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Altes Testament

Hiob Kapitel 16

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Hiob antwortete und sagte:
2"Derlei habe ich oft gehört. Leidige Tröster seid ihr alle!
3Haben etwa ein Ende die windigen Worte? Oder was reizt dich1, dass du entgegnest?
4Auch ich könnte reden wie ihr (wäre eure Seele anstelle meiner Seele), könnte schöntun mit Worten über euch2, könnte meinen Kopf über euch nicken3,
5euch Mut zusprechen mit meinem Mund. Das Beileid meiner Lippen würde lindern4.
6Wenn ich rede, wird mein Schmerz nicht gelindert! Und wenn ich es unterlasse: Was [vom Schmerz] weicht dann von mir?
7Doch jetzt: Er5 hat mich erschöpft. - Meinen ganzen Hausstand hast du verwüstet!
8Zusammenschrumpfen hast du mich lassen6! Zum Zeugen wurde es [gegen mich]. Mein Abgemagertsein7 tritt gegen mich auf, zeugt mir ins Angesicht.
9Sein Zorn zerfleischt mich, feindet mich an; er knirscht mit den Zähnen gegen mich. Als mein Feind wetzt er die Augen gegen mich.
10Sie reißen ihren Mund gegen mich auf, mit Höhnen schlagen sie mich auf die Wangen, rotten sich zusammen gegen mich.
11Der Starke gibt <frechen> Burschen mich preis, in die Hände von Ehrfurchtslosen stürzt er mich.
12Ich war sorgenfrei, da schreckte er mich auf, packte mich beim Nacken und zerschmetterte mich. Er stellte mich für sich als Zielscheibe auf,
13seine Geschosse umschwirren mich. Er spaltet meine Nieren, zeigt kein Erbarmen; er schüttet meine Galle zur Erde.
14Er durchbricht in mir Bresche an Bresche, rennt gegen mich an wie ein Kriegsheld.
15Sacktuch nähte ich auf meine Hautkruste und mein Horn8 steckte ich in den Staub.
16Mein Angesicht glüht vom Weinen; auf meinen Wimpern liegt Todesschatten,
17obgleich kein Unrecht9 in meinen Händen und mein Gebet lauter ist.
18O Erde, decke mein Blut nicht zu! Und für meine Wehklage sei kein Ruheort da!
19<Aber> auch jetzt [noch] - siehe! - ist in den Himmeln mein Zeuge und mein Mitwisser ist in den Höhen.
20Meine Freunde spotten über mich. Zu Gott blickt tränend mein Auge,
21dass er Recht schaffe dem Mann bei Gott und [entscheide] zwischen dem Menschenkind und seinem Gefährten,
22denn es kommen nur [noch] wenige Jahre, <dann> gehe ich den Weg, den ich nicht zurückkehren werde."

Fußnoten

  1. 1 o.: was stachelt dich; was bringt dich auf
  2. 2 o.: schöne Worte über euch formulieren (w.: zusammenflechten; knüpfen)
  3. 3 o.: euch zunicken
  4. 4 i. S. v.: würde euch Linderung bringen; o.: würde euren Schmerz lindern.
  5. 5 d. i.: Gott
  6. 6 o.: Gepackt <und gefesselt> hast du mich
  7. 7 o.: mein Dahinsiechen
  8. 8 "Horn" steht poetisch für Macht und Ehre.
  9. 9 o.: keine Gewalttat