Zum Inhalt springen

Altes Testament

1. Mose Kapitel 37

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Und Jakob wohnte im Land der Fremdlingschaft seines Vaters1, im Land Kanaan.
2Diese ist die Folgegeschichte Jakobs2: Josef, ein Sohn von siebzehn Jahren, war Hirte3 mit seinen Brüdern beim Kleinvieh. Und er war als Knabe bei den Söhnen Bilhas und bei den Söhnen Silpas, der Frauen seines Vaters. Und Josef hinterbrachte ihrem Vater das üble Gerede über sie.
3Und Israel liebte Josef mehr als alle seine Söhne, denn er war ihm <der> Sohn des Alters. Und er machte ihm einen knöchellangen Leibrock4.
4Und seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine Brüder. Und sie hassten ihn und vermochten ihm nicht den Friedensgruß5 zu sagen.
5Und Josef hatte einen Traum und teilte ihn seinen Brüdern mit. Da hassten sie ihn noch mehr.
6Und er sagte zu ihnen: "Hört doch diesen Traum, den ich geträumt habe:
7Und6 - siehe! - wir waren beim Garbenbinden mitten auf dem Feld, und - siehe! - meine Garbe richtete sich auf und blieb auch aufrecht stehen. Und - siehe! - eure Garben stellten sich ringsum auf und warfen sich vor meiner Garbe huldigend nieder."
8Und seine Brüder sagten zu ihm: "Willst du gar König über uns werden, willst du etwa über uns herrschen?" Und sie hassten ihn noch mehr wegen seiner Träume und seiner Worte.
9Und er hatte noch einen anderen Traum. Und er erzählte ihn seinen Brüdern und sagte: "Siehe! Ich habe noch einen Traum geträumt. Und - siehe! - die Sonne und der Mond und elf Sterne warfen sich vor mir huldigend nieder."
10Und er erzählte es seinem Vater und seinen Brüdern. Und sein Vater schalt ihn und sagte zu ihm: "Was ist das für ein Traum, den du hattest? Sollen wir etwa kommen, ich und deine Mutter und deine Brüder, um uns vor dir huldigend zur Erde niederzuwerfen?"
11Und seine Brüder waren eifersüchtig auf ihn. Aber sein Vater bewahrte das Wort.
12Und seine Brüder gingen fort, das Kleinvieh ihres Vaters zu weiden7 bei Sichem.
13Und Israel sagte zu Josef: "Weiden nicht deine Brüder bei Sichem? Komm, ich will dich zu ihnen senden." Und er sagte zu ihm: "Hier bin ich."
14Und er sagte zu ihm: "Geh hin, sieh nach dem <Frieden und> Ergehen deiner Brüder und nach dem Ergehen der Tiere und bring mir Antwort." Und er schickte ihn aus der Talebene Hebrons fort. Und er kam nach Sichem.
15Da fand ihn ein Mann, und - siehe! - er irrte auf dem Feld umher. Und der Mann fragte ihn: "Was suchst du?"
16Und er sagte: "Ich suche meine Brüder. Teile mir bitte mit, wo sie weiden."
17Und der Mann sagte: "Sie sind von hier aufgebrochen, denn ich hörte sie sagen: 'Lasst uns nach Dotan ziehen!'" Und Josef ging seinen Brüdern nach und fand sie in Dotan.
18Und sie sahen ihn von ferne. Und ehe er sich ihnen genähert hatte, fassten sie gegen ihn den heimtückischen Plan, ihn zu töten.
19Und sie sagten einer zum anderen8: "Siehe! - da kommt ja dieser Herr der Träume!"
20"So kommt nun und lasst uns ihn töten und ihn in eines der Löcher9 werfen! Und wir wollen sagen: 'Ein böses wildes Tier hat ihn gefressen.' Und wir werden sehen, was aus seinen Träumen wird."
21Und Ruben hörte es. Und er rettete ihn aus ihrer Hand10 und sagte: "Nicht totschlagen wollen wir die Seele11!"
22Und Ruben sagte zu ihnen: "Vergießt nicht Blut. Werft ihn in dieses Loch, das in der Wüste ist. Und legt nicht Hand an ihn!" [Er sagte das,] damit er ihn aus ihrer Hand rettete, um ihn seinem Vater zurückzubringen.
23Und es geschah, als Josef zu seinen Brüdern kam, da zogen sie Josef seinen Leibrock aus, den langen Leibrock, den er anhatte.
24Und sie ergriffen ihn und warfen ihn ins Loch. Das Loch aber war leer. Es war kein Wasser darin.
25Und sie setzten sich, Brot zu essen. Und sie erhoben ihre Augen und sahen, und - siehe! - da kam ein Zug Ismaeliter, von Gilead her. Und ihre Kamele trugen Tragakant12 und Balsamharz13 und Ladanum14. Sie zogen dahin, es nach Ägypten hinabzubringen.
26Und Juda sagte zu seinen Brüdern: "Was für ein Gewinn ist es, dass wir unseren Bruder töten und sein Blut zudecken?
27Kommt, lasst uns ihn an die Ismaeliter verkaufen. Aber unsere Hand sei nicht an ihm, denn unser Bruder, unser Fleisch ist er!" Und seine Brüder hörten [darauf].
28Und es kamen midianitische Männer vorbei, Kaufleute. Da fassten sie zu und holten Josef aus dem Loch herauf. Und sie verkauften Josef für zwanzig Silberstücke an die Ismaeliter. Und sie brachten Josef nach Ägypten.
29Und Ruben kam zum Loch zurück, und - siehe! - Josef war nicht im Loch! Da riss er seine Kleider entzwei.
30Und er kehrte zu seinen Brüdern zurück und sagte: "Der Junge15! Er ist nicht [mehr] da! Und ich, wo soll ich jetzt hin?"
31Und sie nahmen den Leibrock Josefs und schächteten einen Ziegenbock16 und tauchten den Leibrock ins Blut.
32Und sie sandten den langen Leibrock, dass man ihn ihrem Vater bringe, und sagten17: "Das haben wir gefunden. Sieh ihn dir genau an, ob es der Leibrock deines Jungen ist oder nicht."
33Und er sah ihn sich genau an. Und er sagte: "Der Leibrock meines Sohnes! - Ein böses wildes Tier hat ihn gefressen. Zerrissen! Ja, Josef ist zerrissen worden!"
34Und Jakob riss seine Kleider entzwei und legte Sacktuch um seine Lenden. Und er trauerte um seinen Sohn viele Tage.
35Und alle seine Söhne und alle seine Töchter machten sich auf, ihn zu trösten. Aber er wollte sich nicht trösten lassen und sagte: "Fürwahr, ich werde mit Leid zu meinem Sohn in den Scheol18 hinabfahren!" Und sein Vater weinte um ihn.
36Und die Midianiter verkauften ihn nach Ägypten, an Potifar, einen Eunuchen19 Pharaos, den Obersten der Leibwache.

Fußnoten

  1. 1 o.: in dem Land, in dem sein Vater sich als Fremder aufgehalten hatte
  2. 2 o.: Dieses ist das, was Jakob hervorgebracht hat (d. h., die Geschlechter und die Entwicklungen, die mit Jakob ihren Anfang nahmen).
  3. 3 o.: weidete <und hütete>
  4. 4 D. i. ein bis auf die Knöchel reichendes Ärmelkleid mit farbigen Umrandungen, das nur Vornehme trugen; vgl. 2Sam 13,18.
  5. 5 eigtl.: Friede; Wohlergehen; heb. schalom
  6. 6 o.: Und zwar; o.: Und nämlich; so a. V. 9.
  7. 7 und zu hüten; entsprechend a. i. Folg.
  8. 8 w.: jeder zu seinem Bruder
  9. 9 o.: Zisternen; wie 1Mo 40,15; 41,14
  10. 10 o.: suchte ihn ... zu retten
  11. 11 d. i.: das Leben
  12. 12 D. i. eine pflanzliche Gummimasse, die u. a. zum Einbalsamieren verwendet wurde.
  13. 13 D. i. das balsamische Harz des Mastixbaumes u. der Terebinthe.
  14. 14 D. i. ein wohlriechendes Schleimharz der Zistenrose; and.: Myrrhe (bitteres Baumharz).
  15. 15 o.: Das Kind; eigtl.: Der Geborene; so a. V. 32.
  16. 16 eigtl.: einen Zottigen (o.: Haarigen) der Ziegen
  17. 17 i. S. v.: ließen sagen
  18. 18 d. h.: in den Bereich der Toten; s. a. Begriffsverz.
  19. 19 d. i.: einen Hofbeamten o. Kämmerer