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Neues Testament

Johannes Kapitel 15

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1"Ich bin der wahre Weinstock1, und mein Vater ist der Winzer.
2Jeden Rebzweig an mir, der nicht Frucht trägt, ihn nimmt er weg2. Und jeden, der Frucht trägt, ihn reinigt3 er, damit er mehr Frucht trage.
3Ihr seid schon rein wegen des Wortes, das ich zu euch geredet habe.
4Bleibt an mir - und ich in euch!4 So wie der Rebzweig nicht von sich selbst Frucht tragen kann, wenn er nicht am Weinstock bleibt, so [könnt] auch ihr es nicht, wenn ihr nicht an5 mir bleibt.
5Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Rebzweige. Wer an mir bleibt und [bei wem] ich in ihm [bleibe], der trägt viel Frucht, weil ihr ohne mich6 nichts tun könnt.
6Wenn jemand nicht an mir bleibt7, wird er, wie der Rebzweig, hinausgeworfen, und er verdorrt (und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer). Und er brennt.
7Wenn ihr an mir bleibt und meine Worte* in euch bleiben, werdet ihr bitten, was immer ihr wollt, und es wird euch zuteilwerden.
8Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht tragt und mir zu Jüngern werdet.8
9So wie der Vater mich liebte, liebte auch ich euch. Bleibt in meiner Liebe.
10Wenn ihr meine Gebote haltet9, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten10 habe und in seiner Liebe bleibe.
11Dieses habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude voll werde.
12Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt11, so wie ich euch liebte.
13Größere als diese Liebe hat niemand: dass jemand seine Seele12 hingebe für seine Freunde.
14Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was immer ich euch gebiete.
15Ich nenne euch nicht mehr leibeigene Knechte, weil der leibeigene Knecht nicht weiß, was sein Herr tut. Euch habe ich aber Freunde genannt, weil ich alles, was ich bei meinem Vater hörte, euch zur Kenntnis gab.
16Nicht erwähltet ihr mich, sondern ich erwählte euch und setzte euch, dass ihr hingehen und Frucht tragen solltet und eure Frucht bleibe, damit, was immer ihr den Vater in meinem Namen bitten solltet, er euch gebe.
17Diese Dinge gebiete ich euch, dass ihr einander liebt!
18Wenn die Welt euch hasst, [so] [er]kennt13, dass sie mich vor euch gehasst hat.
19Wenn ihr von der Welt wärt, würde die Welt das Ihre14 lieb haben15. Aber weil ihr nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählte, deswegen hasst euch die Welt.
20Denkt an das Wort, das ich euch sagte: Ein leibeigener Knecht ist nicht größer als sein Herr. Verfolgten sie mich, werden sie auch euch verfolgen. - Hielten16 sie mein Wort, werden sie auch das eure halten17. -
21Aber dieses alles werden sie euch antun meines Namens wegen, weil sie den, der mich schickte, nicht wirklich kennen.
22Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, hätten sie nicht Sünde18 gehabt. Aber nun haben sie keinen Entschuldigungsgrund für ihre Sünde.
23Wer mich hasst, hasst auch meinen Vater.
24Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, die kein anderer getan hat, hätten sie nicht Sünde gehabt. Nun haben sie aber mich und auch meinen Vater gesehen und auch gehasst.
25[Es ist] jedoch [so geworden], damit das Wort erfüllt werde, das in ihrem Gesetz geschrieben ist: 'Sie hassten mich ohne Grund.' {Vgl. Ps 35,19; 69,5.}
26Aber wenn der Fürsprecher19 gekommen ist, den ich euch vom Vater schicken werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, wird derjenige von mir Zeugnis geben.
27Aber auch ihr legt [dann] Zeugnis ab, weil ihr von Anfang bei mir seid.

Fußnoten

  1. 1 o.: Rebstock
  2. 2 Das Wort im Gt. bedeutet (1.) heben: hochheben; aufheben; in die Höhe heben; fassen; (2.) nehmen: <aufheben und> wegtragen; fortschaffen; wegnehmen; <mit sich> tragen; mitnehmen; beseitigen (auch ohne, dass ein Aufheben deutliche Voraussetzung sein müsste). Gemäß V. 6 ist es hier im zweiten Sinne zu verstehen.
  3. 3 D. i. ein Ausdruck, der für Beschneiden verwendet wurde; der Rebzweig wurde "gesäubert" von unerwünschtem Gewächs.
  4. 4 "An" u. "in" üsn. dasselbe gr. Wort en. Der zweite Satz ist ein unvollständiger und dürfte eigentlich im Deutschen so nicht stehen bleiben. Es ist jedoch nicht klar, ob er indikativisch (was wahrscheinlicher sein dürfte) oder imperativisch gemeint war. Im zweiten Fall müsste es heißen: "und bleibe ich in euch!" (o.: "möge ich in euch bleiben!"; d. h.: lebt so, dass ich in euch bleibe!), was immer noch ein Befehl an die Jünger wäre, nicht ein Befehl Jesu an sich selbst. Im ersten Fall müsste es aber heißen: "und ich bleibe in euch"; und die zwei Sätze müssten in diesem Fall durch ein Komma getrennt werden. Vorsichtshalber haben wir sie durch einen Gedankenstrich getrennt.
  5. 5 und in; so a. i. Folg.
  6. 6 eigtl.: getrennt von mir
  7. 7 d. h.: im fortgesetzten Sinne nicht an <und in> mir bleibt
  8. 8 i. S. v.: und euch als meine Jünger erweist.
  9. 9 und bewahrt
  10. 10 und bewahrt
  11. 11 o.: damit ihr einander liebt; so a. V. 17.
  12. 12 d. h.: sein Leben
  13. 13 Das Zeitwort kann auch indikativisch aufgefasst werden: "seid ihr in Kenntnis davon".
  14. 14 eigtl.: das Eigene
  15. 15 i. S. v.: würde die Welt euch - als das zu ihr Gehörende - wohl gernhaben
  16. 16 und bewahrten
  17. 17 und bewahren.
  18. 18 d. i. hier: Sündenschuld (so auch in V. 24)
  19. 19 o.: Helfer; o.: Beistand; vom urspr. Wortsinn her: einer, den man "herzuruft", insbesondere als Rechtsbeistand