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Altes Testament

1. Könige Kapitel 22

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Drei Jahre war man <still> geblieben1. Es gab keinen Krieg zwischen Aram und Israel.
2Und es geschah im dritten Jahr, da kam Joschafat, der König von Juda, zu dem König Israels herab.
3Und der König Israels sagte zu seinen Knechten: "Habt ihr nicht erkannt, dass Ramot-Gilead unser ist? Und wir sind still, statt es dem König von Aram aus der Hand zu nehmen?"
4Und er sagte zu Joschafat: "Willst du mit mir nach Ramot-Gilead in den Kampf ziehen?" Und Joschafat sagte zu dem König Israels: "Ich bin wie du, mein Volk ist wie dein Volk, meine Pferde sind wie deine Pferde!"
5Und Joschafat sagte zu dem König Israels: "Suche2 doch heute das Wort Jahwehs."
6Und so versammelte der König Israels die Propheten, etwa vierhundert Mann. Und er sagte zu ihnen: "Soll ich gegen Ramot-Gilead in den Kampf ziehen, oder soll ich es unterlassen?" Und sie sagten: "Zieh hinauf, und der Herr3 wird es in die Hand des Königs geben."
7Joschafat aber sagte: "Gibt es hier sonst keinen Propheten Jahwehs mehr, dass wir durch ihn [Jahweh] suchen4 könnten?"
8Und der König Israels sagte zu Joschafat: "Einen Mann gibt es noch, um durch ihn Jahweh zu suchen. Aber ich hasse ihn, denn er weissagt nicht Gutes über mich, sondern Böses: Micha, der Sohn Jimlas." Und Joschafat sagte: "Der König sage solches nicht!"
9Da rief der König Israels einen Eunuchen5 und sagte: "Schnell her! Den Micha, den Sohn Jimlas!"
10Und der König Israels und Joschafat, der König von Juda, saßen jeder auf seinem Thron, bekleidet mit [besonderen] Gewändern. Sie saßen aber auf einer Tenne am Eingang des Tores von Samaria. Und alle Propheten gebärdeten sich vor ihnen als Propheten, <waren in Verzückung>6.
11Und Zedekia, der Sohn Kenaanas, machte sich eiserne Hörner und sagte: "So sagt Jahweh: 'Mit solchen wirst du die Aramäer niederstoßen, bis sie aufgerieben sind.'"
12Und alle Propheten weissagten ebenso und sagten: "Zieh hinauf nach Ramot-Gilead und habe Gelingen. Und Jahweh wird es in die Hand des Königs geben."
13Und der Bote, der hingegangen war, Micha zu rufen, sagte zu ihm: "Sieh nun! Die Worte der Propheten sind einstimmig gut für den König. So werde doch dein Wort wie das Wort eines von ihnen und rede Gutes."
14Aber Micha sagte: "So wahr Jahweh lebt: Was Jahweh zu mir sagen wird, das werde ich reden!"
15Und als er zu dem König kam, sagte der König zu ihm: "Micha, sollen wir nach Ramot-Gilead in den Kampf ziehen? Oder sollen wir es unterlassen?" Und er sagte zu ihm: "Zieh hinauf, und du wirst Gelingen haben. Und Jahweh wird es in die Hand des Königs geben."
16Und der König sagte zu ihm: "Wie oft muss ich dich beschwören, dass du zu mir im Namen Jahwehs nichts reden sollst als nur Wahrheit?"
17Und er sagte: "Ich sah ganz Israel auf den Bergen zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und Jahweh sagte: 'Diese haben keine Herren. Sie sollen ein jeder in Frieden in sein Haus zurückkehren.'"
18Und der König Israels sagte zu Joschafat: "Habe ich dir nicht gesagt: 'Er weissagt nicht Gutes über mich, sondern Böses!'?"
19Er aber sagte: "Darum höre das Wort Jahwehs! Ich sah Jahweh auf seinem Thron sitzen und alles Heer des Himmels stand bei ihm, zu seiner Rechten und zu seiner Linken.
20Und Jahweh sagte: 'Wer will Ahab, den König Israels, betören7, dass er hinaufziehe und in Ramot-Gilead falle?' Und der eine sagte so, und der andere sagte so.
21Da kam der Geist8 hervor und stellte sich vor Jahweh und sagte: 'Ich will ihn betören.' Und Jahweh sagte zu ihm: 'Womit?'
22Und er sagte: 'Ich werde ausgehen und ein Lügengeist sein im Mund aller seiner Propheten.' Und er sagte: 'Du sollst ihn betören und wirst [dazu] auch imstande sein! Geh aus und mach es so!'
23Und nun - siehe! - Jahweh hat einen Lügengeist in den Mund aller dieser deiner Propheten gegeben. Und Jahweh hat Unheil über dich geredet."
24Da trat Zedekia, der Sohn Kenaanas, heran und schlug Micha auf die Wange und sagte: "Wie? Sollte der Geist Jahwehs von mir gewichen sein, um mit dir zu reden?"
25Und Micha sagte: "Siehe! - Du wirst es an jenem Tag sehen, wenn du [von einer] Kammer in die andere9 gehen wirst, um dich zu verstecken."
26Und der König Israels sagte: "Nimm Micha und führe ihn zurück zu Amon, dem Obersten der Stadt, und zu Joasch, dem Königssohn,
27und sage: So sagt der König: 'Setzt diesen ins Gefängnis und speist ihn mit Brot der Drangsal10 und mit Wasser der Drangsal, bis ich in Frieden zurückkomme.'"
28Und Micha sagte: "Wenn du je in Frieden zurückkehrst, hat Jahweh nicht durch mich gesprochen!" Und er sagte: "Hört, ihr Volksscharen alle!"
29Und der König Israels und Joschafat, der König von Juda, zogen hinauf nach Ramot-Gilead.
30Und der König Israels sagte zu Joschafat: "Ich will mich unkenntlich machen und in den Kampf ziehen, du aber kleide dich in deine Kleider." Und der König Israels machte sich unkenntlich. Und er zog in den Kampf.
31Der König von Aram hatte aber seinen zweiunddreißig Wagenobersten geboten und gesagt: "Ihr sollt weder gegen einen Geringen kämpfen noch gegen einen Großen, sondern nur gegen den König Israels."
32Und es geschah, als die Wagenobersten Joschafat sahen, sagten sie: "Das ist sicherlich der König Israels!" Und sie bogen ab, auf ihn zu, um [ihn] zu bekämpfen. Joschafat aber rief laut <um Hilfe>.
33Und es geschah, als die Wagenobersten sahen, dass nicht er der König Israels war, da kehrten sie um, von ihm weg.
34Und ein Mann spannte in seiner Einfalt11 den Bogen und traf den König Israels zwischen den Tragbändern und dem Schuppenpanzer. Und er sagte zu seinem Wagenlenker: "Wende deine Hände, <lenke um>, und führe mich aus dem Heerlager hinaus, denn ich bin <verwundet und> entkräftet."
35Und der Kampf wurde heftiger12 an jenem Tag. Und der König hielt sich angesichts der Aramäer im Wagen aufrecht. Und am Abend starb er. Und das Blut der Wunde war ins Innere des Wagens geflossen.
36Beim Untergang der Sonne erging der laute Ruf durch das Heerlager: "Jedermann in seine Stadt, und jedermann in sein Land!"
37Und <so> starb der König. Und er kam nach Samaria, und man begrub den König in Samaria.
38Und als man den Wagen am Teich von Samaria abspülte, leckten die Hunde sein Blut, während die Huren [sich im Teich] badeten - entsprechend dem Wort Jahwehs, das er gesagt hatte.
39Und das Übrige der Geschehnisse von Ahab und alles, was er tat, und das Elfenbeinhaus, das er baute, und alle Städte, die er baute, ist das nicht geschrieben im Buch der Tageschronik13 der Könige Israels?
40Und Ahab legte sich zu seinen Vätern. Und Ahasja, sein Sohn, wurde König an seiner Statt.
41Und Joschafat, der Sohn Asas, wurde König über Juda im vierten Jahr Ahabs, des Königs Israels.
42Joschafat war ein Sohn von fünfunddreißig Jahren, als er König wurde, und er herrschte fünfundzwanzig Jahre <als König> in Jerusalem. Und der Name seiner Mutter war Asuba, die Tochter Schilhis.
43Und er wandelte in allen Wegen seines Vaters Asa. Er wich nicht davon ab, das Rechte in den Augen Jahwehs zu tun.
44Nur die Höhen wichen nicht: Das Volk brachte noch Schlachtopfer und Rauchopfer auf den Höhen dar.
45Und Joschafat hatte Frieden mit dem König Israels.
46Und das Übrige der Geschehnisse von Joschafat und seine Macht, die er ausübte, und wie er Krieg führte, ist das nicht geschrieben im Buch der Tageschronik der Könige von Juda?
47Und [auch] den Rest der Geweihten14, der in den Tagen seines Vaters Asa übrig geblieben war, schaffte er aus dem Lande weg.
48Und es war [damals] kein König in Edom. Ein Vorsteher15 war König.
49Joschafat hatte Tarsisschiffe16 gebaut, um nach Ofir zu fahren und Gold zu holen, aber man fuhr nicht, denn die Schiffe wurden bei Ezjon-Geber zertrümmert.
50Damals sagte Ahasja, der Sohn Ahabs, zu Joschafat: "Lass meine Knechte mit deinen Knechten auf den Schiffen fahren." Aber Joschafat war nicht gewillt.
51Und Joschafat legte sich zu seinen Vätern, und er wurde bei seinen Vätern begraben in der Stadt Davids, seines Vaters. Und Joram, sein Sohn, wurde König an seiner Statt.
52Ahasja, der Sohn Ahabs, wurde König über Israel in Samaria, im siebzehnten Jahr Joschafats, des Königs von Juda. Und er herrschte zwei Jahre <als König> über Israel.
53Und er tat das Böse in den Augen Jahwehs, und er wandelte in dem Weg seines Vaters und in dem Weg seiner Mutter und in dem Weg Jerobeams, des Sohnes Nebats, der Israel sündigen gemacht hatte.
54Und er diente dem Baal und warf sich vor ihm huldigend nieder. Und er reizte Jahweh, den Gott Israels, gemäß allem, was sein Vater getan hatte.

Fußnoten

  1. 1 o.: saßen sie <still>.
  2. 2 und erfrage
  3. 3 heb. Adonai
  4. 4 und erfragen
  5. 5 d. i.: einen Hofbeamten bzw. Kämmerer
  6. 6 und weissagten.
  7. 7 o.: überreden
  8. 8 vmtl. i. S. v.: ein bestimmter Geist
  9. 9 i. S. v.: bis in die innerste Kammer; w.: Kammer in Kammer
  10. 10 d. h.: Brot, wie bei einer Belagerung
  11. 11 d. h.: aufs Geratewohl
  12. 12 eigtl.: stieg; ging hoch her
  13. 13 w.: im Buch der Geschehnisse der Tage; so a. V. 46.
  14. 14 d. i.: der männlichen und weiblichen Tempelprostituierten
  15. 15 o.: Vogt
  16. 16 D. s. hochseetaugliche Handelsschiffe, gebaut u. a. für die lange Seefahrt nach Tarsis.