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Neues Testament

Johannes Kapitel 8

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Aber Jesus ging an den Berg der Olivenbäume.
2Am frühen Morgen kam er wieder zur Tempelstätte, und alles Volk kam zu ihm. Und er setzte sich und lehrte sie.
3Da führen die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau zu ihm, die beim Ehebruch ertappt worden war, stellen sie in die Mitte
4und sagen zu ihm: "Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat ertappt worden, als sie Ehebruch beging.
5Im Gesetz gebot uns Mose, dass solche gesteinigt werden sollten. Du nun, was sagst du?"
6Dieses sagten sie, ihn zu versuchen1, damit sie etwas hätten, ihn anzuklagen. Aber Jesus bückte sich herab und schrieb mit dem Finger in die Erde.
7Als sie aber dabei blieben, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: "Der von euch, der ohne Sünde ist, werfe als Erster den Stein auf sie."
8Und er bückte sich wieder herab und schrieb in die Erde.
9Aber als sie [Jesu Wort] gehört hatten und vom Gewissen überführt waren, gingen sie hinaus, einer nach dem anderen, angefangen von den Älteren. Und Jesus war allein zurückgelassen - und die Frau, die in der Mitte2 stand.
10Als Jesus sich aufrichtete und niemanden zu Gesicht bekam, außer der Frau, sagte er zu ihr: "Wo sind jene, deine Ankläger? Verurteilte dich niemand?"
11Sie sagte: "Niemand, Herr." Jesus sagte: "Auch ich verurteile dich nicht. Gehe hin und sündige nicht weiter!"°
12Darauf redete Jesus wieder zu ihnen und sagte: "Ich bin das Licht der Welt. Der, der mir folgt, wird nicht in der Dunkelheit wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben."
13Da sagten die Pharisäer zu ihm: "Du gibst Zeugnis über dich selbst. Dein Zeugnis ist nicht wahr."
14Jesus antwortete und sagte zu ihnen: "Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis gebe, ist mein Zeugnis wahr, weil ich weiß, woher ich kam und wohin ich gehe. Aber ihr wisst nicht wirklich, woher ich komme und wohin ich gehe.
15Ihr urteilt nach dem Fleisch. Ich urteile über niemanden.
16Wenn aber auch ich urteile, ist mein Urteil wahr, weil ich nicht alleine bin, sondern ich und der Vater, der mich schickte.
17Es ist aber auch in eurem Gesetz geschrieben, dass das Zeugnis zweier Menschen wahr ist.
18Ich bin es, der [ich] über mich selbst Zeugnis gebe, und der Vater, der mich schickte, gibt Zeugnis über mich."
19Darauf sagten sie zu ihm: "Wo ist dein Vater?" Jesus antwortete: "Weder mich noch meinen Vater kennt ihr wirklich. Wenn ihr mich wirklich gekannt hättet, würdet ihr auch meinen Vater wirklich gekannt haben."
20Diese Worte* sprach Jesus im Schatzhaus, als er in der Tempelstätte lehrte. Und niemand nahm ihn fest, weil seine Stunde noch nicht gekommen war.
21Da sagte Jesus wieder zu ihnen: "Ich gehe weg. Und ihr werdet mich suchen; und in eurer Sünde werdet ihr sterben. Wohin ich gehe, könnt ihr nicht kommen."
22Darauf sagten die Juden: "Wird er sich etwa selbst töten, weil er sagt: 'Wohin ich gehe, könnt ihr nicht kommen'?"
23Und er sagte zu ihnen: "Ihr seid von3 dem, das unten ist4. Ich bin von dem, das oben ist5. Ihr seid von dieser Welt. Ich bin nicht von dieser Welt.
24Also sagte ich zu euch: 'Ihr werdet in euren Sünden sterben', denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, werdet ihr in euren Sünden sterben."
25Darauf sagten sie zu ihm: "Wer bist du?" Und Jesus sagte zu ihnen: "Zum Ersten das, was ich euch auch sage.
26Vieles habe ich über euch zu sagen und zu urteilen; der jedoch, der mich schickte, ist wahrhaftig, und ich, was ich von ihm hörte, dieses sage ich zur Welt."
27Sie [er]kannten nicht, dass er zu ihnen vom Vater sprach.
28Es sagte also Jesus zu ihnen: "Wenn ihr den Sohn des Menschen erhöht haben werdet, dann werdet ihr merken, dass ich es bin. Und aus mir selbst tue ich nichts, sondern so, wie mein Vater mich lehrte, das rede ich.
29Und der, der mich schickte, ist mit mir. Der Vater hat mich nicht alleine gelassen, weil ich allezeit das tue, was ihm gefällt."
30Als er das redete, glaubten viele an ihn.
31Jesus sagte also zu den Juden, die ihm geglaubt hatten: "Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrlich meine Jünger;
32und ihr werdet die Wahrheit [er]kennen, und die Wahrheit wird euch frei machen."
33Sie antworteten ihm: "Wir sind Same Abrahams, und niemandem sind wir je versklavt gewesen. Wie sagst du: 'Ihr sollt frei werden'?"
34Jesus antwortete ihnen: "Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut6, ist ein Sklave der Sünde.
35Der Sklave bleibt aber nicht für immer im Haus. Der Sohn bleibt für immer.
36Wenn also der Sohn euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein.
37Ich weiß, dass ihr Abrahams Same seid. Ihr sucht jedoch, mich zu töten, weil mein Wort in euch nicht vorankommt <und [so] Raum gewinnt>.
38Ich rede, was ich bei meinem Vater gesehen habe, und also tut auch ihr, was ihr bei eurem Vater gesehen habt."
39Sie antworteten* und sagten zu ihm: "Unser Vater ist Abraham." Jesus sagt zu ihnen: "Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, würdet ihr Abrahams Werke tun.
40Aber nun sucht ihr, mich zu töten, einen Menschen, der ich die Wahrheit zu euch geredet habe, die ich bei Gott hörte. Dieses tat Abraham nicht!
41Ihr tut eures Vaters Werke." Darauf sagten sie zu ihm: "Wir sind nicht aus Unzucht heraus geboren worden. Einen Vater haben wir: Gott!"
42Daraufhin sagte Jesus zu ihnen: "Wäre Gott euer Vater, hättet ihr mich geliebt, denn von Gott ging ich aus und bin ich gekommen7, denn nicht von mir selbst bin ich gekommen, sondern jener sandte mich.
43Warum kennt8 ihr nicht, was ich sage? - denn ihr könnt ja mein Wort nicht hören.
44Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und das Begehren eures Vaters wollt ihr tun. Der war von Anfang ein Menschenmörder, und er ist nicht gestanden in der Wahrheit, weil Wahrheit nicht in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, redet er aus seinem Eigenen, weil er ein Lügner ist und der Vater derselben.
45Aber ich - weil ich die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht.
46Wer von euch weist mir Sünde nach? Wenn ich aber Wahrheit rede, warum glaubt ihr mir nicht?
47Wer aus9 Gott ist, hört die Worte* Gottes. Deswegen hört ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid."
48Da antworteten die Juden und sagten zu ihm: "Sagen wir nicht zu Recht, dass du ein Samariter bist und einen Dämon hast?"
49Jesus antwortete: "Ich habe keinen Dämon, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr entehrt mich.
50Aber ich suche nicht meine Ehre10. Es ist der [da], der [sie] sucht und der urteilt.
51Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Wenn jemand mein Wort hält11, wird er den Tod nicht sehen in Ewigkeit."
52Da sagten die Juden zu ihm: "Jetzt [er]kennen wir, dass du einen Dämon hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sagst: 'Wenn jemand mein Wort hält, wird er den Tod nicht schmecken in Ewigkeit.'
53Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Auch die Propheten starben. Was machst du aus dir selbst?"
54Jesus antwortete: "Wenn ich mich selbst verherrliche, ist meine Herrlichkeit nichts. Mein Vater ist es, der mich verherrlicht, der, von dem ihr sagt: Er ist unser Gott.
55Und ihr habt ihn nicht gekannt. Aber ich kenne ihn wirklich. Und wenn ich sagen sollte: 'Ich kenne ihn nicht wirklich', würde ich - euch ähnlich - ein Lügner sein. Ich kenne ihn jedoch wirklich, und sein Wort halte12 ich.
56Abraham, euer Vater, war hoch erfreut, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah [ihn] und freute sich."
57Daraufhin sagten die Juden zu ihm: "Noch keine fünfzig Jahre bist du und hast Abraham gesehen?"
58Jesus sagte zu ihnen: "Wahrlich! Wahrlich! Ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich."
59Daraufhin hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen. Aber Jesus wurde verborgen. Und er ging aus der Tempelstätte und ging durch ihre Mitte hindurch. Und auf diese Weise entwich er.

Fußnoten

  1. 1 o.: zu prüfen; auf die Probe zu stellen
  2. 2 Der Ausdruck betont die Abwesenheit der eben noch Umstehenden. Die "Mitte" ist der Platz dessen, der zur Verantwortung gezogen wird; vgl. Apg 4,7; 25,7.
  3. 3 o.: aus; so a. i. Folg.
  4. 4 eigtl.: von den unteren [Dingen].
  5. 5 eigtl.: von den oberen [Dingen].
  6. 6 d. h.: im fortdauernden Sinne tut; das gr. Ptzp. Präs. kann eine fortgesetzte oder wiederholte Handlung andeuten.
  7. 7 und bin ich da
  8. 8 evtl. auch i. S. v.: versteht
  9. 9 i. S. v.: Wer von Gott her ist; mit dem gr. ek (aus; von) ist die innere Richtung gemeint, das, wovon man bestimmt ist; das Gefüge scheint von Einfluss zu sprechen, von Beziehung, nicht von Wiedergeburt; ebenso am Ende des Verses: "weil ihr nicht von Gott her seid".
  10. 10 o.: Herrlichkeit; o.: Verherrlichung.
  11. 11 und bewahrt; so a. V. 52.
  12. 12 und bewahre