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Neues Testament

Johannes Kapitel 18

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Als Jesus dieses gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus jenseits des Winterbaches Kidron1, wo ein Garten war, in den er hineinging, er und seine Jünger.
2Aber auch Judas, der dabei war, ihn auszuliefern, wusste um den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammen war.
3Nachdem Judas also die Truppe bekommen hatte - und Gerichtsdiener der Hohen Priester und der Pharisäer -, kommt er dahin mit Laternen und Fackeln und Waffen.
4Jesus, der alles wusste, was über ihn kommen sollte, ging also hinaus und sagte zu ihnen: "Wen sucht ihr?"
5Sie antworteten ihm: "Jesus, den Nazarener." Jesus sagt zu ihnen: "Ich bin es." Aber es stand auch Judas, der dabei war ihn auszuliefern, bei ihnen.
6Als er zu ihnen sagte: "Ich bin es", da wichen sie zurück und fielen zu Boden.
7Da fragte er sie wiederum: "Wen sucht ihr?" Sie sagten: "Jesus, den Nazarener."
8Jesus antwortete: "Ich sagte euch: 'Ich bin es'. Wenn ihr also mich sucht, lasst diese gehen!"
9- damit das Wort erfüllt werde, das er gesagt hatte: "Von denen, die du mir gegeben hast, von ihnen verlor ich2 nicht einen."
10- worauf Simon Petrus, der ein Schwert hatte, es zog und nach dem leibeigenen Knecht des Hohen Priesters schlug und ihm das rechte Ohr abhaute. Der Name des leibeigenen Knechtes war Malchus.
11Darauf sagte Jesus zu Petrus: "Stecke dein Schwert in die Scheide! Den Becher, den der Vater mir gegeben hat, soll ich ihn nicht trinken?"
12Die Truppe also und der Befehlshaber und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest und banden ihn
13und führten ihn ab, zuerst hin zu Annas, denn er war Schwiegervater des Kajaphas, der Hoher Priester jenes Jahres war.
14Es war Kajaphas, der den Juden geraten hatte: "Es ist förderlich, dass ein Mensch zugunsten des Volkes umkommt."
15Simon Petrus folgte Jesus, auch der andere Jünger. Jener Jünger war dem Hohen Priester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Hof des Hohen Priesters.
16Aber Petrus stand draußen bei der Tür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohen Priester bekannt war, hinaus und sagte der Türhüterin [etwas] und führte Petrus hinein.
17Es sagt also3 die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: "Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen?" Er sagt: "Ich bin's nicht."
18Es standen [da] die leibeigenen Knechte und die Gerichtsdiener, die ein Kohlenfeuer gemacht hatten, weil es kalt war, und wärmten sich. Petrus war bei ihnen, stand und wärmte sich.
19Der Hohe Priester befragte also Jesus über seine Jünger und über seine Lehre.
20Jesus antwortete ihm: "Ich redete öffentlich zur Welt. Ich lehrte allezeit in der Synagoge und in der Tempelstätte, wo die Juden allezeit zusammenkommen. Und im Verborgenen redete ich nichts.
21Was befragst du mich darüber? Befrage die, die gehört haben, darüber, was ich zu ihnen geredet habe. Sieh: Die wissen, was ich sagte."
22Als er das sagte, gab einer der Gerichtsdiener, der dabeistand, Jesus einen Schlag ins Angesicht und sagte: "Antwortest du so dem Hohen Priester?"
23Jesus antwortete ihm: "Wenn ich übel redete, gib Zeugnis von dem Üblen; wenn aber recht, was schlägst du mich?"
24Annas sandte ihn gebunden zum Hohen Priester Kajaphas.
25Aber Simon Petrus stand und wärmte sich. Da sagten sie zu ihm: "Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern?" Der leugnete und sagte: "Ich bin's nicht."
26Es sagt einer von den leibeigenen Knechten des Hohen Priesters, der ein Verwandter dessen war, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: "Sah ich dich nicht im Garten bei ihm?"
27Darauf leugnete Petrus wieder. Und sogleich krähte [der] Hahn.
28Da führen sie Jesus von Kajaphas zum Prätorium*. Es war früher Morgen. Und sie selbst gingen nicht hinein in das Prätorium, damit sie nicht verunreinigt würden, sondern das Passa4 essen könnten.
29Pilatus ging also hinaus, zu ihnen hin, und sagte: "Welche Anklage bringt ihr gegen diesen Menschen vor?"
30Sie antworteten und sagten zu ihm: "Wenn dieser nicht ein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert."
31Da sagte Pilatus zu ihnen: "Nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz!" Da sagten die Juden zu ihm: "Uns ist es nicht gestattet, jemanden zu töten."
32- damit das Wort Jesu erfüllt werde, das er gesagt hatte, als er andeutete, durch welchen Tod er sterben sollte.
33Pilatus ging also wieder in das Prätorium hinein, rief Jesus und sagte zu ihm: "Bist du der König der Juden?"
34Jesus antwortete ihm: "Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?"
35Pilatus antwortete: "Bin ich ein Jude?! Dein Volk und die Hohen Priester lieferten dich mir aus. Was hast du getan?"
36Jesus antwortete: "Mein Königreich ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königreich von dieser Welt wäre, hätten meine °verantwortlichen Diener° gekämpft5, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun ist mein Königreich aber nicht von hier."
37Daraufhin sagte Pilatus zu ihm: "Also bist du doch ein König?" Jesus antwortete: "Du sagst es. Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme."
38Pilatus sagt zu ihm: "Was ist Wahrheit?" Und nachdem er dieses gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden. Und er sagt zu ihnen: "Ich finde keine Ursache <für eine Verurteilung> an ihm.
39Ihr habt aber eine Gewohnheit, dass ich euch am Passa einen freigebe. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freigebe?"
40Darauf schrien wieder6 alle: "Nicht diesen", sagten sie, "sondern den Barabbas!" Aber Barabbas war ein Räuber.

Fußnoten

  1. 1 Das am Ostrand Jerusalems vor dem Olivenberg gelegene Bachbett des Kidrons (d. i. das Kidrontal) führte nur im Winter fließendes Wasser.
  2. 2 o.: ließ ich umkommen
  3. 3 S. Üsgsk. zu Mk 14,68.72.
  4. 4 Der Begriff Passa wurde nicht nur auf das Passalamm des 14. Nisan angewendet, sondern auf alle Opferfeiern der Passawoche (vgl. Apg 12,4 i. V. m. V. 3), auch auf das chagiga, ein festliches Opfermahl, das am ersten Festtage der Passawoche unmittelbar nach dem Morgengottesdienst geopfert u. während des Tages gegessen wurde. (Vgl. Edersheim, "The Life and Times".) An dieses chagiga dürfte hier gedacht sein. Vgl. Mt 26,17ff; Mk 14,12ff; Lk 22,7ff.
  5. 5 o.: gerungen
  6. 6 Das vorherige Schreien erwähnen die anderen Evangelien. Vgl. vor allem Mk 15,8.