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Altes Testament

1. Mose Kapitel 31

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und er hörte die Reden der Söhne Labans, die sagten: "Jakob hat alles genommen, was unserem Vater gehört. Und allen diesen Reichtum hat er sich mit dem verschafft, was unserem Vater gehört."
2Und Jakob sah das Angesicht Labans, und - siehe! - es war gegen ihn nicht wie am Vortag <und> drei Tage <zuvor>1.
3Und Jahweh sagte zu Jakob: "Kehre zurück in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft, und ich werde mit dir sein."
4Da sandte Jakob hin und rief Rahel und Lea aufs Feld zu seinen Tieren.
5Und er sagte zu ihnen: "Ich sehe das Angesicht eures Vaters, dass es mir gegenüber nicht ist wie gestern <und vor> drei Tagen; und der Gott meines Vaters ist mit mir gewesen.
6Ihr selbst wisst, dass ich eurem Vater mit aller meiner Kraft diente.
7Euer Vater aber betrog mich und änderte zehnmal meinen Lohn. Aber Gott gewährte es ihm nicht, mir Böses zu tun.
8Wenn er sagte: 'Die Gesprenkelten sollen dein Lohn sein', gebaren alle Tiere Gesprenkelte. Und wenn er sagte: 'Die Gestreiften sollen dein Lohn sein', gebaren alle Tiere Gestreifte.
9Und <so> entzog Gott eurem Vater das Vieh und gab es mir.
10Und es geschah zur Brunstzeit der Tiere, da erhob ich meine Augen und sah im Traum: Und - siehe! - die Ziegenböcke, die die Tiere besprangen, waren gestreift, gesprenkelt und scheckig.
11Und der Bote Gottes sagte im Traum zu mir: 'Jakob!' Und ich sagte: 'Hier bin ich!'
12Und er sagte: 'Erhebe deine Augen und sieh: Alle Ziegenböcke, die die Tiere bespringen, sind gestreift, gesprenkelt und scheckig!, denn ich habe alles gesehen, was Laban dir antut.
13Ich bin der <starke> Gott von Bethel2, wo du einen Gedenkstein gesalbt hast, wo du mir ein Gelübde gelobt hast. Nun mache dich auf, zieh aus diesem Land und kehre zurück in das Land deiner Verwandtschaft.'"
14Und Rahel und Lea antworteten und sagten zu ihm: "Haben wir noch ein Teil oder Erbe im Hause unseres Vaters?
15Werden wir von ihm nicht als Ausländer gerechnet?, denn er hat uns verkauft und hat sogar unseren Kaufpreis3 völlig verzehrt;
16denn aller Reichtum, den Gott unserem Vater entzogen hat, uns gehört er und unseren Söhnen. Und nun, alles, was Gott zu dir gesagt hat, das tu!"
17Und Jakob machte sich auf und hob seine Söhne und seine Frauen auf die Kamele,
18und führte sein ganzes Vieh und alle seine Habe, die er erworben hatte, das Vieh seines Eigentums, das er in Paddan-Aram erworben hatte, fort, um zu Isaak, seinem Vater, zu kommen, ins Land Kanaan.
19Laban aber war hingegangen, sein Kleinvieh zu scheren. Und Rahel stahl die Teraphim4, die ihrem Vater gehörten.
20Und Jakob stahl Laban, dem Aramäer, das Herz5, indem er ihm nicht mitteilte, dass er fliehen wollte.
21Und er floh, er und alles, was er hatte. Und er machte sich auf und setzte über den Strom und richtete sein Angesicht nach dem Bergland Gilead.
22Und am dritten Tag wurde Laban berichtet, dass Jakob geflohen sei.
23Und er nahm seine Brüder mit sich und jagte ihm sieben Tagereisen weit nach. Und auf dem Bergland Gilead holte er ihn ein.
24Und Gott kam zu Laban, dem Aramäer, in einem Traum der Nacht und sagte zu ihm: "Hüte dich, mit Jakob zu reden vom Guten zum Bösen6!"
25Und Laban erreichte Jakob. Und Jakob hatte sein Zelt auf dem Bergland aufgeschlagen. Und [auch] Laban schlug es mit seinen Brüdern auf dem Bergland Gilead auf.
26Und Laban sagte zu Jakob: "Was hast du getan, dass du mein Herz bestohlen und meine Töchter wie durchs Schwert Gefangene weggeführt hast?
27Warum bist du heimlich geflohen und hast mich bestohlen und hast es mir nicht mitgeteilt? Und ich hätte dich begleitet [und entlassen] mit Freude und mit Gesängen, mit Tamburin und mit der Leier.
28Und du hast mir nicht die Möglichkeit gegeben, meine Söhne und meine Töchter zu küssen? Nun, du hast töricht gehandelt.
29Es stünde in der Gewalt meiner Hand7, euch Böses zu tun. Aber der Gott eures Vaters sagte gestern Nacht zu mir: 'Hüte dich, mit Jakob zu reden vom Guten zum Bösen8!'
30Und nun, da du nun einmal weggegangen bist, weil du dich so sehr nach dem Hause deines Vaters sehntest - warum hast du meine Götter gestohlen?"
31Und Jakob antwortete und sagte zu Laban: "Weil ich mich fürchtete; denn ich sagte <mir>, du würdest mir deine Töchter entreißen.
32[Doch] bei wem du deine Götter findest, der soll nicht [mehr] leben! In Gegenwart unserer Brüder sieh dir genau an, was bei mir ist, und nimm es dir." Jakob wusste aber nicht, dass Rahel sie gestohlen hatte.
33Da ging Laban in Jakobs Zelt und in Leas Zelt und in das Zelt der beiden Mägde. Und er fand nichts. Und er ging aus Leas Zelt und kam in Rahels Zelt.
34Rahel aber hatte die Teraphim9 genommen und sie in den Kamelsattel gelegt und sich darauf gesetzt. Und Laban tastete das ganze Zelt ab und fand nichts.
35Und sie sagte zu ihrem Vater: "Mein Herr möge nicht zürnen, dass ich nicht vor dir aufstehen kann; denn es ergeht mir nach der Weise der Frauen." Und er durchsuchte, fand aber die Teraphim nicht.
36Da entbrannte Jakob10 und zankte mit Laban. Und Jakob antwortete und sagte zu Laban: "Was ist mein Vergehen, was ist meine Sünde, dass du mir hitzig nachgejagt bist?
37- dass du alle meine Geräte durchtastet hast? Was hast du von allen Geräten deines Hauses gefunden? Lege es hierher vor meine Brüder und deine Brüder, und sie sollen über uns beide ein Urteil abgeben!
38Zwanzig Jahre bin ich jetzt bei dir gewesen: Deine Mutterschafe und deine Ziegen haben nicht fehlgeboren; und die Widder deiner Herde habe ich nicht gegessen.
39Das Zerrissene habe ich nicht zu dir gebracht; ich musste es erstatten11. Von meiner Hand hast du es gefordert, mochte es gestohlen sein bei Tage oder gestohlen sein bei Nacht.
40[So] erging es mir: Am Tag verzehrte mich die Hitze und in der Nacht der Frost; und mein Schlaf floh von meinen Augen.
41Zwanzig Jahre habe ich dir jetzt in deinem Haus gedient, vierzehn Jahre um deine beiden Töchter und sechs Jahre um dein Kleinvieh, und du hast meinen Lohn zehnmal geändert.
42Wenn nicht der Gott meines Vaters, der Gott Abrahams, und der Schrecken12 Isaaks, für mich gewesen wäre, gewisslich hättest du mich jetzt leer entlassen. Gott hat mein Elend13 angesehen und die Arbeit meiner Hände*, und er hat gestern Nacht ein Urteil abgegeben."
43Da antwortete Laban und sagte zu Jakob: "Die Töchter sind meine Töchter, und die Söhne sind meine Söhne, und die Tiere sind meine Tiere, und alles, was du siehst, mein ist es! Und für meine Töchter - was kann ich heute für die tun, oder für ihre Söhne, die sie geboren haben?
44Und nun - komm, lass uns einen Bund schließen, ich und du; der soll Zeuge sein zwischen mir und dir."
45Und Jakob nahm einen Stein und richtete ihn als Gedenkstein auf.
46Und Jakob sagte zu seinen Brüdern: "Sammelt Steine!" Und sie nahmen Steine und machten einen Steinhaufen und aßen dort auf dem Steinhaufen.
47Und Laban nannte ihn Jegar Sahaduta14. Und Jakob nannte ihn Gal-ed15.
48Und Laban sagte: "Dieser Haufen sei heute Zeuge zwischen mir und dir." Darum nennt man seinen Namen Gal-ed16
49und Mizpa17, weil er sagte: "Jahweh halte Wache zwischen mir und dir, wenn wir <dann> einer vom anderen verborgen sein werden18!
50Wenn du meine Töchter bedrücken und wenn du [noch] Frauen zu meinen Töchtern hinzunehmen solltest ...19! Kein Mensch ist bei uns. Sieh! Gott ist Zeuge zwischen mir und dir."
51Und Laban sagte zu Jakob: "Siehe! - dieser Haufen und - siehe! - der Gedenkstein, den ich errichtet20 habe zwischen mir und dir,
52dieser Haufen sei Zeuge und der Gedenkstein sei ein Zeugnis: weder ich werde über diesen Haufen zu dir hinübergehen, noch wirst du über diesen Haufen und dieses Denkmal zu mir herübergehen zum Bösen.
53Der Gott Abrahams und der Gott Nahors mögen richten zwischen uns, der Gott ihres Vaters!" Und Jakob schwor bei dem Schrecken seines Vaters Isaak.
54Und Jakob opferte ein Schlachtopfer auf dem Berg und lud seine Brüder ein zu essen. Und sie aßen und übernachteten auf dem Berg.

Fußnoten

  1. 1 d. h.: es war gegen ihn nicht wie früher.
  2. 2 heb. ha-El Beth-El
  3. 3 w.: unser Geld
  4. 4 o.: den Teraphim (eine kleine [o. auch größere; s. 1Sam 19,13] Hausgötzenfigur; Mehrzahl oder Einzahl)
  5. 5 d. h.: das Wissen (um seinen Wegzug); V. 26.
  6. 6 d. h.: dass du nichts redest, um etwa das Geschehene vom Guten zum Bösen zu wenden; vgl. 1Mo 24,50.
  7. 7 w.: Es ist zu Gott, <dem Starken>, hin meine Hand (wie Mi 2,1)
  8. 8 S. zu V. 24.
  9. 9 o.: den Teraphim; so a. i. Folg.
  10. 10 w.: Dem Jakob wurde heiß; d. h.: sein Zorn entbrannte.
  11. 11 Grundbed.: sühnen; entsündigen
  12. 12 i. S. v.: der mit Schrecken Gefürchtete und mit heiliger Scheu Verehrte
  13. 13 o.: mein Gebeugtsein; meine Erniedrigung
  14. 14 bed.: Steinhaufen des Zeugnisses (aram.)
  15. 15 bed.: Steinhaufen des Zeugnisses (bzw.: des Zeugen) (heb.)
  16. 16 d. i.: Gilead; bed.: Steinhaufen des Zeugen
  17. 17 bed.: Warte; Wachtturm
  18. 18 w.: wenn wir <dann> jeder weg von seinem Gefährten verborgen sind.
  19. 19 D. i. eine Schwurformel; nur der erste Teil wird ausgesprochen.
  20. 20 o.: eingesenkt; eigtl.: geworfen