Altes Testament
Hiob Kapitel 6
Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022
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1Hiob antwortete und sagte:
2"O würde doch gewogen mein Gram und mein beschwerliches Leiden auf die Waagschale gelegt!
3Ja, jetzt ist es schwerer als der Sand der Meere, weshalb meine Worte unbedacht waren.
4Ja, Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist trinkt ihr grimmiges [Gift]1. Die Schrecken Gottes stellen sich in Schlachtordnung gegen mich auf.
5Schreit ein Wildesel bei frischer Grasweide? Oder brüllt ein Rind bei seinem Futterkorn?
6Isst man Fades ohne Salz? Oder ist im Burzel-Schleim Geschmack?2
7Meine Seele sträubt sich, es anzurühren. Es ist wie verdorbene Speise3.
8Käme doch, was ich bitte! Gäbe doch Gott, worauf ich hoffe!
9Dass es doch Gott gefiele4, mich zu zermalmen! Dass er doch seine Hand löste5, mich abschnitte!
10<So> könnte ich mich noch trösten, in dem schonungslosen Schmerz frohlocken, dass ich nicht verleugnet habe die Worte des Heiligen!
11Was ist meine Kraft, dass ich harren, was mein Ende, dass ich mich gedulden sollte?
12Ist denn meine Kraft die Kraft von Steinen? Und ist mein Fleisch aus Erz?
13Ist es nicht so, dass keine Klugheit in mir ist und Rettung fortgestoßen ist, ferne von mir?
14Dem Verzagten6 [gebührt] von seinem Freund Güte7, [sonst] verlässt er die Furcht des Allmächtigen.8
15Meine Brüder handeln treulos9 wie ein Sturzbach, wie das Bett von Sturzbächen, die verrinnen,
16die getrübt sind vom Eis[wasser], in denen der Schnee sich verbirgt.
17In der Zeit, da sie erwärmt werden, verschwinden sie. Wenn es heiß wird, sind sie ausgelöscht, fort von ihrer Stelle.
18Es winden sich die Bahnen ihres Laufs; sie ziehen hinauf ins Leere, verlieren sich10.
19Die Karawanen von Tema hielten Ausschau nach ihnen, die Reisezüge von Saba hofften auf sie.
20Sie wurden beschämt, weil sie [auf sie] vertraut hatten. Sie kamen bis dahin11 und wurden enttäuscht.
21Ja denn, so seid ihr jetzt ein Nichts geworden; ihr seht das Schreckliche12 und erschaudert.
22Hatte ich je gesagt: 'Gebt mir etwas!', oder: 'Macht von eurem Vermögen ein Geschenk für mich13!
23'Rettet mich aus der Hand des Bedrängers! Kauft mich frei aus der Hand der Tyrannen!'?
24Unterweist mich, und ich will schweigen, und lasst mich verstehen, worin ich irrte!
25Wie schneidend sind Worte der Geradheit!14 Aber was bringt die Zurechtweisung von euch zurecht?
26Gedenkt ihr etwa, Worte zu bekritteln? Sind [euch] des Verzweifelnden Reden Wind?
27Ja, selbst um die Waise würdet ihr das Los werfen! Euren Freund würdet ihr verschachern!
28Und nun, tut mir den Gefallen15, wendet euch mir zu! Sollte ich euch ins Angesicht lügen?
29O kehrt euch her! Tut nicht Unrecht.16 Ja, kehrt euch her! Noch bin ich hier im Recht17.
30Ist Unrecht auf meiner Zunge? Oder sollte mein Gaumen18 Ehrfurchtsloses nicht merken?"
2"O würde doch gewogen mein Gram und mein beschwerliches Leiden auf die Waagschale gelegt!
3Ja, jetzt ist es schwerer als der Sand der Meere, weshalb meine Worte unbedacht waren.
4Ja, Pfeile des Allmächtigen stecken in mir, mein Geist trinkt ihr grimmiges [Gift]1. Die Schrecken Gottes stellen sich in Schlachtordnung gegen mich auf.
5Schreit ein Wildesel bei frischer Grasweide? Oder brüllt ein Rind bei seinem Futterkorn?
6Isst man Fades ohne Salz? Oder ist im Burzel-Schleim Geschmack?2
7Meine Seele sträubt sich, es anzurühren. Es ist wie verdorbene Speise3.
8Käme doch, was ich bitte! Gäbe doch Gott, worauf ich hoffe!
9Dass es doch Gott gefiele4, mich zu zermalmen! Dass er doch seine Hand löste5, mich abschnitte!
10<So> könnte ich mich noch trösten, in dem schonungslosen Schmerz frohlocken, dass ich nicht verleugnet habe die Worte des Heiligen!
11Was ist meine Kraft, dass ich harren, was mein Ende, dass ich mich gedulden sollte?
12Ist denn meine Kraft die Kraft von Steinen? Und ist mein Fleisch aus Erz?
13Ist es nicht so, dass keine Klugheit in mir ist und Rettung fortgestoßen ist, ferne von mir?
14Dem Verzagten6 [gebührt] von seinem Freund Güte7, [sonst] verlässt er die Furcht des Allmächtigen.8
15Meine Brüder handeln treulos9 wie ein Sturzbach, wie das Bett von Sturzbächen, die verrinnen,
16die getrübt sind vom Eis[wasser], in denen der Schnee sich verbirgt.
17In der Zeit, da sie erwärmt werden, verschwinden sie. Wenn es heiß wird, sind sie ausgelöscht, fort von ihrer Stelle.
18Es winden sich die Bahnen ihres Laufs; sie ziehen hinauf ins Leere, verlieren sich10.
19Die Karawanen von Tema hielten Ausschau nach ihnen, die Reisezüge von Saba hofften auf sie.
20Sie wurden beschämt, weil sie [auf sie] vertraut hatten. Sie kamen bis dahin11 und wurden enttäuscht.
21Ja denn, so seid ihr jetzt ein Nichts geworden; ihr seht das Schreckliche12 und erschaudert.
22Hatte ich je gesagt: 'Gebt mir etwas!', oder: 'Macht von eurem Vermögen ein Geschenk für mich13!
23'Rettet mich aus der Hand des Bedrängers! Kauft mich frei aus der Hand der Tyrannen!'?
24Unterweist mich, und ich will schweigen, und lasst mich verstehen, worin ich irrte!
25Wie schneidend sind Worte der Geradheit!14 Aber was bringt die Zurechtweisung von euch zurecht?
26Gedenkt ihr etwa, Worte zu bekritteln? Sind [euch] des Verzweifelnden Reden Wind?
27Ja, selbst um die Waise würdet ihr das Los werfen! Euren Freund würdet ihr verschachern!
28Und nun, tut mir den Gefallen15, wendet euch mir zu! Sollte ich euch ins Angesicht lügen?
29O kehrt euch her! Tut nicht Unrecht.16 Ja, kehrt euch her! Noch bin ich hier im Recht17.
30Ist Unrecht auf meiner Zunge? Oder sollte mein Gaumen18 Ehrfurchtsloses nicht merken?"
Fußnoten
- 1 w.: ihre Grimmglut
- 2 o.: ist im Burzel-Schleim Geschmack zu finden? (Gemeint ist wahrsch. das Burzelkraut, dessen Blume beim Verblühen sich gallertartig auflöst. Dieser Schleim ist geschmacklos und keine Delikatesse. Vgl. F. Delitzsch, Biblischer Kommentar.)
- 3 o.: wie krankes Brot; eigtl.: wie die Sieche (d. i.: die durch den Zersetzungsprozess stinkenden Teile) meiner Speise.
- 4 o.: dass Gott sich doch entschließen würde
- 5 d. i.: seine gleichsam gebundene, untätige Hand ausstreckte
- 6 o.: Dem Verzweifelten; das Hauptwort kommt im Heb. nur hier vor; es wird abgeleitet von dem heb. Zeitwort für auflösen; schmelzen; dahinschwinden; vergehen; den Mut verlieren; verzagen.
- 7 <und Treue>; chäsäd ist die in Treue erwiesene Güte; hier a.: Wohlwollen; Barmherzigkeit; Milde.
- 8 o.: Wer dem Nächsten die Güte [und Treue] versagt (eigtl.: auflöst; schmelzen lässt), der verlässt die Furcht des Allmächtigen. (Beide Üsgn. sind unsicher.)
- 9 und tückisch
- 10 d. h.: sie verdunsten.
- 11 d. h.: bis zu den versiegten Bächen
- 12 näml.: Hiobs Leidenszustand
- 13 näml.: um den göttlichen Richter zu bestechen.
- 14 o.: Wie wirksam (und eindringlich) sind aufrichtige Worte!
- 15 o.: entschließt euch; lasst es euch gefallen
- 16 o.: Lasst nicht Unrecht geschehen.
- 17 w.: Noch ist meine Gerechtigkeit darin.
- 18 o.: mein inneres Geschmacksvermögen