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Altes Testament

Hiob Kapitel 19

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Hiob antwortete und sagte:
2"Wie lange wollt ihr meine Seele plagen und mich mit Worten zermalmen?
3Zehnmal nun schmähtet ihr mich, ihr schämt euch nicht und setzt mir hart zu.1
4Und hätte ich mich wirklich geirrt, so ruhte mein Irrtum [allein] bei mir2.
5Wollt ihr wirklich gegen mich großtun3 und mir meine Schande vorhalten,
6so erkennt denn, dass Gott mich gebeugt hat [im Recht] und mich mit seinem Fangnetz umgarnt.
7Siehe! Ich rufe: 'Gewalttat!', und bekomme keine Antwort. Ich flehe <um Hilfe> und [finde] kein Recht.
8Meinen Weg hat er vermauert. Ich kann nicht weiter. Auf meine Pfade legt er Finsternis.
9Meine Herrlichkeit zog er mir aus, nahm die Krone meines Hauptes mir weg.
10Er zerstört mich ringsum, ich vergehe; wie einen Baum hebt er meine Hoffnung aus.
11Sein Zorn ist gegen mich entbrannt, er achtet mich wie einen seiner Feinde.
12Miteinander kamen seine Kriegstruppen, bahnten ihren Weg gegen mich und lagerten sich rings um mein Zelt.
13Meine Brüder entfernte er von mir, ganz fremd wurden mir meine Bekannten.
14Meine Nächsten4 stehen ab, meine Vertrauten haben mich vergessen.
15Meine Hausleute und Mägde achten mich für einen Gast, ein Fremder wurde ich in ihren Augen.
16Ich rufe meinen Knecht, er antwortet nicht; mit meinem Mund muss ich ihn anflehen5.
17Mein Atem ist meiner Frau fremd6 und mein Gestank den Söhnen meines Leibes7.
18Selbst die Burschen verachten mich; stehe ich auf, so reden sie über mich.
19Alle meine Vertrauten8 verabscheuen mich; die ich liebe, haben sich gegen mich gewandt.
20An meiner Haut und meinem Fleisch klebt mein Gebein; nur mit der Haut meiner Zähne9 bin ich entkommen.
21Erbarmt euch über mich! Erbarmt euch über mich, meine Freunde, denn die Hand Gottes hat mich angerührt.
22Warum verfolgt ihr mich wie der Starke10 und werdet meines Fleisches nicht satt?
23O dass meine Worte aufgeschrieben würden! O dass sie in ein Buch gezeichnet würden,
24mit eisernem Griffel und Blei in den Felsen gehauen auf ewig!
25Und ich, ich weiß: Mein Erlöser lebt! Und er wird als Letzter11 auf dem Staube stehen12.
26Und nachdem meine Haut dermaßen zerschunden wurde, werde ich, meines Fleisches entledigt, Gott schauen -
27ihn, den ich schauen werde für mich13. Ja, meine Augen werden's sehen und nicht [die] eines Fremden14; ja, es schmachten meine Nieren in meinem Schoß15.
28Wenn ihr sagt: 'Wie können wir ihn verfolgen?!', und [meint], die Wurzel der Sache sei in mir zu finden,
29so sei euch selbst bange vor dem Schwert (denn Grimmglut ist ein Vergehen, das des Schwertes <schuldig ist>), damit ihr erkennt: Es gibt ein Gericht16!"

Fußnoten

  1. 1 o.: schamlos [redend] erregt ihr mir Verwunderung (o.: behandelt ihr mich beleidigend).
  2. 2 o.: so wäre meine Verfehlung meine eigene Sache.
  3. 3 o.: über mich triumphieren
  4. 4 eigtl.: Gefährten
  5. 5 o.: muss ich flehentlich seine Gunst erbitten.
  6. 6 o.: widerlich
  7. 7 eigtl.: den Söhnen meines Mutterschoßes (der mich getragen hatte); also: seinen leiblichen Brüdern.
  8. 8 eigtl.: alle Männer meines vertrauten Umgangs
  9. 9 d. h.: nur mit knapper Not
  10. 10 o.: wie der starke Gott (heb. El)
  11. 11 o.: als Späterer; als danach Auftretender
  12. 12 o.: über dem Staube stehen (o.: auftreten).
  13. 13 o.: mir zugut
  14. 14 o.: und nicht ein Fremder
  15. 15 d. h.: in meinem Innern
  16. 16 Die Üsg. des heb. Wortes (die von den Masoreten gelesene Form: schaddun; der überlieferte Konsonantentext: schaddijn) ist nicht gesichert; vmtl. eine Zusammensetzung zweier Wörter; and. vermuten eine alte Form von Schaddai (schaddajan, "Mächtiger").