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Altes Testament

2. Samuel Kapitel 15

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und es geschah danach, da schaffte sich Absalom Wagen und Pferde an und fünfzig Mann, die vor ihm herliefen.
2Und Absalom machte sich früh auf und stellte sich an die Seite des Torweges. Und es geschah: Jeden Mann, der einen Rechtsstreit hatte, um [damit] zum König zur Rechtsprechung1 zu kommen, dem rief Absalom zu und sagte: "Aus welcher Stadt bist du?" Und sagte der: "Dein Knecht ist aus einem der Stämme Israels",
3so sagte Absalom zu ihm: "Sieh! Deine Worte sind2 gut und recht, aber beim König gibt es für dich keinen, der dich anhört."
4Und Absalom sagte: "O dass man doch mich zum Richter im Land setzte, damit jedermann, der einen Rechtsstreit hat und Rechtsprechung [braucht], zu mir käme! Ich würde ihm Recht schaffen."
5Und es geschah, wenn jemand sich ihm näherte, um sich vor ihm huldigend niederzuwerfen, streckte er seine Hand aus und hielt ihn fest und küsste ihn.
6Und auf dieselbe Weise tat Absalom an ganz Israel, [an allen], die zur Rechtsprechung zum König hinkamen. Und <so> stahl Absalom das Herz der Männer Israels.
7Und es geschah nach Ablauf von den vierzig3 Jahren, da sagte Absalom zu dem König: "Lass mich doch hingehen und in Hebron mein Gelübde bezahlen, das ich Jahweh gelobt habe;
8denn als ich in Geschur in Aram wohnte, gelobte dein Knecht ein Gelübde und sagte: 'Wenn Jahweh mich wirklich nach Jerusalem zurückbringt, will ich Jahweh einen Dienst tun.'"
9Und der König sagte zu ihm: "Gehe hin in Frieden!" Und er machte sich auf und ging nach Hebron.
10Und Absalom sandte geheime Boten4 zu allen Stämmen Israels und sagte: "Sobald ihr die Stimme der Posaune5 hört, sollt ihr sagen: 'Absalom ist König geworden in Hebron!'"
11Und mit Absalom gingen zweihundert Mann aus Jerusalem. Sie waren geladen worden und gingen in ihrer Einfalt und wussten von der ganzen Sache nichts.
12Und als er [bereits] die Opfer schlachtete, sandte Absalom hin <und ließ> Ahitofel, den Giloniter, den Ratgeber Davids, aus seiner Stadt, aus Gilo, <kommen>. Und die Verschwörung wurde stark. Und das Volk bei Absalom wurde immer zahlreicher.
13Und es kam ein Berichterstatter zu David und sagte: "Das Herz der Mannschaft Israels ist hinter Absalom!"
14Und David sagte zu allen seinen Knechten, die bei ihm in Jerusalem waren: "Macht euch auf und lasst uns fliehen; denn es gibt für uns kein Entkommen vor Absalom. Beeilt euch zu gehen, damit er uns nicht ereile und einhole und das Unheil über uns bringe und die Stadt mit der Schneide6 des Schwerts schlage!"
15Und die Knechte des Königs sagten zu dem König: "Nach allem, was mein Herr, der König, [zu tun] erwählt - siehe! - [hier] sind deine Knechte!"
16Und der König zog hinaus - und sein ganzes Haus in seinen Fußspuren. Und der König ließ zehn Nebenfrauen zurück, das Haus zu hüten.
17Und der König zog hinaus und alles Volk in seinen Fußspuren. Und sie machten Halt beim Haus der Entfernung7.
18Und alle seine Knechte zogen an seiner Hand vorüber. Und alle Kreter und alle Pleter8 und alle Gatiter, sechshundert Mann, die von Gat in seinem Gefolge9 [mit]gekommen waren, zogen vor dem König vorüber.
19Und der König sagte zu Ittai, dem Gatiter: "Warum willst auch du mit uns gehen? Kehre um und bleibe beim König10. Du bist ja ein Ausländer, und auch bist du - bezüglich deines Ortes - ein Verschleppter, <ein Ausgewanderter>11.
20Gestern bist du gekommen, und heute sollte ich dich bewegen12, mit uns zu gehen, da ich doch gehe, wohin ich <eben> gehe. Kehre um und führe deine Brüder zurück! Güte und Treue13 seien mit dir!"
21Aber Ittai antwortete dem König und sagte: "So wahr Jahweh lebt und mein Herr, der König, lebt, fürwahr, an dem Ort, wo mein Herr, der König, sein wird, sei es zum Tod, sei es zum Leben, ja, dort wird dein Knecht sein!"
22Und David sagte zu Ittai: "Komm und zieh vorüber!" Und Ittai, der Gatiter, zog vorüber mit allen seinen Männern und allen kleinen Kindern, die mit ihm waren.
23Und das ganze Land weinte mit großer Stimme, als alles Volk14 vorüberging. Und der König ging über das Bachtal des Kidron. Und alles Volk ging hinüber, nach dem Weg zur Wüste hin15.
24Und - siehe! - [da war] auch Zadok und mit ihm alle Leviten, die Lade des Bundes Gottes tragend. Und sie ließen die Lade Gottes nieder. Und Abjatar ging hinauf16, bis alles Volk vollends aus der Stadt hinübergegangen war.
25Und der König sagte zu Zadok: "Bring die Lade Gottes in die Stadt zurück. Wenn ich in den Augen Jahwehs Gnade finde, wird er mich zurückbringen und mich sie und seine Wohnstätte17 sehen lassen.
26Wenn er aber so sagt: 'Ich habe nicht Gefallen an dir!' - Hier bin ich. Möge er mit mir tun, wie es in seinen Augen gut ist."
27Und der König sagte zu Zadok, dem Priester: "Bist du <nicht> ein Seher18? Kehre in Frieden in die Stadt zurück, und [ebenso] Ahimaaz, dein Sohn, und Jonathan, Abjatars Sohn; eure beiden Söhne mit euch19.
28Seht, ich will an den Übergängen20 der Wüste [verweilen und] abwarten, bis ein Wort von euch kommt, mir Nachricht zu geben."
29Und Zadok und Abjatar brachten die Lade Gottes nach Jerusalem zurück. Und sie blieben dort.
30David aber ging die Anhöhe der Olivenbäume hinauf, im Hinaufgehen in einem fort weinend. Und sein Haupt war verhüllt. Und er ging barfuß. Und alles Volk, das bei ihm war, hatte - ein jeder - sein Haupt verhüllt und ging, in einem fort weinend, hinauf.
31Und man berichtete David und sagte: "Ahitofel ist unter den Verschwörern bei Absalom." Und David sagte: "O lass den Rat Ahitofels töricht erscheinen, Jahweh!"
32Und es geschah, als David auf den Gipfel gekommen war, wo man Gott zu huldigen pflegte - siehe! -, da kam Huschai, der Arkiter, ihm zu begegnen. Sein Leibrock war entzweigerissen, und Erdstaub war auf seinem Haupt.
33Und David sagte zu ihm: "Wenn du mit mir weiterziehst, wirst du mir zur Last werden.
34Wenn du aber in die Stadt zurückkehrst und zu Absalom sagst: 'Dein Knecht will ich sein, König. Wie ich von jeher der Knecht deines Vaters gewesen bin, so werde ich jetzt dein Knecht sein!', <dann> kannst du mir den Rat Ahitofels zunichtemachen.
35Und sind nicht die Priester Zadok und Abjatar dort mit dir? Und es soll geschehen, jede Sache, die du aus dem Haus des Königs hörst, sollst du Zadok und Abjatar, den Priestern, berichten.
36Siehe! - dort bei ihnen sind ihre beiden Söhne, Ahimaaz, [der Sohn] Zadoks, und Jonathan, [der Sohn] Abjatars. Und durch ihre Hand sollt ihr mir jede Sache senden, die ihr hört."
37Und Huschai, der Freund21 Davids, kam in die Stadt. Und Absalom kam nach Jerusalem.

Fußnoten

  1. 1 o.: zum richterlichen Entscheid; so a. V. 4 u. 6.
  2. 2 o.: Deine Sache ist
  3. 3 Was der Ausgangspunkt der Zählung der vierzig Jahre ist, ist unklar.; einige Hs der gr. u. lat. Üsg. haben: "vier".
  4. 4 Grundbed.: Kundschafter
  5. 5 Grundbed.: Widderhorn
  6. 6 w.: mit dem Mund
  7. 7 D. i. der Name eines Hauses außerhalb der Stadt.
  8. 8 eigtl.: alle Scharfrichter (Ausrotter) und alle Läufer (Eilboten); hier: die Leibwache Davids; vgl. 2Kön 11,4.19.
  9. 9 eigtl.: in seiner Fußspur
  10. 10 i. S. v.: bei dem, der König sein wird (wer auch immer).
  11. 11 d. h.: du hast also noch kein Vaterland.
  12. 12 eigtl.: aufschütteln
  13. 13 o.: Zuverlässigkeit; Beständigkeit; Grundbed.: Wahrheit
  14. 14 i. S. v.: alles Kriegsvolk
  15. 15 Gemeint ist die Wüste Juda.
  16. 16 d. i.: auf die Anhöhe; vgl. 2Sam 15,30.
  17. 17 o.: seine Weidestätte; seine Aue; vgl. 2Mo 15,13; Ps 83,13; Jer 25,30; 31,23.
  18. 18 i. S. v.: ein Prophet; vmtl. ein Bezug auf die Urim und Tummim am Ephod.
  19. 19 d. i.: mit dir und Abjatar.
  20. 20 d. i.: an den Jordanfurten
  21. 21 o.: der besondere Vertraute