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Altes Testament

Hiob Kapitel 31

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1"Einen Bund machte ich mit meinen Augen1; was sollte ich da achthaben auf eine Jungfrau?2
2Und was wäre das Losteil Gottes von oben, das Erbteil des Allmächtigen aus den Höhen?
3Trifft nicht Unglück den Niederträchtigen und Ungemach die Übeltäter?
4Sieht nicht er meine Wege, zählt [nicht er] all meine Schritte?
5Wenn ich je mit Falschheit umging, mein Fuß zum Truge eilte
6- (Er wäge mich auf rechter Waage, Gott erkenne meine Unsträflichkeit!) -,
7wenn je mein Schritt vom Weg abbog und mein Herz meinen Augen folgte und an meinen Handflächen ein Makel kleben blieb:
8<Dann> möge ich säen und ein anderer essen, und meine Sprösslinge ausgewurzelt werden!
9Wenn je mein Herz sich betören3 ließ wegen einer Frau, dass ich an der Tür meines Nächsten lauerte,
10<dann> soll meine Frau für einen andern mahlen und sollen andere sich auf sie niederbeugen!
11Fürwahr, eine Schandtat wäre das und eine Schuld, die vor die Richter [gehört]!
12Ja, ein Feuer wär's, das bis zum Abgrund fräße und all meinen Ernteertrag entwurzeln4 müsste!
13Wenn ich je missachtete das Recht meines Knechtes und meiner Magd in ihrem Rechtsstreit mit mir,
14was wollte ich <dann> tun, wenn Gott sich erhöbe, und was ihm antworten, wenn er untersuchte!
15Hat nicht der, der im Mutterleib mich machte, [auch] ihn gemacht? Und hat nicht einer im Mutterschoß uns bereitet?
16Wenn5 ich je verweigerte den Wunsch der Armen, verschmachten ließ die Augen der Witwe
17und meinen Bissen allein aß, sodass die Waise nicht davon essen konnte
18(ist sie doch bei mir groß geworden von meiner Jugend an wie bei einem Vater, und von Mutterleib an leitete ich sie);
19wenn ich je einen Umkommenden sah, ohne Kleider, und einen Armen, wie er keine Decke hatte,
20wenn mich nicht segneten seine Lenden6 und er sich nicht wärmen durfte mit der Wolle meiner Lämmer;
21wenn ich je meine Hand schwang gegen eine Waise, weil ich im Tor meinen [Rechts]beistand sitzen sah7:
22<so> falle meine Achsel8 vom Schulterblatt9 und breche mein Arm aus seinem Schaft10!
23Ja, ein Schrecken sei mir das Unheil seitens Gottes, <des Starken>, und vor seiner Hoheit möge ich nicht bestehen!
24Wenn11 ich je Gold zu meinem Vertrauen12 machte und zum Feingold sagte: 'Meine Zuversicht!',
25wenn ich je mich freute, dass mein Reichtum groß geworden war und meine Hand Ansehnliches gefunden hat;
26wenn ich je das <Sonnen>licht ansah, wie es glänzt, und den Mond, wie er prächtig geht,
27und sich <dann> mein Herz im Geheimen betören13 ließ, mein Mund meine Hand huldigend küsste:
28auch das wäre eine Schuld, die vor die Richter [gehört] - ich hätte ja verleugnet den Starken droben!
29Wenn ich je mich freute am Unglück meines Hassers und mich ergötzte, als Böses ihn traf
30(nie erlaubte ich es meinem Gaumen14 zu sündigen, seine Seele zu verwünschen mit einem Eid15);
31wenn meine Zeltgenossen16 nicht sagten: 'Wo gäbe es einen, der nicht satt geworden wäre von seinem Fleisch?'
32(der Fremdling musste nicht draußen übernachten; dem Wanderer öffnete ich meine Tür);
33wenn ich je, wie Adam, meine Übertretungen zudeckte, um meine Schuld zu verbergen in meiner Brust,
34weil ich etwa gefürchtet hätte das große Getümmel und die Ächtung von Seiten der Sippen mich abgeschreckt hätte, sodass ich mich still verhalten hätte und nicht zur Tür hinausgegangen wäre ...
35(Ach, hätte ich einen, der mich anhört! Siehe! - [hier ist] meine Unterschrift17. Der Allmächtige antworte mir! Oder [hätte ich] die Schrift, die mein Rechtsgegner18 geschrieben hat!
36Wahrlich, auf meine Schulter würde ich sie legen, wie eine Krone19 sie mir umbinden.
37Ich würde ihm die Zahl meiner Schritte kundtun, wie ein Führer mich ihm nahen!);
38wenn je mein Erdboden gegen mich Anklage erhob20 und seine Furchen allesamt weinten,
39wenn ich seinen Ernteertrag verzehrte, ohne zu zahlen, und die Seele21 seiner Vorbesitzer zum Keuchen brachte22:
40<dann> soll Dornengestrüpp aufgehen statt Weizen und stinkendes Unkraut23 statt Gerste!" Zu Ende sind die Reden Hiobs.

Fußnoten

  1. 1 eigtl.: schrieb ich meinen Augen vor
  2. 2 o.: die Aufmerksamkeit auf eine Jungfrau richten; mich nach einer Jungfrau umsehen; vgl. 1Kön 3,21; Ps 37,10.
  3. 3 o.: verleiten; umgarnen
  4. 4 d. h.: samt Stumpf und Stiel verzehren
  5. 5 Die Reihe von "wenn" (V. 16-21) bildet jeweils die erste Hälfte eines Schwursatzes; er wird schließlich mit "so" (V. 22) fortgesetzt und abgeschlossen.
  6. 6 d. h.: seine von mir bekleideten Lenden
  7. 7 und ich dadurch die sichere Aussicht hatte, gegen sie vor Gericht Recht zu bekommen
  8. 8 mitsamt Oberarm
  9. 9 und vom Nacken
  10. 10 o.: aus seinem Gelenk (d. i.: dem Schultergelenk); w.: aus seiner Röhre
  11. 11 Die Reihe von "wenn" (V. 24-39) bildet jeweils die erste Hälfte eines Schwursatzes; er wird mit "dann" (V. 40) fortgesetzt und abgeschlossen.
  12. 12 d. h.: zum Gegenstand meines Vertrauens
  13. 13 o.: verleiten; verlocken
  14. 14 i. S. v.: meiner Zunge
  15. 15 i. S. v.: einem Fluch; gemeint ist ein Eid, bei dem über den Vertragsbrecher eine Beschwörung ausgesprochen wird.
  16. 16 w.: die Leute meines Zeltes
  17. 17 d. h.: meine mit der Unterschrift versehene, beglaubigte Verteidigungsschrift.
  18. 18 o.: mein Kläger
  19. 19 o.: wie ein Kronenwerk; eigtl.: eine aus mehreren Kränzen (o. Diademen) bestehende Krone (im Heb. Mehrzahl); vgl. Offb 19,12.
  20. 20 eigtl.: (um Rache o. um Hilfe) rief
  21. 21 d. h.: das Leben
  22. 22 und ausblies; o.: aushauchen machte
  23. 23 o.: Taumellolch