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Altes Testament

Hiob Kapitel 33

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1"Doch nun, bitte höre, Hiob, meine Reden! Nimm zu Ohren alle meine Worte.
2Siehe nun! Ich habe meinen Mund aufgetan, es redet meine Zunge mir am Gaumen1.
3Geradheit meines Herzens [sind] meine Worte;2 und was meine Lippen wissen, reden sie lauter3.
4Der Geist4 des Starken hat mich gemacht, der Odem des Allmächtigen gibt mir Leben5.
5Kannst du, so gib mir [Antwort] zurück. Stelle dich vor mir auf6. Tritt her!
6Siehe! Ich bin vor dem Starken so viel wie du. Vom Lehm [nur] abgekniffen bin auch ich.
7Siehe! Mein Schrecken7 wird dich nicht befallen, mein Druck nicht <schwer> auf dir lasten.
8Du sagtest in meine Ohren - und den Laut deiner Worte höre ich [noch]:
9'Lauter bin ich, ohne Übertretung. Ich bin rein und habe keine Schuld.
10Siehe! Er sucht Feindseligkeit gegen mich, hält mich für seinen Feind,
11legt meine Füße in den Block, beobachtet alle meine Pfade.'
12Siehe! In diesem hast du nicht Recht, entgegne ich dir, denn Gott ist mehr8 als der Sterbliche.
13Warum wirfst du ihm vor, dass er keine Antwort gäbe auf alle seine Worte9?
14Vielmehr: der Starke redet auf eine Weise und auf eine zweite - und man achtet es nicht.
15Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fällt, im Schlummer, auf dem Lager,
16da öffnet er das Ohr der Menschen und besiegelt die ihnen [gegebenen] Züchtigungen10,
17um den Menschen abzuwenden von seinem Tun und den Mann fernzuhalten von Übermut11;
18um seine Seele zurückzuhalten von der Grube und sein Leben vom Rennen in den Spieß12.
19Und er wird gezüchtigt13 durch Schmerz auf seinem Lager mit unaufhörlichem Streit in seinen Gebeinen.
20Seinem Leben verleidet das Brot und seiner Seele die Lieblingsspeise14.
21Es schwindet sein Fleisch, sodass man keines mehr sieht, sodass seine Knochen, die man zuvor nicht sah, bloßgelegt werden.
22Und seine Seele naht der Grube und sein Leben den Todesboten15.
23Wenn dann ein Bote16 vorhanden ist zu seinen Gunsten, ein Mittler, einer aus tausend, um dem Menschen kundzutun seine Pflicht17,
24so wird er ihm gnädig sein und sagen: 'Mach ihn los, dass er nicht hinabfahre zur Grube! Gefunden habe ich ein Lösegeld.'18
25Sein Fleisch wird frischer19 sein als in der Jugend, er wird zurückkehren zu den Tagen seiner Jünglingskraft.
26Fleht er zu Gott, wird er an ihm Gefallen haben, und mit Jauchzen wird er sein Angesicht schauen. <So> lässt er dem Sterblichen wiederkehren seine Gerechtigkeit.
27Er singt den Leuten zu und sagt: 'Ich hatte gesündigt und das Gerade krumm gemacht, doch es wurde mir nicht vergolten20.
28Er hat meine Seele erlöst vom Hinfahren in die Grube, und mein Leben21 labt sich im Licht22.'
29Ja, das alles tut der Starke zweimal, dreimal mit dem Mann,
30um seine Seele abzuwenden von der Grube, damit sie erleuchtet werde mit dem Licht des Lebens23.
31Merke auf, Hiob! Höre mir zu. Schweige, und ich will reden.
32Hast du Worte, so entgegne mir. Rede! Ich will dir gern recht geben.
33Wenn nicht, so höre du mir zu. Schweige, und ich will dich Weisheit lehren."

Fußnoten

  1. 1 i. S. v.: in meiner Mundhöhle
  2. 2 o.: [Ausdruck der] Geradheit (o.: Aufrichtigkeit) meines Herzens sind meine Worte; vgl. Spr 8,8.
  3. 3 o.: unverfälscht
  4. 4 o.: Odem
  5. 5 und erhält mich am Leben.
  6. 6 o.: Rüste dich <zum Kampf> mit mir.
  7. 7 i. S. v.: Schrecken vor mir
  8. 8 und größer
  9. 9 d. h.: auf alle Worte des Menschen
  10. 10 o.: Verwarnungen
  11. 11 eigtl.: um den Übermut zu verhüllen (bzw.: zu entziehen) vor dem Mann.
  12. 12 i. S. v.: ins Messer (Grundbed.: Geschoss); ein bildlicher Ausdruck für das Umkommen.
  13. 13 o.: gemahnt
  14. 14 w.: die Speise des Gelüsts
  15. 15 w.: den Tötenden
  16. 16 Gemeint ist ein himmlischer Bote, ein Engel.
  17. 17 o.: das für ihn Rechte; o.: das, was ihm frommt
  18. 18 o.: Ich habe ein Lösegeld [für ihn] erhalten.
  19. 19 und kräftiger
  20. 20 d. h.: vergolten, wie ich es verdient hätte.
  21. 21 i. S. v.: meine lebende <Seele>
  22. 22 o.: wird <seine Lust> sehen am Licht.
  23. 23 o.: der Lebenden