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Altes Testament

2. Samuel Kapitel 19

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Da erzitterte der König sehr, und er stieg hinauf in das Obergemach des Tores und weinte. Und er ging und sagte <im Gehen>: "Mein Sohn Absalom! Mein Sohn! Mein Sohn Absalom! Wäre doch ich an deiner Statt gestorben! Absalom! Mein Sohn! Mein Sohn!"
2Und es wurde Joab berichtet: "Siehe! Der König weint und trauert um Absalom."
3Und so wurde der Sieg an jenem Tag zur Trauer für das ganze Volk; denn das Volk hörte an jenem Tag sagen: "Der König ist bekümmert um seinen Sohn."
4Und das Volk stahl sich an jenem Tag weg, um in die Stadt zu kommen, wie sich ein Volk wegstiehlt, das sich schämt, weil sie im Kampf geflohen sind.
5Der König aber hatte sein Angesicht verhüllt. Und der König rief mit großer Stimme: "Mein Sohn Absalom! Absalom! Mein Sohn! Mein Sohn!"
6Da begab sich Joab zu dem König ins Haus und sagte: "Du hast heute das Angesicht aller deiner Knechte beschämt, die heute deine Seele1 gerettet haben und die Seele deiner Söhne und deiner Töchter und die Seele deiner Frauen und die Seele deiner Nebenfrauen,
7indem du die liebst, die dich hassen, und die hasst, die dich lieben! - Fürwahr, du hast heute bekundet, dass dir Oberste und Knechte nichts sind. Ja, ich erkenne heute: Wäre Absalom am Leben und wir alle heute tot, <dann> wäre es in deinen Augen recht.
8Nun aber mache dich auf, geh hinaus und rede zum Herzen deiner Knechte! - Fürwahr, ich schwöre bei Jahweh: Gehst du nicht hinaus, so wird diese Nacht nicht ein Mann bei dir bleiben. Und das wäre schlimmer für dich als alles Übel, das über dich gekommen ist von deiner Jugend an bis jetzt."
9Da machte sich der König auf und setzte sich ins Tor. Und man berichtete allem Volk2 und sagte: "Siehe! Der König sitzt im Tor!" Da kam alles Volk vor den König. Israel aber war geflohen, ein jeder zu seinen Zelten.
10Und es geschah, alles Volk zankte sich in allen Stämmen Israels und sagte: "Der König befreite uns aus dem Griff unserer Feinde und ließ uns aus dem Griff der Philister entrinnen. Und jetzt hat er vor Absalom aus dem Land fliehen müssen.
11Absalom aber, den wir über uns gesalbt haben, ist in der Schlacht gestorben. Und nun, warum verhaltet ihr euch still, den König zurückzuführen?"
12Der König David aber sandte zu Zadok und zu Abjatar, den Priestern, und sagte: "Redet zu den Ältesten Judas und sagt: 'Warum wollt ihr die Letzten sein, den König in sein Haus zurückzuführen? - wo doch jene Rede des ganzen Israel [schon] zum König in sein Haus gekommen ist.
13Ihr seid meine Brüder, ihr seid mein Gebein und mein Fleisch! Und warum wollt ihr die Letzten sein, den König zurückzuführen?'
14Und zu Amasa sollt ihr sagen: 'Bist du nicht mein Gebein und mein Fleisch? So soll mir Gott tun und so hinzufügen, wenn du nicht alle Tage Heeroberster vor mir sein sollst an Joabs Statt!'"
15Und so neigte er das Herz aller Männer Judas wie eines Mannes [Herz]. Und sie sandten hin zum König: "Kehre zurück, du und alle deine Knechte."
16Und der König kehrte zurück. Und er kam bis an den Jordan. Und Juda war nach Gilgal gekommen, dem König entgegenzugehen, um den König über den Jordan zu führen.
17Da eilte Schimi, der Sohn Geras, der Benjaminiter, der von Bahurim war, und kam mit den Männern Judas herab, dem König David zu begegnen.
18Und bei ihm waren tausend Mann von Benjamin. Und Ziba, der Bursche3 des Hauses Sauls, und seine fünfzehn Söhne und seine zwanzig Knechte waren mit ihm. Und es gelang ihnen, vor dem König an den Jordan [zu kommen].4
19Und sie durchschritten die Furt, um das Haus des Königs hinüberzuführen und [ihm alles] zu tun, was in seinen Augen gut war. Und Schimi, der Sohn Geras, fiel vor dem König nieder, als der sich anschickte, den Jordan zu überqueren.
20Und er sagte zu dem König: "Mein Herr wolle mir die Verschuldung nicht anrechnen. Und du mögest dessen nicht gedenken, wie dein Knecht sich vergangen hat an dem Tag, an dem mein Herr, der König, aus Jerusalem zog, dass der König es sich gar zu Herzen nehmen sollte!
21Wahrlich, dein Knecht weiß wohl, dass ich, ja, ich, gesündigt habe. Und - siehe! - ich bin heute gekommen, als Erster vom ganzen Haus Josef, um hinabzugehen, um meinem Herrn, dem König, zu begegnen."
22Da antwortete Abischai, der Sohn der Zeruja, und sagte: "Soll Schimi nicht getötet werden dafür, dass er dem Gesalbten Jahwehs fluchte?"
23Aber David sagte: "Was haben wir miteinander, ich und ihr, Söhne der Zeruja, dass ihr mir heute zu einem Widersacher5 werdet? Sollte heute ein Mann in Israel getötet werden? Habe ich denn nicht erkannt, dass ich heute König über Israel geworden bin?"
24Und der König sagte zu Schimi: "Du sollst nicht sterben!" Und der König schwor ihm.
25Und Mefiboschet, der Sohn Sauls, war herabgekommen, dem König zu begegnen. Und er hatte seine Füße nicht zurechtgemacht und seinen Lippenbart nicht zurechtgemacht und seine Kleider nicht ausgewaschen von dem Tag an, als der König weggegangen war, bis zu dem Tag, an dem er in Frieden kam.
26Und es geschah, als er [von] Jerusalem kam, dem König zu begegnen, da sagte der König zu ihm: "Warum bist du nicht mit mir gezogen, Mefiboschet?"
27Und er sagte: "Mein Herr, König! Mein Knecht hat mich betrogen; denn dein Knecht sagte: 'Ich will mir den Esel satteln und darauf reiten und mit dem König ziehen', denn dein Knecht ist lahm.
28Er aber lief als Verleumder herum, <verleumdete> deinen Knecht bei meinem Herrn, dem König. Aber mein Herr, der König, ist wie der Engel6 Gottes. So tue, was gut ist in deinen Augen;
29denn das ganze Haus meines Vaters, das waren nichts als Männer des Todes für meinen Herrn, den König! Aber du hast deinen Knecht zu denen gesetzt, die an deinem Tisch essen. Und was für ein Anrecht hätte ich da noch7 und [was für Ansprüche], weiterhin zum König <um Hilfe> zu rufen?"
30Und der König sagte zu ihm: "Wozu redest du noch deine Worte? Ich sage: Du und Ziba, ihr mögt das Feld8 teilen."
31Da sagte Mefiboschet zu dem König: "Er mag auch das ganze nehmen, nachdem mein Herr, der König, in Frieden zu seinem Haus gekommen ist."
32Und Barsillai, der Gileaditer, war von Roglim herabgekommen und überquerte mit dem König den Jordan, um ihn die [Strecke] am Jordan zu begleiten.
33Barsillai war aber sehr alt, ein Mann9 von achtzig Jahren. Und er hatte den König während seines Aufenthaltes in Mahanajim versorgt, denn er war ein sehr reicher Mann.
34Und der König sagte zu Barsillai: "Gehe du mit mir hinüber, und ich will dich bei mir in Jerusalem versorgen."
35Barsillai aber sagte zu dem König: "Wie viele sind [noch] die Tage meiner Lebensjahre, dass ich mit dem König nach Jerusalem hinaufziehen sollte?
36Ein Mann von achtzig Jahren bin ich heute. Weiß ich zwischen Gut und Böse zu unterscheiden? Oder schmeckt dein Knecht, was ich esse und was ich trinke? Oder kann ich noch hören die Stimme der Sänger und der Sängerinnen? Und weshalb sollte dein Knecht meinem Herrn, dem König, noch zur Last werden?
37Dein Knecht würde [nur] auf kurze [Zeit] mit dem König über den Jordan gehen. Und weshalb will der König mich mit einer solchen Belohnung belohnen?
38Bitte, lass deinen Knecht zurückkehren, dass ich in meiner Stadt sterbe, beim Grab meines Vaters und meiner Mutter. Aber - siehe! - hier ist dein Knecht Kimham: Der möge mit meinem Herrn, dem König, hinübergehen. Und tue ihm, was in deinen Augen gut ist."
39Und der König sagte: "Kimham soll mit mir hinübergehen, und ich werde für ihn tun, was in deinen Augen gut ist. Und für dich werde ich alles tun, was du erwählst mir [aufzuerlegen]."
40Und alles Volk ging über den Jordan. Und der König ging hinüber. Und der König küsste Barsillai und segnete ihn. Und er kehrte an seinen Ort zurück.
41Und der König zog nach Gilgal hinüber. Und Kimham zog mit ihm hinüber. Und alles Volk Judas und auch die Hälfte des Volkes Israels führten den König hinüber.
42Und - siehe! - alle Männer10 Israels kamen zu dem König und sagten zu dem König: "Warum haben unsere Brüder, die Männer Judas, dich gestohlen und den König und sein Haus und alle Männer Davids mit ihm über den Jordan geführt?"
43Und alle Männer Judas antworteten den Männern Israels: "Weil der König mir nahesteht11. Und warum bist du wegen dieser Sache so entbrannt? Haben wir denn irgendetwas vom König aufgegessen oder irgendetwas für uns davongetragen?"
44Aber die Männer Israels antworteten den Männern Judas und sagten: "Ich habe zehn Anteile am König und also an David sogar mehr [Anrecht] als du. Und warum achtest du mich gering? Und ist nicht mein Wort das erste gewesen, meinen König zurückzuführen?" Und das Wort der Männer Judas war härter als das Wort der Männer Israels.

Fußnoten

  1. 1 d. h.: dein Leben; so a. i. Folg.
  2. 2 d. i.: allem Kriegsvolk
  3. 3 d. i.: der [Alt]knappe
  4. 4 o.: Und sie drangen, ehe der König kam, zum Jordan vor.
  5. 5 heb. satan
  6. 6 eigtl.: Bote (hier: der himmlische Bote)
  7. 7 o.: Und was für eine Gerechtigkeit sollte mir da noch [widerfahren]
  8. 8 o.: das Grundstück
  9. 9 w.: ein Sohn; so a. V. 36.
  10. 10 eigtl.: jeder Mann; die ganze Mannschaft; so a. i. Folg.
  11. 11 o.: näher ist.