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Altes Testament

Sprüche Kapitel 8

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Ruft nicht die Weisheit, erhebt nicht die Einsicht ihre Stimme?
2Oben auf den Höhen am Weg, da, wo die Pfade sich kreuzen, steht sie;
3neben den Toren, am Zugang zur Stadt, am Eingang der Pforten ruft sie laut:
4"Euch rufe ich zu, Männer, meine Stimme [ergeht] an die Söhne Adams!
5Einfältige, lernt Klugheit1! Toren, lernt Verstand2!
6Hört, denn Vortreffliches werde ich reden! Das Auftun meiner Lippen wird Geradheit sein3;
7denn mein Gaumen kündet Wahrheit. Ehrfurchtslosigkeit ist meinen Lippen ein Gräuel.
8In Gerechtigkeit sind alle Worte meines Mundes, nichts Verkehrtes und Krummes ist in ihnen.
9Sie alle sind klar für den Verständigen und gerade für die zu Erkenntnis Gelangten.
10Nehmt hin meine Zucht und nicht Silber, Erkenntnis lieber als erlesenes Gold;
11denn Weisheit ist besser als Korallen und keine Kleinode kommen ihr gleich4.
12Ich, die Weisheit, wohne bei der Klugheit, ich verfüge über Kenntnis kluger Erwägungen5:
13Die Furcht Jahwehs ist: das Böse hassen. Hochmut und Stolz und den Weg des Bösen und den Mund der Verdrehungen hasse ich.
14Mein sind Rat und hilfreiche Klugheit6; ich bin die Verständigkeit, mein ist die Stärke.
15Durch mich sind Könige Könige7 und erlassen Würdenträger gerechte Entscheidungen8;
16durch mich regieren Regenten und Edle, alle gerechten Richter9.
17Ich liebe, die mich lieben, und die mich früh suchen, finden mich.
18Reichtum und Ehre sind bei mir, bleibendes Gut10 und Gerechtigkeit.
19Meine Frucht ist besser als Gold und Feingold und mein Ertrag [besser] als erlesenes Silber.
20Ich wandle auf dem Pfad der Gerechtigkeit, mitten auf den Steigen des Rechts,
21um denen, die mich lieben, bleibenden <Besitz> als Erbteil zu übereignen, und ihre Vorratskammern fülle ich.
22Jahweh besaß mich11 als Anfang seines Weges, vor seinen Werken, von jeher.
23Von Ewigkeit her war ich eingesetzt12, von Anbeginn13, seit den Vorzeiten der Erde.
24Ich war geboren, als keine Urfluten14 waren, keine Quellorte15, reich an Wasser;
25ehe Berge eingesenkt wurden16, vor17 den Hügeln, war ich geboren18;
26als er noch nicht gemacht hatte das Land19 und die Fluren20, die Gesamtheit21 der Staubteile des Festlands22,
27als er die Himmel befestigte, war ich da. Als er den Kreis zog23 über der Fläche der Tiefe,24
28als er den Luftraum droben befestigte, als er Festigkeit gab den Quellen der Urflut,
29als er dem Meer seine Schranke setzte, dass das Wasser seinen Befehl nicht übertrat, als er fertigte25 die Grundfesten der Erde26:
30Da war ich Werkmeister27 bei ihm und war Tag für Tag [seine] Wonne28, freute mich29 vor seinem Angesicht allezeit,
31mich freuend auf dem Festland30 seiner Erde; ich hatte meine Wonne bei den Söhnen Adams.
32Und jetzt, Söhne, hört auf mich! Selig, die meine Wege wahren <und halten>!
33Hört auf Zucht31 und werdet weise und lasst sie niemals fahren32.
34Selig der Mensch, der auf mich hört, um Tag für Tag an meinen Türen zu wachen, zu hüten die Pfosten meiner Eingangstore!
35Denn wer mich findet, hat Leben gefunden und Wohlgefallen erlangt von Jahweh.
36[Doch] wer mich verfehlt33, tut seiner Seele Schaden an. Alle, die mich hassen, lieben den Tod."

Fußnoten

  1. 1 o.: Schlauheit, Gerissenheit, Raffiniertheit; so a. V. 12.
  2. 2 eigtl.: Herzsinn; das Herz gilt als Sitz des Denkens.
  3. 3 viell. i. S. v.: wird aufrichtiges Wesen zutage bringen; Spr 23,16.
  4. 4 o.: nichts, was man begehren mag, kommt ihr gleich.
  5. 5 o.: Bedachtsamkeiten; Besonnenheit
  6. 6 und Umsicht
  7. 7 i. S. v.: Durch mich regieren Könige
  8. 8 eigtl.: verfügen Würdenträger Gerechtigkeit
  9. 9 w.: alle Richter der Gerechtigkeit; gr. Üsg. u. einige Hss: alle Richter der Erde
  10. 10 d. h.: vor dem Zugriff anderer gesichertes Gut; eigtl.: altehrwürdiges, stattliches Gut (z. B.: vom Vater auf den Sohn vererbter - und so gesicherter - Erbbesitz).
  11. 11 o.: erwarb mich; machte mich sich zu eigen. Vgl. den Gebrauch in 1Mo 4,1; 5Mo 32,6; Ps 139,13. Das Wort bed. nicht "schaffen".
  12. 12 und geweiht (bzw. gesalbt); heb. nasach; Grundbed.: ausgießen (vgl. das Ausgießen eines Salböls).
  13. 13 "Von Anbeginn" steht parallel zu "von Ewigkeit her".
  14. 14 o.: Wassertiefen
  15. 15 vmtl.: Orte, aus denen innerirdische Wasser hervortreten konnten. Vgl. 1Mo 7,11.
  16. 16 o.: hineingedrückt wurden (in den Meeresboden; vgl. Ps 104,8; 1Mo 1,9.)
  17. 17 d. i.: zeitlich "vor" (ehe die Hügel waren)
  18. 18 Grundbed.: sich [vor Schmerz] winden; hier poetisch für "gebären", vgl. Spr 25,23.
  19. 19 vmtl. i. S. v.: das Trockene
  20. 20 hier: die freien Plätze; die offenen Gegenden
  21. 21 o.: die Masse; o.: den Beginn; das Haupt; die Summe; heb. rosch
  22. 22 heb. thebel; "Festland" steht im Gegensatz zu unbewohnter Fläche; so a. V. 31.
  23. 23 o.: als er den Umkreis, den Horizontkreis (vom Zeitwort: "einen Kreis ziehen") abmaß
  24. 24 näml.: um dem Wasser einen festen Platz zuzuweisen und ihm eine Schranke zu setzen; vgl. V. 29; Hi 26,10.
  25. 25 und abmaß (Grundbed.: meißeln; <mit Meißel und Hammer> aushauen)
  26. 26 d. h.: des Landes ("Land" steht für das Trockene, im Gegensatz zum "Meer".)
  27. 27 and.: Pflegling; Zögling; Liebling; Bed. nicht gesichert; das Wort kommt nur hier vor (und Jer 52,15, falls es dasselbe Wort ist).
  28. 28 und Erquickung; im Heb. Mehrzahl; ebenso V. 31.
  29. 29 o.: spielte; o.: scherzte
  30. 30 o.: auf dem bewohnten Teil; heb. thebel
  31. 31 und unterweisende Zurechtweisung
  32. 32 o.: entzieht euch [ihrer] nicht; o.: schlagt sie nicht in den Wind.
  33. 33 d. i.: indem er einen anderen Weg einschlägt