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Altes Testament

Sprüche Kapitel 27

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Rühme dich nicht des morgigen Tages; denn du weißt nicht, was ein Tag gebiert.
2Es rühme dich ein Fremder und nicht dein [eigener] Mund, ein Auswärtiger und nicht deine Lippen.
3Schwer ist der Stein und gewichtig der Sand; der Unmut des Narren ist schwerer als beide.
4Grausam die Grimmglut, überflutend der Zorn - doch wer hält stand der Eifersucht?
5Besser offene Rüge als verhehlte1 Liebe.
6Treu gemeint sind die Schläge2 des Liebenden und überreichlich die Küsse des Hassers.
7Eine satte Seele zertritt Honigseim3; doch der hungrigen Seele ist alles Bittere süß.
8Wie ein Vogel, der fern irrt4 von seinem Nest, so der Mann, der fern irrt von seiner Heimat.
9Öl und Rauchwerk erfreuen das Herz; und die Süße5 eines Freundes ist mehr als der Rat der [eigenen] Seele.
10Verlass nicht deinen Freund und den Freund deines Vaters; und geh nicht ins Haus deines Bruders am Tag deiner Not. Besser ein naher Nachbar als ein ferner Bruder.
11Sei weise, mein Sohn, und erfreue mein Herz, dass ich ein Wort erwidern kann meinem Schmäher6.
12Der Kluge sieht das Unglück [und] verbirgt sich; die Einfältigen gehen weiter [und] leiden Strafe7.
13Nimm ihm sein Kleid, denn er hat für einen anderen gebürgt; und wegen der Ausländerin8 pfände ihn.
14Wer seinen Nächsten mit lauter9 Stimme des Morgens früh segnet10 - als Fluch wird es ihm gerechnet11.
15Stetes Tropfen12 am Tag des Platzregens und eine zänkische Frau gleichen sich;
16wer sie zurückhält, hält Wind zurück, und seine Rechte greift nach Öl.
17Eisen wird scharf durch Eisen; ein Mann schärft das Angesicht des andern.
18Wer den Feigenbaum hütet13, wird seine Frucht essen; wer auf seinen Herrn achtet14, wird geehrt werden.
19°Wie im Wasser das Angesicht dem Angesicht [entspricht], so das Herz des Menschen dem Menschen.15
20Scheol und Abgrund sind unersättlich; und unersättlich sind die Augen des Menschen.
21Der Schmelztiegel für das Silber, der Schmelzofen für das Gold; und für den Mann der Mund dessen, der ihn lobt.16
22Zerstampfst du den Narren [gar] mit dem Stößel im Mörser mitten unter den Körnern, nicht weicht seine Narrheit von ihm.
23Gib acht, gib acht auf das Aussehen17 deines Kleinviehs [und] richte dein Herz auf die Herden;
24denn Wohlstand18 ist nicht ewig - und [währt] eine Krone von Geschlecht zu Geschlecht?
25Ist das Heu eingebracht und erscheint junges Gras19, sind gesammelt die Kräuter der Berge,
26[dann gibt es] Lämmer zu deiner Bekleidung und Böcke als Kaufpreis für ein Feld
27und genug Ziegenmilch als deine Nahrung und als Nahrung deines Hauses20, zum Leben für deine Mägde.

Fußnoten

  1. 1 d. h.: verborgen gehaltene
  2. 2 eigtl.: die geschlagenen Wunden; die Striemen
  3. 3 o.: tritt Wabenhonig mit Füßen
  4. 4 o.: wegflattert; so a. i. Folg.
  5. 5 vmtl. i. S. v.: der süße Zuspruch
  6. 6 erg.: und ihn widerlegen kann.
  7. 7 o.: müssen es büßen.
  8. 8 d. i.: wegen der fremden [Frau, für die er Bürge gestanden ist].
  9. 9 eigtl.: großer
  10. 10 i. S. v.: ihm einen Segenswunsch zuruft
  11. 11 i. S. v.: gedeutet
  12. 12 näml.: durchs Dach
  13. 13 und pflegt
  14. 14 d. h.: seinem Herrn dienend auf ihn achtet; seinen Herrn verehrend bedient; o.: aufmerksam des Dienstes seines Herrn wartet.
  15. 15 o.: Wie beim Wasser: Antlitz [passt] zu Antlitz, ebenso [passt] ein Menschenherz zum andern; o.: Wie das Wasser [ein Spiegel ist] für das Angesicht, so ist das Herz des Menschen [ein Spiegel] für ihn selbst.
  16. 16 o.: Silber [wird beurteilt nach dem Befund] des Tiegels und Gold [nach dem] des Ofens, der Mann aber [nach dem Befund] dessen, der ihn lobt.
  17. 17 w.: auf die Angesichter
  18. 18 o.: Vorrat; Reichtum
  19. 19 D. i. der frische Nachwuchs nach der Mahd.
  20. 20 w.: als dein Brot und als Brot deines Hauses