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Altes Testament

5. Mose Kapitel 32

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1"Horcht, ihr Himmel, ich will reden. Und Erde, höre die Worte meines Mundes!
2Wie Regen triefe meine Lehre, wie Tau riesle meine Rede, wie Regenschauer auf frisches Grün, wie Regengüsse auf das Gewächs1!
3Fürwahr, den Namen Jahwehs rufe ich aus: Gebt Majestät unserem Gott!
4Der Fels: Vollkommen ist sein Tun, denn Recht2 sind alle seine Wege; ein Gott3 der Treue4 und ohne Falsch5, gerecht und gerade6 ist er.
5Es handelt verderblich gegen ihn - nicht seine Kinder7, sondern ihr Schandfleck, ein verkehrtes und krummes Geschlecht.
6Wollt ihr so Jahweh vergelten, törichtes und unweises Volk? Ist nicht er dein Vater, der dich erworben8? Hat nicht er dich gemacht und gegründet9?
7Gedenke der Tage der Urzeit. Merkt auf die Jahre von Geschlecht zu Geschlecht10. Frage deinen Vater, und er wird es dir kundtun, deine Ältesten, und sie werden es dir sagen.
8Als der Höchste den Völkern das Erbe austeilte, als er die Söhne Adams verzweigte, da legte er die Grenzen der Volksscharen fest nach der Zahl der Söhne Israels.
9Fürwahr, Jahwehs Teil ist sein Volk, Jakob die Messschnur seines Erbteils.
10Er fand ihn im Land der Wüste und in der Einöde, im Geheul von Jeschimon11. Er umgab ihn, hatte auf ihn acht, behütete ihn wie seinen Augapfel12.
11Wie der Adler13 sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie auf seinen Schwingen trägt,
12so leitete ihn Jahweh allein, und keine fremde Gottheit war mit ihm.
13Er ließ ihn einherfahren auf den Höhen der Erde, und er aß den Ertrag des Feldes. Er ließ ihn Honig saugen aus dem Felsen und Öl aus dem Kiesel des Felsens,
14Dickmilch14 der Kühe und Milch vom Kleinvieh, mitsamt dem Fett der Mastschafe, Widder von den Söhnen Baschans und Ziegenböcke samt dem Nierenfett15 des Weizens. Du trankst das Blut der Traube, schäumenden Wein.
15Fett wurde Jeschurun16, und er schlug aus. Du wurdest fett, dick und feist! Er verstieß Gott17, der ihn gemacht, verachtete den Fels seines Heils.
16Sie reizten ihn zur Eifersucht durch Fremd[götter], durch Gräuel kränkten sie ihn.
17Sie opferten18 Dämonen, die nicht Gott19 sind, Göttern, die sie nicht kannten, neuen, die vor kurzem aufgekommen waren, die eure Väter nicht verehrten.
18Den Fels, der dich geboren, ließest du außer acht und vergaßest den Starken, der dich entbunden hat20.
19Und Jahweh sah es und verwarf [sie] aus Gram21 über seine Söhne und Töchter.
20Und er sagte: 'Ich will mein Angesicht vor ihnen verbergen, will sehen, was ihr Ende sein wird; denn ein verkehrtes Geschlecht22 sind sie, Söhne, in denen keine Treue23 ist.
21Sie reizten [mich] zur Eifersucht durch einen Nicht-Gott24, kränkten mich durch ihre Dunstgebilde25. So werde ich sie zur Eifersucht reizen durch ein Nicht-Volk, durch ein törichtes Volk* werde ich sie kränken26;
22denn ein Feuer ist entbrannt in meinem Zorn, und es brennt bis in den untersten Scheol27, und es verzehrt die Erde und ihren Ertrag und entflammt die Grundfesten der Berge.
23Ich werde Unheil über sie häufen, meine Pfeile gegen sie aufbrauchen28.
24[Sind sie] entkräftet vor Hunger und aufgezehrt von Fieber und bitterer Pest, so sende ich den Zahn wilder Tiere auf sie los, und das Gift der im Staub Kriechenden.
25Draußen wird das Schwert rauben29 und in den Kammern der Schrecken: den jungen Mann wie die Jungfrau, den Säugling samt dem Grauhaarigen.
26Ich hätte gesagt: Ich will sie zerstreuen, will ihr Andenken30 aufhören lassen unter den Sterblichen31,
27hätte ich nicht gescheut die Kränkung von Seiten des Feindes, dass ihre Widersacher es falsch deuten würden und sagen: 'Unsere Hand ist stark32 gewesen, und nicht Jahweh hat dieses alles getan!'
28Sind sie doch ein Volk*, dem es an Rat fehlt33; und keine Einsicht ist in ihnen.
29Wären sie verständig, würden sie dieses beachten, ihr Ende bedenken.
30Ach, wie könnte einer Tausend jagen, zwei Zehntausend34 in die Flucht schlagen, wenn nicht [deshalb], weil ihr Fels sie verkauft und Jahweh sie preisgegeben hat?
31- denn nicht wie unser Fels ist ihr Fels; das müssen unsere Feinde selbst zugeben35;
32denn ihr Weinstock ist vom Weinstock Sodoms, von den Weingärten Gomorras; ihre Beeren sind Giftbeeren, ihre Trauben sind bitter.
33Drachengift ist ihr Wein, grausames Otterngift.
34'Ist solches nicht bei mir aufbewahrt, versiegelt in meinen Schatzkammern?
35Mein ist die Rache und die Vergeltung für die Zeit, da ihr Fuß wankt; denn nahe ist der Tag ihres Unglücks, und was ihnen bevorsteht, eilt herbei.'
36Fürwahr, Jahweh wird sein Volk richten! Und er wird Mitleid empfinden36 mit seinen Knechten, wenn er <dann> sieht, dass geschwunden die Kraft, und dahin der Gebundene und der Freie37.
37Und er wird sagen: 'Wo sind ihre Götter, der Fels, bei dem sie Zuflucht suchten?
38Die das Fett ihrer Schlachtopfer aßen, den Wein ihrer Trankopfer tranken: Sollen sie aufstehen und euch helfen, ein Schutzdach über euch sein!
39Seht nun, dass ich der[selbe] bin38, und es gibt keinen Gott neben mir. Ich selbst bringe zu Tode und mache lebendig. Ich zerschlage, und ich selbst heile. Und es gibt keinen, der aus meiner Hand rettet39!
40Ja, ich hebe meine Hand auf zu den Himmeln und sage: So wahr ich ewiglich lebe:
41Habe ich geschärft mein blitzendes Schwert, und hat meine Hand zum Gericht gegriffen, so erstatte ich Rache an meinen Feinden und vergelte meinen Hassern!
42Meine Pfeile berausche ich mit Blut, und mein Schwert frisst Fleisch vom Blut der Durchbohrten und Gefangenen, von den langhaarigen Häuptern40 des Feindes!'
43Macht jauchzen, [ihr] Völker, sein Volk!41 Ja, das Blut seiner Knechte rächt er, Rache erstattet er seinen Feinden; seinen Erdboden42, sein Volk, entsühnt er!"
44Und Mose kam und redete alle Worte dieses Liedes in die Ohren des Volkes, er und Hoschea43, der Sohn Nuns.
45Und als Mose alle diese Worte zu ganz Israel zu Ende geredet hatte,
46sagte er zu ihnen: "Richtet euer Herz auf alle Worte, die ich euch heute ernstlich bezeuge, damit ihr sie euren Söhnen gebietet, dass sie darauf achten, alle Worte dieser Weisung zu tun;
47denn nicht ein leeres Wort ist es für euch, sondern es ist euer Leben. Und durch dieses Wort werdet ihr eure Tage verlängern44 auf dem Erdboden, wohin ihr über den Jordan geht, ihn <als Erbe> in Besitz zu nehmen."
48Und Jahweh redete zu Mose an ebendiesem Tag und sagte:
49"Steige auf den Berg Abarim hier, den Berg Nebo, der im Land Moab [liegt], der Jericho gegenüber ist; und sieh das Land Kanaan, das ich den Söhnen Israels zum <erblichen> Besitztum gebe.
50Und du wirst auf dem Berg, auf den du steigst, sterben und zu deinen Volksgenossen gesammelt werden, ebenso wie Aaron, dein Bruder, auf dem Berg Hor starb und zu seinen Volksgenossen gesammelt wurde;
51weil ihr treulos gegen mich gehandelt habt mitten unter den Söhnen Israels am Wasser von Meriba-Kadesch45 in der Wüste Zin, weil ihr mich nicht geheiligt46 habt mitten unter den Söhnen Israels.
52Fürwahr, du wirst das Land von gegenüber sehen, aber du wirst nicht hineinkommen in das Land, das ich den Söhnen Israels gebe."

Fußnoten

  1. 1 "Gewächs" kann auch "Kraut" bed.
  2. 2 o.: Gerechtigkeit; o.: [richtige] Entscheidung
  3. 3 heb. El; so a. V. 12; s. Begriffsverz. im Ergänzungsband.
  4. 4 o.: Festigkeit; Beständigkeit; Zuverlässigkeit; s. a. Begriffsverz.
  5. 5 und ohne Abweichung
  6. 6 S. Begriffsverz.
  7. 7 o.: Söhne
  8. 8 o.: hervorgebracht (1Mo 4,1; Ps 139,13)
  9. 9 o.: aufgestellt; befestigt
  10. 10 o.: Generation um Generation
  11. 11 bed.: Wildnis
  12. 12 eigtl.: wie die Pupille seines Auges; w.: wie den kleinen "Mann" seines Auges.
  13. 13 Mit "Adler" ist in der Bibel zumeist der Gänsegeier gemeint, selten der eigentliche Adler.
  14. 14 o.: Buttermilch
  15. 15 d. i.: das beste Fett; "Nierenfett des Weizens" poetisch f.: den allerbesten Weizen.
  16. 16 bed.: Rechtschaffener; Redlicher; Name für Israel, vmtl. Gegensatz zu "Jakob" (Betrüger; Unredlicher); vgl. 5Mo 33,5.26; Jes 44,2.
  17. 17 heb. eloah; d. h.: Gott, der Ehrfurcht Erweckende.
  18. 18 eigtl.: opfern <als Schlachtopfer>
  19. 19 heb. eloah
  20. 20 o.: der mit dir in Wehen lag.
  21. 21 o.: Unmut; Unwillen; Kränkung
  22. 22 w.: ein Geschlecht von Verkehrtheiten
  23. 23 o.: kein Glaube; vgl. d. gr. Üsg. (pistis) u. Mt 17,17.
  24. 24 o.: durch eine Nicht-Gottheit (heb. lo-El)
  25. 25 o.: Nichtigkeiten; d. h.: durch ihre nichtigen Götzen
  26. 26 o.: unmutig machen
  27. 27 d. h.: in den untersten Bereich der Toten
  28. 28 i. S. v.: verschießen
  29. 29 eigtl.: kinderlos machen
  30. 30 o.: ihr Gedenken; die Erinnerung an sie
  31. 31 o.: unter den schwachen Menschen (heb. änosch: Kränklicher; Schwächlicher; Hinfälliger)
  32. 32 w.: hoch; erhaben
  33. 33 o.: dem man nicht raten kann; bei dem aller Rat umsonst ist
  34. 34 o.: eine Myriade
  35. 35 eigtl.: Darüber können unsere Feinde selbst Schiedsrichter sein; o.: Darüber müssen unsere Feinde selbst das Urteil abgeben.
  36. 36 o.: wird es sich gereuen lassen
  37. 37 o.: der Unmündige und der Mündige
  38. 38 o.: dass ich, ich der [Eine] bin; o.: dass ich selbst es bin.
  39. 39 w.: keinen Rettenden aus meiner Hand
  40. 40 vmtl. i. S. v.: von den (durch Gelübde) zum Krieg geweihten (daher ungeschorenen) Häuptern
  41. 41 Der Mas. T. erscheint hier unsicher. Nach der gr. Üsg. lautet der Vers: "Seid fröhlich, Himmel, zusammen mit ihm, und es sollen ihm huldigen alle Söhne (n. and. Lesart: alle Engel) Gottes! Seid fröhlich, [ihr] Völker, mit seinem Volk! Und stark werden sollen für ihn alle Engel Gottes! Ja, das Blut seiner Söhne rächt er, und Rache erstattet er den Feinden, und den Hassern vergilt er. Und reinigen wird der Herr das Land seines Volkes!" Von der gr. Üsg. wird der Satzteil "und es sollen ihm huldigen alle Engel Gottes" in Hebr 1,6 zitiert. Der Satzteil "Seid fröhlich, ihr Völker, mit seinem Volk" wird in Röm 15,10 zitiert. Diese Zitate bestärken Ausleger in der Meinung, dass die heb. Vorlage der gr. Üsg. anders lautete als der Mas. T. und die gr. Üsg. hier vorzuziehen sei.
  42. 42 o.: Ackerboden; hier i. S. v.: Land
  43. 43 Vgl. 4Mo 13,16.
  44. 44 i. S. v.: dazu beitragen, dass eure Tage lang sein werden
  45. 45 o.: am Haderwasser von Kadesch
  46. 46 o.: heilig gehalten; als heilig behandelt