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Neues Testament

Apostelgeschichte Kapitel 21

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Nachdem wir uns von ihnen losgerissen hatten und hinausgefahren waren, hielten wir geraden Kurs. Und es geschah, dass wir nach Kos kamen, am nächsten <Tag> nach Rhodos und von dort nach Patara.
2Und als wir ein Schiff fanden, das nach Phönikien übersetzte, bestiegen wir es und fuhren aus.
3Nachdem wir Zypern gesichtet und es links zurückgelassen hatten, fuhren wir Richtung Syrien und kamen nach Tyrus, denn dorthin war das Schiff zum Abladen der Fracht <unterwegs>.
4Und als wir die Jünger gefunden hatten, verblieben wir dort sieben Tage. Diese sagten - durch den Geist1 - zu Paulus, er solle nicht hinauf nach Jerusalem gehen.
5Als es geschah, dass wir diese Tage vollendet hatten, brachen wir auf und zogen fort, wobei sie uns alle mit Frauen und Kindern bis vor die Stadt hinaus geleiteten. Und wir knieten am Meeresstrand nieder und beteten.
6Und als wir uns voneinander verabschiedet hatten, stiegen wir in das Schiff. Jene kehrten zurück in das Ihrige2.
7Wir setzten die Schiffsreise von Tyrus fort3 und gelangten nach Ptolemais. Und nachdem wir die Brüder begrüßt hatten, blieben wir einen Tag bei ihnen.
8Am folgenden Tag zogen die, die um Paulus waren, aus und kamen nach Cäsarea. Und wir gingen in das Haus des Philippus, des Evangelisten, der einer von den Sieben war, und blieben bei ihm.
9Dieser hatte vier Töchter, Jungfrauen, die weissagten.
10Als wir dort viele Tage verblieben waren, kam ein gewisser Prophet namens Agabus herab von Judäa.
11Und er kam zu uns und nahm den Gürtel des Paulus und band seine Füße und Hände und sagte: "Das hier spricht der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und ihn in die Hände derer, die von den Völkern sind,4 ausliefern."
12Als wir dieses gehört hatten, riefen wir und auch die Einheimischen ihn bittend5 auf, er möchte nicht hinaufgehen nach Jerusalem.
13Aber Paulus antwortete: "Was macht ihr, dass ihr weint und mir das Herz zermürbt? - denn für den Namen des Herrn Jesus bin ich bereit, nicht allein gebunden zu werden, sondern auch zu sterben zu Jerusalem."
14Da er sich nicht überreden ließ, wurden wir still und sagten: "Der Wille des Herrn geschehe."
15Nach diesen Tagen machten wir uns reisefertig und zogen hinauf nach Jerusalem.
16Es gingen auch einige von den Jüngern von Cäsarea mit uns; und sie führten uns zu einem gewissen Mnason, einem Zyprier und alten Jünger, bei dem wir zu Gast sein sollten.
17Als wir nach Jerusalem gekommen waren, nahmen uns die Brüder freudig6 in Empfang.
18Am folgenden Tag ging Paulus mit uns zu Jakobus. Auch alle Ältesten stellten sich ein.
19Und nachdem er sie gegrüßt hatte, erzählte er eines nach dem anderen, was Gott unter denen von den Völkern durch seinen Dienst getan hatte.
20Als sie es hörten, verherrlichten sie den Herrn. Und sie sagten zu ihm: "Du beobachtest, Bruder, wie viele Zehntausende der Juden es sind, die geglaubt haben; und alle sind Eiferer für das Gesetz.
21Sie wurden aber über dich unterrichtet, du würdest alle Juden unter den Völkern Abfall von Mose lehren [und] sagen, sie sollten ihre Kinder nicht beschneiden noch nach den Gebräuchen wandeln.
22Was ist's also? Jedenfalls muss eine Menge zusammenkommen7, denn sie werden hören, dass du gekommen bist.
23Tu also dieses, was wir dir sagen: Es sind vier Männer bei uns, die ein Gelübde auf sich haben.
24Diese nimm zu dir und reinige8 dich zusammen mit ihnen und übernimm die Ausgaben für sie, damit sie sich das Haupt kahl scheren und alle zur Kenntnis nehmen mögen, dass an dem nichts ist, wovon sie über dich unterrichtet wurden, sondern dass auch du ordentlich <und in Rechtschaffenheit> lebst und das Gesetz hältst9.
25Was aber die von den Völkern betrifft, die geglaubt haben: Wir teilten [ihnen ja] brieflich mit und urteilten, dass sie nichts dergleichen halten sollten als nur, dass sie sich hüten sollten vor dem den Götzen Geopferten und auch vor Blut und Ersticktem und [vor] Unzucht."
26Dann nahm Paulus am folgenden Tag die Männer zu sich, wurde zusammen mit ihnen gereinigt10, ging in die Tempelstätte und zeigte die vollständige Erfüllung der Tage der Reinigung11 an - bis [nämlich] das Opfer12 für jeden Einzelnen von ihnen dargebracht war.
27Als die sieben Tage im Begriff waren, vollendet zu werden, brachten die Juden aus Asien, die ihn in der Tempelstätte zu Gesicht bekommen hatten, die ganze Menge in Verwirrung und legten Hand an ihn.
28"Männer! Israeliten!", riefen sie laut. "Kommt zu Hilfe! Dieser ist der Mensch, der alle überall gegen das Volk und das Gesetz und diese Stätte lehrt, und überdies führte er auch Griechen in die Tempelstätte hinein und hat diese heilige Stätte gemein gemacht13!"
29- denn sie hatten den Epheser Trophimus vorher mit ihm in der Stadt gesehen, von dem sie meinten, dass Paulus ihn in die Tempelstätte geführt hätte.
30Es kam die ganze Stadt in Bewegung, und es entstand ein Zusammenlauf des Volkes. Und sie nahmen Paulus mit und schleppten ihn zur Tempelstätte hinaus. Und sogleich wurden die Türen geschlossen.
31Während sie ihn zu töten suchten, kam Nachricht zum Befehlshaber14 der Truppe hinauf, dass ganz Jerusalem in Verwirrung sei.
32Der nahm sofort Soldaten und Hauptmänner zu sich und lief zu ihnen hinunter. Als sie den Befehlshaber und die Soldaten sahen, hörten sie auf, Paulus zu schlagen.
33Dann nahte sich der Befehlshaber, griff ihn und befahl, ihn mit zwei Ketten zu binden, und erkundigte sich, wer er sei und was er getan habe.
34Die einen in der Menge riefen dieses, die anderen jenes. Da er wegen des Tumultes nichts Gewisses erfahren konnte, befahl er, ihn ins Lager15 zu führen.
35Aber als er auf die Stufen kam, ereignete es sich, dass er wegen der Gewalt der Menge von den Soldaten getragen wurde,
36denn die Volksmenge folgte nach, und sie schrien: "Weg mit ihm!"
37Als Paulus eben in das Lager hineingebracht werden sollte, sagt er zum Befehlshaber: "Ist es mir gestattet, etwas zu dir zu sagen?" Er sagte: "Du kennst Griechisch?
38Dann bist du nicht der Ägypter, der vor diesen Tagen die viertausend Mann der Sikarier16 aufwiegelte und in die Wüste hinausführte?"
39Paulus sagte: "Ich bin ein jüdischer Mensch, ein Tarser, von Kilikien, Bürger einer nicht unangesehenen Stadt. Ich bitte dich sehr, erlaube mir, zum Volk zu reden."
40Als er es erlaubt hatte, winkte Paulus, der sich auf17 die Stufen gestellt hatte, dem Volk mit der Hand. Nachdem ein großes Schweigen eingetreten war, rief er [ihnen] in hebräischer Mundart zu und sagte:

Fußnoten

  1. 1 o.: auf eine Geistesmitteilung hin; d. h., aufgrund einer Weissagung, die durch den Heiligen Geist von einem Propheten gesprochen war (woraufhin allzu menschliche Schlussfolgerungen gezogen wurden).
  2. 2 d. h.: nach Hause.
  3. 3 andere übersetzen: "vollendeten ..."; das gr. Wort kann beides bedeuten, "vollenden" o. "fortsetzen"; vom Zusammenhang her passt wahrsch. "fortsetzen" besser; s. dazu Lenski.
  4. 4 o.: in die Hände der Heiden
  5. 5 o.: <wiederholt> bittend
  6. 6 und gerne
  7. 7 i. S. v.: muss damit gerechnet werden, dass eine Menge zusammenkommt
  8. 8 und weihe
  9. 9 o.: dass du auch selbst im Einklang mit dem Gesetz wandelst und es befolgst; w.: dass du auch selbst ordentlich wandelst, als einer, der das Gesetz befolgt (o.: beobachtet; hält).
  10. 10 und geweiht
  11. 11 und Weihung
  12. 12 eigtl.: die Darbringung
  13. 13 d. h.: allgemein - also auch für Menschen außerhalb Israels - zugänglich gemacht und daher verunreinigt.
  14. 14 eigtl.: Chiliarchen; d. i. der Anführer einer Tausendschaft, der Befehlshaber einer Kohorte.
  15. 15 o.: ins befestigte Lager, d. h., in die Kaserne; hier ist ein Gebäudebereich der Burg Antonia gemeint.
  16. 16 Das waren bewaffnete Terroristen, radikale jüd. Nationalisten (erbitterte Feinde der prorömischen Juden), die in der Amtszeit des Felix (52-59 n. Chr.) aktiv zu werden begannen; u. a. mischten sie sich während der jüd. Festzeiten unter die Menge und erdolchten ihre Opfer meuchlings.
  17. 17 vmtl.: oben auf