Zum Inhalt springen

Altes Testament

1. Mose Kapitel 42

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und Jakob sah, dass Getreide in Ägypten zu haben war. Und Jakob sagte zu seinen Söhnen: "Was seht ihr einander an?"
2Und er sagte: "Siehe! Ich habe gehört, dass es in Ägypten Getreide gibt. Zieht hinab und kauft uns von dort Getreide, damit wir leben und nicht sterben."
3Und die zehn Brüder Josefs zogen hinab, aus Ägypten Getreide zu kaufen.
4Benjamin aber, den Bruder Josefs, sandte Jakob nicht mit seinen Brüdern; denn er sagte: "Dass ihm nicht ein Unfall zustoße."
5Und so kamen die Söhne Israels unter den Ankommenden, um Getreide zu kaufen; denn im Land Kanaan war Hunger.
6Und Josef, er war der Machthaber über das Land. Er war es, der an das ganze Volk des Landes Getreide verkaufte. Und die Brüder Josefs kamen und warfen sich vor ihm huldigend nieder, mit dem Gesicht1 zur Erde.
7Und Josef sah seine Brüder. Und er erkannte sie, aber er stellte sich fremd gegen sie und redete hart mit ihnen. Er sagte zu ihnen: "Woher kommt ihr?" Sie sagten: "Aus dem Land Kanaan, um Nahrungsmittel zu kaufen."
8Und Josef hatte seine Brüder erkannt, sie aber erkannten ihn nicht.
9Und Josef dachte an die Träume, die er von ihnen gehabt hatte, und sagte zu ihnen: "Ihr seid Kundschafter! Ihr seid gekommen, die Blöße des Landes zu sehen."
10Und sie sagten zu ihm: "Nein, mein Herr, sondern deine Knechte sind gekommen, Nahrungsmittel zu kaufen.
11Wir alle, wir sind Söhne eines Mannes. Wir sind redliche [Leute]! Deine Knechte sind keine Kundschafter."
12Und er sagte zu ihnen: "Nein, sondern die Blöße des Landes zu sehen, seid ihr gekommen."
13Und sie sagten: "Deine Knechte sind zwölf. Wir sind Brüder, Söhne eines Mannes im Land Kanaan. Und - siehe! - der kleinste ist heute bei unserem Vater. Und der eine ist nicht mehr."
14Und Josef sagte zu ihnen: "Das ist es, was ich zu euch gesagt habe: Kundschafter seid ihr!
15Daran sollt ihr geprüft werden: So wahr Pharao lebt: Wenn ihr je von hier fortziehen werdet, es sei denn, euer kleinster Bruder komme hierher ...2!
16Sendet einen von euch hin, dass er euren Bruder hole. Ihr aber bleibt gefangen: Und es sollen eure Worte geprüft werden, ob Wahrheit bei euch ist. Und wenn nicht - so wahr Pharao lebt! -, <dann> seid ihr Kundschafter."
17Und er setzte sie zusammen drei Tage in Gewahrsam.
18Und am dritten Tag sagte Josef zu ihnen: "Tut dieses, <dann> sollt ihr leben! - Ich bin einer, der Gott fürchtet:
19Wenn ihr redlich seid, so bleibe einer eurer Brüder gefangen im Haus eures Gewahrsams. Ihr aber zieht hin, bringt Getreide für den Hunger eurer Häuser.
20Und euren kleinsten Bruder bringt ihr zu mir, damit sich eure Worte als wahr erweisen und ihr nicht sterbt." Und sie taten so.
21Da sagten sie, ein jeder zu seinem Bruder: "Fürwahr, Schuldige sind wir wegen unseres Bruders, dessen Seelenangst wir sahen, als er uns anflehte. Aber wir hörten nicht! Darum ist diese Bedrängnis über uns gekommen."
22Und Ruben antwortete ihnen und sagte: "Habe ich euch nicht gesagt: 'Versündigt euch nicht an dem Jungen3'? Aber ihr hörtet nicht. Und auch noch sein Blut - siehe! - es wird eingefordert!"
23Sie aber wussten nicht, dass Josef es verstand, denn der Dolmetscher war zwischen ihnen.
24Und er wandte sich von ihnen ab und weinte. Und er kehrte zu ihnen zurück und redete zu ihnen. Und er nahm Simeon aus ihrer Mitte und band ihn vor ihren Augen.
25Und Josef befahl, dass man ihre Gefäße mit <ausgedroschenem> Getreide fülle und ihr Geld zurückgebe, jedem in seinen Sack, und dass man ihnen Verpflegung für den Weg gebe. Und man tat ihnen so.
26Und sie luden ihr Getreide auf ihre Esel und zogen davon.
27Und einer öffnete seinen Sack, um seinem Esel in der Herberge Futter zu geben. Und er sah sein Geld, und - siehe! - es war oben in seinem Sack.
28Und er sagte zu seinen Brüdern: "Mein Geld wurde zurückgegeben, und dazu noch - siehe! - in meinen Sack!" Da entfiel ihnen das Herz.4 Und sie wandten sich bebend einander zu5 und sagten: "Was hat Gott uns da getan!"
29Und sie kamen ins Land Kanaan zu Jakob, ihrem Vater, und berichteten ihm alles, was ihnen widerfahren war:
30"Der Mann, der Herr des Landes, redete hart mit uns", sagten sie, "und er behandelte uns wie Kundschafter des Landes.
31Und wir sagten zu ihm: 'Wir sind redliche [Leute]. Wir sind nicht Kundschafter.
32Zwölf sind wir; Brüder, Söhne unseres Vaters. Der eine ist nicht mehr, und der kleinste ist heute bei unserem Vater im Land Kanaan.'
33Und der Mann, der Herr des Landes, sagte zu uns: 'Daran werde ich erkennen, dass ihr redlich seid: Lasst einen eurer Brüder bei mir zurück! Und [für] den Hunger eurer Häuser nehmt und geht hin!
34Und euren Bruder, den kleinsten, bringt ihr zu mir; so werde ich erkennen, dass ihr nicht Kundschafter seid, sondern redliche [Leute]; dann gebe ich euch euren Bruder [zurück], und ihr könnt das Land durchziehen6.'"
35Und es geschah, als sie ihre Säcke leerten - siehe! -, da hatte jeder sein Geldbündel in seinem Sack. Und sie sahen ihre Geldbündel, sie und ihr Vater, und sie fürchteten sich.
36Und ihr Vater Jakob sagte zu ihnen: "Ihr beraubt mich der Kinder! Josef ist nicht mehr, und Simeon ist nicht mehr. Und Benjamin wollt ihr nehmen! Alles das ergeht über mich!"
37Und Ruben sagte zu seinem Vater: "Meine beiden Söhne magst du töten, wenn ich ihn dir nicht zurückbringe. Gib ihn in meine Hand, und ich selbst bringe ihn dir zurück."
38Er aber sagte: "Mein Sohn zieht nicht mit euch hinab; denn sein Bruder ist tot, und er allein ist übrig geblieben. Und begegnete ihm ein Unfall auf dem Wege, auf dem ihr zieht, so brächtet ihr mein graues Haar in Kummer hinab in den Scheol7."

Fußnoten

  1. 1 Grundbed.: Nase; Nasenlöcher
  2. 2 D. i. eine Schwurformel; nur die erste Hälfte des Satzes wird ausgesprochen; der zweite Teil, der Fluch, ist weggelassen.
  3. 3 o.: Kind; w.: an dem Geborenen
  4. 4 eigtl.: Und ihr Herz entwich (w.: ging hinaus).
  5. 5 w.: sie bebten jeder zu seinem Bruder hin
  6. 6 und Handel treiben.
  7. 7 d. h.: in den Bereich der Toten; so a. i. Folg.