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Altes Testament

1. Mose Kapitel 27

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und es geschah, als Isaak alt geworden war und seine Augen zu schwach waren, um zu sehen, da rief er Esau, seinen älteren Sohn, und sagte zu ihm: "Mein Sohn!" Und er sagte zu ihm: "Hier bin ich!"
2Und er sagte: "Ach - siehe! - ich bin alt geworden. Ich kenne nicht den Tag meines Todes.
3Und nun nimm deine Geräte, deinen Köcher und deinen Bogen, und gehe hinaus aufs Feld und erjage mir ein Wildbret1
4und mache mir einen Leckerbissen, so, wie ich es liebe. Und bring ihn mir her, dass ich esse, damit meine Seele dich segne, ehe ich sterbe."
5Rebekka aber hatte zugehört, als Isaak zu Esau, seinem Sohn, redete. Und Esau ging aufs Feld, ein Wild zu erjagen, um es zu bringen.
6Und Rebekka sagte zu ihrem Sohn Jakob: "Siehe! Ich habe deinen Vater zu deinem Bruder Esau so reden hören:
7'Bring mir ein Wildbret und mache mir einen Leckerbissen, ich will essen und dich vor Jahweh segnen, ehe ich sterbe.'
8Und nun, mein Sohn, höre auf meine Stimme, auf das, was ich dir gebiete:
9Geh zur Herde und hole mir von dort zwei gute Ziegenböckchen, und ich werde deinem Vater davon einen Leckerbissen machen, wie er es liebt;
10und du bringst [ihn] deinem Vater, und er soll essen, damit er dich segne vor seinem Sterben."
11Und Jakob sagte zu Rebekka, seiner Mutter: "Siehe, mein Bruder Esau ist ein behaarter Mann, ich aber bin ein glatter Mann.
12Vielleicht betastet mich mein Vater, dann bin ich in seinen Augen wie einer, der ein trügerisches Spiel treibt2, und bringe Fluch über mich und nicht Segen."
13Aber seine Mutter sagte zu ihm: "Auf mir sei dein Fluch3, mein Sohn! Höre nur auf meine Stimme und geh, hole mir."
14Und er ging und holte und brachte seiner Mutter. Und seine Mutter machte einen Leckerbissen, wie sein Vater es liebte.
15Und Rebekka nahm die Kleider Esaus, ihres größeren4 Sohnes, die kostbaren, die bei ihr im Haus waren, und zog sie Jakob, ihrem kleineren5 Sohn, an.
16Die Felle von den Ziegenböckchen6 aber zog sie über seine Hände und über die Glätte seines Halses7;
17und sie gab den Leckerbissen und das Brot, das sie gemacht hatte, in die Hand ihres Sohnes Jakob.
18Und er ging zu seinem Vater hinein und sagte: "Mein Vater!" Und er sagte: "Hier bin ich. Wer bist du, mein Sohn?"
19Und Jakob sagte zu seinem Vater: "Ich bin Esau, dein Erstgeborener. Ich habe getan, wie du mir gesagt hast. Mach dich bitte auf, setze dich und iss von meinem Wildbret, damit deine Seele mich segne."
20Und Isaak sagte zu seinem Sohn: "Wie hast du es denn so schnell gefunden, mein Sohn?" Und er sagte: "Fürwahr, Jahweh, dein Gott, ließ es mir begegnen."
21Und Isaak sagte zu Jakob: "Tritt bitte näher, dass ich dich betaste, mein Sohn, ob du wirklich mein Sohn Esau bist oder nicht."
22Und Jakob trat näher zu seinem Vater Isaak. Und er betastete ihn und sagte: "Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände."
23Und er erkannte ihn nicht, denn seine Hände waren behaart wie die Hände seines Bruders Esau. Und er segnete ihn.
24Und er sagte: "Bist du wirklich mein Sohn Esau?" Und er sagte: "Ich bin es."
25Und er sagte: "Reiche mir dar, und ich will vom Wildbret meines Sohnes essen, damit meine Seele dich segne." Und er reichte ihm, und er aß. Und er brachte ihm Wein, und er trank.
26Und sein Vater Isaak sagte zu ihm: "Tritt bitte näher und küsse mich, mein Sohn."
27Und er trat näher und küsste ihn. Da roch er den Geruch seiner Kleider. Und er segnete ihn und sagte: "Sieh! Der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch eines Feldes, das Jahweh gesegnet hat.
28Gott gebe dir vom Tau des Himmels8 und von der Fettigkeit der Erde und Fülle von Korn und Most9.
29Völkerscharen sollen dir dienen, Stämme dir huldigen10. Werde Herr über deine Brüder! Dir sollen huldigen die Söhne deiner Mutter! Die dich verfluchen, seien verflucht, die dich segnen, seien gesegnet!"
30Und es geschah, sobald Isaak geendet hatte, Jakob zu segnen, ja, es geschah, als Jakob eben erst von seinem Vater Isaak hinausgegangen war, da kam sein Bruder Esau von seiner Jagd.
31Und auch er machte einen Leckerbissen und brachte [ihn] seinem Vater. Und er sagte zu seinem Vater: "Mein Vater mache sich auf und esse vom Wildbret seines Sohnes, damit deine Seele mich segne."
32Und sein Vater Isaak sagte zu ihm: "Wer bist du?" Und er sagte: "Ich bin dein Sohn, dein Erstgeborener, Esau."
33Da erschrak Isaak mit überaus großem Schrecken und sagte: "Wer war dann der, der ein Wildbret erjagte und mir brachte? Und ich habe von allem gegessen, ehe du kamst, und habe ihn gesegnet! Er wird auch gesegnet sein."
34Als Esau die Worte seines Vaters hörte, schrie er mit überaus großem und bitterlichem Geschrei und sagte zu seinem Vater: "Mich! Auch mich segne, mein Vater!"
35Er aber sagte: "Dein Bruder kam mit Betrug und hat deinen Segen genommen!"
36Da sagte er: "Nennt man ihn darum Jakob mit Namen?11 Beschlichen12 hat er mich nun zweimal: Meine Erstgeburt13 hat er genommen, und - siehe! - jetzt hat er meinen Segen genommen!" Und er sagte: "Hast du für mich keinen Segen aufbehalten?"
37Und Isaak antwortete und sagte zu Esau: "Siehe, ich habe ihn zum Herrn über dich gesetzt und habe ihm alle seine Brüder zu Knechten gegeben und habe ihn mit Korn und Most versehen. Was kann ich da für dich tun, mein Sohn?"
38Und Esau sagte zu seinem Vater: "Hast du nur diesen einen Segen, mein Vater? Mich! Auch mich segne, mein Vater!" Und Esau erhob seine Stimme und weinte.
39Und sein Vater Isaak antwortete und sagte zu ihm: "Siehe! Ohne die Fettigkeit der Erde wird dein Wohnsitz sein und ohne den Tau des Himmels von oben.
40Und von deinem Schwert wirst du leben, und deinem Bruder wirst du dienen. Es wird aber sein: Wenn du dich schüttelst14, wirst du sein Joch dir vom Nacken reißen."
41Und Esau war Jakob feind wegen des Segens, mit dem sein Vater ihn gesegnet hatte. Und Esau sagte in seinem Herzen: "Es nahen die Tage der Trauer um meinen Vater, dann werde ich meinen Bruder Jakob töten."
42Und es wurden Rebekka die Worte Esaus, ihres älteren Sohnes, berichtet. Und sie sandte hin und ließ Jakob, ihren jüngeren Sohn, rufen und sagte zu ihm: "Sieh, dein Bruder Esau will an dir Rache nehmen und dich töten15.
43Und nun, mein Sohn, höre auf meine Stimme und mache dich auf, flieh zu meinem Bruder Laban nach Haran.
44Und bleibe16 bei ihm einige Tage, bis die Grimmglut17 deines Bruders sich wendet,
45bis sich der Zorn deines Bruders von dir abgekehrt hat und er vergessen hat, was du ihm getan hast. Dann werde ich hinsenden und dich von dort holen. Warum sollte ich euer beider an einem Tag beraubt werden?"
46Und Rebekka sagte zu Isaak: "Ich bin des Lebens überdrüssig wegen der Töchter Hets. Wenn Jakob sich eine Frau wie diese nimmt, von den Töchtern Hets, von den Töchtern des Landes, was soll mir das Leben?"

Fußnoten

  1. 1 w.: ein Erjagtes
  2. 2 o.: Spott treibt
  3. 3 d. i.: der über dich ausgesprochene Fluch
  4. 4 i. S. v.: älteren
  5. 5 i. S. v.: jüngeren
  6. 6 Gemeint ist vmtl. die morgenländische Kamelziege, deren schwarzes seidenartiges Haar auch von den Römern als Ersatz von Menschenhaar verwendet wurde (Martial, XII,46; bei C. F. Keil, Biblischer Kommentar).
  7. 7 und Nackens
  8. 8 eigtl.: der Himmel; im Heb. steht das Wort für "Himmel" immer in der Mehrzahl.
  9. 9 D. i. frisch gepresster Traubensaft, der sich bereits im Gärungsprozess befinden kann.
  10. 10 o.: sich vor dir huldigend niederwerfen; so a. i. Folg.
  11. 11 o.: Ist es deshalb, dass man seinen Namen Jakob rief? ("Jakob" bed. "Fersenschleicher; Betrüger".)
  12. 12 o.: Betrogen; heb. jaakbeni
  13. 13 d. h.: mein Erstgeburtsrecht
  14. 14 i. S. v.: wenn du rüttelst <und schüttelst>; o.: wenn du trampelst; gr. Üsg.: wenn du es abwirfst
  15. 15 eigtl.: dein Bruder Esau vertröstet sich, was dich betrifft, damit, dich zu töten.
  16. 16 o.: wohne; weile
  17. 17 o.: die grimmige Glut [des Zornes]