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Neues Testament

Johannes Kapitel 20

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Am ersten [Tag] der Woche1 geht2 Maria, die von Magdala, früh, als es noch dunkel war, zum Grabe; und sie sieht den Stein vom Grabe weggenommen.
2Sie läuft also und kommt hin zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte3. Und sie sagt zu ihnen: "Sie nahmen den Herrn weg aus dem Grabe, und wir wissen nicht, wo sie ihn hinlegten!"
3Da ging Petrus hinaus, auch der andere Jünger, und sie begaben sich zum Grabe.
4Die zwei liefen aber zusammen. Und der andere Jünger, schneller als Petrus, lief voraus und kam zuerst zum Grabe.
5Und er beugt sich vor und sieht die Leinenbinden liegen. Er ging jedoch nicht hinein.
6Darauf kommt Simon Petrus, der ihm folgte. Und er ging hinein in das Grab. Und er schaut <und sieht> die Leinenbinden liegen
7und das Schweißtuch, das auf seinem Haupt gewesen war, nicht zwischen den Leinenbinden liegen, sondern getrennt, zusammengewickelt an einem <besonderen> Ort.
8Dann ging nun auch der andere Jünger hinein, der zuerst zum Grabe gekommen war. Und er sah und glaubte;
9denn sie wussten noch nicht <aus der> Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.
10Hierauf gingen die Jünger wieder weg, hin zu sich [nach Hause].
11Aber Maria stand weinend draußen, zum Grabe <gewandt>. Wie sie also weinte, beugte sie sich vor ins Grab,
12schaut <und sieht> zwei Engel in Weiß4 dasitzen, einen beim Haupt und einen bei den Füßen [der Stelle], wo der Leib Jesu gelegen hatte.
13Und jene sagen zu ihr: "Frau, was weinst du?" Sie sagt zu ihnen: "Sie nahmen meinen Herrn weg, und ich weiß nicht, wo sie ihn hinlegten."
14Und als sie dieses gesagt hatte, wandte sie sich zurück, <und> sieht Jesus dastehen; und sie wusste nicht, dass es Jesus war.
15Jesus sagt zu ihr: "Frau, was weinst du? Wen suchst du?" Sie, in der Meinung, es sei der Gartenhüter, sagt zu ihm: "Herr, wenn du ihn forttrugst, sage mir, wo du ihn hinlegtest, und ich, ich werde ihn holen."
16Jesus sagt zu ihr: "Maria!" Sie wendet sich um und sagt zu ihm: "Rabbuni!" (Das heißt: 'Lehrer'.)
17Jesus sagt zu ihr: "Halte mich nicht5, denn ich bin noch nicht aufgestiegen zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage zu ihnen: 'Ich steige auf zu meinem Vater und eurem Vater und [zu] meinem Gott und eurem Gott.'"
18Maria von Magdala geht und berichtet den Jüngern, dass sie den Herrn gesehen und er dieses zu ihr gesagt habe.
19An jenem Tag, dem ersten der Woche, als es Abend war und man die Türen geschlossen hatte, wo die Jünger, aus Furcht vor den Juden, sich versammelt hatten, kam Jesus und stellte sich in die Mitte, und er sagt zu ihnen: "Friede [sei mit] euch!"
20Und als er dieses gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da waren die Jünger froh: Sie sahen den Herrn!
21Jesus sagte also wieder zu ihnen: "Friede [sei mit] euch! So wie der Vater mich gesandt hat, schicke ich auch euch."
22Und als er dieses gesagt hatte, hauchte er sie an. Und er sagt zu ihnen: "Empfangt den6 Heiligen Geist!
23Wenn ihr welchen die Sünden erlasst, werden sie ihnen erlassen. Wenn ihr [sie] welchen behaltet, sind sie ihnen behalten."
24Aber Thomas, einer von den Zwölfen, der Zwilling genannt wurde, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25Es sagten ihm also die anderen Jünger: "Wir haben den Herrn gesehen." Aber er sagte zu ihnen: "Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meinen Finger in das Mal der Nägel tue und meine Hand in seine Seite tue, werde ich es keinesfalls glauben!"
26Und nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen, und Thomas [war] mit ihnen. Es kommt Jesus bei verschlossenen Türen; und er stellte sich in die Mitte. Und er sagte: "Friede [sei mit] euch!"
27Danach sagt er zu Thomas: "Reiche deinen Finger hierher und sieh meine Hände; und reiche deine Hand her und tu sie in meine Seite; und werde nicht ungläubig7, sondern glaubend."
28Und Thomas antwortete und sagte zu ihm: "Mein Herr und mein Gott!"
29Jesus sagt zu ihm: "Weil du mich gesehen hast, Thomas, hast du geglaubt. Selige [sind] die, die nicht gesehen und [doch] geglaubt haben."
30Andere Zeichen, ja, viele, tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht in diesem Buch geschrieben sind.
31Aber diese sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Gesalbte8 ist, der Sohn Gottes, und damit ihr als Glaubende Leben habt in seinem Namen.

Fußnoten

  1. 1 eigtl.: in Bezug auf den Sabbat (d. h.: vom Sabbat an gerechnet)
  2. 2 Das gr. Zeitwort kann "kommen" oder "gehen" bedeuten. Vgl. z. B. Mt 21,19; Mk 11,13; 16,1; Lk 15,20.
  3. 3 eigtl.: <wie einen Freund> liebte.
  4. 4 eigtl.: in weißen [Gewändern]; im Gt. Mehrzahl
  5. 5 i. S. v. Hafte (o.: Klammere) dich nicht an mich; o.: Halte mich nicht länger fest.
  6. 6 Im Gt. fehlt der Artikel, was nicht unüblich ist. Dass "Heiliger Geist" ohne Artikel von den Auswirkungen des Geistes spräche, verneinen Griechischkenner. Was Jesus hier ankündigt, ist mehr als ein allgemeiner heiliger Geist, mehr als ein Engel, mehr als der Geist der Jünger selbst. Hier ist von keinem anderen als dem Geist Gottes die Rede. Und da wird im Deutschen der Artikel erwartet. (Vgl. die Kommentare von Leon Morris u. Don Carson zur Stelle.)
  7. 7 eigtl.: unglaubend
  8. 8 gr. christos, heb. maschiach (Messias), lat. Christus; der geweissagte gesalbte Priesterkönig (Ps 2,2; 110,1.4).