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Neues Testament

Apostelgeschichte Kapitel 23

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Paulus blickte den Hohen Rat unverwandt an und sagte: "Männer, Brüder! Ich habe mit allem guten Gewissen meinen Lebenswandel für Gott geführt bis auf diesen Tag."
2Der Hohe Priester Ananias befahl denen, die bei ihm standen, ihn auf den Mund zu schlagen.
3Dann sagte Paulus zu ihm: "Gott wird dich schlagen, übertünchte Wand:1 Du sitzest und richtest mich nach dem Gesetz, und wider das Gesetz gibst du Befehl, mich zu schlagen?"
4Aber die Dabeistehenden sagten: "Den Hohen Priester Gottes schmähst du?"
5Paulus sagte: "Ich wusste nicht, Brüder, dass es der Hohe Priester sei, denn es ist geschrieben: 'Von einem Oberen deines Volkes sollst du nicht schlecht reden.'" {Vgl. 2Mo 22,27.}
6Da dem Paulus bekannt war, dass der eine Teil von den Sadduzäern war, der andere von den Pharisäern, rief er laut im Hohen Rat: "Männer! Brüder! Ich bin ein Pharisäer, Sohn eines Pharisäers. Über die Hoffnung und Auferstehung der Toten werde ich gerichtet!"
7Als er dieses geredet hatte, entstand Aufruhr der Pharisäer und der Sadduzäer, und die Menge spaltete sich,
8denn die Sadduzäer sagen: "Eine Auferstehung gibt es nicht, auch nicht Engel und Geist", aber die Pharisäer bekennen beides.
9Es kam zu einem lauten Rufen, und die Schriftgelehrten des pharisäischen Teils traten auf <und suchten>, [die Sache] durchzukämpfen: "Wir finden nichts Schlimmes an diesem Menschen", sagten sie. "Wenn aber ein Geist zu ihm redete oder ein Engel, lasst uns nicht gegen Gott kämpfen!"
10Da es zu einem großen Aufruhr wurde, gab der Befehlshaber - von Sorge ergriffen, Paulus könnte von ihnen zerrissen werden, - der Truppe Befehl, herunterzukommen, ihn mit Gewalt aus ihrer Mitte zu entfernen2 und in das Lager zu führen.
11In der folgenden Nacht trat der Herr zu ihm und sagte: "Sei guten Mutes, Paulus, denn wie du die Dinge, die mich betreffen, zu Jerusalem mit Ernst bezeugtest, so musst du auch zu Rom Zeugnis geben."
12Als es Tag geworden war, rotteten sich etliche von den Juden zusammen und verfluchten sich und sagten, sie würden weder essen noch trinken, bis sie Paulus getötet hätten.
13Es waren mehr als vierzig, die diese Verschwörung gemacht hatten.
14Diese gingen hin zu den Hohen Priestern und den Ältesten und sagten: "Mit Fluch3 verfluchten wir uns, nichts zu essen4, bis wir Paulus getötet hätten.
15Werdet ihr nun also zusammen mit dem Hohen Rat* bei dem Befehlshaber vorstellig [mit der Bitte], dass er ihn morgen zu euch herunterführe, als wolltet ihr seine Sache genauer untersuchen5! Wir aber sind bereit, bevor er nahekommt, ihn umzubringen."
16Als aber der Sohn der Schwester des Paulus von der Nachstellung hörte, begab er sich hin, ging in das Lager hinein und gab dem Paulus Bericht.
17Paulus rief einen von den Hauptmännern zu sich und sagte: "Diesen Jugendlichen führe hin zum Befehlshaber, denn er hat ihm etwas zu berichten."
18Der nahm ihn also zu sich, führte ihn zum Befehlshaber, und er sagt: "Der Gefangene Paulus rief mich herbei und ersuchte mich, diesen Jugendlichen zu dir zu führen, da er dir etwas zu sagen habe."
19Der Befehlshaber nahm ihn bei der Hand, zog sich mit ihm abseits zurück und erkundigte sich: "Was ist es, das du mir zu berichten hast?"
20Er sagte: "Die Juden kamen überein, dich zu ersuchen, dass du Paulus morgen hinabbringest in den Hohen Rat, als wollten sie etwas Genaueres über ihn erfahren.
21Du also, lass dich nicht von ihnen überzeugen, denn es lauern ihm mehr als vierzig Männer von ihnen auf, die sich verfluchten, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn umgebracht hätten; und nun sind sie bereit und erwarten die Zusage von dir."
22Der Befehlshaber entließ also den Jugendlichen und wies ihn an, niemandem gegenüber auszusagen, "dass du mir dieses offenbar machtest."
23Und er rief zwei der Hauptmänner herbei und sagte: "Macht zweihundert Soldaten bereit, dass sie bis Cäsarea ziehen, und siebzig Reiter und zweihundert Speerschützen6, von der dritten Stunde der Nacht an."
24Sie sollten auch Lasttiere bereithalten, dass sie den Paulus daraufsetzten und ihn bewahrt zu dem Statthalter Felix7 hindurchbrächten,
25nachdem er einen Brief folgenden Inhalts geschrieben hatte:
26"Klaudius Lysias Dem mächtigsten Statthalter Felix: Freue dich!*
27Dieser Mann wurde von den Juden festgenommen und war daran, von ihnen umgebracht zu werden. Zusammen mit der Truppe schritt ich ein und nahm ihn heraus. Ich hatte nämlich erfahren, dass er Römer sei.
28In der Absicht, die Ursache in Erfahrung zu bringen, wegen der sie ihn anklagten, führte ich ihn in ihren Hohen Rat hinab
29und fand, dass er wegen Fragen ihres Gesetzes angeklagt war, aber keine des Todes oder der Fesseln werte Anklage auf sich lasten hatte.
30Nachdem mir aber eröffnet worden war, dass von den Juden ein Anschlag gegen den Mann im Werk sei, schickte ich ihn sofort zu dir und befahl auch den Anklägern, das gegen ihn Vorliegende vor dir auszusagen. Lebe wohl!"
31Die Soldaten übernahmen Paulus also gemäß ihren Anordnungen und führten ihn bei Nacht nach Antipatris.
32Am folgenden Tag ließen sie die Reiter mit ihm weiterziehen und kehrten in das Lager zurück.
33Und als diese nach Cäsarea hineingekommen waren und dem Statthalter den Brief abgegeben hatten, stellten sie ihm auch Paulus vor.
34Nachdem der Statthalter gelesen und gefragt hatte, aus welcher Provinz er sei, und nachdem er erfahren hatte, dass er aus Kilikien sei,
35sagte er: "Ich werde dich anhören, sobald sich auch deine Ankläger eingestellt haben." Und er gab Befehl, ihn in dem Prätorium* des Herodes8 zu verwahren.

Fußnoten

  1. 1 Im Gt. beginnt der nächste Satz mit einem "und", das hier wohl den Sinn von "das heißt" hat. Wir haben dafür einen Doppelpunkt gesetzt.
  2. 2 o.: ihn aus ihrer Mitte zu reißen; im Gt. steht das Wort, das auch für "rauben", "entrücken" verwendet wird.
  3. 3 o.: Feierlich; o.: ganz entschieden; es handelt sich wahrsch. um einen Hebraismus, der durch diese Art von Verdoppelung die Aussage intensivieren will.
  4. 4 i. S. v.: nichts Genießbares zu uns zu nehmen
  5. 5 und entscheiden.
  6. 6 d. h.: Leichtbewaffnete
  7. 7 Antonius Felix war von 52-59 n. Chr. Statthalter von Judäa.
  8. 8 Der von Herodes dem Großen erbaute Palast war zu jener Zeit der Amtssitz des Statthalters der Provinz Judäa.