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Neues Testament

Apostelgeschichte Kapitel 28

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und nachdem wir hindurchgerettet waren, erfuhren wir dann, dass die Insel Melite1 heiße.
2Die Fremden2 erwiesen uns eine nicht gewöhnliche Menschenfreundlichkeit, denn sie zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle zu sich - wegen des eingetretenen Regens und wegen der Kälte.
3Als Paulus einen Haufen Reisig zusammenraffte und auf das Feuer legte, kam infolge der Hitze eine Giftschlange heraus und biss sich an seiner Hand fest.
4Als die Fremden das Tier an seiner Hand hängen sahen, sagten sie zueinander: "Zweifellos ist dieser Mensch ein Mörder, den die Dike3, obschon er aus dem Meer heraus- <und hindurch>gerettet worden ist, nicht leben lässt."
5Er schüttelte daraufhin das Tier ins Feuer und erlitt nichts Schlimmes.
6Sie erwarteten aber, dass er eine Entzündung bekommen oder plötzlich tot niederfallen werde. Als sie aber lange warteten und schauten <und sahen>, dass nichts Ungewöhnliches an ihm geschah, schlugen sie [in ihrer Meinung] um und sagten, er sei ein Gott.
7In der Umgebung jenes Ortes befanden sich Grundstücke des Ersten der Insel, namens Publius, der uns bei sich aufnahm und auf freundliche Weise drei Tage lang zu Gast hatte.
8Es geschah aber, dass der Vater des Publius von Fieber und Ruhr befallen daniederlag. Zu dem ging Paulus hin und betete, legte ihm die Hände auf und heilte ihn.
9Als dieses also geschehen war, kamen auch die übrigen auf der Insel, die Krankheiten hatten, herbei und wurden geheilt.
10Sie erwiesen uns auch viele Ehren, und als wir hinausfuhren, gaben sie uns mit, was für unseren Bedarf war.
11Nach drei Monaten fuhren wir in einem Schiff aus, das auf der Insel überwintert hatte, einem alexandrinischen, mit dem Zeichen der Dioskuren4 versehen.
12Und nachdem wir in Syrakus eingelaufen waren, blieben wir drei Tage da.
13Von dort fuhren wir in einem Bogen und gelangten nach Regium. Und als nach einem Tag sich Südwind erhob, kamen wir am zweiten Tag [bis] nach Puteoli.
14Dort fanden wir Brüder und wurden aufgerufen5, sieben Tage bei ihnen zu bleiben. Und so kamen wir nach Rom.
15Und von dort kamen die Brüder, als sie über uns gehört hatten, heraus bis Forum Appii und Tres Tabernae6, uns zu begegnen. Als Paulus sie sah, dankte er Gott und fasste Mut.
16Als wir nach Rom gekommen waren, übergab der Hauptmann die Gefangenen dem Lagerkommandanten. Aber es wurde Paulus erlaubt, mit dem ihn bewachenden Soldaten für sich zu bleiben.
17Es geschah nach drei Tagen, dass Paulus diejenigen, die die Ersten der Juden7 waren, zusammenrief. Als sie zusammengekommen waren, <richtete er sich> an sie und sagte: "Männer, Brüder! Ich, der ich nichts gegen das Volk oder gegen die väterlichen Gebräuche tat, wurde als Gefangener von Jerusalem aus in die Hände der Römer überliefert,
18die mich, nachdem sie mich verhört hatten, freilassen wollten, weil keine todeswürdige Schuld an mir war.
19Aber als die Juden widersprachen, war ich genötigt, mich auf den Kaiser zu berufen, nicht, als ob ich mein Volk wegen irgendetwas anzuklagen hätte.
20Dieser Ursache wegen also rief ich euch herbei, euch zu sehen und zu euch zu reden; denn wegen der Hoffnung Israels trage ich diese °Kette."
21Sie sagten zu ihm: "Wir empfingen weder Schreiben über dich von Judäa noch kam irgendeiner von den Brüdern her und berichtete oder redete über dich etwas Böses.
22Wir achten es aber für angemessen, von dir zu hören, <was du denkst und> wie du gesinnt bist; denn von dieser Sonderrichtung ist uns bekannt, dass ihr überall widersprochen wird."
23Nachdem sie ihm einen Tag bestimmt hatten, kamen sie in [noch] größerer Zahl hin zu ihm in die Unterkunft. Denen setzte er auseinander und bezeugte mit Ernst das Königreich Gottes und suchte vom Gesetz Moses und auch von den Propheten her sie von dem zu überzeugen, was Jesus betraf, von der Frühe bis zum Abend.
24Und die einen wurden <nach und nach> von dem Gesagten überzeugt8. Die anderen glaubten nicht9.
25Als sie aber unter sich uneins waren, gingen sie weg, nachdem Paulus die eine Aussage gemacht hatte: "Trefflich redete der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu unseren Vätern,
26als er sagte: 'Gehe hin zu diesem Volk und sprich: Hörend werdet ihr hören und gar nicht vernehmen10, und hinsehend werdet ihr hinsehen und gar nicht wahrnehmen,
27denn das Herz dieses Volkes wurde empfindungslos, und mit den Ohren wurden sie schwerhörig, und ihre Augen verschlossen sie, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen vernehmen und umkehren möchten und ich sie heilte.' {Vgl. Jes 6,9.10.}
28Es sei euch also kund, dass das Heil Gottes denen, die von den Völkern sind, gesandt wurde. Die werden auch hören."
29Nachdem er dieses gesagt hatte, gingen die Juden weg, wobei sie viel Disput unter sich hatten.
30Paulus blieb zwei ganze Jahre in der eigenen Mietwohnung und empfing alle, die zu ihm hereinkamen;
31mit aller Freimütigkeit verkündete er das Königreich Gottes und lehrte die Dinge, die den Herrn Jesus Christus betrafen, ungehindert.

Fußnoten

  1. 1 Nach neueren Forschungsergebnissen sollte diese Insel nicht mit Malta verwechselt werden. Vgl. H. Warnecke, "War Paulus wirklich auf Malta?"
  2. 2 Das gr. Wort bezieht sich auf nicht gr. sprechende Bewohner und ist etymologisch der Ursprung des Wortes "Barbaren".
  3. 3 D. i. die Göttin der Vergeltung, die Rachegöttin.
  4. 4 Das sind die Zwillingsbrüder Kastor und Polydeukes, Söhne des Zeus (Dios), die als Helfer in der Not (bes. in der Seenot) galten; deren Bild, geschnitzt oder gemalt, war am Vorderteil des Schiffes angebracht.
  5. 5 o.: ermutigt
  6. 6 d. h.: die drei Tavernen
  7. 7 In Rom sollen damals 50 000 Juden gelebt haben.
  8. 8 und glaubten.
  9. 9 o.: glaubten <weiterhin> nicht; im Gt. Impf., fortdauernde Handlung andeutend.
  10. 10 und verstehen; so a. V. 27.