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Altes Testament

1. Mose Kapitel 44

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und er befahl dem, der über sein Haus war: "Fülle die Säcke der Männer mit Nahrungsmitteln, so viel sie tragen können, und lege das Geld eines jeden oben in seinen Sack.
2Und meinen Becher, den Silberbecher, legst du oben in den Sack des Kleinsten1 mit dem Geld für sein Getreide." Und er tat nach dem Wort Josefs, das er gesagt hatte.
3Der Morgen wurde hell, und man entließ die Männer, sie und ihre Esel.
4Sie waren eben zur Stadt hinausgegangen, waren nicht weit, da sagte Josef zu dem, der über sein Haus war: "Mache dich auf, jage den Männern nach. Und hast du sie erreicht, sage zu ihnen: 'Warum habt ihr Böses vergolten für Gutes?
5Ist es nicht der, aus dem mein Herr trinkt und aus dem er Wasserweissagung betreibt2? Ihr habt Böses verübt in dem, was ihr getan habt!'"
6Und er erreichte sie und redete zu ihnen diese Worte.
7Und sie sagten zu ihm: "Warum redet mein Herr solche Worte? Ferne sei es von deinen Knechten, solches zu tun!
8Siehe! Das Geld, das wir oben in unseren Säcken fanden, haben wir dir aus dem Land Kanaan zurückgebracht. Und wie sollten wir aus dem Haus deines Herrn Silber oder Gold stehlen?
9Der von deinen Knechten, bei dem er gefunden wird, der soll sterben. Und dazu wollen wir meinem Herrn zu leibeigenen Knechten werden."
10Und er sagte: "Nun, nach euren Worten, so sei es auch: Der, bei dem er gefunden wird, der werde mir zum leibeigenen Knecht, ihr aber sollt straffrei sein."
11Und sie beeilten sich und ließen jeder seinen Sack auf die Erde herab. Und sie öffneten jeder seinen Sack.
12Und er durchsuchte: Beim Größten3 fing er an, und beim Kleinsten hörte er auf. Und der Becher fand sich im Sack Benjamins.
13Da rissen sie ihre Kleider entzwei. Und jeder belud seinen Esel. Und sie kehrten in die Stadt zurück.
14Und Juda und seine Brüder kamen in das Haus Josefs. Und er war noch dort. Und sie fielen vor seinem Angesicht zur Erde nieder.
15Und Josef sagte zu ihnen: "Was ist das für eine Tat, die ihr getan habt! Wusstet ihr nicht, dass ein Mann wie ich Wasserweissagung betreibt?"
16Und Juda sagte: "Was sollen wir meinem Herrn sagen? Was sollen wir reden und wie uns rechtfertigen? Gott hat die Schuld deiner Knechte gefunden. Siehe! Wir sind die leibeigenen Knechte meines Herrn, sowohl wir als auch der, in dessen Hand der Becher gefunden wurde!"
17Er aber sagte: "Ferne sei es von mir, so etwas zu tun! Der Mann, in dessen Hand der Becher gefunden wurde, der soll mein leibeigener Knecht sein. Und ihr, zieht in Frieden hinauf zu eurem Vater."
18Da trat Juda näher zu ihm heran und sagte: "Bitte, mein Herr, dürfte doch dein Knecht ein Wort reden in die Ohren meines Herrn, und es entbrenne nicht dein Zorn gegen deinen Knecht, denn du bist wie Pharao.
19Mein Herr fragte seine Knechte: 'Habt ihr einen Vater oder einen Bruder?'
20Und wir sagten zu meinem Herrn: 'Wir haben einen alten Vater und einen [ihm] im Alter Geborenen. Und dessen Bruder ist tot. Und er allein ist von seiner Mutter übrig geblieben. Und sein Vater liebt ihn.'
21Und du sagtest zu deinen Knechten: 'Bringt ihn zu mir herab, dass ich mein Auge auf ihn richte.'
22Und wir sagten zu meinem Herrn: 'Der Knabe kann seinen Vater nicht verlassen. Verließe er seinen Vater, so würde der sterben.'
23Und du sagtest zu deinen Knechten: 'Wenn euer kleinster Bruder nicht mit euch herabkommt, dürft ihr mein Angesicht nicht mehr sehen.'
24Und es geschah, als wir hinaufgezogen waren zu deinem Knecht, meinem Vater, da teilten wir ihm die Worte meines Herrn mit.
25Und unser Vater sagte: 'Zieht wieder hin! Kauft uns ein wenig Nahrungsmittel.'
26Wir aber sagten: 'Wir können nicht hinabziehen. Nur wenn unser kleinster Bruder bei uns ist, ziehen wir hinab, denn wir können das Angesicht des Mannes nicht sehen, wenn unser kleinster Bruder nicht bei uns ist.'
27Und dein Knecht, mein Vater, sagte zu uns: 'Ihr wisst, dass meine Frau mir zwei geboren hat.
28Und der eine ist von mir weggegangen; und ich sagte: Fürwahr, zerrissen, ja, er ist zerrissen worden! Und ich habe ihn bis jetzt nicht [mehr] gesehen.
29Und nehmt ihr auch diesen von mir weg, und es stößt ihm ein Unfall zu, so brächtet ihr mein graues Haar mit Unheil4 hinab in den Scheol.'
30Und nun, wenn ich zu deinem Knecht, meinem Vater, komme, und der Knabe ist nicht bei uns - und seine Seele ist zusammengeknotet mit dessen Seele -,
31so wird, wenn er sieht, dass der Knabe nicht da ist, es geschehen, dass er stirbt. Und deine Knechte werden das graue Haar deines Knechtes, unseres Vaters, in Kummer hinabbringen in den Scheol5!
32- denn dein Knecht ist für den Knaben Bürge geworden bei meinem Vater und hat gesagt: 'Bringe ich ihn dir nicht zurück, so will ich alle Tage gegen meinen Vater gesündigt haben6.'
33Und nun, bitte, lass deinen Knecht anstatt des Knaben [hier] bleiben, als leibeigenen Knecht für meinen Herrn; der Knabe aber möge mit seinen Brüdern hinaufziehen
34- denn wie sollte ich zu meinem Vater hinaufziehen, wenn der Knabe nicht mit mir ist? -, damit ich nicht das Unheil <mit> ansehen müsse, das meinen Vater träfe!"

Fußnoten

  1. 1 i. S. v.: Jüngsten; so a. i. Folg.
  2. 2 o.: Vorzeichen (Omen) <zu ergründen und> zu erfragen pflegt (Grundbed.: flüstern; murmeln); hier wahrsch. ein Bezug auf die ägyptische Schüssel- u. Wasserbefragung (Lekanomantie u. Hydromantie).
  3. 3 i. S. v.: Ältesten
  4. 4 o.: im Übel
  5. 5 D. i. der Bereich der Toten.
  6. 6 und die Schuld tragen.