Zum Inhalt springen

Altes Testament

1. Könige Kapitel 20

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und Ben-Hadad, der König von Aram, versammelte seine ganze Heeresmacht: Mit ihm waren zweiunddreißig Könige, mit Pferden und Wagen. Und er zog herauf und belagerte Samaria und kämpfte gegen es.
2Und er sandte Boten in die Stadt zu Ahab, dem König Israels,
3und sagte ihm1: "So sagt Ben-Hadad: Dein Silber und dein Gold ist mein, und deine Frauen und deine edlen Söhne sind mein!"
4Und der König Israels antwortete und sagte: "Nach deinem Wort, mein Herr, König: Dein bin ich mit allem, was mein ist."
5Und die Boten kamen wieder und sagten: "So sagt Ben-Hadad: Ich habe doch zu dir gesandt und gesagt: 'Dein Silber und dein Gold und deine Frauen und deine Söhne sollst du mir geben.'
6Fürwahr, wenn ich morgen um diese Zeit meine Knechte zu dir schicke, werden sie dein Haus und die Häuser deiner Knechte durchsuchen. Und es wird geschehen, alle Lust deiner Augen werden sie in ihre Hand legen und mitnehmen."
7Da rief der König Israels alle Ältesten des Landes und sagte: "Erkennt doch und seht, dass dieser Böses sucht; denn er hat zu mir gesandt wegen meiner Frauen und wegen meiner Söhne und wegen meines Silbers und meines Goldes, und ich habe es ihm nicht verweigert."
8Und alle Ältesten und alles Volk sagten zu ihm: "Du sollst nicht darauf hören und nicht einwilligen!"
9Und er sagte zu den Boten Ben-Hadads: "Sagt meinem Herrn, dem König: Alles, weswegen du zuerst zu deinem Knecht sandtest, tue ich. Aber diese Sache kann ich nicht tun." Und die Boten gingen hin und brachten ihm das Wort zurück.
10Da sandte Ben-Hadad zu ihm und sagte: "So sollen mir die Götter tun und so hinzufügen, wenn der Staub2 von Samaria hinreichen soll für die hohlen Hände des ganzen [Kriegs]volkes, das in meinem Gefolge ist!"
11Und der König Israels antwortete und sagte: "Sagt: 'Wer sich gürtet, rühme sich nicht wie der, der <den Gurt> löst3!'"
12Und es geschah, als er dieses Wort hörte (er war gerade am Trinken, er und die Könige, in den Hütten), da sagte er zu seinen Knechten: "Stellt [euch] auf!" Und sie stellten [sich] gegen die Stadt auf.
13Und - siehe! - ein einzelner Prophet trat zu Ahab, dem König Israels, nahe heran und sagte: "So sagt Jahweh: 'Siehst du dieses große Getümmel4? Siehe! Ich gebe ihn heute in deine Hand, und du sollst erkennen, dass ich Jahweh bin.'"
14Und Ahab sagte: "Durch wen?" Und er sagte: "So sagt Jahweh: 'Durch die Leute der Provinzstatthalter5.'" Und er sagte: "Wer soll den Kampf eröffnen?" Und er sagte: "Du."
15Da musterte er die Leute der Provinzstatthalter. Und es waren zweihundertzweiunddreißig. Und nach ihnen musterte er alles Volk, alle Söhne Israels, siebentausend.
16Und sie rückten am Mittag aus. Ben-Hadad aber war am Trinken, berauschte sich in den Hütten, er und die Könige, zweiunddreißig Könige, die ihm halfen.
17Und die Leute der Provinzstatthalter rückten zuerst aus. Und Ben-Hadad sandte hin, und man berichtete ihm und sagte: "Es sind aus Samaria Männer ausgerückt."
18Und er sagte: "Wenn sie zum Frieden ausgerückt sind, ergreift sie lebend. Und wenn sie zum Kampf ausgerückt sind, ergreift sie lebend."
19Diese aber zogen aus der Stadt: die Leute der Provinzstatthalter und das Heer, das hinter ihnen <war>.
20Und sie schlugen jeder seinen Mann. Und die Aramäer flohen. Und Israel jagte ihnen nach. Ben-Hadad aber, der König von Aram, entkam zu Pferd mit [einigen] Gespannen.
21Und der König Israels zog aus und schlug die Pferde und die Wagen. Und er schlug auf die Aramäer ein. Ein großer Schlag!
22Da trat der Prophet zu dem König Israels nahe heran und sagte zu ihm: "Gehe hin, mache dich stark6 und erkenne und sieh zu, was du zu tun hast, denn bei der Wiederkehr des Jahres zieht der König von Aram gegen dich herauf."
23Und die Knechte7 des Königs von Aram sagten zu ihm: "Ihre Götter sind Berggötter. Darum waren sie stärker als wir. Lasst uns jedoch in der Ebene gegen sie kämpfen [und sehen], ob wir <dann> nicht stärker sein werden als sie!
24Tu aber dieses: Entferne die Könige, jeden von seiner Stellung, und setze Statthalter an ihre Stelle.
25Und du, zähle dir ein Heer8 wie das Heer, das dir verloren ging, und Pferde wie die [vorigen] Pferde, und Wagen wie die [vorigen] Wagen. Und wir wollen in der Ebene gegen sie kämpfen [und sehen], ob wir nicht stärker sein werden als sie." Und er hörte auf ihre Stimme und tat so.
26Und es geschah bei der Wiederkehr des Jahres, da musterte Ben-Hadad die Aramäer und zog hinauf nach Afek zum Kampf gegen Israel.
27Und die Söhne Israels wurden gemustert und <mit Vorrat> versorgt. Und sie gingen hin, um ihnen entgegenzutreten. Und die Söhne Israels lagerten ihnen gegenüber wie zwei Häuflein Ziegen9. Die Aramäer aber füllten das Land.
28Da trat der Mann Gottes nahe heran und sagte zu dem König Israels: "So sagt Jahweh: Weil die Aramäer gesagt haben: 'Jahweh ist ein Gott der Berge und nicht ein Gott der Täler', werde ich dieses große Getümmel10 in deine Hand geben. Und ihr werdet erkennen, dass ich Jahweh bin."
29Und sie lagerten einander gegenüber sieben Tage lang. Und es geschah am siebenten Tag, da rückte der Kampf heran. Und die Söhne Israels schlugen die Aramäer, hunderttausend Mann Fußvolk, an einem Tag.
30Und die Übrigen flohen nach Afek in die Stadt. Da fiel die Mauer auf die siebenundzwanzigtausend Mann, die übrig geblieben waren. Und Ben-Hadad war geflohen und in die Stadt gekommen, [von einer] Kammer in die andere11.
31Da sagten seine Knechte zu ihm: "Ach - siehe! - wir haben gehört, dass die Könige des Hauses Israel gütige Könige sind. Lass uns doch Sacktuch um unsere Lenden legen und Stricke um unsere Häupter und zum König Israels hinausgehen. Vielleicht lässt er deine Seele am Leben."
32Und sie banden sich Sacktuch um ihre Lenden und Stricke um ihre Häupter und kamen zum König Israels und sagten: "Dein leibeigener Knecht Ben-Hadad sagt: 'Lass bitte meine Seele am Leben!'" Und er sagte: "Lebt er noch? Er ist mein Bruder."
33Und die Männer nahmen das als gutes Vorzeichen und beeilten sich, wollten sich des von ihm [Geäußerten] vergewissern12, und sagten: "Dein Bruder Ben-Hadad." Und er sagte: "Geht. Holt ihn!" Da ging Ben-Hadad zu ihm hinaus. Und er ließ ihn [zu sich] auf den Wagen steigen.
34Und Ben-Hadad sagte: "Die Städte, die mein Vater deinem Vater genommen hat, gebe ich zurück, und du kannst dir in Damaskus Straßen anlegen, wie mein Vater [welche] in Samaria angelegt hat." "Ja", [sagte Ahab,] "ich entlasse dich mit einem Bund." Und er schloss mit ihm einen Bund und entließ ihn.
35Und ein Mann von den Prophetensöhnen13 sagte zu seinem Gefährten infolge eines Wortes Jahwehs: "Schlag mich!" Aber der Mann weigerte sich, ihn zu schlagen.
36Und er sagte zu ihm: "Weil du nicht auf die Stimme Jahwehs gehört hast, - siehe! - sobald du von mir weggehst, wird der Löwe dich töten." Und er ging von ihm weg. Und es fand ihn der Löwe und tötete ihn.
37Und er fand einen anderen Mann und sagte: "Schlag mich!" Und der Mann schlug ihn heftig und verwundete ihn.
38Und der Prophet ging hin und stellte sich dem König in den Weg. (Und zwar hatte er sich durch eine Binde über seinen Augen unkenntlich gemacht.)
39Und es geschah, als der König vorüberging, da rief er laut zum König und sagte: "Dein Knecht war ausgezogen mitten in den Kampf, und - siehe! - ein Mann wandte sich ab und brachte einen Mann zu mir und sagte: 'Bewache diesen Mann! Sollte er <entkommen und> vermisst werden, soll deine Seele anstatt seiner Seele sein14; oder du musst ein Talent15 Silber abwiegen lassen.'
40Und es geschah, während dein Knecht hier und dort zu tun hatte, da war er nicht [mehr] da." Und der König Israels sagte zu ihm: "Solches ist dein Urteil! Du hast es selbst gefällt."
41Da entfernte er schnell die Binde von seinen Augen. Und der König Israels erkannte ihn, dass er [einer] von den Propheten war.
42Und er sagte zu ihm: "So sagt Jahweh: 'Weil du den Mann meines Bannes16 aus der Hand entlassen hast, soll deine Seele statt seiner Seele sein und dein Volk statt seines Volkes!'"
43Und der König Israels ging nach seinem Haus, missmutig und wütend. Und er kam nach Samaria.

Fußnoten

  1. 1 i. S. v.: ließ ihm sagen
  2. 2 o.: Schutt
  3. 3 o.: <die Rüstung> öffnet (bzw.: ablegt).
  4. 4 o.: diese Menschenmenge; diesen großen Haufen
  5. 5 eigtl.: die Burschen bzw. Knaben der Obersten der Provinzen; hier i. S. v.: durch die Schar der (nach Samaria geflohenen) Jungknechte der Landvögte.
  6. 6 i. S. v.: sammle deine Kräfte zusammen
  7. 7 i. S. v.: Minister
  8. 8 i. S. v.: mustere (o.: rekrutiere) dir ein Heer
  9. 9 o.: wie zwei entblößte (o.: verschrumpfte) Zicklein; Bed. nicht gesichert.
  10. 10 o.: diesen großen Haufen
  11. 11 i. S. v.: bis in die innerste Kammer; w.: Kammer in Kammer.
  12. 12 o.: wollten das von ihm [Geäußerte] festhalten (i. S. v.: es sich bestätigen lassen)
  13. 13 Gemeint sind die Prophetenschüler.
  14. 14 i. S. v.: sollst du mit deinem Leben für sein Leben haften; so a. V. 42.
  15. 15 Ein Talent ist 33,5-36,6 kg.
  16. 16 d. h.: den Mann, der meinem Bann verfallen war