrfach> bzw. <des Längeren>.
  11. 11 o.: in derselben Verurteilung
  12. 12 o.: mit Recht; o.: zu Recht
  13. 13 eigtl.: nichts, das nicht am Platz gewesen wäre.
  14. 14 im zeitlichen Sinne: dann, wenn
  15. 15 o.: in deiner Königsherrschaft; in deinem Königtum.
  16. 16 S. Üsgsk. zu Lk 3,23.
  17. 17 näml. den Geist.
  18. 18 o.: kehrten <allmählich>
  19. 19 d. h.: der Tag der Zurüstung; d. i. der Freitag, an dem alles für den Sabbat, an dem nicht gearbeitet werden durfte, vorzubereiten war.
  20. 20 o.: wohlriechende Öle; so a. i. Folg.