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Altes Testament

Hiob Kapitel 15

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Elifas1, der Temaniter, antwortete. Er sagte:
2"Darf ein Weiser zur Antwort geben windiges2 Wissen und seinen Bauch3 füllen mit Ostwind?
3Darf er zurechtweisen mit Reden, die nicht taugen, und mit Worten, durch die er nicht Nutzen bringt?
4Ja, du, du zerstörst die [Gottes]furcht, du schmälerst die Andacht vor Gott4.
5Ja, deine Ungerechtigkeit lehrt deinen Mund und du wählst die Sprache der Listigen.
6Dein Mund erklärt dich für ehrfurchtslos5, nicht ich, und deine Lippen sagen gegen dich aus.
7Wurdest du als der Erste der Menschen geboren oder vor den Hügeln hervorgebracht?
8Hast du im Ratskreis Gottes zugehört und von der Weisheit [etwas] für dich abgeschnitten6?
9Was hast du erkannt, das wir nicht erkannt hätten? Was verstehst du, das uns nicht bekannt wäre7?
10Sowohl Ergraute wie Betagte sind unter uns, reicher an Tagen als dein Vater.
11Sind die Tröstungen Gottes dir zu gering, oder ein Wort, das in Sanftmut mit dir verfährt8?
12Was reißt dein Herz dich fort? Was rollen deine Augen,
13dass du dein Schnauben9 gegen Gott kehrst und aus deinem Mund Worte fahren lässt?
14Was ist der Sterbliche, dass er <als> rein10 dastehen sollte, und dass gerecht wäre der von der Frau Geborene?
15Siehe! Auf seine Heiligen vertraut er nicht, und die Himmel sind nicht rein in seinen Augen;
16wie denn der Gräuelhafte und Verderbte, der Mann, der Unrecht trinkt wie Wasser!
17Ich will dir's berichten - höre mir zu! -, ich will erzählen, was ich gesehen,
18was die Weisen verkündeten und von ihren Vätern her nicht verhehlten,
19denen allein das Land gegeben war und in deren Mitte kein Fremder umherzog:
20All seine Tage quält sich der Ehrfurchtslose in Angst; und dem Gewalttätigen ist [nur] eine Zahl von Jahren aufbewahrt11.
21Der Schreckensruf ist in seinen Ohren; mitten im Frieden kommt der Verwüster über ihn.
22Er ist sich nicht sicher, der Finsternis zu entgehen, und <glaubt sich> belauert vom Schwert12.
23Er irrt umher nach Brot - wo [ist es]? Er hat erkannt, dass ein Tag der Dunkelheit ihm bereitet ist.
24Angst und Bedrängnis überfallen ihn, überwältigen ihn, wie ein König, gerüstet zum Sturm.
25Ja, gegen den Starken reckte er seine Hand, dem Allmächtigen trotzte er,
26rannte gegen ihn mit gerecktem Hals, mit den dichten Buckeln seiner Schilde.
27Ja, er bedeckte sein Angesicht mit Fett und setzte Speck an um seine Lende,
28und er bewohnte gebannte Städte, Häuser, die nicht bewohnt werden sollten, die zu Steinhaufen bestimmt waren.
29Er wird nicht [wieder] reich und sein Vermögen hat nicht Bestand; seine Ähre wird sich nicht neigen zur Erde13.
30Er wird der Finsternis nicht entgehen. Seine Schösslinge dörrt die Flamme aus, vergehen muss er durch den Hauch seines14 Mundes.
31Er traue nicht auf Nichtiges - er würde getäuscht, denn Nichtiges würde er sich einhandeln.
32Noch ist sein Tag nicht <da>, [und schon] erfüllt es15 sich - und sein Zweig wird nicht grün.
33Wie der Weinstock stößt er seine unreifen Früchte ab, wie der Ölbaum wirft er seine Blüte ab16;
34denn fruchtlos ist die Rotte der Ruchlosen und Feuer verzehrt die Zelte der Bestechung.
35Sie gehen schwanger mit Mühsal und gebären Unheil, ihr Inneres bereitet Trug."

Fußnoten

  1. 1 bed.: Gott des Goldes (und Reichtums)
  2. 2 o.: leeres
  3. 3 d. h.: sein Inneres
  4. 4 eigtl.: du verminderst das Nachsinnen angesichts Gottes, <des Starken>.
  5. 5 und schuldig
  6. 6 o.: an dich gerissen
  7. 7 eigtl.: das nicht bei uns wäre; o.: das wir nicht schon innehaben <und kennen>
  8. 8 o.: und [unser] in Sanftmut bei dir geredetes Wort.
  9. 9 eigtl.: deinen Hauch; deinen Geist
  10. 10 und makellos
  11. 11 o.: aufgespart
  12. 12 o.: erspäht für das Schwert.
  13. 13 D. h., seine Felder werden nicht ertragreich sein.
  14. 14 d. i.: Gottes
  15. 15 näml.: das Nichtige, das Unheil
  16. 16 d. h.: Er wird unfruchtbar sein.