Altes Testament
2. Samuel Kapitel 13
Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022
1Und es geschah danach: Absalom, der Sohn Davids, hatte eine schöne Schwester, ihr Name war Tamar. Und Amnon, der Sohn Davids, liebte sie.
2Und es war Amnon wehe1 [bis] zum Krankwerden, wegen seiner Schwester Tamar, denn sie war eine Jungfrau, und es war in den Augen Amnons unmöglich, ihr irgendetwas anzutun.
3Und Amnon hatte einen Freund. Sein Name war Jonadab2, der Sohn Schimas3, des Bruders Davids. Und Jonadab war ein sehr weiser Mann,
4und er sagte zu ihm: "Warum bist du Morgen für Morgen <so> elend, Königssohn? Willst du es mir nicht mitteilen?" Und Amnon sagte zu ihm: "Ich liebe Tamar, die Schwester meines Bruders Absalom."
5Und Jonadab sagte zu ihm: "Leg dich auf dein Bett und stelle dich krank. Und wenn dein Vater kommt, um nach dir zu sehen, sag zu ihm: 'Möge doch Tamar, meine Schwester, kommen und mir Brot zu essen geben und vor meinen Augen <stärkende> Kost machen, dass ich zusehe und aus ihrer Hand esse.'"
6Und Amnon legte sich hin und stellte sich krank. Und als der König kam, um nach ihm zu sehen, sagte Amnon zu dem König: "Möge doch Tamar, meine Schwester, kommen und vor meinen Augen zwei Herzkuchen4 zubereiten, dass ich mich aus ihrer Hand nähre."
7Da sandte David zu Tamar ins Haus und sagte5: "Geh bitte in das Haus deines Bruders Amnon und mach ihm die <stärkende> Kost."
8Und Tamar ging in das Haus Amnons, ihres Bruders. Und während er dalag, nahm sie den Teig und knetete [ihn] und bereitete vor seinen Augen die Herzkuchen zu und kochte sie.
9Und sie nahm die Pfanne und goss vor ihm aus. Aber er weigerte sich zu essen. Und Amnon sagte: "Lasst jeden hinausgehen, weg von mir!" Und jeder ging hinaus, von ihm weg.
10Und Amnon sagte zu Tamar: "Bring die <stärkende> Kost in die innere Kammer, dass ich von deiner Hand esse." Und Tamar nahm die Herzkuchen, die sie gemacht hatte, und brachte sie Amnon, ihrem Bruder, in die innere Kammer.
11Und als sie ihm zu essen reichte, ergriff er sie und sagte zu ihr: "Komm, liege bei mir, meine Schwester!"
12Und sie sagte zu ihm: "Nicht, mein Bruder! Entehre6 mich nicht, denn so tut man nicht in Israel. Begehe nicht diese schändliche Torheit!
13Und ich, wohin sollte ich meine Schmach tun7? Und du würdest sein wie einer der Schändlichen <und Törichten> in Israel. Und nun, bitte, rede zum König, denn er wird mich dir nicht verweigern."
14Aber er war nicht gewillt, auf ihre Stimme zu hören. Und er überwältigte sie und entehrte8 sie und lag bei ihr.
15Und Amnon hasste sie mit sehr großem Hass. Fürwahr, der Hass, mit dem er sie hasste, war größer als die Liebe, mit der er sie geliebt hatte. Und Amnon sagte zu ihr: "Steh auf! Geh!"
16Sie aber sagte zu ihm: "Verursache nicht dieses Unrecht9, mich fortzuschicken, [das] größer ist als das andere, das du mir getan hast!" Aber er war nicht gewillt, auf sie zu hören.
17Und er rief seinen Burschen, seinen persönlichen Diener, und sagte: "Schickt diese da hinaus, weg von mir! Und verriegle die Tür hinter ihr!"
18Sie hatte aber einen knöchellangen Leibrock10 um sich (denn so kleideten sich die Töchter des Königs, die Jungfrauen, <und sie trugen es> als Oberkleid). Und sein persönlicher Diener führte sie hinaus und verriegelte die Tür hinter ihr.
19Da nahm Tamar Asche11 auf ihr Haupt und riss den knöchellangen Leibrock entzwei, den sie umhatte, und legte ihre Hand auf ihren Kopf und ging davon, in einem fort schreiend.
20Und ihr Bruder Absalom sagte zu ihr: "War dein Bruder Amnon mit dir zusammen? Nun denn, meine Schwester, schweig! Er ist dein Bruder. Richte dein Herz nicht auf diese Sache!" Und Tamar blieb12 und war vereinsamt13 im Haus ihres Bruders Absalom.
21Und der König David hörte von allen diesen Dingen. Und er entbrannte sehr14.
22Aber Absalom redete mit Amnon weder Böses noch Gutes; denn Absalom hasste Amnon, weil er seine Schwester Tamar entehrt hatte.
23Und es geschah nach einer Zeit von zwei Jahren15, da hatte Absalom Schafscherer in Baal-Hazor, das bei Ephraim ist. Und Absalom lud alle Söhne des Königs ein.
24Und Absalom kam zu dem König und sagte: "Ach - siehe! - dein Knecht hat die Schafscherer. So mögen doch der König und seine Knechte mit deinem Knecht gehen."
25Aber der König sagte zu Absalom: "Nein, mein Sohn! Lass uns nicht allesamt gehen, dass wir dir nicht beschwerlich fallen." Und er drang in ihn. Aber er war nicht gewillt zu gehen. Und er segnete ihn16.
26Und Absalom sagte: "Wenn nicht, so möge bitte mein Bruder Amnon mit uns gehen!" Und der König sagte zu ihm: "Wozu soll er mit dir gehen?"
27Absalom aber drang in ihn. Da sandte er Amnon und alle Söhne des Königs mit ihm.
28Und Absalom hatte seinen Burschen geboten und gesagt: "Seht! Wenn Amnon fröhlichen Herzens wird vom Wein und ich zu euch sage: 'Schlagt Amnon!', <dann> tötet ihn. Fürchtet euch nicht! Ist es nicht, dass ich es euch geboten habe? Werdet stark und seid tapfere Leute!"
29Und die Burschen Absaloms taten mit Amnon, wie Absalom geboten hatte. Da machten sich alle Söhne des Königs auf und stiegen ein jeder auf sein Maultier, und sie flohen.
30Und es geschah, während sie auf dem Weg waren, da war die Nachricht zu David gekommen: "Absalom hat alle Söhne des Königs erschlagen, und nicht einer von ihnen ist übrig geblieben."
31Da stand der König auf und riss seine Kleider entzwei und legte sich auf die Erde. Und alle seine Knechte standen mit entzweigerissenen Kleidern da.
32Da antwortete Jonadab, der Sohn Schimas, des Bruders Davids, und sagte: "Mein Herr sage nicht, man habe alle jungen Männer, die Söhne des Königs, getötet. Fürwahr, Amnon allein ist tot; denn [das] war auf Absaloms Mund17 beschlossen - von dem Tag an, da er seine Schwester Tamar entehrte.
33Und nun lege mein Herr, der König, nicht das Wort in sein Herz, dass alle Söhne des Königs tot seien, sondern Amnon allein ist tot."
34Absalom aber floh. Und der Bursche, der Späher, erhob seine Augen und sah, und - siehe! - da war viel Volk, herkommend vom Weg hinter ihm18, von der Bergseite her.
35Und Jonadab sagte zu dem König: "Siehe! Die Söhne des Königs kommen! Wie dein Knecht gesagt hat, so ist es geschehen."
36Und es geschah, als er ausgeredet hatte - siehe! -, da kamen die Söhne des Königs und erhoben ihre Stimme und weinten. Und auch der König und alle seine Knechte weinten. Ein sehr großes Weinen!
37Absalom aber war geflohen. Und er ging zu Talmai, dem Sohn Ammihurs, dem König von Geschur. Und David trauerte um seinen Sohn alle Tage.
38Absalom aber war geflohen und nach Geschur gegangen und war dort drei Jahre.
39Und das19 hielt den König David davon ab, gegen Absalom auszuziehen. Vielmehr tröstete er sich über Amnon, dass er gestorben war.
2Und es war Amnon wehe1 [bis] zum Krankwerden, wegen seiner Schwester Tamar, denn sie war eine Jungfrau, und es war in den Augen Amnons unmöglich, ihr irgendetwas anzutun.
3Und Amnon hatte einen Freund. Sein Name war Jonadab2, der Sohn Schimas3, des Bruders Davids. Und Jonadab war ein sehr weiser Mann,
4und er sagte zu ihm: "Warum bist du Morgen für Morgen <so> elend, Königssohn? Willst du es mir nicht mitteilen?" Und Amnon sagte zu ihm: "Ich liebe Tamar, die Schwester meines Bruders Absalom."
5Und Jonadab sagte zu ihm: "Leg dich auf dein Bett und stelle dich krank. Und wenn dein Vater kommt, um nach dir zu sehen, sag zu ihm: 'Möge doch Tamar, meine Schwester, kommen und mir Brot zu essen geben und vor meinen Augen <stärkende> Kost machen, dass ich zusehe und aus ihrer Hand esse.'"
6Und Amnon legte sich hin und stellte sich krank. Und als der König kam, um nach ihm zu sehen, sagte Amnon zu dem König: "Möge doch Tamar, meine Schwester, kommen und vor meinen Augen zwei Herzkuchen4 zubereiten, dass ich mich aus ihrer Hand nähre."
7Da sandte David zu Tamar ins Haus und sagte5: "Geh bitte in das Haus deines Bruders Amnon und mach ihm die <stärkende> Kost."
8Und Tamar ging in das Haus Amnons, ihres Bruders. Und während er dalag, nahm sie den Teig und knetete [ihn] und bereitete vor seinen Augen die Herzkuchen zu und kochte sie.
9Und sie nahm die Pfanne und goss vor ihm aus. Aber er weigerte sich zu essen. Und Amnon sagte: "Lasst jeden hinausgehen, weg von mir!" Und jeder ging hinaus, von ihm weg.
10Und Amnon sagte zu Tamar: "Bring die <stärkende> Kost in die innere Kammer, dass ich von deiner Hand esse." Und Tamar nahm die Herzkuchen, die sie gemacht hatte, und brachte sie Amnon, ihrem Bruder, in die innere Kammer.
11Und als sie ihm zu essen reichte, ergriff er sie und sagte zu ihr: "Komm, liege bei mir, meine Schwester!"
12Und sie sagte zu ihm: "Nicht, mein Bruder! Entehre6 mich nicht, denn so tut man nicht in Israel. Begehe nicht diese schändliche Torheit!
13Und ich, wohin sollte ich meine Schmach tun7? Und du würdest sein wie einer der Schändlichen <und Törichten> in Israel. Und nun, bitte, rede zum König, denn er wird mich dir nicht verweigern."
14Aber er war nicht gewillt, auf ihre Stimme zu hören. Und er überwältigte sie und entehrte8 sie und lag bei ihr.
15Und Amnon hasste sie mit sehr großem Hass. Fürwahr, der Hass, mit dem er sie hasste, war größer als die Liebe, mit der er sie geliebt hatte. Und Amnon sagte zu ihr: "Steh auf! Geh!"
16Sie aber sagte zu ihm: "Verursache nicht dieses Unrecht9, mich fortzuschicken, [das] größer ist als das andere, das du mir getan hast!" Aber er war nicht gewillt, auf sie zu hören.
17Und er rief seinen Burschen, seinen persönlichen Diener, und sagte: "Schickt diese da hinaus, weg von mir! Und verriegle die Tür hinter ihr!"
18Sie hatte aber einen knöchellangen Leibrock10 um sich (denn so kleideten sich die Töchter des Königs, die Jungfrauen, <und sie trugen es> als Oberkleid). Und sein persönlicher Diener führte sie hinaus und verriegelte die Tür hinter ihr.
19Da nahm Tamar Asche11 auf ihr Haupt und riss den knöchellangen Leibrock entzwei, den sie umhatte, und legte ihre Hand auf ihren Kopf und ging davon, in einem fort schreiend.
20Und ihr Bruder Absalom sagte zu ihr: "War dein Bruder Amnon mit dir zusammen? Nun denn, meine Schwester, schweig! Er ist dein Bruder. Richte dein Herz nicht auf diese Sache!" Und Tamar blieb12 und war vereinsamt13 im Haus ihres Bruders Absalom.
21Und der König David hörte von allen diesen Dingen. Und er entbrannte sehr14.
22Aber Absalom redete mit Amnon weder Böses noch Gutes; denn Absalom hasste Amnon, weil er seine Schwester Tamar entehrt hatte.
23Und es geschah nach einer Zeit von zwei Jahren15, da hatte Absalom Schafscherer in Baal-Hazor, das bei Ephraim ist. Und Absalom lud alle Söhne des Königs ein.
24Und Absalom kam zu dem König und sagte: "Ach - siehe! - dein Knecht hat die Schafscherer. So mögen doch der König und seine Knechte mit deinem Knecht gehen."
25Aber der König sagte zu Absalom: "Nein, mein Sohn! Lass uns nicht allesamt gehen, dass wir dir nicht beschwerlich fallen." Und er drang in ihn. Aber er war nicht gewillt zu gehen. Und er segnete ihn16.
26Und Absalom sagte: "Wenn nicht, so möge bitte mein Bruder Amnon mit uns gehen!" Und der König sagte zu ihm: "Wozu soll er mit dir gehen?"
27Absalom aber drang in ihn. Da sandte er Amnon und alle Söhne des Königs mit ihm.
28Und Absalom hatte seinen Burschen geboten und gesagt: "Seht! Wenn Amnon fröhlichen Herzens wird vom Wein und ich zu euch sage: 'Schlagt Amnon!', <dann> tötet ihn. Fürchtet euch nicht! Ist es nicht, dass ich es euch geboten habe? Werdet stark und seid tapfere Leute!"
29Und die Burschen Absaloms taten mit Amnon, wie Absalom geboten hatte. Da machten sich alle Söhne des Königs auf und stiegen ein jeder auf sein Maultier, und sie flohen.
30Und es geschah, während sie auf dem Weg waren, da war die Nachricht zu David gekommen: "Absalom hat alle Söhne des Königs erschlagen, und nicht einer von ihnen ist übrig geblieben."
31Da stand der König auf und riss seine Kleider entzwei und legte sich auf die Erde. Und alle seine Knechte standen mit entzweigerissenen Kleidern da.
32Da antwortete Jonadab, der Sohn Schimas, des Bruders Davids, und sagte: "Mein Herr sage nicht, man habe alle jungen Männer, die Söhne des Königs, getötet. Fürwahr, Amnon allein ist tot; denn [das] war auf Absaloms Mund17 beschlossen - von dem Tag an, da er seine Schwester Tamar entehrte.
33Und nun lege mein Herr, der König, nicht das Wort in sein Herz, dass alle Söhne des Königs tot seien, sondern Amnon allein ist tot."
34Absalom aber floh. Und der Bursche, der Späher, erhob seine Augen und sah, und - siehe! - da war viel Volk, herkommend vom Weg hinter ihm18, von der Bergseite her.
35Und Jonadab sagte zu dem König: "Siehe! Die Söhne des Königs kommen! Wie dein Knecht gesagt hat, so ist es geschehen."
36Und es geschah, als er ausgeredet hatte - siehe! -, da kamen die Söhne des Königs und erhoben ihre Stimme und weinten. Und auch der König und alle seine Knechte weinten. Ein sehr großes Weinen!
37Absalom aber war geflohen. Und er ging zu Talmai, dem Sohn Ammihurs, dem König von Geschur. Und David trauerte um seinen Sohn alle Tage.
38Absalom aber war geflohen und nach Geschur gegangen und war dort drei Jahre.
39Und das19 hielt den König David davon ab, gegen Absalom auszuziehen. Vielmehr tröstete er sich über Amnon, dass er gestorben war.
Fußnoten
- 1 o.: er grämte sich; eigtl.: es schnürte ihn zusammen; es wurde ihm eng
- 2 n. einer gr. Hs u. Qumran: Jonathan
- 3 Schima heißt in 1Sam 16,9 und 17,13 Schamma.
- 4 o. viell.: Herz (stärkende) Speisestücke; es könnte auch Gebäck in Herzform gemeint sein.
- 5 i. S. v.: ließ sagen
- 6 o.: Beuge; erniedrige; demütige; so a. i. Folg.
- 7 eigtl.: gehen lassen
- 8 o.: beugte; erniedrigte
- 9 eigtl.: Sei nicht Veranlasser dieses Unrechts
- 10 D. i. ein bis auf die Knöchel reichendes Ärmelkleid mit farbigen Umrandungen, das nur Vornehme trugen; vgl. 1Mo 37,3.
- 11 o.: Staub
- 12 o.: weilte; wohnte; saß
- 13 und verstört; Grundbed.: starr
- 14 w.: es wurde ihm sehr heiß.
- 15 w.: nach einem Doppeljahr an Tagen
- 16 zum Abschied.
- 17 d. h.: Befehl
- 18 d. h. vmtl.: vom Weg im Rücken des Wächters, also westlich des Wachtturms.
- 19 näml.: Absaloms Aufenthalt in Geschur