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Altes Testament

Hiob Kapitel 36

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Elihu antwortete [weiter]. Er sagte:
2"Warte mir ein wenig, und ich will dir's kundtun, denn es sind für Gott noch [weitere] Worte da.
3Von weither will ich mein Wissen holen und meinem Schöpfer1 Gerechtigkeit zukommen lassen2.
4Ja, wahrlich, nicht Lüge sind meine Worte; einer, der an Wissen vollkommen ist, [steht] vor dir.
5Siehe! Der Starke ist mächtig - und doch verachtet er keinen. Er ist mächtig an Kraft des Herzens3.
6Nicht hält er den Ehrfurchtslosen am Leben, er gibt den Gebeugten <das> Recht.
7Er wendet seine Augen vom Gerechten nicht ab. Mit Königen auf dem Thron lässt er sie sitzen4 für immer; sie werden erhöht5.
8Und wenn sie mit Fesseln gebunden sind, in Stricken des Elends gefangen,
9tut er ihnen ihr Tun kund und ihre Vergehen, dass sie sich übermütig6 verhielten.
10Er öffnet ihr Ohr für die Zucht7, sagt, dass sie umkehren sollen vom Unrecht.
11Wenn sie hören und sich unterwerfen, vollenden sie ihre Tage im Guten8 und ihre Jahre in Annehmlichkeit.
12Wenn sie nicht hören, rennen sie in den Wurfspieß9 und verscheiden im Unverstand.
13Doch die von ruchlosem Herzen hegen Zorn, rufen nicht <um Hilfe>, wenn er sie fesselt.
14Ihre Seele stirbt in der Jugend und ihr Leben unter den Geweihten10.
15Die Elenden rettet er im Elend, und in Drangsal11 öffnet er ihr Ohr.
16Und auch dich würde er weglocken vom Rachen der Bedrängnis in einen weiten Raum, wo keine Enge mehr ist. Und dein behaglicher Tisch wäre voll fettreicher [Speise].12
17Bist du aber erfüllt mit dem Urteil über den Ehrfurchtslosen, werden Urteil und Rechtsspruch [dich] ergreifen.
18Dass die Grimmglut dich nur nicht zum Höhnen anstiftet und die Menge des Lösegeldes dich nur nicht verleitet!
19Soll dein Rufen dich aus der Bedrängnis führen, alle [deine] Kraftanstrengungen?
20Sehne nicht die Nacht13 herbei, wo [ganze] Völkerschaften hinschwinden14 von [ihrer] Stätte.
21Hüte dich! Wende dich nicht dem Bösen zu, dass du es eher wähltest als das Leiden.
22Sieh! Der Starke waltet erhaben in seiner Kraft. Wo ist ein Lehrer wie er?
23Wer will ihn zur Rede stellen betreffs seines Weges? Und wer will zu ihm sagen: 'Du hast Unrecht getan.'?
24Denke daran, zu erheben sein Tun, das die Menschen besingen.
25Alle Menschen weiden sich daran15, der Sterbliche erblickt es von fern.
26Sieh! Der Starke ist hoch erhaben - wir fassen es nicht - und die Zahl seiner Jahre - unerforschlich ist sie.
27Ja, er holt Wassertropfen hervor. Sie ergießen sich tropfenweise, infolge seines Nebeldunstes16, als Regen,
28den die Wolken niederrieseln, auf viele Menschen herabtropfen lassen.
29Versteht man denn gar die Ausbreitungen des Gewölks, das Donnerkrachen seines Zeltes?
30Siehe! Sein Licht17 breitet er um sich aus, er bedeckt die Gründe des Meeres.
31Ja, damit18 richtet er die Völkerschaften, gibt Nahrungsmittel in Fülle.
32Er nimmt seine beiden Handschalen19 voll Blitz20 und entbietet ihn gegen den, den er ihn treffen lassen will.
33Sein Getöse kündigt ihn an, das Vieh sogar, dass er heranzieht."

Fußnoten

  1. 1 w.: meinem Wirker; dem, der mich [kunstvoll] gewirkt hat
  2. 2 d. h.: zeigen, dass er gerecht ist; Grundbed.: Gerechtigkeit geben.
  3. 3 o.: Verstandes; Denksinnes
  4. 4 eigtl.: macht er sie sitzen
  5. 5 o.: ... sitzen, und sie werden für immer erhöht <und erhaben> sein.
  6. 6 und überheblich
  7. 7 und Warnung
  8. 8 i. S. v.: im Glück
  9. 9 o.: ins Geschoss; ins Messer; Hi 33,18.
  10. 10 D. s. männliche Tempelprostituierte.
  11. 11 o.: durch die Bedrückung; durch den Druck
  12. 12 w.: Und die Behaglichkeit deines Tisches wäre voll von Fett.
  13. 13 d. i.: die Nacht des Gerichts
  14. 14 Grundbed.: auffahren; aufsteigen
  15. 15 o.: und bewundern es
  16. 16 o.: durch seinen Nebeldunst
  17. 17 d. h.: Seinen Blitz
  18. 18 näml. mit den Ausbreitungen des Gewölks (V. 29)
  19. 19 eigtl.: Er bedeckt seine Handflächen
  20. 20 Grundbed.: Licht