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Neues Testament

Johannes Kapitel 9

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und als er vorbeiging, sah er einen Menschen, blind von Geburt.
2Und seine Jünger stellten ihm eine Frage: "Rabbi", sagten sie, "wer sündigte, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?"
3Jesus antwortete: "Weder dieser sündigte noch seine Eltern, sondern °damit die Werke Gottes an ihm geoffenbart würden.
4Ich muss wirken die Werke dessen, der mich schickte, solange es Tag ist. Es kommt [die] Nacht, wann niemand wirken kann.
5Solange ich in der Welt bin, bin ich [das] Licht der Welt."
6Als er dieses gesagt hatte, spuckte er auf den Boden und machte einen Lehmbrei aus dem Speichel und strich den Lehmbrei auf die Augen des Blinden.
7Und er sagte zu ihm: "Gehe hin. Wasche dich im Teich Siloam!"1 - was übersetzt heißt: 'Gesandter'. Da ging er weg und wusch sich und kam sehend.
8Die Nachbarn also und die, die ihn früher beobachtet <und gesehen> hatten, dass er blind war, sagten: "Ist dieser nicht der, der dasaß und bettelte?"
9Einige sagten: "Er ist es", aber andere: "Er ist ihm ähnlich." Jener sagte: "Ich bin es."
10Darauf sagten sie zu ihm: "Wie wurden deine Augen geöffnet?"
11Jener antwortete und sagte: "Ein Mensch namens Jesus machte einen Lehmbrei und bestrich meine Augen und sagte zu mir: 'Gehe hin zum Teich Siloam und wasche dich.' Und als ich hinging und mich wusch, wurde ich sehend2."
12Da sagten sie zu ihm: "Wo ist der?" Er sagt: "Ich weiß es nicht."
13Sie führen ihn zu den Pharisäern - den einst Blinden.
14Es war aber Sabbat, als Jesus den Lehmbrei gemacht und seine Augen geöffnet hatte.
15Wiederum fragten ihn nun auch die Pharisäer, wie er sehend3 geworden sei. Er sagte zu ihnen: "Einen Lehmbrei legte er auf meine Augen, und ich wusch mich, und ich sehe."
16Da sagten einige von den Pharisäern: "Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält." Andere sagten: "Wie kann ein sündiger Mensch derartige Zeichen tun?" Und es war eine Spaltung unter ihnen.
17Sie sprechen wieder zu dem Blinden: "Was sagst du von ihm, weil er deine Augen öffnete?" Er sagte: "Er ist ein Prophet."
18Die Juden nun glaubten nicht von ihm, dass er blind gewesen und sehend4 geworden war, bis sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war;
19und sie fragten sie: "Ist dieser euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie also sieht er jetzt?"
20Seine Eltern antworteten ihnen und sagten: "Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde.
21Aber wie er nun sieht, wissen wir nicht, oder wer seine Augen öffnete, wir wissen es nicht. Er ist selbst alt genug5. Fragt ihn! Er wird selbst über sich reden."
22Dieses sagten seine Eltern, weil sie die Juden fürchteten, denn die Juden waren schon übereingekommen, dass, wenn jemand ihn als den Gesalbten* bekennen würde, er aus der Synagoge[ngemeinde] getan werden sollte.
23Deswegen sagten seine Eltern: "Er ist alt genug. Fragt ihn!"
24Sie riefen also zum zweiten Mal den Menschen, der blind gewesen war, und sagten zu ihm: "Gib Gott die Ehre6. Wir wissen: Dieser Mensch ist ein Sünder."
25Darauf antwortete jener und sagte: "Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Eines weiß ich: Blind war ich. Jetzt sehe ich."
26Aber sie sagten wieder zu ihm: "Was machte er mit dir? Wie öffnete er deine Augen?"
27Er antwortete ihnen: "Ich sagte es euch bereits und ihr hörtet nicht. Was wollt ihr es wieder hören? Wollt ihr <vielleicht> auch seine Jünger werden?"
28Sie beschimpften ihn und sagten: "Du bist ein Jünger von jenem! Aber wir sind Moses Jünger.
29Wir wissen, dass Gott zu Mose gesprochen hat. Aber von diesem wissen wir nicht, woher er ist."
30Der Mensch antwortete und sagte zu ihnen: "Hier ist allerdings verwunderlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist, und er öffnete meine Augen!
31Aber wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört, sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, diesen hört er.
32Von jeher7 wurde nicht gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen öffnete.
33Wenn dieser nicht von Gott wäre, hätte er nichts tun können."
34Sie antworteten* und sagten zu ihm: "Ganz in Sünden wurdest du geboren, und du lehrst uns?" Und sie warfen ihn hinaus.
35Jesus hörte, dass sie ihn hinausgeworfen hatten. Und nachdem er ihn gefunden hatte, sagte er zu ihm: "Glaubst du an den Sohn Gottes8?"
36Jener antwortete und sagte: "Und wer ist er, Herr, damit ich an ihn glaube?"
37Jesus sagte zu ihm: "Du hast ihn [schon] gesehen, und der, der mit dir redet, derjenige ist es."
38Er sprach: "Ich glaube, Herr!", und huldigte ihm.
39Und Jesus sagte: "Zum Gericht kam ich in diese Welt, damit die Nichtsehenden sehen sollten und die Sehenden blind würden."
40Und einige von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dieses und sagten zu ihm: "Sind wir auch blind?"
41Jesus sagte zu ihnen: "Wenn ihr blind wärt, hättet ihr nicht Sünde. Aber nun sagt ihr: 'Wir sehen.' Eure Sünde bleibt also.

Fußnoten

  1. 1 heb.: Schiloach, ein aus der Gihon-Quelle gespeister Teich in Jerusalem
  2. 2 o.: aufblickend bzw. hinblickend; evtl.: wieder sehend (denn die Erblindung könnte im Mutterleib oder bei der Geburt stattgefunden haben).
  3. 3 S. zu V. 11.
  4. 4 S. zu V. 11.
  5. 5 eigtl.: er hat das Alter; ebenso V. 23.
  6. 6 eigtl.: Herrlichkeit; o.: [den Ruhm der] Herrlichkeit
  7. 7 eigtl.: Seit [Anbeginn] der Weltzeit
  8. 8 "Gottes" wird von der überwältigenden Mehrheit der Hss bezeugt.