Altes Testament
1. Samuel Kapitel 20
Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022
1Und David floh aus Najot in Rama. Und er kam und sagte vor Jonathan: "Was habe ich getan? Was ist meine Verschuldung und was meine Sünde vor deinem Vater, dass er nach meiner Seele1 trachtet?"
2Und er sagte zu ihm: "Das sei ferne! Du wirst nicht sterben. Siehe! Mein Vater tut weder eine große noch eine kleine Sache, ohne dass er sie meinem Ohr offenbaren würde. Und warum sollte mein Vater diese Sache vor mir verbergen? Es ist nicht so."
3Und David beteuerte nochmals und sagte: "Dein Vater hat sehr wohl erkannt, dass ich Gnade in deinen Augen gefunden habe, und er sagt <sich>: 'Jonathan soll davon nichts erfahren, damit er nicht bekümmert sei.' Wahrlich, so wahr Jahweh lebt und so wahr deine Seele lebt, zwischen mir und dem Tod ist nur ein Schritt."
4Und Jonathan sagte zu David: "Was sagt deine Seele, dass ich für dich tun soll?"
5Und David sagte zu Jonathan: "Siehe! Morgen ist Neumond, da müsste ich mit dem König beim Essen sitzen. So lass mich fort, und ich werde mich auf dem Feld2 verbergen bis zum dritten Abend.
6Sollte dein Vater mich vermissen, sag: 'David erbat sich dringend [Erlaubnis] von mir, nach Bethlehem, seiner Stadt, zu laufen, denn dort ist das jährliche Schlachtopfer3 für die ganze Sippe.'
7Sagt er so: '[Es ist] gut!', [dann bedeutet es] für deinen Knecht Frieden. Ergrimmt er aber, so erkenne, dass das Böse bei ihm beschlossen ist.
8Erweise nun Güte4 an deinem Knecht, denn du hast deinen Knecht in einen Bund [vor] Jahweh5 mit dir treten lassen! Wenn aber eine Verschuldung an mir ist, so töte du mich! Warum auch solltest du mich zu deinem Vater bringen?"
9Und Jonathan sagte: "Das sei ferne von dir! Fürwahr: Wenn ich sicher weiß, dass es bei meinem Vater beschlossen ist, dass das Böse über dich kommt, und ich es dir nicht sage ...6!"
10Und David sagte zu Jonathan: "Wer wird mir Bericht geben oder [sagen], was dir dein Vater Hartes antwortet?"
11Und Jonathan sagte zu David: "Komm, lass uns aufs Feld hinausgehen." Und sie gingen beide hinaus aufs Feld.
12Und Jonathan sagte zu David: "Bei Jahweh, dem Gott Israels! Wenn ich meinen Vater morgen [oder] übermorgen um diese Zeit ausforsche, und - siehe! - es [steht] gut für David, und ich dann nicht zu dir sende und es deinem Ohr offenbare ...!
13So tue Jahweh Jonathan, und so füge er hinzu!7 Wenn es meinem Vater gefallen sollte, das Böse über dich zu bringen, werde ich es deinem Ohr offenbaren und dich fortlassen, dass du in Frieden gehen mögest. Und möge Jahweh mit dir sein, wie er mit meinem Vater war!
14Und nicht nur solange ich noch lebe, und nicht nur an mir mögest du die Güte8 Jahwehs erweisen, dass ich nicht sterbe.9
15Mögest du meinem Haus deine Güte nicht entziehen auf ewig, auch dann nicht, wenn Jahweh die Feinde Davids, jeden einzelnen, von der Fläche des Erdbodens ausrotten wird!"
16Und Jonathan verbündete sich mit dem Hause Davids: "Jahweh fordere es ein von der Hand der Feinde Davids!"
17Und Jonathan ließ David noch einmal bei seiner Liebe zu ihm schwören, denn er liebte ihn mit der Liebe seiner Seele.
18Und Jonathan sagte zu ihm: "Morgen ist Neumond. Und du wirst vermisst werden, denn dein Sitzen wird vermisst werden.
19Und am dritten Tag gehe rasch hinab und komm zu der Stelle, wo du dich am Tag der Tat verborgen hattest, und setze dich neben den Stein Asel10.
20Ich aber werde drei Pfeile seitlich daran vorbeischießen, als ob ich nach einem Ziel schießen würde.
21Und - siehe! - ich werde den Burschen hinschicken: 'Geh, suche die Pfeile!' Wenn ich dann zu dem Burschen sage: 'Siehe! Die Pfeile sind diesseits von dir. Hole sie!', so komm, denn <dann> ist dir Friede, und es gibt keine Sache [gegen dich], so wahr Jahweh lebt!
22Wenn ich aber so zu dem Jüngling sage: 'Siehe! Die Pfeile sind jenseits von dir!', <dann> geh, denn Jahweh schickt dich fort.
23Was aber das Wort betrifft, das wir geredet haben, ich und du, - siehe! - Jahweh ist zwischen mir und dir auf ewig."
24Und David verbarg sich auf dem Feld. Und es wurde Neumond, und der König setzte sich zum Mahl11, um zu essen.
25Und der König setzte sich auf seinen Sitz, wie die anderen Male, auf den Sitz an der Wand. Und als Jonathan sich erhob, saß Abner an der Seite Sauls. Und David wurde am Platz vermisst.
26Saul aber sagte nichts an diesem Tag, denn er sagte <sich>: "Es ist ihm etwas widerfahren12. Er ist nicht rein. Ja, er ist nicht rein."
27Und es geschah am anderen Tag des Neumonds, dem zweiten, als David am Platz vermisst wurde, da sagte Saul zu seinem Sohn Jonathan: "Warum ist der Sohn Isais sowohl gestern als auch heute nicht zum Mahl gekommen?"
28Und Jonathan antwortete Saul: "David erbat sich von mir dringend [Erlaubnis], bis Bethlehem [zu laufen], und er sagte:
29'Bitte, lass mich fort, denn wir haben in der Stadt ein Schlachtopfer der Sippe. Und mein Bruder selbst hat es mir geboten. Und nun, wenn ich in deinen Augen Gnade gefunden habe, lass mich bitte entschlüpfen, dass ich meine Brüder sehe.' Darum ist er nicht an den Tisch des Königs gekommen."
30Da entbrannte der Zorn Sauls gegen Jonathan, und er sagte zu ihm: "Sohn einer widerspenstigen Verkehrten13! Habe ich nicht erkannt, dass du dir den Sohn Isais erwählt hast zu deiner Schande und zur Schande der Blöße14 deiner Mutter?
31Fürwahr, alle Tage, die der Sohn Isais auf dem Erdboden lebt, wirst du nicht festen Bestand haben, weder du noch deine Königsherrschaft. Und jetzt sende hin und hole ihn zu mir, denn er ist ein Sohn des Todes!"
32Und Jonathan antwortete seinem Vater Saul und sagte zu ihm: "Warum soll er getötet werden? Was hat er getan?"
33Da schleuderte Saul den Speer nach ihm, ihn zu erschlagen. Und Jonathan erkannte, dass es von Seiten seines Vaters beschlossen war, David zu töten.
34Und Jonathan erhob sich in Zornglut vom Tisch. Und er aß am zweiten Tag des Neumondes kein Brot, denn er war bekümmert um David, weil sein Vater ihn geschmäht hatte.
35Und es geschah am Morgen, da ging Jonathan aufs Feld hinaus, an den Ort, den er mit David verabredet hatte, und ein kleiner Bursche war mit ihm.
36Und er sagte zu seinem Burschen: "Lauf, suche die Pfeile, die ich abschieße!" Der Bursche lief, und er schoss den Pfeil über ihn hinaus.
37Und als der Bursche an die Stelle des Pfeils kam, den Jonathan abgeschossen hatte, da rief Jonathan dem Burschen nach und sagte: "Ist der Pfeil nicht jenseits von dir?"
38Und Jonathan rief dem Burschen nach: "Schnell, eile, steh nicht still!" Und der Bursche Jonathans las den Pfeil auf und kam zu seinem Herrn.
39Der Bursche aber wusste von nichts. Nur Jonathan und David wussten um die Sache.
40Und Jonathan gab dem Burschen, den er [bei sich] hatte, seine Waffen und sagte zu ihm: "Geh, bring <sie> in die Stadt."
41Als der Bursche gegangen war, machte sich David auf von der Südseite her und fiel auf sein Gesicht15 zur Erde und warf sich huldigend nieder, dreimal. Und sie küssten einer den andern16 und weinten einer um den anderen, bis David übermäßig weinte17.
42Und Jonathan sagte zu David: "Gehe hin in Frieden! [Es sei], wie wir beide im Namen Jahwehs geschworen haben, als wir sagten: 'Jahweh sei zwischen mir und dir und zwischen meinem Samen und deinem Samen auf ewig!'"
2Und er sagte zu ihm: "Das sei ferne! Du wirst nicht sterben. Siehe! Mein Vater tut weder eine große noch eine kleine Sache, ohne dass er sie meinem Ohr offenbaren würde. Und warum sollte mein Vater diese Sache vor mir verbergen? Es ist nicht so."
3Und David beteuerte nochmals und sagte: "Dein Vater hat sehr wohl erkannt, dass ich Gnade in deinen Augen gefunden habe, und er sagt <sich>: 'Jonathan soll davon nichts erfahren, damit er nicht bekümmert sei.' Wahrlich, so wahr Jahweh lebt und so wahr deine Seele lebt, zwischen mir und dem Tod ist nur ein Schritt."
4Und Jonathan sagte zu David: "Was sagt deine Seele, dass ich für dich tun soll?"
5Und David sagte zu Jonathan: "Siehe! Morgen ist Neumond, da müsste ich mit dem König beim Essen sitzen. So lass mich fort, und ich werde mich auf dem Feld2 verbergen bis zum dritten Abend.
6Sollte dein Vater mich vermissen, sag: 'David erbat sich dringend [Erlaubnis] von mir, nach Bethlehem, seiner Stadt, zu laufen, denn dort ist das jährliche Schlachtopfer3 für die ganze Sippe.'
7Sagt er so: '[Es ist] gut!', [dann bedeutet es] für deinen Knecht Frieden. Ergrimmt er aber, so erkenne, dass das Böse bei ihm beschlossen ist.
8Erweise nun Güte4 an deinem Knecht, denn du hast deinen Knecht in einen Bund [vor] Jahweh5 mit dir treten lassen! Wenn aber eine Verschuldung an mir ist, so töte du mich! Warum auch solltest du mich zu deinem Vater bringen?"
9Und Jonathan sagte: "Das sei ferne von dir! Fürwahr: Wenn ich sicher weiß, dass es bei meinem Vater beschlossen ist, dass das Böse über dich kommt, und ich es dir nicht sage ...6!"
10Und David sagte zu Jonathan: "Wer wird mir Bericht geben oder [sagen], was dir dein Vater Hartes antwortet?"
11Und Jonathan sagte zu David: "Komm, lass uns aufs Feld hinausgehen." Und sie gingen beide hinaus aufs Feld.
12Und Jonathan sagte zu David: "Bei Jahweh, dem Gott Israels! Wenn ich meinen Vater morgen [oder] übermorgen um diese Zeit ausforsche, und - siehe! - es [steht] gut für David, und ich dann nicht zu dir sende und es deinem Ohr offenbare ...!
13So tue Jahweh Jonathan, und so füge er hinzu!7 Wenn es meinem Vater gefallen sollte, das Böse über dich zu bringen, werde ich es deinem Ohr offenbaren und dich fortlassen, dass du in Frieden gehen mögest. Und möge Jahweh mit dir sein, wie er mit meinem Vater war!
14Und nicht nur solange ich noch lebe, und nicht nur an mir mögest du die Güte8 Jahwehs erweisen, dass ich nicht sterbe.9
15Mögest du meinem Haus deine Güte nicht entziehen auf ewig, auch dann nicht, wenn Jahweh die Feinde Davids, jeden einzelnen, von der Fläche des Erdbodens ausrotten wird!"
16Und Jonathan verbündete sich mit dem Hause Davids: "Jahweh fordere es ein von der Hand der Feinde Davids!"
17Und Jonathan ließ David noch einmal bei seiner Liebe zu ihm schwören, denn er liebte ihn mit der Liebe seiner Seele.
18Und Jonathan sagte zu ihm: "Morgen ist Neumond. Und du wirst vermisst werden, denn dein Sitzen wird vermisst werden.
19Und am dritten Tag gehe rasch hinab und komm zu der Stelle, wo du dich am Tag der Tat verborgen hattest, und setze dich neben den Stein Asel10.
20Ich aber werde drei Pfeile seitlich daran vorbeischießen, als ob ich nach einem Ziel schießen würde.
21Und - siehe! - ich werde den Burschen hinschicken: 'Geh, suche die Pfeile!' Wenn ich dann zu dem Burschen sage: 'Siehe! Die Pfeile sind diesseits von dir. Hole sie!', so komm, denn <dann> ist dir Friede, und es gibt keine Sache [gegen dich], so wahr Jahweh lebt!
22Wenn ich aber so zu dem Jüngling sage: 'Siehe! Die Pfeile sind jenseits von dir!', <dann> geh, denn Jahweh schickt dich fort.
23Was aber das Wort betrifft, das wir geredet haben, ich und du, - siehe! - Jahweh ist zwischen mir und dir auf ewig."
24Und David verbarg sich auf dem Feld. Und es wurde Neumond, und der König setzte sich zum Mahl11, um zu essen.
25Und der König setzte sich auf seinen Sitz, wie die anderen Male, auf den Sitz an der Wand. Und als Jonathan sich erhob, saß Abner an der Seite Sauls. Und David wurde am Platz vermisst.
26Saul aber sagte nichts an diesem Tag, denn er sagte <sich>: "Es ist ihm etwas widerfahren12. Er ist nicht rein. Ja, er ist nicht rein."
27Und es geschah am anderen Tag des Neumonds, dem zweiten, als David am Platz vermisst wurde, da sagte Saul zu seinem Sohn Jonathan: "Warum ist der Sohn Isais sowohl gestern als auch heute nicht zum Mahl gekommen?"
28Und Jonathan antwortete Saul: "David erbat sich von mir dringend [Erlaubnis], bis Bethlehem [zu laufen], und er sagte:
29'Bitte, lass mich fort, denn wir haben in der Stadt ein Schlachtopfer der Sippe. Und mein Bruder selbst hat es mir geboten. Und nun, wenn ich in deinen Augen Gnade gefunden habe, lass mich bitte entschlüpfen, dass ich meine Brüder sehe.' Darum ist er nicht an den Tisch des Königs gekommen."
30Da entbrannte der Zorn Sauls gegen Jonathan, und er sagte zu ihm: "Sohn einer widerspenstigen Verkehrten13! Habe ich nicht erkannt, dass du dir den Sohn Isais erwählt hast zu deiner Schande und zur Schande der Blöße14 deiner Mutter?
31Fürwahr, alle Tage, die der Sohn Isais auf dem Erdboden lebt, wirst du nicht festen Bestand haben, weder du noch deine Königsherrschaft. Und jetzt sende hin und hole ihn zu mir, denn er ist ein Sohn des Todes!"
32Und Jonathan antwortete seinem Vater Saul und sagte zu ihm: "Warum soll er getötet werden? Was hat er getan?"
33Da schleuderte Saul den Speer nach ihm, ihn zu erschlagen. Und Jonathan erkannte, dass es von Seiten seines Vaters beschlossen war, David zu töten.
34Und Jonathan erhob sich in Zornglut vom Tisch. Und er aß am zweiten Tag des Neumondes kein Brot, denn er war bekümmert um David, weil sein Vater ihn geschmäht hatte.
35Und es geschah am Morgen, da ging Jonathan aufs Feld hinaus, an den Ort, den er mit David verabredet hatte, und ein kleiner Bursche war mit ihm.
36Und er sagte zu seinem Burschen: "Lauf, suche die Pfeile, die ich abschieße!" Der Bursche lief, und er schoss den Pfeil über ihn hinaus.
37Und als der Bursche an die Stelle des Pfeils kam, den Jonathan abgeschossen hatte, da rief Jonathan dem Burschen nach und sagte: "Ist der Pfeil nicht jenseits von dir?"
38Und Jonathan rief dem Burschen nach: "Schnell, eile, steh nicht still!" Und der Bursche Jonathans las den Pfeil auf und kam zu seinem Herrn.
39Der Bursche aber wusste von nichts. Nur Jonathan und David wussten um die Sache.
40Und Jonathan gab dem Burschen, den er [bei sich] hatte, seine Waffen und sagte zu ihm: "Geh, bring <sie> in die Stadt."
41Als der Bursche gegangen war, machte sich David auf von der Südseite her und fiel auf sein Gesicht15 zur Erde und warf sich huldigend nieder, dreimal. Und sie küssten einer den andern16 und weinten einer um den anderen, bis David übermäßig weinte17.
42Und Jonathan sagte zu David: "Gehe hin in Frieden! [Es sei], wie wir beide im Namen Jahwehs geschworen haben, als wir sagten: 'Jahweh sei zwischen mir und dir und zwischen meinem Samen und deinem Samen auf ewig!'"
Fußnoten
- 1 d. h.: nach meinem Leben
- 2 d. h.: im Freien
- 3 w.: das Schlachtopfer der Tage
- 4 und Treue; chäsäd ist die in Treue gegenüber einem Bund erwiesene Güte.
- 5 w.: in einen Bund Jahwehs
- 6 D. i. eine Schwurformel; nur die erste Hälfte wird ausgesprochen; so a. V. 12.
- 7 D. i. eine Schwurformel.
- 8 und Treue; so a. i. Folg.
- 9 o.: Und solange ich lebe, soll es nicht sein, dass du die Güte Jahwehs an mir nicht erweist, damit ich nicht sterbe.
- 10 o.: Ezel; d. i. wahrsch. ein Eigenname.
- 11 Grundbed.: Brot; so a. V. 27.
- 12 eigtl.: er hatte eine Widerfahrnis (beschönigend für: Verunreinigung).
- 13 o.: Sohn entarteter Widerspenstigkeit
- 14 o.: Scham
- 15 Grundbed.: Nase; Nasenlöcher
- 16 w.: jeder seinen Gefährten
- 17 eigtl.: bis David [das Weinen] groß machte.