Altes Testament
Hiob Kapitel 29
Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022
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1Hiob fuhr fort und hob seinen Spruch an und sagte:
2"Ach, wäre ich wie in den früheren Monaten, in den Tagen, als Gott mich behütete,
3als seine Leuchte über meinem Haupt schien, bei seinem Licht ich Finsternis durchwandelte;
4wie ich war in den Tagen meines Herbstes1, als Gottes vertrauter Rat über meinem Zelt [waltete],
5als der Allmächtige noch mit mir war, meine Jungen2 rings um mich her waren,
6als meine Schritte sich badeten in Dickmilch3 und der Fels neben mir Bäche von Öl ergoss!
7Ging ich aus, nach dem Tor hin4, hinauf in die Stadt, stellte ich auf dem Platz meinen Sitz auf,
8so verbargen sich die Jungen, als sie mich sahen; und die Alten erhoben sich, blieben stehen.
9Die Obersten hielten die Worte zurück und legten die Hand5 auf ihren Mund.
10Die Stimme der Führenden verstummte, ihre Zunge blieb kleben an ihrem Gaumen;
11denn wenn ein Ohr [mich] hörte, pries es mich selig, [wenn] ein Auge [mich] sah, legte es Zeugnis für mich ab,
12denn ich befreite den Gebeugten, der <um Hilfe> rief, und den Verwaisten, der keinen Beistand hatte.
13Der Segenswunsch des Umkommenden kam über mich, das Herz der Witwe machte ich jubeln.
14Ich kleidete mich in Gerechtigkeit; und wie Oberkleid und wie Kopfbund schmückte mich mein Rechttun6.
15Dem Blinden wurde ich Auge, dem Lahmen wurde ich Fuß.
16Ein Vater war ich für Bedürftige. Ich untersuchte die Rechtssache dessen, den ich nicht kannte.
17Ich zerbrach die Kinnlade des Niederträchtigen und riss ihm den Raub aus den Zähnen.
18Und ich sagte: 'Bei meinem Nest7 werde ich <einst> verscheiden, werde meine Tage zahlreich machen wie Sand8.
19Meine Wurzel wird offen sein zum Wasser hin, auf meinen Zweigen wird Tau ruhen.
20Meine Herrlichkeit9 wird frisch bleiben an mir, mein Bogen wird sich verjüngen in meiner Hand.'
21Man hörte mir zu und wartete und lauschte still auf meinen Rat.
22Nach meinem Wort sprach man nicht dagegen und meine Rede troff auf sie herab.
23Sie warteten auf mich wie auf den Regen, wie nach Spätregen sperrten sie ihren Mund auf.
24Ich lächelte ihnen zu, wenn der Mut ihnen fehlte10, und sie trübten nicht das Licht meines Angesichts.
25Ich wählte den Weg für sie aus und saß als Haupt und thronte wie ein König in der Kriegstruppe, wie einer, der Trauernde tröstet."
2"Ach, wäre ich wie in den früheren Monaten, in den Tagen, als Gott mich behütete,
3als seine Leuchte über meinem Haupt schien, bei seinem Licht ich Finsternis durchwandelte;
4wie ich war in den Tagen meines Herbstes1, als Gottes vertrauter Rat über meinem Zelt [waltete],
5als der Allmächtige noch mit mir war, meine Jungen2 rings um mich her waren,
6als meine Schritte sich badeten in Dickmilch3 und der Fels neben mir Bäche von Öl ergoss!
7Ging ich aus, nach dem Tor hin4, hinauf in die Stadt, stellte ich auf dem Platz meinen Sitz auf,
8so verbargen sich die Jungen, als sie mich sahen; und die Alten erhoben sich, blieben stehen.
9Die Obersten hielten die Worte zurück und legten die Hand5 auf ihren Mund.
10Die Stimme der Führenden verstummte, ihre Zunge blieb kleben an ihrem Gaumen;
11denn wenn ein Ohr [mich] hörte, pries es mich selig, [wenn] ein Auge [mich] sah, legte es Zeugnis für mich ab,
12denn ich befreite den Gebeugten, der <um Hilfe> rief, und den Verwaisten, der keinen Beistand hatte.
13Der Segenswunsch des Umkommenden kam über mich, das Herz der Witwe machte ich jubeln.
14Ich kleidete mich in Gerechtigkeit; und wie Oberkleid und wie Kopfbund schmückte mich mein Rechttun6.
15Dem Blinden wurde ich Auge, dem Lahmen wurde ich Fuß.
16Ein Vater war ich für Bedürftige. Ich untersuchte die Rechtssache dessen, den ich nicht kannte.
17Ich zerbrach die Kinnlade des Niederträchtigen und riss ihm den Raub aus den Zähnen.
18Und ich sagte: 'Bei meinem Nest7 werde ich <einst> verscheiden, werde meine Tage zahlreich machen wie Sand8.
19Meine Wurzel wird offen sein zum Wasser hin, auf meinen Zweigen wird Tau ruhen.
20Meine Herrlichkeit9 wird frisch bleiben an mir, mein Bogen wird sich verjüngen in meiner Hand.'
21Man hörte mir zu und wartete und lauschte still auf meinen Rat.
22Nach meinem Wort sprach man nicht dagegen und meine Rede troff auf sie herab.
23Sie warteten auf mich wie auf den Regen, wie nach Spätregen sperrten sie ihren Mund auf.
24Ich lächelte ihnen zu, wenn der Mut ihnen fehlte10, und sie trübten nicht das Licht meines Angesichts.
25Ich wählte den Weg für sie aus und saß als Haupt und thronte wie ein König in der Kriegstruppe, wie einer, der Trauernde tröstet."
Fußnoten
- 1 d. h.: meiner Mannesreife
- 2 o.: Knechte; Diener
- 3 d. h.: in geronnener Milch; o.: Buttermilch
- 4 d. i.: zur Gerichtssitzung o. Ratsversammlung der Stadtältesten
- 5 o.: Handschale
- 6 o.: meine Rechtsausübung; mein Eintreten für das, was recht ist.
- 7 i. S. v.: Bei denen in meinem Nest; im Beisein der Meinen
- 8 o.: wie der Phönix (ein mythischer, sich stets verjüngender Vogel)
- 9 o.: Ehre
- 10 eigtl.: wenn sie nicht Vertrauen hatten.